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Antonius und Cleopatra

William Shakespeare: Antonius und Cleopatra - Kapitel 21
Quellenangabe
typetragedy
booktitleJulius Cäsar ? Antonius und Cleopatra ? Coriolanus
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Graf von Baudissin
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20633-X
titleAntonius und Cleopatra
pages85-88
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Achte Szene

Eine Ebene bei Actium

Cäsar, Taurus, Hauptleute und Gefolge treten auf

Cäsar.
Taurus! –

Taurus.
Herr?

Cäsar.
Kämpf nicht zu Lande; bleib geschlossen;
Biet nicht die Schlacht, bis sich's zur See entschied;
Nicht überschreite dieser Rolle Vorschrift!
Auf diesem Wurf steht unser Glück. (Gehn ab.)

Antonius und Enobarbus treten auf

Antonius.
Stellt unsre Scharen hinterm Hügel auf,
Im Angesicht von Cäsars Heer. Von dort
Läßt sich die Zahl der Segel übersehn
Und demgemäß verfahren. (Gehn ab.)

Von der einen Seite Canidius, mit seinen Landtruppen über die Bühne ziehend; von der andern Taurus, Cäsars Unterfeldherr. Nachdem sie vorbeimarschiert sind, hört man das Getöse einer Seeschlacht. Feldgeschrei. Enobarbus kommt zurück.

Enobarbus.
Schmach, Schmach! o Schmach! Ich kann's nicht länger sehn!
Die Antoniad', Ägyptens Admiralschiff,
Mit allen sechzgen flieht und kehrt das Ruder.-
Dies sehn verzehrt die Augen mir! –

Scarus tritt auf

Scarus.
O Götter und Göttinnen!
O Ratsversammlung aller Himmelsscharen! –

Enobarbus.
Warum so außer dir?

Scarus.
Das größre Eckstück dieser Welt, verloren
Durch baren Unverstand; wir küßten weg
Provinzen und Königreiche!

Enobarbus.
Wie schaut das Treffen?

Scarus.
Auf unsrer Seite wie gebeulte Pest,
Wo Tod gewiß. Die Schandmähr aus Ägypten –
– Der Aussatz treffe sie! In Kampfes Mitte,
Als Vorteil wie ein Zwillingspaar erschien,
Sie beide gleich, ja älter fast der unsre –
Die Brems auf ihr, wie eine Kuh im Junius,
Hißt alle Segel auf und flieht.

Enobarbus.
Ich sah's;
Mein Aug erkrankte, wie's geschah; nicht konnt es
Ertragen, mehr zu schaun.

Scarus.
Sie kaum gewandt,
Als ihres Zaubers edles Wrack, Antonius,
Die Schwingen spreitend wie ein brünstger Entrich,
Die Schlacht verläßt auf ihrer Höh, und fliegt
Ihr nach: –
Noch nimmer sah ich eine Tat so schmählich;
Erfahrung, Mannheit, Ehre hat noch nie
Sich selber so geschändet! –

Enobarbus.
Weh uns! weh! –

Canidius tritt auf.

Canidius.
Zur See ist unser Glück ganz außer Atem
Und sinkt höchst jammervoll. War unser Feldherr heut
Nur, wie er selbst sich kannte, ging es gut!
O, er hat Beispiel unsrer Flucht gegeben,
Höchst schmählich, durch die eigne! –

Enobarbus (beiseite).
Ho! steht die Sache so! Dann freilich heißt's
Gut Nacht.

Canidius.
Zum Peloponnes sind sie entflohn.

Scarus.
Der läßt sich bald erreichen; dort erwart ich,
Was weiter folgt.

Canidius.
Ich überliefre Cäsarn
Die Reiter und Legionen; schon sechs Kön'ge
Zeigten, wie man die Waffen streckt.

Enobarbus.
Noch will ich
Dem wunden Glück Antonius' folgen, hält
Vernunft schon mit dem Gegenwind die Richtung.

(Gehn ab.)

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