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Antonius und Cleopatra

William Shakespeare: Antonius und Cleopatra - Kapitel 19
Quellenangabe
typetragedy
booktitleJulius Cäsar ? Antonius und Cleopatra ? Coriolanus
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Graf von Baudissin
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20633-X
titleAntonius und Cleopatra
pages85-88
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Sechste Szene

Rom. Zimmer in Cäsars Hause

Es treten auf Cäsar, Agrippa und Mäcenas

Cäsar.
Rom zur Verhöhnung tat er dies und mehr.
In Alexandria (hier schreibt man mir's)
Thronten auf offnem Markt, vor allem Volk,
Cleopatra und er auf goldnen Stühlen
Und silbernem Gerüst: zu ihren Füßen
Cäsarion, meines Vaters Sohn genannt,
Und all die Bastardbrut, die ihre Lust
Seitdem erzeugt. Zur Herrschaft von Ägypten
Gab er ihr Cypern, Niedersyrien, Lydien,
Als einer unumschränkten Königin.

Mäcenas.
Dies vor den Augen alles Volks?

Cäsar.
Auf öffentlichem Platze, wo sie spielen,
Setzt' er zu Kön'gen über Kön'ge seine Söhne:
Großmedien, Parthien und Armenien
Gab er dem Alexander; Ptolemäus:
Syrien, Cilicien und Phönizien. Sie
Trug an dem Tag der Göttin Isis Kleid,
In dem sie oft zuvor, wie man erzählt,
Gehör erteilt.

Mäcenas.
Die Nachricht laßt in Rom verbreiten.

Agrippa.
Längst durch seinen Übermut
Verstimmt, wird es ihm seine Gunst entziehn.

Cäsar.
Das Volk erfuhr's und hat von ihm nun gleichfalls
Die Klag erhalten.

Agrippa.
Wen beschuldigt er?

Cäsar.
Cäsarn: zuerst, daß, als Sizilien wir
Pompejus nahmen, wir nicht abgeteilt
Für ihn die Hälfte: daß er Schiffe mir
Geliehn und nicht zurückerhielt; dann zürnt er,
Daß Lepidus aus dem Triumvirat
Entsetzt ward und wir auf sein ganz Vermögen
Beschlag gelegt.

Agrippa.
Darauf müßt Ihr erwidern.

Cäsar.
Das ist geschehn, ich sandte schon den Boten.
Lepidus, schrieb ich, sei zu grausam worden;
Gemißbraucht hab er seine hohe Macht,
Und diesen Fall verdient. Was ich erobert,
Das woll ich teilen; doch verlang ich auch
Ein Gleiches für Armenien und die andern
Besiegten Reiche.

Mäcenas.
Nimmer räumt er's ein.

Cäsar.
So wird das andre ihm nicht eingeräumt.

Octavia tritt auf.

Octavia.
Heil Cäsarn, meinem Herrn! Heil, teurer Cäsar!

Cäsar.
Daß ich dich je Verstoßne mußte nennen! –

Octavia.
Du nanntest nicht mich so, noch hast du Grund.

Cäsar.
Stahlst du dich heimlich nicht hieher? Du kommst nicht
Wie Cäsars Schwester! Des Antonius Weib
Mußt uns ein Heer anmelden, und das Wiehern
Der Rosse ihre Ankunft uns verkünden,
Lang, eh sie selbst erschien: die Bäum am Wege
Besetzt mit Menschen sein, Erwartung schmachten
In sehnlichem Verlangen; ja, der Staub
Mußte zum Dach des Himmels sich erheben,
Erregt vom Volksgewühl! allein du kommst
Gleich einer Bäurin her nach Rom, die Huldgung
Vereitelnd unsrer Gunst, die, nicht gezeigt,
Oft unempfunden bleibt. Begrüßen sollten
Zu Land und Meer wir dich, von Ort zu Ort
Mit neuem Prunk dich feiernd.

Octavia.
Teurer Bruder,
Nicht kam ich so, weil man mich zwang; ich tat's
Aus freier Wahl. Antonius, mein Gebieter,
Von deiner Rüstung hörend, gab mir Nachricht
Der bösen Zeitung; und sogleich begehrt ich
Urlaub zur Heimkehr.

Cäsar.
Den er gern gewährt,
Weil zwischen ihm und seiner Lust du standst!

Octavia.
O, sprich nicht so.

Cäsar.
Ich hab ein Aug auf ihn,
Mir bringt der Wind von seinem Tun die Kunde.
Wo ist er jetzt?

Octavia.
Noch in Athen, mein Bruder! –

Cäsar.
Nein, schwergekränkte Schwester. Cleopatra
Hat ihn zu sich gewinkt. Er gab sein Reich
An eine Metze, und nun werben sie
Der Erde Kön'ge für den Krieg. Ihm folgen
Bochus, König von Libyen; Archelaus
Von Cappadocien; Philadelphus, König
Von Paphlagonien; Thraciens Fürst Adallas;
Fürst Malchus von Arabien; der von Pontus;
Herodes von Judäa, Mithridat
Von Comagene: – Polemon und Amyntas,
Der Lykaonier und der Meder Fürsten,
Und noch viel andre Zepter.

Octavia.
Ach, ich Ärmste,
In deren Herz sich zwei Geliebte teilen,
Die bittre Feindschaft trennt! –

Cäsar.
Sei hier willkommen.
Nur deine Briefe hemmten noch den Ausbruch,
Bis wir zugleich erkannt, wie man dich täuschte
Und Säumnis uns gefährde. Sei getrost,
Dich kümmre nicht der Zeitlauf, dessen strenge
Notwendigkeit dein friedlich Glück bedroht.
Nein, schau den vorbestimmten Schicksalsgang
Jetzt ohne Tränen; sei gegrüßt in Rom
Teurer als je. Weit über alles Maß
Wardst du gekränkt; und die erhabne Gottheit
Macht, dich zu rächen, uns zu ihren Dienern
Und alle, die dich lieben. Sei getrost
Und tausendmal gegrüßt.

Agrippa.
Gegrü0t, Verehrte.

Mäcenas.
Gegrüßt, erhabne Frau;
Ganz Rom ist Euch ergeben und beklagt Euch;
Nur Mark Anton, im frechen Ehebruch
Und allem Greul vermessen, stößt Euch aus
Und gibt sein Zepter einer Buhlerin
Als Waffe wider uns.

Octavia.
Ist dies die Wahrheit?

Cäsar.
Nur zu gewiß. Willkommen Schwester; bitt dich,
Bleib standhaft und geduldig. – Liebste Schwester! –

(Alle ab.)

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