Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > William Shakespeare >

Antonius und Cleopatra

William Shakespeare: Antonius und Cleopatra - Kapitel 13
Quellenangabe
typetragedy
booktitleJulius Cäsar ? Antonius und Cleopatra ? Coriolanus
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Graf von Baudissin
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20633-X
titleAntonius und Cleopatra
pages85-88
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Siebente Szene

An Bord von Pompejus' Galeere

Musik. Es treten auf zwei oder drei Diener, die ein Bankett anrichten

Erster Diener.
Gleich werden sie hier sein, Kamrad; ein paar von diesen edlen Bäumen sind nicht mehr im Boden festgewurzelt, der kleinste Wind kann sie umwerfen.

Zweiter Diener.
Lepidus ist schon hochrot.

Erster Diener.
Der hat trinken müssen, wie keiner mehr mochte. –

Zweiter Diener.
Wie nur einer dem andern den wunden Fleck berührt, ruft er: «Haltet ein!» und macht, daß jeder sich seinen Friedensworten und er sich dem Becher ergibt.

Erster Diener.
Desto größerer Krieg erhebt sich zwischen ihm und seinen fünf Sinnen.

Zweiter Diener.
Das kommt dabei heraus, in großer Herren Gesellschaft Kamrad zu sein; ebenso gern hätte ich ein Schilfrohr, das mir nichts mehr nutzen kann, als eine Hellebarde, die ich nicht regieren könnte.

Erster Diener.
In eine große Sphäre berufen sein und darin nicht einmal bemerkt werden, nimmt sich aus wie Löcher, wo Augen sein sollten; was das Gesicht jämmerlich entstellt.

Eine Zinke wird geblasen. Es treten auf Cäsar, Antonius, Pompejus, Lepidus, Agrippa, Mäcenas, Enobarbus, Menas und andre Hauptleute.

Antonius (zum Cäsar).
So ist der Brauch; sie messen dort den Strom
Nach Pyramidenstufen; daran sehn sie
Nach Höhe, Tief und Mittelstand, ob Teurung,
Ob Fülle folgt. Je höher schwoll der Nil,
Je mehr verspricht er; fällt er dann, so streut
Der Sämann auf den Schlamm und Moor sein Korn
Und erntet bald nachher.

Lepidus.
Ihr habt seltsame Schlangen dort! –

Antonius.
Ja, Lepidus. –

Lepidus.
Eure ägyptische Schlange wird also durch die Kraft eurer Sonne aus eurem Schlamm ausgebrütet; so auch euer Krokodil? –

Antonius.
So ist's.

Pompejus.
Setzt Euch. – Mehr Wein! Auf Lepidus' Gesundheit.

Lepidus.
Mir ist nicht so wohl, als ich sein sollte, aber ich bin dabei.

Enobarbus.
So lange, bis Ihr einschläft; bis dahin bleibt Ihr gewiß nebenbei.

Lepidus.
Ja, das muß wahr sein, diese ptolemäischen Pyramichien, sagt man, sind allerliebste Dinger; in allem Ernst, das sagt man.

Menas (beiseite).
Ein Wort, Pompejus.

Pompejus.
Sag ins Ohr, was ist's?

Menas (beiseite).
Steh auf von deinem Sitz, ich bitt dich, Feldherr,
Und hör mich auf ein Wort.

Pompejus.
Wart noch ein Weilchen.
Den Wein für Lepidus.

Lepidus.
Was für 'ne Sorte von Geschöpf ist euer Krokodil?

Antonius.
Es hat eine Gestalt, Herr, wie es selbst, und ist so breit, als seine Breite beträgt; just so hoch, als es hoch ist, und bewegt sich mit seinen eignen Gliedern; es lebt von seiner Nahrung, und haben seine Elemente sich aufgelöst, so wird ein neues Wesen aus ihm.

Lepidus.
Was hat es für eine Farbe?

Antonius.
Auch seine eigentümliche Farbe.

Lepidus.
Ein kurioser Wurm! –

Antonius.
Allerdings. Und seine Tränen sind naß.

Cäsar.
Wird ihm diese Beschreibung genügen? –

Antonius.
Nach allen Gesundheiten, die Pompejus ihm bringt; sonst ist er ein wahrer Epikur.

Pompejus (beiseite zu Menas).
Geh mir und laß dich hängen! mit mir reden?
Geh, tu, wie ich dir hieß. Wo bleibt mein Becher?

Menas.
Hab ich dir Treu bewiesen, hör mich an
Und komm beiseit.

Pompejus.
Du bist nicht klug. Was willst du?

Menas.
Ich zog die Mütze stets vor deinem Glück...

Pompejus.
Du hast mir immer brav gedient: was weiter?
– Munter, ihr edlen Herrn!

Antonius.
Nehmt Euch in acht
Vor diesem Triebsand, Lepidus; Ihr sinkt! –

Menas.
Willst du Herr sein der ganzen Welt?

Pompejus.
Was sagst du?

Menas.
Willst Herr der ganzen Welt sein? Zweimal sagt ich's.

Pompejus.
Wie sollte das geschehn?

Menas.
Sei willig nur;
Und schein ich noch so arm, ich bin der Mann,
Der dir die ganze Welt gibt.

Pompejus.
Bist du trunken?

Menas.
Mein Feldherr, vor dem Becher wahrt ich mich;
Du bist, wenn du's nur wagst, der Erde Zeus,
Und was das Meer umgrenzt, der Himmel einfaßt,
Ist dein, wenn du's nur willst.

Pompejus.
So sag mir, wie? –

Menas.
Diese drei Weltenteiler, die Triumvirn,
Faßt unser Schiff; ich kappe jetzt das Tau,
Wir stoßen ab, ich greif an ihre Kehle,
Und dein ist alles.

Pompejus.
Ah! hättst du's getan
Und nichts gesagt! In mir ist's Büberei,
Von dir getreuer Dienst. Vergiß es nie,
Mein Vorteil nicht geht meiner Ehre vor,
Die Ehre ihm. Bereu es, daß dein Mund
So deine Tat verriet. Tatst du's geheim,
Dann hätt ich's, wenn's geschehn, als gut erkannt,
Doch nun muß ich's verdammen. – Vergiß und trink!

Menas.
Hinfort
Folg ich nie wieder deinem morschen Glück!
Wer sucht und greift nicht, was ihm einmal zuläuft,
Findet's nie wieder!

Pompejus.
Lepidus soll leben!

Antonius.
Tragt ihn ans Land; ich tu für ihn Bescheid.

Enobarbus.
Menas, dein Wohl!

Menas.
Willkommen, Enobarbus!

Pompejus.
Füllt bis zum Rand den Becher! –

Enobarbus.
Der Kerl hat Kräfte, Menas!

Menas.
Wie?

Enobarbus.
Da trägt er
Den dritten Teil der Welt: Mann, siehst du's nicht?

Menas.
Dies Dritteil also trunken! Wär's die ganze,
Sie drehte schneller um.

Enobarbus.
Dreh mit, und trinke drum! –

Menas.
So komm!

Pompejus.
Dies ist noch kein ägyptisch Fest!

Antonius.
Es kommt ihm doch schon nah. Stoßt an die Becher!
Der hier für Cäsar!

Cäsar.
Ich verbät es lieber;
's ist schwere Arbeit, mein Gehirn zu waschen;
Und es wird schmutzger.

Antonius.
Sei ein Kind der Zeit.

Cäsar.
Sei's drum, ich tu Bescheid; doch lieber fast ich
Vier Tage lang, als einmal soviel trinken.

Enobarbus.
O wackrer Imperator!
Solln wir ägyptischen Bacchustanz beginnen
Und feiern diesen Trunk? –

Pompejus.
Recht so, mein Krieger!

Antonius.
Kommt, schließen wir den Reihn,
Bis der sieghafte Wein den Sinn uns taucht
In süßen, weichen Lethe.

Enobarbus.
Faßt euch an,
Bestürmt das Ohr mit lärmender Musik,
Bis ich euch stelle: dann singt der Knab ein Lied,
Und jeder fällt mit ein im Chor, so laut,
Als seine starke Brust nur schmettern kann. –

(Musik. Enobarbus stellt sie, und sie schließen den Reihen.)

Lied.
Komm, du König, weinbekränzt,
Bacchus, dessen Auge glänzt:
Du verjagst die Leidgedanken!
In den Locken Efeuranken,
Trinkt, bis alle Welten schwanken,
Trinkt, bis alle Welten schwanken! –

Cäsar.
Was wollt ihr mehr? Gut Nacht, Pompejus. Bruder,
Gehn wir, ich bitt Euch; unser ernst Geschäft
Zürnt diesem Lichtsinn. Werte Herrn, brecht auf,
Ihr seht, die Wangen glühn. Selbst Enobarbus
Ist schwächer als der Wein; auch meine Zunge
Spaltet die Worte; fast zu Hansnarrn macht
Der Taumel uns. Was red ich noch? Gut Nacht.
Die Hand, Anton.

Pompejus.
Ich prüf Euch noch zu Lande.

Antonius.
Das sollt Ihr. Eure Hand!

Pompejus.
Mein Vaterhaus
Habt Ihr, Anton – was tut's – wir sind ja Freunde!
Kommt jetzt ins Boot.

Enobarbus.
Nehmt Euch in acht und fallt nicht.
(Pompejus, Cäsar, Antonius und Gefolge ab.)
Menas, ich will nicht mit.

Menas.
Komm zur Kajüte.
He, unsre Trommeln, Flöten, Zimbeln, he!
Hör es, Neptun, welch lauten Abschied wir
Diesen Gewaltgen bringen; blast, so blast doch! –

(Trompeten und Trommeln.)

Enobarbus.
Hallo geschrien! Die Mütze fliegt.

Menas.
Hallo!
Kommt, edler Hauptmann. (Sie gehn ab.)

 << Kapitel 12  Kapitel 14 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.