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Antonius und Cleopatra

William Shakespeare: Antonius und Cleopatra - Kapitel 12
Quellenangabe
typetragedy
booktitleJulius Cäsar ? Antonius und Cleopatra ? Coriolanus
authorWilliam Shakespeare
translatorWolf Graf von Baudissin
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20633-X
titleAntonius und Cleopatra
pages85-88
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Sechste Szene

In der Nähe von Misenum

Es treten auf von der einen Seite Pompejus und Menas, mit Trommeln und Trompeten; von der andern Cäsar, Antonius, Lepidus, Enobarbus und Mäcenas mit Truppen

Pompejus.
Ihr habt nun meine Geiseln, ich die euern,
So laßt uns reden vor der Schlacht.

Cäsar.
Sehr löblich,
Daß erst verhandelt werde; darum sandt ich
Voraus, was wir dir schriftlich zugestanden.
Hast du dies wohl erwogen, zeig uns an,
Ob's in der Scheide hält dein zürnend Schwert
Und nach Sizilien heim die Jugend führt,
Die sonst hier fallen muß.

Pompejus.
Hört mich, ihr drei
Allein'ge Senatoren dieser Welt,
Der Götter Stellvertreter. Ich weiß nicht,
Weshalb mein Vater Rächer sollt entbehren,
Dem Sohn und Freunde bleiben, da doch Cäsar,
Der bei Philippi als ein Geist erschien
Dem Brutus, euch für sich dort kämpfen sah.
Was trieb den bleichen Cassius zur Verschwörung?
Was tränkte der altrömsche biedre Brutus,
Und wer noch sonst für holde Freiheit focht,
Mit Blut das Kapitol? Nur daß ein Mann
Nicht mehr sei als ein andrer Mann! Und deshalb
Rüstet auch ich die Seemacht, deren Last
Das Meer zornschäumend trägt, mit ihr zu geißeln
Den Undank, den dies schnöde Rom erwies
Meinem erhabnen Vater.

Cäsar.
Laß dir Zeit.

Antonius.
Du schreckst mit deiner Flott uns nicht, Pompejus:
Wir sprechen uns zur See; zu Lande weißt du,
Wieviel wir reicher sind.

Pompejus.
O ja, zu Lande
Bist reicher du durch meines Vaters Haus;
Doch weil der Kuckuck für sich selbst nicht baut,
Bleib drin, solang du kannst.

Lepidus.
Gefällt's Euch, sagt
(Denn dies führt uns vom Ziel), wie Euch der Vorschlag
Bedünkt, den wir getan.

Cäsar.
Dies ist der Punkt. –

Antonius.
Nicht sei dazu gebeten, sondern wäge,
Was du dadurch gewinnst.

Cäsar.
Und was geschehn kann,
Noch größres Glück zu finden.

Pompejus.
Ihr botet mir
Sizilien und Sardinien, und ich soll
Das Meer befrein von Räubern; soll nach Rom
Vorrat von Weizen senden: tu ich das,
Ziehn wir mit unzerhacktem Schwert nach Haus
Und glattem Schild.

Cäsar, Antonius, Lepidus.
Das boten wir.

Pompejus.
So wißt,
Ich kam vor euch hieher mit dem Entschluß,
Dies anzunehmen; nur daß Mark Anton
Ein wenig mich verstimmt. – Büß ich schon ein
Das Lob, erzähl ich's selber; – dennoch, wißt!
Als Cäsar Krieg mit Eurem Bruder führte,
Fand Eure Mutter in Sizilien damals
Den gastlichsten Empfang.

Antonius.
Ich weiß, Pompejus;
Und sann zeither auf edle Dankbarkeit,
Die ich Euch schuldig.

Pompejus.
Gebt mir Eure Hand.
Ich hätte nicht gedacht, Euch hier zu treffen.

Antonius.
Es ruht sich sanft im Osten, und ich dank Euch,
Daß Ihr mich herrieft, eh's mein Vorsatz war;
Denn ich gewann dabei.

Cäsar.
Seit ich Euch sah,
Habt Ihr Euch sehr verändert.

Pompejus.
Nun, ich weiß nicht,
Wie herbes Schicksal mein Gesicht gefurcht: –
Doch nimmer soll mir's dringen in die Brust
Mein Herz zu unterjochen.

Lepidus.
Seid willkommen!

Pompejus.
Das hoff ich, Lepidus. So sind wir eins.
Ich wünschte nun geschrieben den Vertrag
Und unterzeichnet.

Cäsar.
Das geschehe gleich.

Pompejus.
Wir wollen uns bewirten, eh wir scheiden,
Und losen, wer beginnt. –

Antonius.
Laßt mich beginnen!

Pompejus.
Nein, losen wir, Antonius: ob der erste,
Ob letzte; Eurer Kochkunst aus Ägypten
Gebührt der Preis. Ich hörte, Julius Cäsar
Ward dort vom Schmausen fett.

Antonius.
Ihr hörtet vieles!

Pompejus.
Ich mein es gut.

Antonius.
Und setzt die Worte gut.

Pompejus.
Nun wohl, ich hört es;
Und hört auch das: Apollodorus trug...

Enobarbus.
O still davon! Er trug...

Pompejus.
Was? –

Enobarbus.
Eine gewisse
Monarchin hin zum Cäsar in 'ner Decke.

Pompejus.
Nun kenn ich dich: wie geht dir's, Kriegsmann?

Enobarbus.
Gut;
Und, wie mir's scheint, auch ferner gut: ich sehe,
Vier Schmäuse sind im Werk.

Pompejus.
Reich mir die Hand;
Ich hab dich nie gehaßt; ich sah dich fechten
Und neidete dir deinen Mut.

Enobarbus.
Mein Feldherr,
Ich liebt Euch nie sehr stark; doch lobt ich Euch,
Da ihr wohl zehnmal soviel Lob verdient,
Als ich Euch zugestand.

Pompejus.
Dein offnes Wesen
Erhalte dir, es steht dir wohl. –
Ich lad euch all an Bord meiner Galeere;
Wollt ihr vorangehn?

Alle.
Führt uns, Feldherr! –

Pompejus.
Kommt.

(Pompejus, Cäsar, Antonius, Lepidus, Soldaten und Gefolge ab.)

Menas (beiseite).
Dein Vater, Pompejus, wäre nimmer diesen Vergleich eingegangen. – Ihr und ich haben uns schon gesehn, Herr.

Enobarbus.
Zur See, denk ich.

Menas.
Ganz recht, Herr.

Enobarbus.
Ihr habt Euch gut zur See gehalten.

Menas.
Und Ihr zu Lande.

Enobarbus.
Ich werde jeden loben, der mich lobt, obgleich nicht zu leugnen ist, was ich zu Lande getan.

Menas.
Noch was ich zu Wasser getan. –

Enobarbus.
Nun etwas könnt Ihr schon für Eure Sicherheit leugnen; Ihr seid ein großer Dieb zur See gewesen.

Menas.
Und Ihr zu Lande.

Enobarbus.
Solchen Landdienst leugne ich ab. Aber gebt mir die Hand, Menas; hätten unsre Augen jetzt Vollmacht, so würden sie hier zwei sich küssende Diebe ertappen.

Menas.
Aller Menschen Gesichter sind ohne Falsch, wie auch ihre Hände beschaffen sind.

Enobarbus.
Aber noch kein hübsches Weib hatte je ein Gesicht ohne Falsch.

Menas.
Das ist kein Tadel, sie stehlen Herzen. –

Enobarbus.
Wir kamen, mit Euch zu fechten.

Menas.
Mir für mein Teil tut's leid, daß daraus ein Trinkgelag ward. Pompejus lacht heut sein Glück weg.

Enobarbus.
Wenn das ist, so kann er's gewiß nicht wieder zurück weinen.

Menas.
Sehr gewiß; Herr, wir dachten nicht, Marcus Antonius hier zu treffen. Sagt doch, ist er mit Cleopatra vermählt? –

Enobarbus.
Cäsars Schwester heißt Octavia.

Menas.
Jawohl, sie war des Cajus Marcellus Weib.

Enobarbus.
Und ist nun des Marcus Antonius Weib.

Menas.
Was Ihr sagt!

Enobarbus.
's ist wahr!

Menas.
Dann sind Cäsar und er für immer aneinander geknüpft!

Enobarbus.
Wenn es meines Amtes wäre, von dieser Vereinigung zu weissagen, ich prophezeite nicht so.

Menas.
Ich denke, in dieser Angelegenheit tat die Politik mehr für die Heirat, als die Liebe der Vermählten.

Enobarbus.
Das denk ich auch. Aber ihr sollt sehn, das Band, das ihre Freundschaft zu verknüpfen scheint, erwürgt ihre Verbrüdrung. Octavia ist von frommem, kaltem, stillem Temperament.

Menas.
Wer wünschte sein Weib nicht so? –

Enobarbus.
Der nicht, der selbst nicht so ist: und das ist Mark Anton. Sein ägyptisches Mahl wird ihn zurückziehen: dann werden Octavias Seufzer Cäsars Feuer anfachen, und wie ich vorhin sagte: was die Befestigung ihres Bundes scheint, wird die unmittelbare Veranlassung ihrer Entzweiung werden. Antonius wird seine Liebe zeigen, wo sie ist; hier hat er nur seinen Vorteil geheiratet. –

Menas.
So wird's wohl kommen. Sagt, Herr, wollt Ihr an Bord? Ich habe eine Gesundheit für Euch.

Enobarbus.
Die nehm ich an, Herr; wir haben unsre Gurgeln in Ägypten eingeübt.

Menas.
Wir wollen gehn. (Beide ab.)

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