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Annchen von Tharau und weitere Gedichte

Johann Gottfried Herder: Annchen von Tharau und weitere Gedichte - Kapitel 3
Quellenangabe
titleAnnchen von Tharau und weitere Gedichte
authorJohann Gottfried Herder
senderhille@abc.de
modified20170830
typepoem
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Bruchstücke

Übersetzt von Johann Gottfried Herder

      Ach, die gliederlösende böse Liebe quält mich,
lieblichbitter singt der untreffbare Vogel.
Liebster Artis, du warst mir einst so spröde,
nur auf Andromeda dein Herz gerichtet.

O Mädchentum, o Mädchentum,
wo gehst du hin von mir?
Ich komm' nicht mehr, ich komm' nicht mehr,
komm' nimmermehr zu dir.

Ich kann nicht, süße Mutter,
nicht mein Gewebe weben,
mich quält ein schöner Knabe,
die böse Liebe quält mich.

Der Mond ist schon hinunter,
hinab die Siebensterne,
's ist Mitternacht! Die Stunde
vorbei schon, und ich Arme
bin noch allein.

Erstorben wirst du liegen,
und niemand wird dein denken,
niemand zu allen Zeiten:
denn nie hast du die Rosen
Pieriens berührt.
Unscheinbar wirst du müssen
in Todes Wohnung gehen,
und niemand wird dich ansehn
im Heer der dunklen Schatten.

 


 

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