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Annchen von Tharau und weitere Gedichte

Johann Gottfried Herder: Annchen von Tharau und weitere Gedichte - Kapitel 11
Quellenangabe
titleAnnchen von Tharau und weitere Gedichte
authorJohann Gottfried Herder
senderhille@abc.de
modified20170830
typepoem
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Verklärung

          Lebensfunke, vom Himmel entglüht,
Der sich loszuwinden müht!
Zitternd, kühn, vor Sehnen leidend,
Gern und doch mit Schmerzen scheidend!
End', o end' den Kampf, Natur!
Sanft ins Leben
Aufwärts schweben,
Sanft hinschwinden laß mich nur.

Horch!, mir lispeln Geister zu:
»Schwester-Seele, komm zur Ruh!«
Ziehet was mich sanft von hinnen?
Was ist's, was mir meine Sinnen,
Mir den Hauch zu rauben droht?
Seele, sprich, ist das der Tod?

Die Welt entweicht!
Sie ist nicht mehr!
Engel-Einklang um mich her!
Ich schweb' im Morgenrot!
Leiht, o leiht mir eure Schwingen;
Ihr Brüder-Geister, helft mir singen:
»O Grab, wo ist dein Sieg?
Wo ist dein Pfeil, o Tod?«

 


 

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