Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Unbekannte Autoren >

Anekdoten unbekannter Autoren

Unbekannte Autoren: Anekdoten unbekannter Autoren - Kapitel 93
Quellenangabe
titleAnekdoten unbekannter Autoren
authorunbekannt
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typeanecdote
Schließen

Navigation:

Verschlafen und betrogen

Wrangel besichtigte einst die Kavallerie des pommerschen Armeekorps. Die Regimenter hatten meist drei oder vier voneinander entfernt liegende Garnisonsorte und der General gestattete sich auf der Fahrt von einem zum andern ein stärkendes Schläfchen. Ehe man in eine Stadt einfuhr, musst ihn sein Adjudant allemal wecken.

Da nun aber Wrangel auf einer solchen Inspektionsreise an der westpreußischen Grenze seinen Adjudanten beurlaubt hatte, um Verwandte zu besuchen, sollte ihn der Kutscher erinnern, wenn sie vor einer Stadt wären, was dieser auch tat. Nur einmal vor dem Städtchen S. unterließ er es.

Die dort in Garnison liegende Schwadron hielt bereits neben der Straße auf dem Felde. Der Rittmeister sprengte heran und sah den General schlafend in der Wagenecke sitzen. Nun war eine Besichtigung durch Wrangel nie etwas Angenehmes – und so gibt der Rittmeister dem Kutscher einen Wink, weiterzufahren und steckte ihm einen Taler zu.

Während der Weiterfahrt wachte Wrangel mehrmals auf, sah nach der Uhr und legte sich kopfschüttelnd wieder in die Polster zurück. Endlich dauerte ihm die Sache aber doch zu lange und er gab dem Kutscher einen sanften Stoß in den Rücken, indem er fragte: »Wo sind wir, lieber Sohn, sind wir bald in S.?«

»Exzellenz, da sind wir schon lange vorbei.« – »Warum hast du denn nicht gehalten, mein Sohn?«, zürnte der General und gab ihm einen ordentlichen Puff in den Rücken. »Das hab ich, aber der Herr Rittmeister meinten, ich soll man zufahren – und weil Exzellenz schliefen, konnte ich nicht fragen.«

So fuhr der Wagen weiter und gelangte bald nach D., wo die letzte Schwadron mit dem Regimentsstabe lag. Nachdem der General die Truppen besichtigt hatte, wandte er sich an den Obersten: »Ich bin mit Ihrem Regimente zufrieden, aber warum hat es nur drei Schwadronen?« – »Nur drei Schwadronen?«

»Ja, das frage ich ooch, Herr Oberst. Sonst haben die Kavallerieregimenter Seiner Majestät immer vier Schwadronen.« Darauf zählte der Oberst die Garnisonen und die Rittmeister auf. »Den Rittmeister von N. kenne ich nicht, ich werde ihn einladen mir in Berlin zu besuchen.« Damit fuhr Wrangel ab – und der Oberst wusste nicht, was er denken sollte.

Vier Wochen später wurde der Rittmeister von N. nach Berlin beschieden, wo ihn der General mit folgenden Worten empfing: »So, du bist also der Rittmeister N.? Freut mich, dass ich nun ooch deine Bekanntschaft machen kann. Siehst du mein Sohn, wenn du einmal die Franzosen so betrügst, wie du mir, deinen alten General, betrogen hast, dann kriegst du den 'pour le mérite'; bei mir kriegst du – Stubenarrest!« Damit wurde der Rittmeister in seine Garnison zurückgeschickt – und er war froh, so weggekommen zu sein.

 


 

 << Kapitel 92  Kapitel 94 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.