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Anekdoten unbekannter Autoren

Unbekannte Autoren: Anekdoten unbekannter Autoren - Kapitel 88
Quellenangabe
titleAnekdoten unbekannter Autoren
authorunbekannt
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typeanecdote
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Ein Rätsel

Ein andermal wurde Friedrich Wilhelm IV., als er noch Kronprinz war, in einer Gesellschaft ebenfalls längere Zeit vergebens erwartet. Der Herr von Kleewitz, ein hoher Staatsbeamter, suchte endlich den Kronprinzen auf, um den Grund der Verzögerung zu erfahren. Er fand den hohen Herrn beschäftigt, einen Brief zu schreiben.

»Ich bin gleich fertig«, sagte der Kronprinz, »in wenigen Minuten werde ich kommen. Geben Sie doch einstweilen der Gesellschaft zur Unterhaltung Rätsel auf!« Herr von Kleewitz rieb sich die Stirn: »Es will mir im Augenblick keins einfallen, Königliche Hoheit.« – »Nun, dann nehmen Sie doch gleich folgende Scharade von zwei Silben«, fiel ihm der Kronprinz ins Wort: »Mein erstes frisst das Vieh, mein zweites hab ich nie, das Ganze ist eine Landplage.« Als Herr von Kleewitz dies Rätsel zum Besten gab, erntete er ein schallendes Gelächter.

Am andern Morgen ließ der König den Kronprinzen rufen, zeigte sich sehr ungnädig und machte ihm Vorwürfe, dass er einen treuen Diener des königlichen Hauses beleidigt habe. Der Kronprinz aber wollte von alledem nichts begreifen und beteuerte dem Vater gegenüber seine volle Unschuld. Der König war über die angebliche Verstellung des Kronprinzen geradezu empört, wiederholte noch mal das Rätsel und fragte, ob er denn in Abrede stellen könnte, dass e dadurch den Herrn von Kleewitz aufs Schmählichste bloßgestellt habe.

»Aber wie in aller Welt«, erwiderte der Kronprinz, »kann denn Herr von Kleewitz auf den Gedanken kommen, dass er damit gemeint ist?« – »Nun, wer denn sonst?«, entgegnete der König.

»Die Lösung«, sagte darauf der Kronprinz, »ist doch 'Heuschreck', und das will ich auch, wenn's sein muss, öffentlich erklären.« – »Bleiben lassen!«, antwortete der König, »Sonst möchte der Skandal noch ärger werden.«

 


 

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