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Anekdoten unbekannter Autoren

Unbekannte Autoren: Anekdoten unbekannter Autoren - Kapitel 81
Quellenangabe
titleAnekdoten unbekannter Autoren
authorunbekannt
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typeanecdote
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Der Zauber der Gardeuniform

Unsere schmucke deutsche Gardeuniform verleiht den Trägern derselben ein stattliches Aussehen und wird nicht nur von den Damen, die überhaupt eine besondere Vorliebe für zweierlei Tuch zeigen, hoch geschätzt, sondern sie flößt selbst den Berliner Schusterjungen Respekt ein. Und das will schon was bedeuten, denn denen ist sonst auf der ganzen Welt nichts heilig. Folgende heitere Geschichte aus dem Leben des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, späteren Kaisers Friedrich III., beweist dies.

Spazieren da eines Tages zwei ausgepichte Berliner Rangen »Unter den Linden« dem Brandenburger Tore zu. Plötzlich bleiben sie vor dem Schaufenster einer Gemäldeausstellung stehen, denn das Bild des deutschen Kronprinzen in der Gardeuniform fesselt ihre Aufmerksamkeit in höchstem Grade.

»Sieh mal, Willem«, sagte August, »da steht unser Fritze in der Jardekorpsuniform. Dat is wat! Fein, sehr fein!« – »Ja«, sagt Wilhelm, »tipp-topp! Weeßt du, wenn ich mal det Maß kriege, dann geh ick ooch bei de Jardekorps.« – »Ja, un ick ooch«, erwiderte August.

Unterdessen ist der Kronprinz, der seinen gewöhnlichen Spaziergang nach dem Tiergarten macht, hinter die beiden Jungen getreten und hat ihre Unterhaltung gehört. Darüber erfreut, fragte er sie: »Hört mal, Jungens, findet ihr nicht, dass ich mit dem Bilde da eine große Ähnlichkeit habe?« Die beiden Rangen betrachten erstaunt den Herrn vom Kopf bis zum Fuß, und es ist ihnen unerklärlich, wie ein Mensch in bürgerlicher, wenn auch feiner Kleidung sich mit dem deutschen Kronprinzen vergleichen darf.

»Ähnlichkeit?«, erwidert der eine. »Dat ick nich finde!« Darauf der Kronprinz: »Seht mich doch einmal genau an, Jungens! Ich bin es ja selber – der deutsche Kronprinz.« Das war den Pechdrahtjüngern aber doch zu viel, und sie stimmen ein wahres Hohngelächter an. »Nanu wird's Dag!«, ruft Wilhelm. »So'n gewöhnlicher Ziviliste will unser Kronprinz sind?« – »Ja, so 'ne Frechheit!«, antwortet August, den Zivilisten mit verächtlichen Blicken streifend.

»Was sagen Königliche Hoheit nur dazu?«, rief da der hinzutretende Adjudant, der die Unterhaltung angehört hatte. »Eine unerhörte Respektlosigkeit!« – »Dat ick nich finde!«, erwiderte der Kronprinz. »Et sin echte Berliner Rangen; richtich echte!«

 


 

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