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Anekdoten unbekannter Autoren

Unbekannte Autoren: Anekdoten unbekannter Autoren - Kapitel 28
Quellenangabe
titleAnekdoten unbekannter Autoren
authorunbekannt
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typeanecdote
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Husar Krüger

Wenn der Alte Fritz Generäle als Gäste zu sich befohlen hatte, so lenkte er das Gespräch häufig auf die Schlachten im Siebenjährigen Kriege, an denen die Herren besonders teilgenommen hatten. Meistens ging es dann sehr lebhaft zu, denn Friedrich war in solchen Stunden der Erinnerung stets guter Laune und zeigte sich nicht in seiner Kriegswürde, sondern als liebenswürdiger Gastgeber, der alles aufbietet, um seinen Tischgenossen Vergnügen zu bereiten. So erzählte er einmal von einem nächtlichen Überfall bis ins Kleinste, wie ihm dieser eben seinerzeit berichtet war. Als er geendet hatte, sagte der ihm gegenüber sitzende General Zieten:

»Ew. Majestät halten zu Gnaden, aber so war die Sache doch nicht, sondern etwas anders.« – »So? Dann erzähle Er einmal«, erwiderte der König. Und Zieten berichtete, wie sich der Vorgang in Wirklichkeit abgespielt hatte. Da wurde der König ärgerlich und äußerte gereizt: »Das ist nicht wahr, Zieten. Er will immer alles besser wissen als ich.«

»In diesem Falle allerdings, Majestät, denn ich bin selbst dabei gewesen und meine Husaren haben die Sache gemacht. Doch da sehe ich ja im Nebenzimmer den Wachtmeister Krüger von meinem Regimente, der bei jener Gelegenheit an meiner Seite mitgefochten hat. Wenn also Eure Majestät meine Worte im Zweifel ziehen, so lassen Eure Majestät doch den Mann hereintreten und den Vorfall erzählen.« – »Gut«, sagte Friedrich, »dann wird Er's hören, dass ich recht habe.«

Krüger wurde also gerufen und trat ein. »Krüge«, sagte Friedrich, »Er hat doch die Geschichte da und da mitgemacht«, und dabei nannte er Ort und Zeit, »nun erzähle Er einmal, wie war doch der Vorfall?«

Krüger schilderte nun den Vorfall, und seine Erzählung stimmte genau mit Zietens überein. Da ward der König verdrießlich und rief: »Krüger, Er lügt!« Da trat dieser einen Schritt vor, erfasste des Königs Gabel und spießte damit einen aus der Schüssel hervorragenden gebratenen Fasanen auf, hielt ihn in die Höhe und sagte: »Ich will den Tod an diesem Fasanen essen, wenn ich gelogen habe.« Und dann machte er kehrt und marschierte unter lautem Lachen der Gesellschaft mit dem gebratenen Vogel ins Nebenzimmer.

Dies war ja nun wohl ein starkes Stückchen von dem kecken Wachtmeister, aber der König war weit davon entfernt, dies übel zu nehmen. Er ließ ihm vielmehr durch den Kammerdiener eine Flasche Wein bringen, damit, wie er sagte, der Tod nicht einträte. Zeiten aber reichte der Monarch als Zeichen seines Wohlwollens seine Dose und bot ihm eine Prise an, was er sonst nur sehr selten tat.

 


 

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