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Verschiedene Autoren: Anekdoten - Kapitel 3
Quellenangabe
titleAnekdoten
authorverschiedene
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typeanecdote
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Hans Folz:

Die Hose des Buhlers

Einst lebte in Basel ein reicher Kaufmann, der eine wunderschöne, aber auch sehr sinnliche Frau besaß. Es bereitete ihr daher großes Vergnügen, sich diesem oder jenem hemmungslos hinzugeben. Zu ihrer Kundschaft gehörte auch ein stattlicher junger Mann aus dieser Stadt. Im übrigen hatte sie ihrer Kindesamme und ihrer Magd die Erlaubnis erteiIt, insgeheim ebenfalls nach Herzenslust zu buhlen, doch ist hier nicht der Ort, zu schildern, wie diese zwei es trieben.

Als der Kaufmann einst auf Reisen war, ließ seine Frau den Jüngling holen, um sich ihm in brünstigen Vergnügungen hinzugeben, wie sie es schon oft genug getan hatte. Nun wußte allerdings niemand, wann der Hausherr zurückkehren würde, so daß er eines schönen Nachmittags ganz überraschend angeritten kam. Seine Frau schloß ihn flugs in die Arme, hieß ihn hunderttausendmal willkommen und bedeckte seinen Mund mit heißen Küssen. Nachdem ihn Amme und Magd ebenso freundlich begrüßt hatten, legte er Hut, Stiefel, Mantel und Schwert ab, denn er wollte sich nach den Strapazen der Reise ein wenig ausruhen. Er begab sich zu seinem Ehebett, um sich niederzulegen. Wie er so herumtastete, geriet ihm unversehens eine schwarze Hose in die Hand, so daß er einen saftigen Fluch ausstieß und drauf und dran war, nach seinem Weib zu rufen. Rasch besann er sich jedoch eines Besseren, stopfte die Hose in seine Tasche und legte sich dann voller Ingrimm ins Bett. Vielerlei Gedanken schossen ihm durch den Kopf, doch er vermied es, Lärm zu schlagen. Schließlich erhob er sich und setzte sich an den Tisch. Weiß Gott, obwohl man Fleisch und Fisch in Fülle auftrug und ihm kosend um den Bart ging, blieb er in düsterer Schwermut befangen.

Da nahm die Amme kurz entschlossen die Sache in die Hände. Sie lachte urplötzlich laut auf und rief: »Herr, wenn Ihr wüßtet, was ich weiß, dann säßet Ihr nicht wie ein Sauertopf da, sondern Ihr würdet Euch biegen vor Lachen!« Mit diesen Worten verließ sie die Stube. Die Hausfrau eilte beunruhigt nach und fragte hastig: »Was soll deine Lacherei?« Die Amme aber flüsterte: »Schickt schleunigst die Magd zu Eurem Buhlen und laßt nachfragen, ob er nicht heute beim Abschied irgend etwas vergessen hat. Ich argwöhne, der Hausherr hat etwas gefunden und ist aus diesem Grund so übler Laune.«

Dies geschah denn auch, und der Jüngling sagte der Botin, er habe früh im Bett eine schwarze Hose vergessen. Eilends übermittelte die Magd diese Nachricht, und die Amme war froh, daß sie nun Bescheid wußte. Flugs kaufte sie zwei schwarze Höschen, schlüpfte selbst in die eine, und ließ die Magd die andere anziehen.

Die Frau aber saß die ganze Zeit über an der Seite des Hausherrn, der sehr niedergeschlagen und traurig dreinblickte. Überdies ging ihm das Gelächter der Amme nicht aus dem Kopf, und er fragte schließlich seine Frau, was er eigentlich davon halten solle. In diesem Augenblick betraten Amme und Magd unter ausgelassenem Gekicher das Zimmer, so daß der Hausherr beide anfuhr: »Was soll denn eure alberne Lacherei?«

Die Amme aber erwiderte heiter: »Herr, wenn Ihr wie früher guter Laune wäret, so solltet Ihr einen Spaß erleben, wie Ihr ihn das ganze Jahr über noch nicht erlebt habt. Wir haben nämlich in dieser Woche Eure Frau gleich zweimal reingelegt.

Doch hört zunächst, Herr, was wir vor sechs Tagen verabredet und in Gang gesetzt haben. Wir kauften drei schwarze Höschen und legten dann fest, welche von uns an einem der folgenden acht Tage ihr Höschen nicht tragen würde, müßte ein Viertelchen Wein ausgeben. Nun ist Eure Frau schon zweimal reingefallen!«

Der brave Mann begann erleichtert zu lachen und dachte bei sich: Es ist also ihre Hose, die ich in der Tasche hab. Nun forderte er alle drei auf, vor ihm Aufstellung zu nehmen und sofort die Röcke hochzuheben. Seine Frau zierte sich erst ein wenig, doch schließlich tat sie ihm den Willen und stellte sich neben die beiden Mädchen. Nun hoben alle drei unter lautem Gelächter ihre Röcke in die Höhe, so daß sie den Hausherrn mit ihrer Fröhlichkeit ansteckten. Der war nun völlig beruhigt und rief seiner Frau zu: »Sieh da, du hast wieder verloren!« (Ich möchte allerdings meinen, daß sie bei diesem Spiel im Gegenteil gewonnen hat.)

»Herr, sie ist ja schon vorher reingefallen«, juchzte die Magd, »heißt sie also bezahlen!«

Der Hausherr sprach zu seiner Frau: »Sie haben dich wirklich hereingelegt! Zahle also diesen zwei Schlaubergern drei Viertelchen Wein und laß uns alle fröhlich sein. Da ich zu diesem Spaß gerade zurechtkam, will ich das letzte Viertelchen selbst bezahlen. Zieh nun aber auch dein Höschen an, damit ich sehe, welche von euch dreien am reizvollsten darin aussieht.«

Die Frau sträubte sich: »Bitte nicht, lieber Mann, die Hosenbänder schneiden mir so in die Schenkel, daß ich sie nicht einen Tag länger tragen will.«

Der Hausherr aber bestand darauf: »Laß dich doch nicht zweimal bitten. Ich will sie wenigstens einmal an dir sehen.«

Die Hausfrau wandte sich an die Magd: »So geh schon und such sie in in meinem Bett im Stroh! «

Da rief der Hausherr vergnügt: »Bleib hier! Ich habe sie ja schon. Vorbei ist all mein Trübsinn. Ich hatte nämlich eine Zeitlang recht merkwürdige Gedanken.«

Nun erhoben die drei Weiber ein lautes Gelächter und foppten ihn weidlich.

Seht, so ward der Ehemann zum Narren gemacht, wenngleich er seinem Weib fast auf die Schliche gekommen wäre. Was aber vermag man schon gegen die Heimtücke bösartiger Weiber? Dies spricht Hans von Wurms, der Barbier.

 


 

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