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Andrew Brown - Der rote Spion

Friedrich Joachim Pajeken: Andrew Brown - Der rote Spion - Kapitel 6
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pfad/pajeken/rotspion/rotspion.xml
typefiction
authorFriedrich J. Pajeken
titleAndrew Brown ? Der rote Spion
publisherLoewes Verlag
illustratorWilly Planck
firstpub1894
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091025
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Im Fuchsbau

Der Name »Fuchsbau«, den Tom Collins seiner Winterwohnung gegeben hatte, war sehr bezeichnend. Ihre Ähnlichkeit mit einem solchen war unverkennbar. Sie lag in dem stark welligen Gelände südwestlich von Fort Reno, das von unzähligen Wash-outs durchfurcht war. Dicht am Ufer des Powder-Rivers war sie vollständig unter der Erde angelegt und verriet sich nur durch den Rauch, der zwischen den dicht mit Sagebrush bewachsenen Hügeln aufwirbelte. Sonst entdeckte jemand wohl nur durch Zufall ein kleines Fenster, das aus vier Scheiben bestand und auf einen schmalen, mit langem Gras angefüllten Wash-out hinausging und in einem anderen, etwas breiteren Wash-out den Eingang, der hinter dichtem Buschwerk versteckt war.

Befand man sich in der Behausung, so schien es, als sei zuerst eine Blockhütte regelrecht aufgebaut worden und diese dann entweder in die Erde versunken oder nachträglich mit Erde bedeckt worden. Dem war aber nicht so.

Anfangs hatte die Wohnung aus einem gewöhnlichen Dug-out bestanden, der schon von seinem ursprünglichen Eigentümer nach und nach vergrößert worden war. Zum Schutz gegen das leicht einstürzende Erdreich hatte er diese Wohnung dann mit Wänden aus übereinander gelegten Baumstämmen und mit einer kaminartigen Feuerstelle aus kleinen Felsblöcken und Steinen versehen. Der Erbauer dieser Winterwohnung war ein Trapper, der dem Indiantrader befreundet war und der diesem seine Behausung bei seinem Hinscheiden vererbt hatte.

Die Einrichtung bestand aus einem roh gezimmerten Tisch, einigen breiten Holzblöcken anstatt der Stühle und einer größeren Kiste, die auf vier Pfosten ruhte. In einer Ecke war ein Bett: an den beiden Außenseiten war aus Holzsparren eine Umzäunung gefertigt. In ihr lagen auf einer Unterlage von trockenem Präriegrase mehrere Büffelfelle und Decken ausgebreitet.

Neben der Feuerstelle hingen und standen allerlei Eimer, Näpfe, Kessel und sonstiges Kochgerät. An den Wänden hingen eine Büchse, ein Revolver, Sättel, Zaumzeug, Kleidungsstücke und dergleichen, sowie am Fenster ein Spiegel, doch war in seinem Rahmen das Glas nur noch teilweise vorhanden. In dem ganzen Räume herrschte eine musterhafte Ordnung.

Eines Nachmittags saß Tom Collins auf einem der Holzblöcke, der eine Art Lehne aus starken Zweigen hatte, dem »Sorgenstuhl«, wie er ihn nannte. Er hatte den Rücken dem Fenster zugedreht, las in einem Buche und rauchte eine kurze Pfeife. Seit Mittag war die bisher so ungewöhnlich milde Witterung, die für die winterliche Jahreszeit zu früh eingetreten war, in Frostwetter umgeschlagen. Darum wirkte die Wärme in dem Räume doppelt behaglich. Sie wurde von der Feuerstelle durch einen Haufen glühender Kohlen verbreitet. Über ihr baumelte eine blecherne Kaffeekanne an einer Kette. Der Inhalt des Buches mußte den Alten sehr erheitern. Er schmunzelte und kicherte beständig, und zuletzt lachte er laut und herzlich auf. Dann klappte er das Buch zu, wickelte es sorgsam in ein Stück Leder und legte es in die Kiste, die auf Pfosten stand, den »Schrank«, wie er sie nannte.

»So! Das war wieder ein Genuß, wie er sich nicht schöner denken läßt«, sagte er vergnügt und füllte seine Blechtasse aus der Kanne, die über der Feuerstelle hing, mit Kaffee.

»Was willst du noch mehr, Tom? Du hast ein Geschäft, das dich ernährt und dir sogar gestattet, winters zu feiern, bist gesund, hast ein eigenes, prächtiges Heim«, – sein Blick schweifte wohlgefällig durch den Raum. »Bisweilen besucht dich dieser und jener, oder du reitest nach Fort Reno und plauderst dort mit den Leuten. An Gesellschaft fehlt es dir schließlich also auch nicht. – Du bist beneidenswert, wirklich beneidenswert! – Hm! Hm!«

Ein Schatten huschte über sein wetterhartes Gesicht. »Ja, ja! Wenn ich mir nur nicht immer eingestehen müßte, daß ich ein zweckloses Dasein führe, daß ich keinem nütze auf der Welt. Hm, hm! – Der Gedanke beunruhigt mich eigentlich erst so recht, seitdem ich mir in den Kopf setzte, aus dem Schlingel, dem Andrew Brown, einen vernünftigen Menschen zu machen.«

Er schlürfte die Tasse leer, stellte sie beiseite und schaute, die Hände auf dem Rücken, vor sich nieder. »Sollte ihn mir der liebe Gott nicht dennoch in den Weg geschickt haben, damit ich alter Sünder aus meinem Schlendrian aufgerüttelt werde? Der Bursche rettete mir zweimal das Leben. – Hm, hm! Ich kann ihn aber doch nicht zwingen, daß er sich mir anschließt!«

Hinter ihm knarrte die Tür, die aus Kistenbrettern zusammengefügt war, in den Angeln. Der Indiantrader sah sich um. Hastig trat der, den er wohl am wenigsten erwartete, Andrew Brown, bei ihm ein.

Aus seinem Antlitze wich der ernste Ausdruck. Heiter lächelnd streckte er dem jungen Halbindianer seine beiden Hände entgegen. »Willkommen, mein lieber Junge!« rief er erfreut. »Nun? Darf ich dir bei mir ein Heim bieten? Hast du dich endlich eines Besseren besonnen?«

»Ich bringe Euch jemand«, erwiderte Andrew ausweichend, indem er nur eine der ihm dargereichten Hände ergriff und sie flüchtig drückte. »Es ist der Mann, mit dem ich auf die Jagd zog. Er wurde von einem Bären verwundet, und ich glaube – –« Er vollendete den Satz nicht, sondern deutete scheu mit dem Zeigefinger auf seine Stirn.

»Wo hast du ihn?« fragte Tom Collins schnell und folgte dem Burschen auf dessen Wink vor die Behausung.

In der Nähe des Einganges saß Mr. Gloster in sich zusammengesunken auf einem Pferde. Er war mit Stricken und Riemen festgebunden. Andrew Brown löste sie behende. »Seit kurzer Zeit ist er still,« sagte er. »Vorher hat er geschrien und getobt wie – –.«

»Weshalb brachtest du ihn nicht nach Fort Reno?« unterbrach ihn der Indiantrader besorgt. »Dort würde er ärztliche Hilfe finden und – – –«

»Ihr seid ein großer Medizinmann«, fiel ihm Andrew rasch ins Wort. Verächtlich fügte er hinzu: »Was sollte der Mann bei den Buntröcken?«

Beide hoben den Engländer vorsichtig aus dem Sattel und trugen ihn in die Behausung. Dort legten sie ihn auf das Bett in der Ecke. Nachdem der Bursche berichtet hatte, daß sich die Hauptverletzung an Schulter und Arm befände, zog er seinem Herrn ein dickes Wams aus.

Mr. Gloster stöhnte dabei laut auf, doch erwachte er nicht aus seinem schlummerähnlichen Zustande.

Tom Collins schlug die Hände voller Entsetzen über dem Kopfe zusammen, als er die Wunden erblickte, die so ungeschickt zusammengenäht und die jetzt stark entzündet waren.

»O du lieber Herrgott! Das sieht böse aus!« sagte er mitleidig. »Und hauptsächlich ist deine Pfuscherarbeit daran schuld.«

»Ich tat, was ich konnte«, entgegnete Andrew Brown mürrisch.

»Ja – ich kann dir auch keinen Vorwurf machen, mein Junge«, sprach der Indiantrader freundlich weiter.

Aus einer Kiste nahm er Leinenzeug und mehrere Flaschen und Blechbüchsen. »Alles im Leben will gelernt sein. – Doch nun vorwärts! Wir wollen versuchen, deinen Fehler wieder gut zu machen. Hoffentlich gibt es Eis über Nacht. Hole vorläufig in dem Eimer dort Wasser aus dem Flusse.«

Andrew eilte fort und kam gleich darauf mit dem Wasser wieder zurück.

»Nun wirf Holz auf das Feuer und bringe auch noch einen Vorrat Holz herein«, befahl ihm Tom Collins. Dann begann er, die Wunden des Engländers zu kühlen.

Der Bursche tat bereitwillig, wie ihm geheißen wurde. Noch mehrere andere Wünsche des Indiantraders erfüllte er so schnell und geschäftig, daß dieser sich nicht wenig verwunderte. Bisher hatte er ihn nur als ungefällig und arbeitsscheu kennen gelernt.

»Und wie trug sich das Unglück zu?« fragte er, als Andrew Brown alles verrichtet hatte.

Der Bursche erzählte kurz, wie Mr. Gloster die Wunden erhielt, als er plötzlich von dem Bären überrascht wurde. Dann aber habe er die Bestie in den Rachen geschossen und sei schon beim Aufbruch aus dem Talkessel und auf dem Wege nach ihrem Lagerplatze ohne Verstand gewesen.

»Nachdem er nur ein wenig im Zelte geschlafen hatte,« fuhr Andrew Brown fort, »sprang er auf und lief lachend und schreiend umher. Nur durch eine List gelang es mir, ihn zu veranlassen, daß er sein Pferd bestiege. Ich sagte ihm, daß wir wieder auf die Bärenjagd reiten wollten. Ich hatte ihn kaum im Sattel, da schnürte ich ihn so fest, daß er sich nicht mehr regen konnte. Auf andere Weise hätte ich ihn nicht fortgebracht.«

»Da hast du sehr verständig gehandelt, mein Junge«, sagte Tom Collins anerkennend. »In diesem Zustande durfte der Mann keineswegs länger im Freien und ohne sachkundige Hilfe bleiben. Es wäre doppelt gefährlich für ihn gewesen, da der Frost, der heute eingetreten ist, voraussichtlich stärker werden wird. Wir werden wohl noch ein Stück Winter zu erwarten haben.«

Jetzt flößte er dem Verwundeten von dem Inhalte einer der Flaschen etwas ein. Er hatte die rechte Schulter und den Oberarm in nasse Tücher gehüllt.

»Hoffentlich mildert die Arznei das heftige Fieber. Es ist dringend nötig. – Geh, Junge! Nimm sämtliche flache Schalen! Fülle sie mit Wasser und stelle sie draußen in den Ostwind, damit wir so rasch wie möglich Eis bekommen.« Wieder eilte Andrew geschäftig fort.

Der Indiantrader sah ihm schmunzelnd nach. »An gutem Willen fehlt es ihm nicht«, murmelte er.

»Na! Vorläufig habe ich ihn nun doch wohl einige Zeit hier.« Er schaute voller Sorge auf den Engländer. Sein bleiches Gesicht hob sich von der dunklen Decke, auf der es ruhte, gespenstisch ab. »Mir ist bange – mit dem macht es sich so schnell nicht wieder.«

»Nicht wahr, nun bleibst du doch bei mir und unterstützest mich bei der Pflege des Mannes?« wandte er sich an den Burschen, als dieser bald darauf wieder eintrat.

»Ja!« klang kurz die Antwort. »Das heißt, jetzt reite ich sofort wieder zu dem Lagerplatz in den Bergen. Ich muß die drei anderen Pferde, das Zelt und die übrigen Sachen holen. Morgen mittag bin ich wieder hier. Die Nacht ist zu dunkel, um noch heute zurückzukehren.«

»Dann solltest du lieber morgen früh reiten. In kaum einer Stunde geht die Sonne unter«, meinte Tom Collins, indem er Mr. Gloster frisch angefeuchtete Tücher auf die Wunden legte.

Andrew Brown schüttelte den Kopf. »Schon in der letzten Nacht haben Wölfe die Pferde angegriffen. Ich fand überall Wolfsspuren. Ich möchte meinen Gaul nicht durch sie verlieren.«

»Hm, hm! Dann mußt du dich allerdings gleich auf den Weg machen. Du mußt jetzt auch für die Tiere deines Herrn sorgen, denn du bist jetzt allein für sie verantwortlich«, sagte der Indiantrader. Er betonte den Nachsatz scharf.

Andrew blickte erstaunt zu ihm auf. »Ich wäre – – –? – Nun ja, es würde sich sonst keiner um sie kümmern. – Lebt wohl!«

Tom Collins nickte ihm freundlich zu. »Der Kranke wird dir dankbar sein, daß du dich seiner Habe annimmst, obgleich es deine Pflicht ist. – Auf Wiedersehen, mein Junge!«

Der Bursche verließ die Behausung mit mürrischer Miene. Gleich darauf hörte man ihn auf dem Pferde davontraben.

Der Indiantrader fuhr nun fort, die Wunden des Engländers fleißig zu kühlen. Als es Abend wurde, erhellte er den Raum durch eine Petroleumlampe, die er an einen Haken hing, der unter der Decke befestigt war. Jetzt lieferten ihm die draußen aufgestellten Schalen schon Eis. Das brauchte nicht so häufig erneuert zu werden wie die kalten, nassen Umschläge; es erzielte außerdem eine bessere Wirkung.

Auch von der Arznei reichte er dem Kranken noch einige Male etwas. Schließlich bemerkte er zu seiner Freude, daß das Fieber bedeutend nachließ.

Nach Mitternacht erwachte Mr. Gloster aus seinem Schlummer, der an Bewußtlosigkeit grenzte. Er fragte erstaunt, wo er sei. Tom Collins erzählte ihm kurz, daß Andrew Brown ihn hierher gebracht habe und nun wieder fort sei, um die Pferde und seine übrige Habe zu holen, die in den Bergen zurückgeblieben seien. Doch da umnachteten sich seine Sinne schon wieder und er begann aufs neue, irre zu reden.

Er glaubte abermals, dem Bären gegenüberzustehen. Dann waren es sogar mehrere Bestien, die zu gleicher Zeit auf ihn eindrangen. Zuletzt sprach er von seinem Aufenthalt in den Bad-lands. »Ich ließ mich von dem Halbindianer narren, – von dem roten Spion, wie sie ihn in der Befestigung nennen«, kam es keuchend und heiser von seinen Lippen. »Ja, ein roter Spion, das ist er, weiter nichts! Er zog wohl nur zuerst mit mir nach Südosten, um sein Volk zu besuchen! Weiter und immer weiter hinein in das kahle, wilde, öde Land. – Wenn er wüßte, daß ich ihn belauschte! – Wie waren seine Worte? – Bist ein brauchbares Mädchen, Nohoste-ia! Das rote Volk wird tun, was ich will! – Richtig! Ich sah auch das Licht in der Ferne, nachdem er mich einen Tag allein gelassen hatte. Es war gewiß ein Zeichen seiner roten Brüder. Mögen sie ihn meinetwegen zum Krieger ernennen, wenn ich ihn nicht mehr brauche. – Er ist ein ausgezeichneter Führer und doch auch ein guter Kerl. Wie hat er in der letzten Zeit gearbeitet! Und wie ein Jagdhund wittert er das Wild. Er weiß auch, wo die Bären hausen! Hui! Hinunter in den Talkessel! Wie die Steine rollen! Und wie der Staub aufwirbelt! – Halt! Dort ist wieder eine Bestie! Jetzt heißt es ruhig Blut, damit ich sie sicher durch das Auge in den Kopf treffe! – St. James! nun kann ich den Arm nicht heben! Hilf doch, Andrew! Vorwärts! Wo bist du?«

Er schrie laut auf. »Nun riß mir das Tier die Schulter zum zweiten Male auf!« ächzte er und warf sich stöhnend von der einen Seite zur anderen.

Der Indiantrader mühte sich nach Kräften ab, ihn zu beruhigen. Es gelang ihm aber immer nur für kurze Zeit. Wieder und wieder begann Mr. Gloster zu reden und sich umherzuwälzen. Erst als der helle Tag durch das Fenster schien, verfiel er in einen festen Schlaf. Trotzdem Tom Collins das Feuer beständig unterhalten hatte, war das Fenster mit dichten Eisblumen bedeckt.

Jetzt erst kam Tom Collins dazu, über das nachzudenken, was der Engländer in seinen irren Reden von Andrew Brown verraten hatte. Eine bange Ahnung sagte ihm, daß jenen etwas anderes zu seinem Volke getrieben habe, als zum Krieger ernannt zu werden.

Ungefähr eine Stunde später saß er bei einem Imbiß, den er sich in Eile zubereitet hatte. Da schreckte ihn Pferdegetrappel vor seiner Behausung auf.

»Sollte es der Junge sein?« murmelte er.

Er erhob sich, und seine Stirn legte sich in finstere Falten. Schon sprang die Tür auf. Sichtlich erregt trat Ben Körber in den Raum.

»Wünsche wohl geruht zu haben, alter Freund!« sagte er und schüttelte dem Indiantrader die Hand. »Ich bin auf dem Wege nach Fort Reno und komme nur auf eine Minute bei Euch vorbei. Ich muß Euch mitteilen, daß die Arraphoës den Kriegspfad betreten wollen oder vermutlich jetzt schon betreten haben.«

»Unmöglich!« rief Tom Collins und erbleichte.

»Es ist, wie ich Euch sage. Sehr wahrscheinlich sind sie durch Euren Schützling Andrew Brown aufgehetzt,« fuhr der Trapper fort.

»Gestern nacht kam John Keister zu mir. Ich erzählte Euch schon, daß er bald bei einem, bald bei einem anderen Stamme des roten Volkes sein Leben fristet. Er bleibt den Befestigungen möglichst fern, weil er etwas auf dem Kerbholz hat. Im übrigen ist er aber ein Mensch, der längst bereute und wohl auch sühnte, was er einst im Zorne beging. Er zeigte wieder, wie gern er der Regierung nützen möchte, indem er mich aufsuchte. Er bat mich, das Militär in Fort Reno schleunigst von der Absicht der Indianer zu unterrichten und zu veranlassen, daß auch die Besatzung von Fort Fetterman gewarnt wird. Da diese den Bad-lands am nächsten liegt, muß sie zuerst einen Angriff erwarten.«

Der Indiantrader schaute betrübt zu Boden.

»Es tut mir leid, daß ich meine Vermutung bestätigt sehe. Eurem Schützling ist nicht zu trauen«, sprach der Freund weiter. »John Keister wird wohl nicht unrecht haben, wenn er ihn verdächtigt, daß er die Kriegsgelüste des roten Volkes heraufbeschworen hat. In diesem Winter hat bei den Indianern niemand daran gedacht. Da sah der abergläubische Häuptling Waha-u eines Abends ein geheimnisvolles Zeichen aus seinem Feuer aufsteigen. Er will deutlich eine Stimme gehört haben, die ihm den Krieg befahl. An demselben Abend ereignete sich ein Gleiches bei anderen Männern. Andrew Brown – –«

»Gebt Euch keine Mühe weiter, mich zu überzeugen«, unterbrach ihn Tom Collins seufzend. »Andrew Brown war kürzlich in den Bad-lands und bei seinem Volke. Ich habe es durch den Mann erfahren, der dort« – er zeigte auf Mr. Gloster – »im Wundfieber liegt.«

»Potz Wetter! Ich sehe ihn erst jetzt«, sagte Ben Körber und trat näher an das Bett. »Ist das nicht der geldstolze Engländer? Ich machte seine Bekanntschaft bei Mr. Butterfly, und Euer Schützling begleitete ihn als Führer!«

Der Indiantrader nickte und erzählte, was sich ereignet hatte.

»Der Bedauernswerte!« sagte der Trapper aufrichtig. »Nun wird er wohl einsehen gelernt haben, daß mit unseren Grizzly-Bären nicht zu spaßen ist! Ich will wünschen, daß er sich bald erholt! – Doch ich darf keine Zeit verlieren. In Fort Reno werden sie über meine Neuigkeit nicht wenig überrascht sein, und – – Ihr müßt mir zugeben, daß mir meine Pflicht gebietet, das Militär gleichzeitig vor ihrem Indianscout zu warnen. – Auf Wiedersehen, alter Freund! Bei dem Jungen bewahrheitet sich das Sprichwort: die Katze läßt das Mausen nicht.«

Noch lange schaute Tom Collins nachdenklich auf die Tür, als Ben Körber sie hinter sich geschlossen hatte.

»Was soll nun werden?« murmelte er. »Läßt sich der Junge wieder in Fort Fetterman blicken, so setzen sie ihn sofort hinter Schloß und Riegel. Er wäre weit entfernt, sein Unrecht einzusehen, und das würde ihn nur noch mehr gegen die Weißen verbittern. – Nein! Jetzt muß er bei mir bleiben. Trotz seines bösen Streiches will ich die Hoffnung nicht aufgeben, daß dennoch zuletzt ein brauchbarer Mensch aus ihm wird. – Hm, hm! Schuldig ist er, gewiß! Aber er handelte nicht mit dem vollen Bewußtsein, ein Unrecht zu begehen. Wenn ich ihn daher auch fernerhin in meinen Schutz nehme, so kann ich es verantworten. – Doch wie verhindere ich es, daß man ihn auch hier bei mir dingfest macht?«

Er legte Mr. Glosters Schulter und Arm in frisches Eis. Dann setzte er sich an dessen Lager und sann weiter.

»Heda! Guter Freund!« klang nach einer Weile eine schwache Stimme neben ihm. Als er sich zur Seite wandte, sah er in die weit geöffneten, dunkel umränderten Augen des Engländers. »Mir war, als träumte ich es. Doch es ist wohl Wirklichkeit, daß Andrew Brown mich zu Euch brachte und daß Ihr mich pflegtet?«

Der Indiantrader erfaßte den Puls des Kranken und bemerkte zu seiner Freude, daß das Fieber vollständig gewichen war. Er nickte.

»Ja, Sir, so ist es! Gott sei Dank, daß Ihr wieder bei Verstande seid! Das war vorerst die Hauptsache. – Der Bär hat Euch nicht sehr sanft berührt! Und Euer Führer nähte Euch mit gutem Willen, aber geringer Kenntnis die Wunden zusammen wie die Löcher eines Sackes. Seid froh, daß Ihr sie nicht im Gesicht erhieltet! Dann würde Euch Eure eigene Mutter nicht wieder erkennen. Die Narben, die später zurückbleiben, werden nie verwachsen.«

»Das freut mich!« schmunzelte Mr. Gloster. »Wie werden mich meine Freunde anstaunen, wenn ich sie ihnen zeige!«

»Dankt Eurem Schöpfer, daß die Bestie Euch nicht packte«, meinte Tom Collins lächelnd. »Dann hätten Eure Freunde möglicherweise keine Gelegenheit mehr gehabt, Euch zu bewundern.«

»Mich nicht packte?« wiederholte der Engländer eifrig. »Na! ich denke, sie tat es gründlich! Sie hielt mich umschlungen wie der Bräutigam seine Braut und riß mich so mit sich nieder. Da stach ihr Andrew Brown das Messer in den Hals. Da erst gab sie mich frei!«

»Sieh! Sieh! Davon hat mir der Junge nichts erzählt«, sagte der Indiantrader freudig überrascht. »Hm, hm! Diese Bescheidenheit ist wieder ein guter Zug von ihm. – Wißt Ihr, Sir, daß er Euch dann wahrscheinlich das Leben rettete? – Der Bär war zwar durch Euren Schuß in seinen Rachen tödlich verwundet, als er mit Euch niedersank. Diese Bestien haben aber eine staunenswert zähe Natur. Bevor sie ganz verenden, kehrt meistens ein Teil der alten Kraft noch einmal in ihnen zurück. Sie töten den Jäger noch in ihren letzten Augenblicken, wenn sie ihn einmal in ihren Tatzen halten.«

»St. James! Das wußte ich allerdings nicht«, versetzte Mr. Gloster betroffen. »Ja, dann rettete mir Andrew Brown allerdings das Leben! Der Bär riß mir bereits das Zeug in Fetzen vom Leibe. – By Jove! Ich will es ihm lohnen, ebenso wie Euch die Pflege, die Ihr mir zuteil werden laßt. – Geld spielt bei mir keine Rolle!«

Tom Collins' Miene verfinsterte sich. Ihm fiel ein, was er von Ben Körber über den Engländer erfahren hatte.

»Es ist möglich, daß Ihr bei dem Burschen Euren Dank mit einer Anzahl Dollars abtragen könnt. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die sich für dergleichen Mühen bezahlen lassen. Merkt Euch das, Sir!« sagte er unwillig.

Er nahm einen Kessel aus den glühenden Kohlen der Feuerstelle. Daraus schöpfte er Fleischbrühe in eine Blechtasse, die er dem verdutzten Mr. Gloster an den Mund führte, nachdem er ihn behutsam etwas aufgerichtet hatte. »Trinkt, Sir! Es wird Zeit daß Ihr wieder etwas Warmes und Kräftigendes genießt!«

»Ich habe Euch nicht beleidigen wollen, lieber Freund«, stotterte der Engländer. »Ich dachte, ich könnte von Euch doch nicht umsonst –«.

»Ihr scheint keinen Begriff von den Pflichten zu haben, die jeder Mensch seinen Mitmenschen schuldet. Nehmt es mir nicht übel«, unterbrach ihn der Indiantrader ernst. »Oder glaubt Ihr, daß Ihr ihnen vielleicht enthoben seid, weil Euch das Schicksal mit Gütern segnete? Dann, Sir, bedaure ich Euch von ganzem Herzen. – Für mich seid Ihr augenblicklich ein hilfsbedürftiger Mensch, dem ich gern und nach Kräften diene. Es sollte mich freuen, wenn ich in Euch Eigenschaften entdecke, die mich nötigen, Euch auch zu achten. Euer Reichtum vermag mir keine Achtung einzuflößen. – So! Nun wißt Ihr Bescheid, Sir! Nichts für ungut!«

Eine dunkle Röte stieg in das Gesicht Mr. Glosters. Er kam sich vor wie ein Knabe, der mit Recht gescholten wurde.

Nachdem er die Fleischbrühe getrunken hatte, ließ ihn sein Pfleger wieder sanft zurückgleiten. Er bereute bereits, daß er seinem Gaste seine Meinung wohl etwas hart geäußert hatte. So bat er ihn auf das freundlichste, er möge versuchen, wieder zu schlafen, da Schlaf die beste Arznei für ihn sei. Der Kranke schloß gehorsam die Augen.

Nach einiger Zeit sah Tom Collins, daß der Engländer wirklich wieder eingeschlafen war. Da holte er die draußen stehenden Näpfe herein. Sie waren nicht mehr nötig, weil sich an den Rändern des Powder-Rivers schon eine dichte Eiskruste bildete. Dann zerkleinerte er vor der Behausung Holz mit der Axt und schichtete es bei der Feuerstelle auf. Schließlich machte er sich daran, eine Mahlzeit zuzubereiten. Die Sonne stand schon ziemlich hoch am Himmel, und er dachte an seinen Schützling, der nun bald und gewiß auch hungrig eintreffen würde.

Am Flußufer hatte er ein Reh mit einem Strick an einem höheren Baumast aufgewunden. Das lieferte ihm Fleisch, das er mit Speck in der Pfanne briet. In einem Kessel zerstieß er gebrannte Kaffeebohnen mit einem runden Stein. Die so zerkleinerte Masse schüttete er in die Blechkanne, die er mit Wasser füllte, und hing diese über die Feuerstelle. Außerdem wärmte er ein großes Stück von einem Brote, das er bereits am Morgen gebacken hatte, in einem Kessel wieder auf.

Das Fleisch war fertig gebraten, da trat Andrew Brown, mit Sattel und Zaumzeug beladen, in den Raum. »Ich trieb die Pferde zu den Eurigen an die andere Seite des Flusses«, sagte er.

»All right, mein Junge!« erwiderte der Indiantrader. »Lege deine und deines Herrn Sachen nur dort in jene Ecke. Nachher wollen wir schon Ordnung scharfen. – Warte, ich werde dir behilflich sein.«

Fünf Minuten später lag alles in der Behausung.

»Brrr! Es ist kalt draußen«, sagte Tom Collins, indem er sich schüttelte, und warf mehrere größere Kloben Holz in die Feuerstelle. »Du wirst tüchtig durchgefroren sein. Komm! Iß und trink mit mir! – Dein Herr befindet sich besser. Vor einigen Stunden war er wach und bei Bewußtsein.«

Andrew setzte sich mit seinem alten Freunde an den Tisch, und schweigend verzehrten beide das Mahl.

»So mein Junge«, begann der Indiantrader wieder, als sie gesättigt waren. »Gieße dort in den Napf Wasser! Nimm es aus dem Kessel über der Feuerstelle, und reinige das Geschirr, das wir soeben benutzten! Ich will dir inzwischen etwas erzählen.«

Der Bursche konnte sein Erstaunen über die Zumutung nicht verhehlen. Er folgte jedoch der Aufforderung, während sich Tom Collins gemächlich seine Pfeife entzündete.

Dann lehnte er sich auf seinem Holzblock, dem »Sorgenstuhl«, gemächlich zurück und fuhr fort: »Du zogst mit deinem Herrn von Fort Fetterman zuerst in die Bad-lands, nicht wahr? – Du wolltest dort keine Bären jagen, sondern dein Volk besuchen und es zum Kriege aufhetzen!«

Andrew Brown blickte verwundert auf. Doch dann lächelte er geringschätzig. »Hat der Weiße dort geschwatzt?«

»Er hat in seinen Fieberreden nur bestätigt, unbewußt, was ich heute morgen von Ben Körber, meinem Freunde erfuhr«, antwortete der Indiantrader gelassen.

Andrew lachte spöttisch. Zugleich aber legte sich seine Stirn in zornige Falten. »Aha! Von dem Fallensteller«, murmelte er ingrimmig.

»Ja – von ihm«, sagte Tom Collins und behielt dabei seinen ruhigen Ton. »Er teilte mir mit, daß er von einem Manne namens John Keister –«

»Rotbart!« stieß der Bursche hervor, der nun gespannt aufhorchte.

»– gehört habe, die Indianer, deine roten Brüder, hätten den Kriegspfad betreten.«

Andrew Browns Augen leuchteten triumphierend.

»Sie werden jedoch nicht den geringsten Erfolg haben«, sprach der Indiantrader nach kurzem Schweigen weiter. Er blies dichte Rauchwolken vor sich hin und beobachtete die Miene seines Schützlings scharf.

»Ben Körber ist um diese Zeit bereits im Fort Reno. Spätestens morgen wird auch das Militär in Fort Fetterman gewarnt sein. Das ist früh genug, um den kriegslustigen Indianern entgegenzurücken und den Ahnungslosen irgendeinen Hinterhalt zu legen. Von dort werden sie ohne Verlust auf Seiten der Weißen wie die Hasen zusammengeschossen. – Hast du das vielleicht bezwecken wollen?«

»Nein«, rief Andrew mit geballten Fäusten. »Nicht sie allein, auch die Buntröcke sollten getötet werden, die ich gleichfalls hasse.«

Tom Collins erhob sich und trat vor den Burschen hin.

»Riet ich dir nicht einst, du möchtest nicht allein unter die Weißen gehen?« sagte er freundlich. »Hättest du unter meinem Schutz gestanden, so hätte es keiner gewagt, dich zu verspotten. Dann hättest du heute eine ganz andere Ansicht von den Weißen, die du in deiner Verblendung alle als gleich gesinnt, als falsch, betrügerisch und hinterlistig betrachtest.«

In ernsterem Tone fuhr er fort, und während er sprach, erhielt seine Stimme einen immer härteren Klang: »Nun frage dich: Wie hast du jetzt deinen roten Brüdern gegenüber gehandelt? Du hast dir hinterlistig ihre kindliche Furcht vor ihren Göttern, ihrem Aberglauben zunutze gemacht. Du hast sie durch einige Päckchen Pulver, die du in ihre Lagerfeuer warfst, und durch geheimnisvollen Zuruf betrogen. Du hast dich von der Regierung als Indianscout anwerben lassen, da du mit den Sitten und Schwächen der Indianer und allen Pfaden vertraut bist, die das Militär nicht kennt. Darin steckt eine Falschheit, wie du sie – Gott sei Dank! – unter den Weißen selten findest. – Du selbst hast mir früher einmal gesagt, du schämtest dich deiner roten Haut. Du solltest dich deiner Untugenden schämen, die du mit deinen roten Brüdern gemein hast.«

Andrew schleuderte die Blechteller, die er gerade in der Hand hielt, voller Wut zur Erde und wollte sich entfernen. Der Indiantrader ergriff den Arm seines Schützlings und sagte befehlend: »Halt! Höre mich zu Ende! Du kannst zu deinem Volke nicht zurück. Es wird nach der Niederlage, die es unfehlbar erleidet, bald merken oder erfahren, von wem es genarrt wurde. Sobald dich aber das Militär packt, wirst du eingesperrt. Es weiß, daß sein Indianerscout nicht nur gegen seine roten Brüder, sondern auch gegen die Regierung des Landes hinterlistig, falsch und betrügerisch handelte. Du gehörst also heute weniger denn je weder zu dem roten Volke noch zu den Weißen. Was dir fehlt, das Heim, das biete ich dir jetzt noch einmal, aber nur unter der Bedingung, daß du mir in allem willig folgst. Ich muß es von dir fordern, denn ich werde mich der Regierung für dich verbürgen. Ich hoffe, daß du dann der verdienten Strafe entgehst.«

Er legte dem Burschen die Hand auf die Schulter und schloß freundlich: »Sollte es denn gar nicht möglich sein, daß du das Schlechte abstreifst, das von dem roten Volke in dir lebt? Versuche es, mein Junge, und du wirst dich glücklich, zufrieden und wohl unter uns Weißen fühlen, die dir als Blutsverwandte nahestehen.«

Andrew Brown riß sich mit einem heftigen Ruck los. »Falsch, hinterlistig und betrügerisch war mein Vater, indem er mich und meine Mutter verließ. Er allein ist an allem schuld!« rang es sich zwischen seinen fest aufeinandergepreßten Zähnen hindurch. Dann stürzte er zur Behausung hinaus.

Tom Collins wollte ihm nacheilen. Er bezwang sich jedoch schnell. »Nein!« sprach er laut vor sich hin. »Kein Wort der Überredung mehr! Will der Junge mir jetzt nicht angehören, so muß ich mich damit trösten, daß es mir nicht an gutem Willen mangelte, ihn vom Verderben zu retten.«

Er sah nach dem Kranken. Der schlief fest und atmete tief und gleichmäßig. Er überzeugte sich, daß noch genügend Eis auf den Wunden lag, bekleidete sich mit einem dicken Wams und schritt ins Freie. Dort bestieg er einen Hügel, der unweit der Behausung lag.

Andrew Brown war nirgends zu sehen. Im Osten aber entdeckte er einen Reiter, der sich rasch näherte.

Es war Ben Körber. Schon von weitem schwenkte er grüßend den Hut, als er seinen Freund erblickte. Einige Minuten später hielt er sein dampfendes Pferd bei ihm an.

»Jingo! Das war ein Aufruhr in Fort Reno, als ich meine Neuigkeit ausgekramt hatte«, sagte er gutgelaunt. »Im Nu waren zwei Sergeanten im Sattel, und vier Gäule hinter sich zum Wechseln, ging es auf und davon, hin zu dem Fort Fetterman, um die Kriegsnachricht auch dorthin zu bringen. – Eurem Schützling hat man übrigens nie recht getraut, und – – –«. »Erweist mir einen großen Gefallen, Freund«, fiel ihm der Indiantrader ins Wort. »Ich darf meinen kranken Gast nicht verlassen. Reitet Ihr daher für mich zum Fort Fetterman, und – und – – –«. Er stockte.

»Weiter!« drängte der Trapper neugierig.

»Und bittet den Kommandanten in meinem Namen, daß er den Jungen nicht verfolgen läßt, um ihn zu strafen. Hoffentlich gelingt es mir, daß ich ihn bei mir halten kann, und dann – –« »Wird er Euch ebenso betrügen, wie er die Regierung betrogen hat«, ergänzte Ben Körber mit leichtem Spott.

»Nein, nein! Das wird er nicht!« erwiderte Tom Collins bestimmt. »Bedenkt, daß er mir zweimal das Leben rettete. Ich will mich für ihn verbürgen, wenn es verlangt wird und ich ihn dadurch von einer Strafe befreien kann.«

Der Trapper lächelte. »Ich tue Euch den Gefallen gern. Wir wollen aber zuerst abwarten, ob der Bursche bei Euch bleibt, während sich seine Brüder auf dem Kriegspfade befinden. Ich glaube es noch nicht.«

Der Indiantrader schaute verlegen vor sich nieder.

»Vorläufig hat das Militär in Fort Fetterman anderes zu tun, als ungetreue Indianscouts zu verfolgen«, fuhr Ben Körber heiter fort. »In etwa acht Tagen wird dieser Krieg nach meiner Ansicht beendet sein. Dann will ich wieder bei Euch vorsprechen. Habt Ihr dann noch denselben Wunsch wie heute, so reite ich. – Nun lebt wohl! Ich möchte noch vor Dunkelwerden daheim sein.« Er schüttelte dem Freunde die Hand und trabte eilig weiter.

Tom Collins sah ihm nach, bis er etwa fünfhundert Schritt westlich den Powder-River kreuzte und gleich darauf hinter einer Felsengruppe verschwand. »Du redest auch gegen deine Überzeugung, alter Freund«, murmelte er. »Als wir neulich miteinander von dem Jungen sprachen, merkte ich sehr wohl, daß er dir durchaus nicht so zuwider war.«

Langsam ging er nach seiner Behausung zurück.

Als er eintrat, stand Andrew Brown vor der Feuerstelle und reinigte eifrig das Geschirr.

Ein freudiges Lächeln huschte über das Gesicht des Indiantraders. Er half seinem Schützling schweigend, die Arbeit zu vollenden.

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