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Anabasis

Xenophon: Anabasis - Kapitel 52
Quellenangabe
typetractate
booktitleAnabasis
authorXenophon
translatorMax Oberbreyer
yearca. 1880
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleAnabasis
pages264
created20120726
sendergerd.bouillon@t-online.de
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8.

Sie fuhren hierauf nach Lampsakus über. Xenophon traf hier den Seher Euklides aus Phlius an, den Sohn des Kleagoras, der im Lyceum die »Träume« gemalt hat. Dieser äußerte gegen ihn freundschaftliche Theilnahme an seiner glücklichen Rückkunft und fragte ihn, wie viel Geld er hätte. Xenophon versicherte ihm eidlich, daß er nicht so viel besitze, um nur nach Hause reisen zu können, wenn er nicht sein Pferd und Alles, was er bei sich hätte, verkaufte. Er wollte es ihm nicht glauben. Als aber Xenophon, nach dem Empfange von Gastgeschenken, die ihm die Lampsakener machten, dem Apoll opferte und den Euklides der Opferung beiwohnen ließ, so sagte dieser, nachdem er die Eingeweide besehen hatte: »Nun glaube ich dir, daß du kein Geld hast und bemerke zugleich, daß dir für den Fall, wo du einmal Geld erwerben könntest, etwas im Wege steht, und ist es nichts Anderes, – du selbst.« Xenophon pflichtete ihm hierin bei. »Dir ist,« fuhr Euklides fort, »Zeus 259 MeilichiusDer Versöhner entgegen. Hast du ihm schon einmal auf die Art geopfert, wie ich zu Hause für euch zu opfern, und das ganze Opfer zu verbrennen pflegte?« Auf Xenophon's Antwort, seit seiner Abreise aus der Vaterstadt habe er dieser Gottheit kein Opfer gebracht, rieth er ihm, es zu thun, und zwar auf die gebräuchliche Art, wovon er ihm einen glücklichen Erfolg versprach. Als Xenophon am folgenden Tage nach Ophrynium kam, opferte er, verbrannte nach heimischer Sitte Schweine und erhielt glückversprechende Vorbedeutungen. An diesem Tage kam Biton, und mit ihm Euklides an, um der Armee Gelder auszuzahlen. Sie kehrten beim Xenophon, als ihrem Gastfreunde, ein und gaben ihm das Pferd, das er in Lampsakus um fünfzig Dareiken verkauft hatte, zurück, ohne den Preis desselben annehmen zu wollen: in der Vermuthung nämlich, daß ihn die Noth dazu zwang, und auf die Nachricht, daß ihm das Pferd sehr lieb sei, hatten sie es wieder eingelöst.

Von hier aus marschirten sie durchs Trojanische, überstiegen den Ida und langten erstlich bei Antandrus an; dann zogen sie an der Küste Lydiens hin, bis in die Ebene bei Theben. Als sie hierauf durch Atramyttium und Certonium, neben Atarneus vorbei, bis an die Ebene Kaikus marschirt waren, erreichten sie Pergamus in Mysien. Hier fand Xenophon bei der Hellas, Gattin des Gongylus, eine gastliche Aufnahme. Sie benachrichtigte ihn, es hielte sich ein gewisser Perser Asidates in der Ebene auf; diesen könnte er, wenn er des Nachts mit dreihundert Mann hinzöge, nebst Frau, Kindern und einem sehr ansehnlichen Vermögen aufheben. Ihren Vetter und den Daphnagoras, auf den sie sehr viel hielt, bestimmte sie ihm zu Wegweisern. Als diese zu ihnen kamen, stellte er ein Opfer an. Der Seher Agasias aus Elis, der dem Opfer beiwohnte, versicherte, die Vorbedeutungen wären sehr glücklich, und er würde 260 sich des Persers bemächtigen. Nach dem Abendessen brach Xenophon auf und nahm diejenigen Hauptleute mit sich, die ihm am meisten ergeben waren und deren Treue immer Probe gehalten hatte, um ihnen einige Vortheile zuzuwenden. Es marschirten auch noch an sechshundert Andre, ohne dazu commandirt zu sein, mit aus: die Hauptleute aber trieben sie zurück, um von den Schätzen, die sie wegnehmen zu dürfen glaubten, nichts an sie abgeben zu müssen. Als sie um Mitternacht an Ort und Stelle kamen, ließen sie die Sklaven, die sich rings um den Thurm befanden und sehr viele Beute entwischen, um sich des Asidates selbst und seines Eigenthums zu bemächtigen. Sie belagerten den Thurm: da sie ihn aber wegen seiner Höhe und Größe, und weil er mit Vormauern und einer zahlreichen und streitbaren Mannschaft versehen war, nicht einnehmen konnten, so unternahmen sie es, ihn zu durchbrechen. Die Mauer war acht Ziegel stark; doch mit Anbruch des Tages war sie durchbrochen. Durch die erste Oeffnung, welche gemacht worden war, stieß einer der Feinde mit einem großen Spieße heraus und durchstach dem Nächststehenden den Schenkel; Andre schossen mit Pfeilen hervor und machten jede Annäherung gefährlich. Auf das Geschrei und die Feuerzeichen der Belagerten kamen ihnen Itabelius mit seiner Mannschaft und von Komania schwerbewaffnete Besatzungstruppen, nebst ungefähr achtzig hyrkanischen Reitern, die im Solde des Königs standen, und noch an achthundert Mann leichtes Fußvolk zu Hilfe; auch von Parthenium, Apollonia und andern benachbarten Plätzen eilten leichte Truppen zu Fuß und zu Pferde heran. Nun war es Zeit, auf den Rückzug bedacht zu sein. Sie schlossen daher ein Viereck, nahmen Alles, was sie an Ochsen, Schafen und Sklaven erbeutet hatten, in die Mitte und zogen ab. Ohne an die Schätze zu denken, nahmen sie doch diese Beute mit, um nicht, wenn sie Alles zurückließen, ihren Abzug einer Flucht 261 ähnlich zu machen und dadurch die Kühnheit des Feindes und die Muthlosigkeit der Soldaten zu vermehren; denn jetzt zogen sie mit dem Entschlusse zurück, für ihre Habe zu kämpfen. Als Gongylus die geringe Anzahl der Griechen und die zahlreiche Menge ihrer Verfolger sah, marschirte er wider Willen der Mutter mit seiner Mannschaft heraus, entschlossen an dem Gefecht Theil zu nehmen; auch Prokles, des Damaratus Sohn, führte Hilfstruppen aus Halisarne und Teuthrania herbei. Da Xenophon's Leute durch die Bogenschützen und Schleuderer sehr gedrängt wurden, schlossen sie einen Kreis, um ihre Schilde dem Geschoß entgegen zu halten, und nur mit Mühe vermochten sie, beinahe zur Hälfte verwundet, über den Kaikus zu setzen. Hier wurde auch der Stymphalier Agasias, der immer mit dem Feinde im Gefecht war, verwundet. So kamen sie endlich ohne weitern Verlust mit ungefähr zweihundert Sklaven und so viel Vieh, als man zu den Opfern brauchte, in Sicherheit.

Nach Verrichtung der Opfer am folgenden Tage marschirte Xenophon zur Nachtzeit mit der ganzen Armee aus, um so weit als möglich in Lydien vorzurücken, und dadurch den Feind, der sich in der Nähe in Acht nahm, sorglos zu machen. Als Asidates vernahm, daß Xenophon wieder über einen gegen ihn zu unternehmenden Kriegszug geopfert habe und mit der ganzen Armee anrücken würde, verlegte er sein Hauptquartier in die an die Stadt Parthenium stoßenden Dörfer. Hier stießen Xenophon's Truppen auf ihn und nahmen ihn mit Frau und Kindern, Pferden und Allem, was er hatte, gefangen. Jetzt wurde also die Deutung des ersten Opfers erfüllt. Hierauf kehrten sie nach Pergamus zurück. Nun erkannte Xenophon mit Dank die Gnade jener Gottheit: denn die 262 Lacedämonier, die Hauptleute und Heerführer und die Soldaten betrieben es, daß er unter den Pferden, Gespannen und der übrigen Beute die Auswahl erhielt und nun im Stande war, auch Andern wohl zu thun. Hierauf kam Thibron an, übernahm die Truppen, und nach ihrer Vereinigung mit der übrigen griechischen Armee zog er gegen Tissaphernes und Pharnabazus zu Felde. Hier ist ein Verzeichniß der Statthalter, die in den Provinzen des Königs, durch die wir unsern Marsch nahmen, angestellt sind: in Lydien Artimas, in Phrygien Artakames, in Lykaonien und Kappadozien Mithridates, in Cilicien Syennesis, in Phönizien und Arabien Dernes, in Syrien und Assyrien Belesis, in Babylonien Rhoparas, in Medien Arbakas, über die Phasianen und Hesperiten Teribazus – die Karduchen, Chalyben, Chaldäer, Makronen, Kolchier, Mossynöken, Köten und Tibarener aber leben nach ihrer eignen Verfassung – in Paphlagonien Korylas, in Bithynien Pharnabazus, und über die Thrazier in Europa Seuthes. Die Größe des ganzen Weges, den die Griechen auf dem Hin- und Rückmarsche durchzogen, betrug an Märschen vierhundertfünfzehn, an Parasangen elfhundertfünfundfünfzig, an Stadien vierunddreißigtausendsechshundertfünfzig;Also ungefähr siebenhundertachtzig geographische Meilen [ca. 5800 km]. der Zeitraum des ganzen Feldzuges aber betrug ein Jahr und drei Monate.

 

Ende.

 

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