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Anabasis

Xenophon: Anabasis - Kapitel 51
Quellenangabe
typetractate
booktitleAnabasis
authorXenophon
translatorMax Oberbreyer
yearca. 1880
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleAnabasis
pages264
created20120726
sendergerd.bouillon@t-online.de
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7.

Hierauf verlegte Seuthes sein Lager weiter abwärts: die Griechen aber bezogen die Dörfer, von wo aus sie, nach reichlich eingesammeltem Proviante, an die Küste marschiren wollten. Medosates, dem Seuthes diese Dörfer geschenkt hatte, und der bei der Wahrnehmung, wie sie von den Griechen ausgezehrt wurden, sich sehr entrüstete, kam mit einem Odrysen, dem Vornehmsten unter denen, die aus Oberthrazien herabgekommen waren und ungefähr fünfzig Reitern vor das griechische Lager und ließ Xenophon herausrufen. Dieser kam mit einigen Hauptleuten und andern hierzu tauglichen Personen, heran, worauf Medosates 250 Folgendes sagte: »Es ist ungerecht, Xenophon, daß ihr unsere Dörfer verwüstet. Wir gebieten euch daher, ich vom Seuthes und dieser vom Medokus, Könige in Oberthrazien, hierzu bevollmächtigt, dieses Gebiet zu verlassen, wo nicht, so werden wir Maßregeln dagegen ergreifen und die fortgesetzte Verheerung an euch, als Feinden, zu rächen wissen.« – Xenophon erwiederte hierauf: »Dir auf diesen Antrag nur zu antworten, ist mir widerlich; doch dieses jungen Mannes wegen werde ich sprechen, damit er euch und uns kennen lernt. Ehe wir mit euch das Bündniß schlossen, durchzogen wir diese Landschaft, wo wir wollten, und verheerten sie nach Gutbefinden, hier durch Plünderung, dort durch Feuer. Du selbst, als Gesandter an uns abgeordnet, schliefst in unserm Lager, ohne irgend einen Feind zu fürchten. Ihr im Gegentheil kamt nicht in diese Landschaft, oder geschah es einmal, so standet ihr des Nachts mit aufgezäumten Pferden in Bereitschaft, wie auf dem Gebiete eines euch überlegenen Feindes. Jetzt aber, nachdem ihr unsre Bundesgenossen geworden seid, nachdem ihr durch unsre Hilfe diese Landschaft in Besitz genommen habt, jetzt wollt ihr uns aus ihr vertreiben, aus ihr, die wir eroberten und dann euch gutwillig abtraten; denn der Feind war, wie du selbst weißt, nicht im Stande, uns daraus zu vertreiben. Du aber, weit entfernt, uns für unsre Verdienste um dich mit Geschenken und Beweisen des Wohlwollens zu entlassen, versprachst uns, so viel auf dich ankommt, sogar die Erlaubniß, auf dem Marsche hier das Lager aufzuschlagen. Du verläugnest bei deinen Aeußerungen jede Scheu vor den Göttern und diesem Manne, der dich jetzt im Wohlstande sieht, während du vor dem Bündnisse mit uns, deinem eignen Geständnisse nach, dein Leben vom Raube erhieltest. Doch warum trägst du deinen Antrag mir vor? Ich führe ja nicht mehr den Oberbefehl; denn die Armee habt ihr, um sie wegführen zu lassen, den Lacedämoniern übergeben, und zwar, ihr unvergleichlichen 251 Leute, ganz hinter meinem Rücken, da ich sonst, wenn ich selbst ihnen das Heer übergab, eben so ihre Gunst wieder gewinnen konnte, als ich sie dadurch verlor, daß ich es euch zuführte.«

Als der Odryse dies hörte, sagte er: »Ich wenigstens, Medosates, möchte bei dieser Eröffnung vor Scham in die Erde sinken, und hätte ich es zuvor gewußt, so würde ich dich nicht hierher begleitet haben. Jetzt gehe ich ab, denn Medokus, mein König, würde es sehr mißbilligen, wenn ich zur Vertreibung unsrer Wohlthäter beitrüge.« Mit diesen Worten schwang er sich aufs Pferd und ritt fort, und mit ihm auch die andern Reiter, vier oder fünf ausgenommen. Medosates aber, den es schmerzte, daß die Landschaft so mitgenommen wurde, ersuchte den Xenophon, die beiden Lacedämonier zu rufen. Dieser ging mit einigen hierzu besonders passenden Personen zum Charminus und Polynikus und sagte ihnen: Medosates lasse sie rufen, um ihnen den die Wegführung der Armee betreffenden Antrag, den er ihm schon gemacht hätte, zu wiederholen. »Ihr könnt nun,« fuhr er fort, »wie ich glaube, die der Armee gebührende Löhnung durchsetzen, wenn ihr ihm eröffnet, die Armee habe euch ersucht, ihr vom Seuthes, er möge wollen oder nicht, den Sold zu verschaffen; nach dem Empfange desselben wolle sie euch gern und willig folgen; ihr hieltet diese Forderung für gerecht, und hättet ihr versprochen, sie nicht eher wegzuführen, bis sie das, was ihr gebühre, würde empfangen haben.« Die Lacedämonier versicherten hierauf, sie würden ihm diese und andre wirksame Vorstellungen machen. Sie gingen auch sogleich mit den hierzu tauglichen Personen dahin ab. Charminus sagte nun: »Hast du, Medosates, uns etwas zu eröffnen, so sage es, wo nicht, so haben wir es.« Medosates erwiederte in dem sanftesten Tone: »Ich und Seuthes halten es für billig, daß die mit uns vereinigten Thrazier von euch nicht feindlich behandelt werden; denn die Bedrückung, die ihr 252 ihnen zufügt, trifft jetzt uns selbst, weil sie uns angehören.« – »Wir werden,« versetzten die Lacedämonier, »sogleich abziehen, sobald die Männer, die euch dies Land eroberten, ihren Sold werden empfangen haben: wo nicht, so sind wir jetzt da, um ihnen beizustehen und diejenigen zu bestrafen, die mit Verletzung des beschwornen Vertrags ihnen Unrecht thun. Seid ihr nun auch von der Art, so werden wir bei euch den Anfang machen, unser Recht zu suchen.« – Xenophon setzte hinzu: »Wolltet ihr wol, Medosates, diesen Thraziern, in deren Lande wir stehen, und die ihr eure Freunde nennt, die Entscheidung überlassen, ob es euch oder uns gebühre, dies Gebiet zu räumen?« Allein er wollte sich darauf nicht einlassen, sondern sagte: das beste Mittel wäre, wenn die beiden Lacedämonier des Soldes wegen sich selbst zum Seuthes verfügten, der ihnen, wie er hoffte, Gehör geben würde: wollten sie dies aber nicht, so möchten sie Xenophon mit abschicken und er verspräche, sich selbst dafür zu verwenden; doch bäte er, die Dörfer nicht in Brand zu stecken. Sie schickten hierauf den Xenophon nebst andern Personen ab, die sich zu diesem Geschäfte am besten zu eignen schienen. Bei seiner Ankunft sprach er zum Seuthes:

»Ich komme, Seuthes, nicht von dir etwas zu erbitten, sondern um dich nach meinen Kräften zu überzeugen, daß du keinen gerechten Grund hattest, auf mich zu zürnen, weil ich für die Soldaten den Sold forderte, den du ihnen so bereitwillig versprachst: denn es schien mir eben so vortheilhaft für dich, die Löhnung zu geben, als für jene, sie zu empfangen. Sie machten dich doch, nächst den Göttern, zum Könige über ein ausgedehntes Land und eine zahlreiche Menschenmenge und stellten dich dadurch, wie ich überzeugt bin, auf eine Höhe, wo du bemerkt wirst und wo es nicht verborgen bleiben kann, wenn du eine gute oder eine schlechte That begehst. Einer solchen Person muß, meiner Meinung nach, viel daran liegen, nicht das 253 Ansehn zu haben, als schicke sie Männer, die ihr Gutes gethan haben, mit Undank fort; viel, von sechstausend Menschen vortheilhaft beurtheilt zu werden, und hauptsächlich, sich nie in dem, was sie spricht, als einen unzuverlässigen Mann zu zeigen, denn ich weiß aus der Erfahrung, daß die Reden unzuverlässiger Menschen, leer, unwirksam und ungeschätzt, ihren Zweck verfehlen: Personen aber, deren Wahrheitsliebe anerkannt ist, richten bittweise nicht weniger aus als Andre durch Gewalt; wollen sie Jemand zur Pflicht zurückführen, so erreichen sie diesen Zweck, wie mich auch die Erfahrung belehrt, durch bloße Drohung eben so gut, als Andre durch wirkliche Strafe; versprechen sie Jemand etwas, so gilt ihr Wort so viel, als bei Andern baare Bezahlung. Nun denke einmal zurück, welche Vorausbezahlung uns zu deinen Bundesgenossen machte: keine, so viel ich weiß, sondern im Vertrauen auf die Wahrhaftigkeit deiner Zusage standen so viele Menschen auf, um dir im Kriege beizustehen und dir ein Gebiet zu erwerben, daß nicht nur eine Summe von fünfzig Talenten diese jetzt von dir fordern zu können glauben, sondern ungleich mehr. Wolltest du also das öffentliche Vertrauen, das man auf dich setzte und das dir ein Königreich erwarb, um eine solche Summe verkaufen? Wohlan, so erinnere dich, wie hoch du es schätztest, das zu erhalten, was du jetzt hast. Ich bin überzeugt, daß dir der Erwerb deiner jetzigen Besitzungen wol mehr am Herzen lag, als der Gewinn einer ungleich größern Summe. Nach meiner Vorstellung wäre es im gleichen Grade ein größerer und schimpflicherer Verlust, die jetzigen Vortheile nicht zu behaupten, als sie gar nicht erhalten zu haben, wie es peinlicher wäre, aus einem reichen Manne ein armer zu werden, als von Anfang an nicht reich gewesen zu sein, oder von einem Königsthron in den Privatstand herabzusteigen, als vorher gar nicht geherrscht zu haben. Ist es dir aber unbekannt, daß deine neuen Unterthanen nicht aus 254 Freundschaft für dich, sondern aus Noth sich zur Unterwerfung bequemten und daß sie wol versuchen würden, sich wieder in Freiheit zu setzen, wenn nicht die Furcht sie abhielte? Auf welche Art glaubst du nun wol sie besser in Furcht und auf deiner Seite zu erhalten, wenn sie sehen, daß der Soldat sich willig zeigt, jetzt dazubleiben, wenn du befiehlst, oder auch nöthigen Falls bald wieder zu kommen, und daß andre Truppen, die bei jenen von dir viel Gutes gehört haben, zu beliebigen Diensten dir zuströmen: oder wenn sie von dir die nachtheilige Meinung haben, daß keine andren Truppen, aus Mißtrauen wegen der jetzigen Vorfälle, zu dir kommen mögen und daß die gegenwärtigen gegen sie vortheilhafter, als gegen dich selbst gesinnt seien? Sie unterwarfen sich dir auch nicht, weil wir ihnen etwa an Truppenzahl überlegen waren, sondern weil sie keine Anführer hatten. Mußt du daher nicht jetzt auch den nachtheiligen Fall besorgen, daß sie Einige von denen, die sich von dir für übervortheilt halten, zu Anführern wählen? Oder auch noch mächtigere als diese – die Lacedämonier selbst? Die Armee dürfte diesen nur versprechen, mit desto größerem Diensteifer ihnen in den Krieg zu folgen wenn sie dich jetzt nöthigten, ihre Forderung zu befriedigen, und die Lacedämonier dürften nur, weil sie die Truppen nöthig haben, ihnen dieses Ansuchen bewilligen. Daß aber die jetzt dir unterworfnen Thrazier viel bereitwilliger gegen dich als für dich kämpfen würden, ist gar nicht zu bezweifeln: denn trägst du den Sieg davon, so bleiben sie deine Unterthanen, und wirst du bezwungen, so werden sie frei. Da es jetzt ferner deine Pflicht ist, für das Beste der Landschaft als deines Eigenthums zu sorgen, auf welche Art glaubst du wol sie mehr vor Drangsalen zu bewahren, wenn du die Forderungen der Armee befriedigst und diese dann friedlich ihren Abmarsch nimmt, oder wenn sie wie in Feindes Land stehen bleibt und du genöthigt bist, ein andres zahlreicheres Truppencorps gegen sie aufzustellen, 255 das doch auch Lebensmittel bedarf? In welchem Falle würde dein Aufwand größer sein, wenn du an die Griechen deine Schuld abtrügst, oder wenn du diesen schuldig bleibst und eine noch stärkere Truppenzahl besolden müßtest? Doch Heraklides hält ja, wie er gegen mich äußerte, diese Summe für außerordentlich hoch: allein es muß dir doch wahrlich jetzt viel leichter fallen, diese Summe aufzubringen und abzutragen als vorher, ehe wir zu dir kamen, nur den zehnten Theil derselben. Denn nicht die Zahl bestimmt das Viel oder Wenig, sondern das Vermögen dessen, der da gibt oder empfängt: nun aber betragen deine Einkünfte von einem einzigen Jahre mehr als Alles zusammen, was du vorher besaßest. Bei meinem Eifer in dieser Angelegenheit hatte ich, mein Seuthes, die doppelte Absicht, theils daß du als mein Freund dich der Wohlthaten, die dir die Götter verliehen haben, würdig zeigtest, theils daß ich mein Unglück in der Armee verhüte. Denn wisse, mit diesen Truppen könnte ich jetzt, wenn ich es wünschte, eben so wenig einen Feind züchtigen, als dir, ungeachtet aller Bereitwilligkeit, wieder zu Hilfe kommen; so nachtheilig ist die Armee gegen mich gestimmt. Aber ich rufe dich nebst den allwissenden Göttern zum Zeugen auf, daß ich von dir nie etwas, der Armee wegen, erhielt; daß ich nie das Ihrige für meinen Gebrauch verlangte, daß ich auch das nicht eingefordert habe, was du mir versprachst. Und ich schwöre dir, ich würde es nicht einmal von dir angenommen haben, wenn nicht die Soldaten das Ihrige zugleich mit empfangen hätten: denn es wäre mir schimpflich gewesen, zwar für meinen Vortheil gesorgt zu haben, aber um ihre nachtheilige Lage mich nicht zu bekümmern; zumal da sie mir so viele Ergebenheit bewiesen hatten. Zwar dem Heraklides schien dies Alles nur Kleinigkeit, wenn er sich nur auf jede Art Geld machen konnte: allein, Seuthes, kein Gut ist, wie ich glaube, für einen Mann, zumal für einen Fürsten, so schön, so rühmlich als Tapferkeit, Gerechtigkeit 256 und Großmuth. Denn wer diese besitzt, ist reich durch den Genuß der Freundschaft vieler Menschen und durch den Wunsch vieler Andern, in seine Freundschaft aufgenommen zu werden: im Glück hat er Theilnehmer seiner Freude, und im Unglück findet er Beistand. Doch haben dich weder meine Handlungen, noch meine jetzige Rede von meiner Freundschaft gegen dich überzeugen können, so beherzige nun, was die Soldaten sagten; du warst gegenwärtig und hörtest die Reden jener Menschen, die mich tadelhaft darstellen wollten. Denn sie beschuldigten mich vor den Lacedämoniern, als wenn ich dich den Letztern vorzöge; sie beklagten sich, daß ich mehr auf deinen Vortheil als auf den ihrigen gesehen hätte: ja, sie sagten sogar, ich hätte mich von dir bestechen lassen. Glaubst du nun wol, daß sie mir diesen Vorwurf der Bestechung machten, weil sie übelwollende Gesinnungen gegen dich bei mir merkten, oder vielmehr, weil sie sahen, daß ich es sehr gut mit dir meinte? Ich wenigstens glaube, daß jeder Mensch gegen denjenigen, von dem er Geschenke nimmt, sich wohlwollend beweisen muß. Du hingegen nahmst mich, ehe ich dir noch irgend einen Dienst geleistet hatte, mit einem Vergnügen auf, das sich in Blicken, Stimme und Gastlichkeit äußerte, und du wurdest gar nicht müde, mir für die Folge deine Erkenntlichkeit zu versichern; jetzt nun, nachdem deine Absicht erreicht ist, nachdem ich deine Macht auf den höchsten Grad gebracht habe, der mir möglich war, jetzt bist du fähig, mich, dessen Ansehen bei der Armee ohnedem schon dahin ist, so auffallend zu vernachlässigen? Doch ich hoffe von der Zeit selbst die Ueberzeugung für dich, wie pflichtmäßig diese Zahlung ist; ich hoffe, der Gedanke, daß deine größten Wohlthäter sich über dich beklagen, wird dir einst unerträglich sein. Ich ersuche dich daher um die Verwendung, um mir, wenn du das Geld zahlst, den Grad von Achtung wieder zu verschaffen, welchen ich bei unserer ersten Bekanntschaft genoß.«

257 Hierauf verwünschte Seuthes den Mann, an dem es läge, daß er den Sold nicht schon längst abgezahlt hätte. Alle dachten sich unter diesem den Heraklides. »Denn mir,« fuhr er fort, »ist es nie eingefallen, euch denselben zu entziehen; ich werde ihn auszahlen.« – »Da du dich also,« sagte Xenophon, »zur Löhnung versiehst, so bitte ich dich ferner, sie durch mich auszahlen zu lassen und dadurch zu verhüten, daß ich nicht deinetwegen bei der Armee unter das Ansehn sinke, in welchem ich stand, als ich zu dir kam.« »Durch mich,« erwiederte jener, »sollst du bei den Soldaten nichts an deinem Ansehen verlieren, und wenn du nur mit tausend Hopliten bei mir bliebst, so wollte ich dir die Schlösser und das Uebrige, was ich dir versprochen habe geben.« »Unter dieser Bedingung,« versetzte Xenophon, »kann ich von deinem Anerbieten keinen Gebrauch machen; laß uns nur ziehen.« »Und doch,« sagte Seuthes, »weiß ich, daß es für dich sicherer wäre, bei mir zu bleiben, als abzureisen.« »Ich bin dir,« erwiederte dieser, »für deine Sorgfalt verbunden, allein es steht nicht in meiner Macht, zu bleiben; gelange ich aber wieder, wo es auch sei, zu größerem Ansehen, so soll es, überzeuge dich davon, auch für dich gut sein.« Seuthes sagte hierauf: »Geld habe ich nicht, eine kleine Summe ausgenommen, die ich dir geben will, ein Talent; ich habe aber sechshundert Ochsen, ungefähr viertausend Schafe und an hundertzwanzig Sklaven, diese nimm nebst den Geiseln derer, die dich ungerechter Weise angriffen und ziehe fort.« Lachend sagte Xenophon: »Wenn nun dies zur Löhnung nicht zureicht, wem soll ich dann das Talent bestimmen? Ist es nicht besser, da es für mich gefährlich ist, fortzugehen, mich vor den Steinen zu hüten? Denn ihre Drohungen hast du ja gehört.« Hierauf blieben sie da. Am folgenden Tage übergab ihnen Seuthes, was er versprochen hatte, und ließ die Heerden durch seine Leute treiben. Inzwischen sagten die Soldaten, Xenophon wäre zum Seuthes gegangen, um bei 258 ihm zu bleiben und die ihm versprochenen Geschenke in Empfang zu nehmen: als sie ihn aber ankommen sahen, liefen sie ihm voll Freude entgegen. Da Xenophon den Charminus und Polynikus erblickte, sagte er zu ihnen: »Dies, was ich euch hiermit übergebe, ist durch euch für die Armee erhalten worden; verkauft es nun und vertheilt es unter die Soldaten.« Sie nahmen Alles in Empfang, ließen die Güter durch besonders dazu angestellte Händler verkaufen und zogen sich einen starken Verdacht und viele Vorwürfe zu. Xenophon kam gar nicht dazu, sondern traf öffentlich Anstalten, in sein Vaterland zu reisen; denn noch war in Athen kein Vorschlag, ihn zu verweisen, gegen ihn geschehen und beschlossen worden. Allein seine Freunde in der Armee kamen zu ihm und baten ihn, nicht abzureisen, ehe er die Armee abgeführt und dem Thibron übergeben hätte.

 

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