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Anabasis

Xenophon: Anabasis - Kapitel 49
Quellenangabe
typetractate
booktitleAnabasis
authorXenophon
translatorMax Oberbreyer
yearca. 1880
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleAnabasis
pages264
created20120726
sendergerd.bouillon@t-online.de
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5.

Hierauf rückten sie gegen die oberhalb Byzanz wohnenden Thrazier in das sogenannte Delta, das nicht mehr zu dem Gebiete des Mäsades gehörte, sondern unter dem Teres, einem gewissen ehemaligen Fürsten der Odrysen, gestanden hatte. Hier war Heraklides mit dem aus der Beute gelösten Gelde angekommen. Seuthes ließ Ochsen- und Mauleselgespanne – von letzteren waren aber nur drei vorhanden – vorführen, rief Xenophon herbei und sagte ihm: er solle sich hier nach Belieben nehmen und das Uebrige unter die Heerführer und Hauptleute vertheilen. Xenophon aber erwiederte: »Ich für meine Person bin zufrieden, wenn ich auch erst hinterher etwas erhalte; vertheile es nur unter die Heerführer und Hauptleute, die mir gefolgt sind.« Ein Gespann Maulesel empfing also Timasion aus Dardanum, eins Kleanor aus Orchomenus, und eins der Achäer Phryniskus; die Ochsenjoche vertheilte er unter die Hauptleute, an Solde aber vergütete er nur zwanzig Tage, obgleich schon ein ganzer Monat verflossen war, denn Heraklides gab vor, nicht mehr Geld aus der Beute gelöst zu haben. Xenophon sagte entrüstet zu ihm: »Heraklides, du scheinst für Seuthes' Vortheil eben nicht pflichtmäßig besorgt zu sein; denn wäre dies, so hättest du, um nur den vollen Sold zu bringen, wenn es kein 240 anderes Mittel gab, lieber Geld aus Zinsen genommen und deine Kleider verkauft.« – Heraklides nahm dies sehr übel, und aus Besorgniß, aus Seuthes' Gunst verdrängt zu werden, verkleinerte er Xenophon bei ihm von diesem Tage an nach allem Vermögen. Die Soldaten legten es Xenophon zur Last, daß ihnen der Sold verkürzt wurde, und Seuthes war verdrießlich auf ihn, weil er mit Nachdruck für die Soldaten um den Sold anhielt. Bis dahin hatte Seuthes immer noch geäußert, ihm, wenn sie an die Küste kämen, Bisanthe, Ganum und Neontichos zu übergeben; seitdem aber erwähnte er nichts mehr davon, denn Heraklides hatte, auch hierin Verleumder, die Vorstellung gemacht, es sei gefährlich, dem Befehlshaber eines Armeecorps feste Plätze zu schenken. Nun überlegte Xenophon, ob man den Seuthes auf seinem bevorstehenden Zuge nach Oberthrazien begleiten sollte oder nicht. Heraklides aber führte die andern Heerführer zum Seuthes und suchte sie zu der Erklärung zu vermögen, sie könnten eben so gut als Xenophon die Truppen anführen und versprach ihnen, wenn sie den Feldzug mitmachten, binnen wenigen Tagen den vollen Sold von zwei Monaten. Timasion erwiderte hierauf: »Und wenn ich für fünf Monate besoldet würde, so möchte ich wenigstens ohne Xenophon dem Feldzuge nicht beiwohnen.« Phryniskus und Kleanor traten seiner Erklärung bei. Hierauf schalt Seuthes den Heraklides, daß er nicht auch Xenophon eingeladen hätte. Dieser wurde nun besonders gerufen. Allein er merkte die tückische Absicht des Heraklides, ihn dadurch bei den andern Heerführern verdächtig zu machen, und kam daher in ihrer und aller Hauptleute Begleitung. Da nun Alle sich bereitwillig fanden, wurde der Kriegszug gemeinschaftlich unternommen. Sie marschirten, den Pontus zur Rechten, durch die thrazische Landschaft der sogenannten Melinophagen, 241 nach Salmydessus. Viele Schiffe, die in den Pontus segeln wollen, gerathen hier in Untiefen und stranden; denn das Meer ist hier größtentheils seicht. Die anwohnenden Thrazier haben die Gegend durch Grenzsäulen in Bezirke abgetheilt, und Jeder bekommt das zur Beute, was in seinen Bezirk verschlagen wird. Man erzählte, daß vor Einrichtung dieser Abtheilungen viele Thrazier beim Plündern einander ums Leben brachten. Es wird hier eine Menge von Ruh- und Bettgestellen, Kästchen und kleinen Schränken, Bastpapier und Büchern und anderen Waaren, welche die Schiffer in hölzernen Behältnissen mitführen, erbeutet. Nachdem die Armee diese Landschaft unterworfen hatte, rückte sie weiter. Jetzt waren Seuthes' Truppen schon zahlreicher als die griechischen, denn von den Odrysen waren noch immer Mehrere herabgekommen, und aus allen Gegenden, die sich unterwarfen, erhielt seine Armee immer neue Verstärkung. Das Lager stand in der Ebene oberhalb Selybria, etwa fünfzig Stadien von der Küste entfernt. Allein noch immer erschien keine Löhnung. Alle Soldaten waren gegen Xenophon mißgestimmt, und auch Seuthes zog sich zurück und wendete, sobald ihn jener zu sprechen wünschte, überhäufte Geschäfte vor.

 

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