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Anabasis

Xenophon: Anabasis - Kapitel 40
Quellenangabe
typetractate
booktitleAnabasis
authorXenophon
translatorMax Oberbreyer
yearca. 1880
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleAnabasis
pages264
created20120726
sendergerd.bouillon@t-online.de
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2.

Am folgenden Tage segelten sie bei gutem Winde ab und fuhren zwei Tage am Lande hin. Auf dieser Fahrt betrachteten sie die Küste des Jason, wo die Argo, der Erzählung nach, anlegte und die Mündungen der Flüsse Thermodon, Iris, Halys und Parthenius. Hinter dem letztern erreichten sie Heraklea, eine griechische Stadt und Colonie von Megara, in der Landschaft der Mariandyner. Sie legten neben der Halbinsel Acherusias an. Hier soll Herkules zum Cerberus hinabgestiegen sein, und man zeigt jetzt noch das Wahrzeichen dieser Unternehmung, eine mehr als zwei Stadien tiefe Höhle. Die Herakleer schickten hierauf den Griechen Gastgeschenke, nämlich dreitausend Scheffel Gerstenmehl, zweitausend Eimer Wein, zwanzig Ochsen und hundert Schafe. Durch die dortige Ebene fließt der Lykus, dessen Breite etwa zwei Plethren beträgt.

Die Soldaten versammelten sich hier und berathschlagten, ob die noch rückständige Reise auf dem Pontus zu 191 Lande oder zu Wasser gemacht werden müsse. Der Achäer Lykon stand auf und sagte: »Soldaten, ich wundere mich über die Heerführer, daß sie sich keine Mühe geben, uns Reisezehrung zu verschaffen: denn mit den Gastgeschenken kommt die Armee nicht drei Tage lang aus, und eine Gegend, woraus wir uns mit Proviant für die Reise versorgen könnten, gibt's hier nicht. Ich rathe daher, von den Herakleern nicht weniger als dreitausend Cyzicener zu verlangen.« »Nein,« sagte ein Anderer, »nicht weniger als eine monatliche Löhnung, zehntausend Cyzicener. Wir müssen sogleich in unserer jetzigen Versammlung Gesandte in die Stadt abfertigen und dem erhaltenen Bescheide gemäß dann unsre Maßregeln treffen.« Hierauf wurde zum Behuf dieser Gesandtschaft erstlich Chirisophus, weil man ihn zum Oberfeldherrn gewählt hatte, und dann auch von Einigen Xenophon in Vorschlag gebracht. Allein sie lehnten diesen Auftrag in entschiedenster Weise ab: denn sie hatten beide den Grundsatz, von einer griechischen und verbündeten Stadt nur freiwillige, aber keine erzwungnen Lieferungen zu nehmen. Da man also sah, daß sie dieses Geschäft eben nicht mit Wärme betreiben würden, so wurden Lykon aus Achaja, Kallimachus ans Parrhasia, und Agasias aus Stymphalus abgeordnet. Diese eröffneten der Stadt das Verlangen der Armee, und Lykon fügte, wie es hieß, sogar Drohungen hinzu, wenn man nicht dieses Alles bewilligte. Die Herakleer erwiederten, sie würden hierüber berathschlagen. Unmittelbar darauf aber führten sie alle Güter vom Lande in die Stadt zusammen, verlegten den Markt mit Lebensmitteln eben dahin, schlossen die Thore zu, und dann sah man sie die Mauern besetzen.

Die Urheber dieser Verwirrung beschuldigten jetzt die Heerführer, den Plan verdorben zu haben. Die Arkadier und Achäer traten zusammen, besonders von dem Parrhasier Kallimachus und dem Achäer Lykon dazu verleitet. Ihre Behauptungen waren folgenden Inhalts: es wäre 192 doch schimpflich, daß ein einziger Athenienser über Peloponnesier und Lacedämonier commandirte, ohne der Armee Truppen zugeführt zu haben; ihnen fielen die Beschwerden und Andern die Vortheile zu. »Wir sind es doch,« fuhren sie fort, »denen man die Rettung zu danken hat; denn diese wurde durch die Arkadier und Achäer bewirkt, die übrigen Truppen kamen dagegen nicht in Betracht.« – Und wirklich bestand mehr als die Hälfte des Heeres aus Arkadiern und Achäern. – »Wenn ihr also weise seid, so haltet zusammen, wählt euch Anführer aus eurer Mitte, setzt den Marsch allein fort und sucht euch einige Vortheile zu verschaffen.« Dies wurde beschlossen. Alle Arkadier und Achäer, die unter dem Chirisophus standen, verließen ihn und Xenophon, vereinigten sich und wählten unter sich selbst zehn Anführer, die das, was die Mehrheit unter ihnen beschlossen hätte, ausführen sollten. Chirisophus verlor also das Obercommando am sechsten oder siebenten Tage nach seiner Erwählung.

Xenophon war nun zwar Willens, den Marsch mit ihnen gemeinschaftlich zu machen, weil er diese Maßregel für sicherer hielt, als jeden Heerhaufen getrennt von den andern ziehen zu lassen; allein Neon redete ihm zu, besonders zu marschiren, denn nach Chirisophus' Aussage habe Kleander, Statthalter von Byzanz geäußert, er werde mit dreirudrigen Fahrzeugen in den Hafen von Kalpe kommen. Er gab ihm also deswegen diesen Rath, damit Niemand als sie selbst mit ihren Soldaten den Vortheil, auf den Galeeren abzusegeln, benutzen könne. Chirisophus, der wegen jener Vorfälle aufgebracht war und seitdem gegen die Armee eine Abneigung hatte, stellte ihm frei, zu thun, was er wollte. Xenophon aber, der noch mit dem Gedanken umging, das Commando niederzulegen und auf dem Pontus zu Schiffe abzureisen, brachte Herkules, dem Führer, ein Opfer und forschte bei der Gottheit, ob es vortheilhafter wäre, an der Spitze der noch unter der Fahne 193 stehenden Truppen den Marsch fortzusetzen oder die Armee zu verlassen: die Anzeigen der Gottheit in den Opfern befahlen ihm aber, mit seinem Corps zu ziehen. So trennte sich also das Heer in drei Haufen: die Arkadier und Achäer, über viertausendfünfhundert Mann stark, bestanden aus lauter Hopliten; Chirisophus hatte an tausendvierhundert Hopliten und gegen siebenhundert thrazische Peltasten, die Klearch mitgebracht hatte; Xenophon führte tausendsiebenhundert Hopliten und ungefähr dreihundert Peltasten, auch hatte er allein Reiterei an vierzig Mann.

Nachdem die Arkadier von den Herakleern Schiffe erhalten hatten, fuhren sie zuerst ab, um rasch in Bithynien einzufallen und recht viel Beute zu machen. Sie landeten im Hafen von Kalpe, beinahe in der Mitte von Thrazien. Chirisophus marschirte unmittelbar von Heraklea aus durchs Land: nach seinem Eintritt ins thrazische Gebiet aber zog er längs dem Meere hin; denn er war schon krank. Xenophon aber reiste zu Schiffe und landete an der Grenze zwischen Herakleotis und Thrazien und marschirte nun mitten durchs Land.

 

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