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Anabasis

Xenophon: Anabasis - Kapitel 33
Quellenangabe
typetractate
booktitleAnabasis
authorXenophon
translatorMax Oberbreyer
yearca. 1880
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleAnabasis
pages264
created20120726
sendergerd.bouillon@t-online.de
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3.

Chirisophus kam nicht, Fahrzeuge hatte man nicht in hinlänglicher Anzahl, und Lebensmittel waren auch nicht mehr zu bekommen: es wurde daher der Abmarsch beschlossen. Die Kranken, die Uebervierziger, die Knaben und Weiber und alle Geräthschaften, die man entbehren konnte, wurden eingeschifft, und die zwei ältesten Anführer, Philesius und Sophänetus, gingen als hierzu verordnete Aufseher mit zu Schiffe; die Uebrigen aber traten den Marsch an. Die Wege waren gebahnt, und sie erreichten nach einem dreitägigen Marsche Cerasus, eine griechische am Meere gelegene Stadt und Colonie von Sinope im kolchischen Gebiete. Hier blieben sie zehn Tage. Die Armee wurde gemustert und gezählt, und sie betrug achttausendsechshundert Mann: dies war der Ueberrest; die Andern waren durch das Schwert der Feinde, durch den Schnee und Manche auch durch Krankheit hingerafft worden. Hier theilten sie auch das aus dem Verkauf der Gefangenen gelöste Geld, und von dem für den Apoll und die ephesische Artemis bestimmten Zehnten nahm jeder Heerführer einen Theil für diese Gottheiten in Verwahrung. Für den Chirisophus nahm Neon von Asine einen Antheil in Empfang.

Als Xenophon in der Folge das Weihgeschenk für den 157 Apoll hatte verfertigen lassen, legte er es in den atheniensischen Schatz zu Delphi nieder, nachdem er es mit seinem und dem Namen jenes Proxenus, der mit dem Klearch gefallen war, bezeichnet hatte; denn Proxenus war sein Gastfreund gewesen. Aber den Antheil der ephesischen Artemis ließ er damals, als er mit Agesilaus aus Asien nach Böotien marschirte, bewogen durch die Vermuthung, auf dem Zuge mit Agesilaus einer Schlacht beiwohnen zu müssen, die auch nachher bei Koronäa vorfiel, bei Megabyzus, Tempelaufseher der Artemis zurück, mit dem Auftrage, ihm, wenn er am Leben bliebe, das Gold wieder zuzustellen, im entgegengesetzten Falle aber der Artemis ein Weihgeschenk verfertigen zu lassen, was ihr, seiner Meinung nach, am wohlgefälligsten wäre. Als Xenophon nachher, aus seinem Vaterlande verwiesen, schon in Skillus, einem von den Lacedämoniern bei Olympia erbauten Orte lebte, kam Megabyzus nach Olympia, um die Spiele zu sehen, und gab ihm das anvertraute Geld zurück. Xenophon kaufte dafür der Göttin, der Ortsbestimmung des Orakels gemäß, ein Stück Landes, das vom Selinus durchströmt wird. Der Fluß, der bei Ephesus am Tempel der Artemis vorbeifließt, führt auch diesen Namen. In beiden gibt es Fische und Muscheln: aber die Gegend am Skillus liefert auch noch alle Arten von Wild. Auch errichtete er der Göttin von dem geheiligten Gelde einen Tempel und Altar, und widmete ihr endlich den Zehnten von den Erzeugnissen der Landschaft zum beständigen Opfer. Alle Bürger und Nachbarn beiderlei Geschlechts nahmen an diesem Feste Theil, und die Gäste wurden auf Kosten der Göttin mit Mehl, Brod, Wein, Nachtisch und einem Antheile von dem Opferviehe, was die geweihte Trift, und dem Wilde, was der Forst lieferte, versorgt. Nämlich Xenophons und der andern Bürger Söhne und mit ihnen 158 auch Männer, welche Lust dazu hatten, stellten für dieses Fest, theils auf dem heiligen Gebiete selbst, theils auf dem Pholögebirge, eine Jagd an, welche Schweine, Rehe und Hirsche einbrachte. Das Weihgebiet ist von dem Tempel des Zeus zu Olympia, gegen die Seite hin, wo man aus Lakonien nach Olympia reiset, an zwanzig Stadien entfernt und faßt Haine und wohlbedeckte Berge in sich, die Schweinen, Ziegen, Schafen und Pferden Nahrung gewähren und auch für das Zugvieh der Fremden, die zum Feste kommen, hinreichende Weide liefern. Den Tempel selbst umgibt ein Wald von Fruchtbäumen, die jedes Obst liefern, das bei gehöriger Reise frisch genossen werden kann. Der Tempel ist im Kleinen dem ephesischen ähnlich, und auch das aus Cypressenholz verfertigte Standbild gleicht dem goldenen zu Ephesus. Eine Säule, die am Tempel steht, enthält folgende Inschrift:

»Das der Artemis heilige Gebiet. Der jedesmalige Besitzer und Nutznießer weihe ihr jährlich den Zehnten und erhalte von dem Uebrigen den Tempel in gutem Stande. Thut Jemand dies nicht, so wird es die Göttin ahnden.«

 

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