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Anabasis

Xenophon: Anabasis - Kapitel 31
Quellenangabe
typetractate
booktitleAnabasis
authorXenophon
translatorMax Oberbreyer
yearca. 1880
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleAnabasis
pages264
created20120726
sendergerd.bouillon@t-online.de
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1.

Die Thaten der Griechen auf ihrem Zuge mit dem Cyrus, und auf ihrem Rückmarsche bis zum Pontus Euxinus, ihre Ankunft bei der griechischen Stadt Trapezunt, und das Dankopfer, das sie für ihre Erhaltung auf dem ersten freundschaftlichen Boden darzubringen gelobt hatten, habe ich in den vorigen Büchern beschrieben. – Sie versammelten sich hierauf, um über den übrigen Theil der Reise zu berathschlagen. Zuerst stand Antileo aus Thurii auf und sprach: »Ich wenigstens, Waffenbrüder, bin endlich von dem beständigen Einpacken, Marschiren, Laufen, Gehen in Reih' und Glied, Wachen und Kämpfen erschöpft: endlich wünsche ich von diesen Beschwerlichkeiten auszuruhen, und da wir doch am Meere sind, die noch übrige Reise zu Schiffe zu machen, und ausgestreckt wie Ulysses im Schlafe nach Griechenland zu kommen.« Auf diese Rede äußerten die Soldaten durch lautes Murmeln ihren Beifall. Noch ein Anderer gab eben diesen Rath, und so alle Anwesenden. Jetzt stand Chirisophus auf und sprach: »Soldaten, Anaxibius ist ein Freund von mir, Admiral ist er aber auch gerade. Wollt ihr mich nun an ihn absenden, so hoffe ich mit dreirudrigen Schiffen und andern Fahrzeugen zu eurer Abfahrt zurückzukommen. Bleibt also, da ihr zu Schiffe abgehen wollt, so lange hier, bis ich wieder komme; dies soll aber bald geschehen.« Die 149 Soldaten waren hierüber froh und stimmten für seine baldige Abreise.

Nach ihm stand Xenophon auf und sprach: »Chirisophus reise also ab, um Fahrzeuge zu besorgen, wir aber bleiben. Was wir nun, meinem Bedünken nach, während unsers hiesigen Aufenthalts in unserer Lage zu thun haben, will ich jetzt sagen: zuvörderst müssen wir uns aus den feindlichen Gegenden mit Lebensmitteln versorgen, und haben auch nicht einmal, Wenige von uns ausgenommen, Geld zum Einkauf, und das Land umher ist feindlich. Wir laufen also Gefahr, viele Leute zu verlieren, wenn wir sorglos und unbehutsam nach Lebensmitteln ausgehen. Wir müssen daher, wie ich glaube, aus combinirten Streifzügen uns Lebensmittel holen und nicht aufs Gerathewohl herumschweifen, damit wir diesem Bedürfnisse abhelfen, ohne unser Leben in Gefahr zu setzen.« – Dies wurde beschlossen. – »Hört weiter: Einige von euch werden wol auf Beute ausgehen: ich halte es dafür für rathsam, daß wer diese Absicht hat, uns meldet, daß und wohin er gehen will, damit wir die Anzahl der Abwesenden und Bleibenden wissen, und im Nothfall gemeinschaftlich handeln können; ferner, damit wir, falls sich die Gelegenheit darbietet, Einigen beizustehen, den Ort kennen, wohin wir zum Beistande eilen müssen und im Stande sind, Unerfahrene, die etwas unternehmen wollen, mit gutem Rath zu unterstützen, indem wir die Stärke des Feindes, den sie angreifen wollen, zu erfahren suchen.« – Man willigte ein. – »Ueberlegt auch dies: die Feinde haben Gelegenheit, Beute von uns zu machen, und zu verdenken ist es ihnen nicht, wenn sie uns nachstellen, denn wir sind im Besitz ihres Eigenthums, und ihre Stellung bedroht die unsere. Ich halte es daher für nöthig, um das Lager herum Wachen auszustellen, denn wenn wir abwechselnd wachen und den Feind beobachten, so wird er uns nicht leicht berücken können. Weiter, da wir nicht sicher wissen, ob auch Chirisophus mit einer 150 hinlänglichen Anzahl Fahrzeuge zurückkommen wird, – denn in diesem Falle wäre mein Vorschlag überflüssig – so müssen wir uns, meinem Bedünken nach, Mühe geben, auch aus dieser Gegend Schiffe zusammenzubringen. Sind wir nun bei seiner Rückkunft in dieser Hinsicht schon versorgt, so haben wir desto mehr Fahrzeuge zur Reise, und bringt er selbst keine mit, so können wir uns doch derer bedienen, die wir dann schon haben. Ich sehe hier oft Schiffe vorbeisegeln. Wenn wir uns nun von den Trapezuntiern Kriegsschiffe ausbitten, und mit diesen so viel Fahrzeuge aufbringen und durch Wegnahme der Steuerruder in Verwahrung halten, bis wir eine hinlängliche Anzahl beisammen haben, so können wir dann auf jeden Fall die Abreise unserm Wunsche gemäß bewerkstelligen.« – Auch dies erhielt Beifall. – »Ueberlegt endlich, ob es nicht billig ist, die Mannschaft der aufgebrachten Schiffe auf gemeine Kosten so lange, als sie unseretwegen warten muß, zu verpflegen und ihr die Ueberfahrt zu bezahlen, damit sie für ihre uns geleisteten Dienste doch einigen Vortheil hat.« – Man willigte ein. – »Wenn es uns aber nicht möglich ist, eine hinlängliche Anzahl Fahrzeuge zusammenzubringen, so müssen wir, meinem Bedünken nach, den Seestädten anbefehlen, die Wege, die der Beschreibung nach sehr schlecht sind, zu verbessern. Sie werden dies thun, theils aus Furcht, theils auch um unser bald los zu werden.«

Die Soldaten verwarfen diese Maßregel mit Geschrei. Da nun Xenophon ihre Unbesonnenheit sah, ließ er zwar hierüber nicht stimmen, aber er vermochte die Seestädte die Wege freiwillig auszubessern und brauchte dabei den Beweggrund, daß die Griechen um so eher abmarschiren würden, wenn die Straßen gebahnt wären. Die Griechen erhielten von den Trapezuntiern ein Schiff mit fünfzig Rudern und übertrugen den Oberbefehl darüber dem aus einer lacedämonischen Provinzialstadt gebürtigen Dexippus. Allein statt Fahrzeuge aufzubringen, entfloh dieser mit dem 151 Schiffe aus dem Pontus. Doch in der Folge erhielt er die verdiente Strafe: denn da er sich beim Seuthes in Thrazien unbesonnener Weise in gewisse Händel mischte, verlor er durch den Lacedämonier Nikandros das Leben. Auch erhielten sie ein Schiff von dreißig Rudern und übergaben es dem Oberbefehl des Atheniensers Polykrates, der alle Schiffe, die er aufbrachte, der Armee zuführte. Die Waaren derselben wurden herausgenommen und zu ihrer Sicherheit Wachen hinzugestellt. Die Schiffe brauchte man zur Fahrt. Während dem gingen die Griechen auf Beute aus: manche waren dabei glücklich, andre wieder nicht. Kleänet, der seine und eine andre Compagnie in eine gefährliche Gegend geführt hatte, büßte mit vielen seiner Leute das Leben ein.

 

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