Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Xenophon >

Anabasis

Xenophon: Anabasis - Kapitel 2
Quellenangabe
typetractate
booktitleAnabasis
authorXenophon
translatorMax Oberbreyer
yearca. 1880
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleAnabasis
pages264
created20120726
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

1.

Von Darius und Parysatis stammen zwei Söhne; der Aeltere hieß Artaxerxes,Bekannt unter dem historischen Namen Artaxerxes II. Mnemon der Gedächtnißstarke. der Jüngere Cyrus. Darius wurde krank, und als er nun seinem Lebensende entgegensah, wünschte er seine beiden Söhne bei sich zu haben. Der Aeltere war gerade anwesend; den Cyrus aber ließ er von der Satrapie abrufen, die er ihm nebst dem Commando über die Truppen, die sich in der Ebene bei KastolosMusterungsplatz in Lydien. zu sammeln pflegen, übertragen hatte. Cyrus reiste also hin, begleitet von Tissaphernes, seinem vermeintlichen Freunde, von dreihundert griechischen HoplitenSchwerbewaffnete mit Panzer, Schild, Schwert und Speer. und ihrem Anführer Xenias aus Parrhasia. Darius starb, und als Artaxerxes den Thron bestiegen hatte, brachte Tissaphernes den Cyrus bei ihm in Verdacht, als ob er gefährliche Anschläge gegen ihn hegte. Der König ließ sich überreden, und den Bruder, um ihn hinzurichten, festsetzen. Die Mutter aber bat ihn los, und so kam er wieder in seine Satrapie. Die Gefahr, die ihm gedroht hatte, und der erlittene Schimpf veranlaßte ihn nun zu dem Plane, 12 sich der Herrschaft seines Bruders zu entziehen, und wenn möglich, an dessen Stelle König zu werden. Parysatis unterstützte ihn heimlich, denn sie liebte ihn mehr als den regierenden Artaxerxes. Alle, die der König an ihn abschickte, behandelte er so, daß er sich ihre Ergebenheit in höherem Grade erwarb, als sie der König besaß; seine Unterthanen suchte er zu guten Soldaten zu bilden und sich ihre Liebe zu verschaffen. Er zog ferner ein griechisches Heer so heimlich als möglich zusammen, um den König ganz unerwartet anzugreifen, und führte dieses auf folgende Art aus.

Den Befehlshabern aller der Besatzungen, die er in den Städten hatte, gab er den Auftrag, eine Menge der tapfersten Peloponnesier, so groß als nur thunlich anzuwerben, weil Tissaphernes mit dem Plane umginge, sich jene Plätze zu unterwerfen. Ueber die ionischen Städte hatte nämlich der König Anfangs den Tissaphernes gestellt, damals aber waren sie alle, MiletKarische, von Griechen bewohnte Seestadt. – Es kann im Folgenden nicht unsere Aufgabe sein, jede der zahlreichen genannten Städte näher geographisch zu bestimmen, da hierüber jeder Atlas der alten Welt (z. B. der treffliche Kiepert) bessere Auskunft gibt. Eine gute kleine Specialkarte des Zuges findet sich in Rehdantz' Ausgabe. 4. A. Berlin. ausgenommen, zum Cyrus übergetreten. Als Tissaphernes merkte, daß man es in Milet darauf anlegte, dasselbe zu thun, ließ er einige Bürger hinrichten, und andere wurden verwiesen. Cyrus nahm die Vertriebenen auf, zog ein Heer zusammen, belagerte Milet zu Wasser und zu Lande, und suchte die Vertriebenen wieder einzuführen. Dies verschaffte ihm also einen zweiten Vorwand, Truppen zu sammeln. Den König ließ er durch einen Gesandten ersuchen, doch lieber ihm, seinem Bruder, als dem Tissaphernes diese Städte zu überlassen. Die Mutter half die Sache mit betreiben, so daß der König die Schlingen nicht sah, die ihm gelegt wurden, sondern glaubte, die Zurüstungen seines Bruders seien blos 13 Maßregeln gegen Tissaphernes, und daraus machte er sich eben nichts, denn Cyrus lieferte ihm den gehörigen Tribut von den Städten, die sonst Tissaphernes gehabt hatte. Ein anderes Heer sammelte dieser sich im Chersones, Abydus gegenüber, auf folgende Art. Er wurde mit Klearch, einem vertriebenen Lacedämonier bekannt, gewann Achtung für ihn und gab ihm zehntausend Dareiken.Persische Goldmünze. Klearch warb für diese Summe ein Heer, womit er vom Chersones aus die jenseit des Hellesponts wohnenden Thracier bekriegte und dadurch den Griechen Vortheile verschaffte, so daß die Städte am Hellespont zur Unterhaltung der Truppen freiwillige Beiträge schickten. So wurde nun auch dieses Heer heimlich für Cyrus unterhalten. Sein Gastfreund Aristipp aus ThessalienEin Aleuade aus Larissa. wurde von der Gegenpartei in seinem Vaterlande bedrängt, kam deswegen zu ihm und bat um zweitausend Mann Söldner, und auf drei Monate Sold, womit er über seine Feinde das Uebergewicht zu erlangen hoffte. Cyrus gab ihm viertausend Mann und auf sechs Monate Sold, und machte sich zugleich bei ihm aus, daß er sich nicht eher mit seinem Gegner vergleichen solle, bis er mit ihm darüber würde berathschlagt haben. So wurden nun auch in Thessalien heimlich für ihn Truppen geworben. Seinem Freunde Proxenus, einem Böotier, gab er den Auftrag, mit einer möglichst zahlreichen Mannschaft zu ihm zu stoßen, um seinem Vorgeben nach die Pisidier, die sein Gebiet beunruhigten, angreifen zu können. Dem Stymphalier Sophänet und dem Achäer Sokrates, die auch seine Gastfreunde waren, trug er dasselbe auf, unter dem Vorwande, gemeinschaftlich mit den vertriebenen Milesiern den Tissaphernes bekriegen zu wollen, und diese befriedigten auch seinen Wunsch. 14

 

 << Kapitel 1  Kapitel 3 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.