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Anabasis

Xenophon: Anabasis - Kapitel 11
Quellenangabe
typetractate
booktitleAnabasis
authorXenophon
translatorMax Oberbreyer
yearca. 1880
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleAnabasis
pages264
created20120726
sendergerd.bouillon@t-online.de
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10.

Hierauf wurden dem Cyrus der Kopf und die rechte Hand abgehauen. Der König stieß mit seinen Truppen im Nachsetzen auf das Lager des Cyrus; Ariäus aber hielt mit seinem Heere nicht mehr Stand, sondern floh durch das Lager dem Standorte zu, von wo er ausmarschirt war, einen Weg, der Beschreibung nach, von vier Parasangen. Der König bemächtigte sich nebst vieler andrer Beute, die seine Truppen machten, auch einer Beischläferin des Cyrus, einer Phocäerin, eines schönen und klugen Weibes. Eine andere jüngere Maitresse aus Milet, entfloh den Persern, die sie schon gefangen genommen hatten, ganz nackt, unter dem Schutze der Griechen, die das Gepäck deckten. Diese griffen nämlich den Feind während der Plünderung an, und tödteten ihm viele Leute; und obgleich sie selbst einigen Verlust litten, so wichen sie doch nicht, sondern retteten dies Frauenzimmer und alles Andere, was sich in ihrem Bezirke befand, theils Sachen, theils Personen. Der Abstand zwischen dem Könige und dem griechischen Heere betrug hier dreißig Stadien: denn dieses verfolgte die Feinde, die vor ihm waren, als wenn es Alle besiegt hätte, und die Truppen bei dem Könige plünderten, als wenn ihr Sieg schon vollständig wäre.

Endlich wurden die Griechen gewahr, daß der König das Lager plünderte, und der König erhielt vom Tissaphernes die Nachricht, daß die Griechen über den linken Flügel siegten und die Verfolgung desselben immer weiter trieben. Sofort sammelte der König seine Leute und stellte sie in Schlachtordnung; Klearch aber ließ den Proxenus, 49 der ihm am nächsten war, rufen und berathschlagte mit ihm, ob man nur mit einer Abtheilung, oder mit der ganzen Macht dem Lager zu Hilfe kommen sollte.

Indessen sah man den König wieder anrücken und zwar, wie es schien, gegen das Hintertreffen; man machte also Front gegen ihn und hielt sich fertig, ihn auch auf dieser Seite zu empfangen. Doch der König nahm diese Richtung nicht, sondern auf eben dem Wege, auf welchem er jenseits der linken Flanke des Heeres von Cyrus vorgerückt war, zog er sich wieder zurück, nachdem er vorher diejenigen, die in der Schlacht zu den Griechen übergelaufen waren, nebst dem Tissaphernes mit seinem Corps, an sich gezogen hatte. Denn Tissaphernes war bei dem ersten Angriff nicht geflohen, sondern neben dem Flusse auf die griechischen Peltasten eingedrungen, doch die Griechen verloren dabei keinen Mann; sie öffneten ihre Reihen und griffen den Feind in der Nähe und aus der Ferne mit Wursfpießen an. Episthenes, aus Amphipolis, ein einsichtsvoller Kriegsmann, commandirte sie. Tissaphernes, der sich hierher zurückziehen mußte, kam in das griechische Lager; hier traf er den König an, und so marschirten sie, nachdem sie sich vereinigt hatten, in Schlachtordnung ab. Da ihre Richtung den linken Flügel der Griechen bedrohte, so fürchteten diese, zugleich in der Flanke und im Rücken angegriffen zu werden, und hielten daher für rathsam, diesen Flügel auszudehnen und so aufzustellen, daß er den Fluß im Rücken hätte.

Indem sie so darüber berathschlagten, machte der König schon Front gegen die Griechen, und zwar in derselben Stellung, in welcher er den ersten Angriff gethan hatte. Als die Griechen den Feind zum Schlagen fertig und schon in der Nähe sahen, begannen sie wieder den Schlachtgesang und marschirten noch weit muthiger als das erste Mal auf ihn los. Er aber erwartete den Angriff nicht, sondern in noch größerem Abstande, als das erste Mal, ergriff er 50 schon die Flucht; die Griechen verfolgten ihn bis zu einem Dorfe, wo sie Halt machten; denn jenseit des Dorfes war ein Hügel, wo sich die königliche Schaar sammelte. Sie bestand aus lauter Reiterei und bedeckte die Anhöhe, so daß man nicht wissen konnte, was hinten vorging. Einige erblickten auch, wie sie versicherten, das königliche Panier, einen goldnen Adler auf einem Schafte.

Als sie endlich auch hier vorrückten, verließ das Cavalleriecorps den Hügel, und zwar nicht geschlossen, sondern zerstreut, so daß er nach und nach ganz von ihnen geräumt wurde. Klearch aber rückte nicht hinauf, sondern ließ unten die Truppen halten und schickte den Syrakusier Lycius nebst einem Andern auf die Anhöhe, um zu sehen, was da hinten vorginge. Lycius brachte die Nachricht herunter, daß sich die Feinde ganz der Flucht überließen. Dies geschah kurz vor Untergang der Sonne.

Nun blieben die Griechen hier stehen, legten die Waffen nieder und ruhten aus. Indessen wunderten sie sich, daß sich weder Cyrus noch irgend Jemand von seiner Begleitung blicken ließ: denn seinen Fall wußte keiner, sondern sie vermutheten, daß er entweder der Verfolgung oder einer andern zufälligen Ursache wegen weiter vorwärts gerückt sei. Ihrerseits überlegten sie also, ob es besser wäre, hier zu bleiben und die Bagage nachkommen zu lassen, oder ins Lager zurückzumarschiren. Sie wählten das Letztere und kamen um die Stunde der Abendmahlzeit zu den Zelten, und so wurde dieser Tag beschlossen. Hier fanden sie nun, außer dem größten Theile der übrigen Bagage, auch alle Eßwaaren und Getränke geplündert.

Die Mehl- und Weinwagen, deren Anzahl man auf vierhundert bestimmt, und die Cyrus im Fall eines starken Mangels im Lager zusammengebracht hatte, um sie unter die Griechen zu vertheilen, waren sämmtlich den Königlichen in die Hände gefallen. Die meisten Griechen, 51 die überhaupt noch nicht zu Mittag gegessen hatten, weil sich der König schon vorher sehen ließ, mußten also diese Nacht auch ohne Abendbrod zubringen.

 


 

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