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Amiele

Stendhal: Amiele - Kapitel 29
Quellenangabe
typefragment
titleAmiele
authorStendhal
publisherDiogenes
year1921-24
firstpub1889
volumeBand10
translatorArthur Schurig
seriesStendhal Werkausgabe
senderwww.gaga.net
created20050903
projectiddc3e56ca
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Bruchstücke

Sansfin bringt es zuwege, daß Amiele von einem alten Wüstling aus der Schule des Choderlos de Laclos, einem verkommenen armen Schlucker, dem Marquis von Orpierre (geboren in der oberen Provence, bei Forcalquier) als Tochter anerkannt wird.

Amiele hat den Einfall, die [junge] Herzogin von Miossens seelisch zu studieren. Die gründliche Öde ihres Hauses tut der schwermütigen Amiele wohl.

Die Herzogin geht auf einem Ballfeste aus Widersetzlichkeit gegen die Marquise [von Orpierre] derart dekolletiert, daß sie sich ein Lungenleiden zuzieht.

»Sie ist dem Tode verfallen!« erklärt Sansfin Amielen. »Wenn Sie klug sind und meine Ratschläge aufs Wort ausführen, treten Sie an ihre Stelle!«

Zweifellos ist der Herzog bereit. Amiele ist ihm unentbehrlich geworden. Sie könnte über große Summen verfügen und Valbayre nützlich sein.

Valbayre kommt vor das Schwurgericht. Er hätte zum Tode verurteilt werden können, kommt aber mit lebenslänglicher Galeere davon.

Durch einen entlassenen Sträfling beauftragt er Amielen, mit einer Räuberbande, Spießgesellen von ihm, den Herzog zu bestehlen. Er verspricht sich 50 000 Franken von dem Einbruche. Schrecklicher Kampf in Amiele. Sie verhält sich ablehnend. Sansfins Ziel ist, Amielen an den Herzog zu verkuppeln, der ebenso schwach wie liebenswürdig ist, und ihn später dahin zu bringen, daß er sie heiratet.

Amiele, die dem Reichtum gegenüber durchaus unempfänglich ist, lacht über Sansfins Pläne, aber sie läßt sich doch leiten.

Sansfin sagt sich: Ist Amiele Herzogin, dann habe ich einen Stützpunkt, einen Salon, dessen ich mich nicht zu schämen brauche, ja, einen vornehmen Salon. Bei meinem Genie fehlte mir nichts als das! Besitze ich diesen Stützpunkt, dann kann ich, wie Archimed, die Welt aus den Angeln heben! In ein paar Jahren bin ich ein großer Mann wie Victor Hugo. Ich spüre die geistige Kraft in mir, diese Franzosen mir zu unterwerfen. Habe ich erst hohe Würden, so werden sie in ihrer Eitelkeit stolz auf ihre Beziehungen zu mir sein und meinen Buckel übersehen.

In Valbayre bewundert Amiele den Tatenmenschen, den Mörder. Ihm gegenüber handelt sie aus echter Liebe oder einfach im starken Impuls, den die gewaltige Willenskraft verursacht, die sie in dem Verbrecher erkannt hat. An dem grundhäßlichen Manne gefällt ihr, daß er in den Ruhepausen sich selbst treu bleibt und während der Tat neue Kräfte gewinnt. Das ist die beste Offenbarung von Amielens Charakter.

Die Herzogin stirbt. Sansfin bringt die Heirat Amielens mit dem Herzog zustande und erhält eine große Summe dafür.

Die Neuvermählten begeben sich nach Forcalquier, zum Besuche des Marquis von Orpierre, dem angeblichen Vater Amielens.

In Toulon, wo beide verweilen, erblickt sie Valbayre in Ketten. Drei Tage darauf verläßt sie ihren Gatten, unter Mitnahme alles dessen, was er ihr geschenkt.

Für schweres Geld verschafft sich Valbayre (der aus Straßburg stammt und die deutsche Sprache beherrscht) die Papiere eines deutschen Edelmannes. Er kehrt nach Paris zurück. Er verübt aufs Geratewohl einen Mord (wie Lacenaire) und wird hingerichtet.

Aus Rache zündet Amiele das Gerichtsgebäude an. In den Trümmern der Brandstätte findet man halbverkohlte Gebeine. Es sind die Überreste Amielens.

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