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August Strindberg: Am Meer - Kapitel 4
Quellenangabe
typefiction
authorAugust Strindberg
titleAm Meer
publisherInsel-Verlag
translatorMathilde Mann
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080303
projectid39c360a5
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Viertes Kapitel

An einem Sonntagvormittag saß der Inspektor an seinem offnen Fenster. Der Vorsommer hatte seinen Einzug gehalten, mit lichtblauer Farbe auf dem Wasser und einem schwachgrünen Ton in den Klippenschluchten über den unbedeutenden Überresten von Flechtenarten und Moos.

Der Vogelzug war gen Norden gegangen, und nur einige vereinzelte Eidergänse schwammen paarweise in den Buchten umher. Die große Einsamkeit ergriff ihn heute, als er draußen auf der Ostsee einige Fahrzeuge unter den lebhaften Farben fremder Flaggen gen Süden steuern sah, zufällig oder folgerichtig alle lichtstärker als dies armselige Blau und fahle Gelb, das so leicht schmutzig wird. Er sah die aufreizende Trikolore auf einer Brigg, die Bretter aus Norrland führte, kürzlich mit Wein und Apfelsinen hierher gekommen war und nun den Kurs nach den hellgelben, völkerreichen Küsten nahm; der verweichlichte Danebrog auf einem Butterschoner lag im Kielwasser des weißen Flaggentuches eines mächtigen deutschen Postdampfers, mit Trauerrändern und dem Reichszeichen gleich einem Pik-As über etwas Rotem; die englische Blutfahne, das spanische Marquisenleinen, den Bettzwillich des amerikanischen Königs Baumwoll; sie stellten ebensoviele Grüße von fremden Nationen dar, denen er sich enger verbunden fühlte als den Fremden, die er Landsleute nannte, da er das Recht besaß, auf seinem Feierkleide alle diese Farben zu tragen, nicht aber die seines eigenen Landes. Und heute hatte er ein Gefühl, daß diese Erinnerungen an seine Weltbürgerschaft ihn mehr stärkten als sonst, denn in der letzten Zeit war er von offen ausgebrochenen Feindseligkeiten umgeben gewesen. Er hatte kürzlich angefangen, die Durchführung eines seit mehreren Jahren geltenden, bisher jedoch nicht befolgten Gesetzes über eine bestimmte Maschengröße für die Netze zu erzwingen, war hierbei jedoch auf einen Widerstand gestoßen, der zur Folge hatte, daß er, als ihm schließlich offener Trotz gezeigt wurde, den Amtsvorsteher herzurufen und die Netze mit Beschlag belegen lassen mußte. Ehe er diesen Schritt unternahm, hatte er freilich den Fischern gründlich bewiesen, wie das Eingreifen des Staates nur aus Fürsorge für das eigene Wohl der Bevölkerung veranlaßt worden war, hatte hervorgehoben, wie gerade diejenigen, die ein Gehöft nicht teilen wollten, weil sie lieber einen Sohn als Erhalter des Geschlechts in Wohlstand sahen, durch ihre unvernünftige Fischerei einen Zustand hervorriefen, durch den ihre Kinder dem Armenwesen anheimfallen mußten. Aber es half alles nichts. Alle Verhaltungsmaßregeln wurden als feindliche Erfindung eines Haufens beschäftigungsloser Beamter angesehen, die mit dem Gelde der Bevölkerung bezahlt wurden, um sie zu peinigen. Vergebens wandte der Inspektor ein, daß die Bauern im Reichstag das Gesetz durch ihre Abstimmung durchgeführt hatten, in welcher Veranlassung die Fischer nun ihren Haß gleichmäßig zwischen der Regierung und den Bauern teilten.

Da war es ihm klar geworden, daß diese fischende Bevölkerung wirklich ein Überbleibsel des Urzustandes der menschlichen Gesellschaft vertrat: sorglos, unbedacht, ohne des Bauern Denken an den morgenden Tag oder das nächste Jahr. Es war der Wilde, der zwei Tage lang auf Jagd ging und acht Tage schlief. Und so wie der Wilde war diese Bevölkerung im Besitz gewisser negativer Fähigkeiten, zu entbehren und zu dulden, ohne die positive Kraft, ihre Lage durch Erfindungen zu verbessern, und mit einem entschiedenen, instinktiven Unwillen gegen alles Neue, wodurch sie ihr Unvermögen, sich zu einem höheren Kulturstadium zu erheben, verrieten. Alle diese Fischer waren der Bodensatz der ursprünglichen Volksstämme des Landes, die, als der Kampf um die fruchtbaren Flußtäler und die Ufer der Seen stattfand, keinen festen Fuß gewinnen konnten, sondern fliehen mußten oder nach den Klippen hinausgedrängt wurden, wo der fruchtbare Boden aufhörte und das unsichere Meer nur seinen zufälligen Spielgewinn lieferte. Und als Spieler waren sie ebenso unzuverlässig wie das Glück, nahmen es nicht genau in bezug auf die Mittel, die sie benutzten, sondern nahmen kleine Vorschüsse auf den großen Fang, den ein glücklicher Schiffbruch ihnen bringen mußte. Deswegen hatten sie sich gleich empört gegen den Neuangekommenen, und in ihrer Verblendung hatten sie nicht einsehen können, daß er aus Ehrgeiz kam, um zu versuchen, ihre Stellung zu verbessern und sie von unnötiger Arbeit zu befreien. So hatte er einen selbstkontrollierenden Windmesser für den Oberlotsen konstruiert, der ihm meteorologische Berichte erstatten sollte. Der Apparat war aus einem alten Bohrer und einigen zerschnittenen Sardinenbüchsen gemacht; er war jedoch nicht angenommen, sondern oben auf den Boden beiseite gestellt worden. Er hatte in Krankheitsfällen Hilfe leisten wollen, war aber abgewiesen; er hatte die Frauen lehren wollen, den Rauch in der Küche zu verhindern, indem er eine Heringstonne als Rauchkappe auf dem Schornstein anbrachte, aber sie hatten über ihn gelacht und jammerten nach wie vor über den unleidlichen Rauch. Er hatte einem der Fischer, der sich vergeblich bemüht hatte, Kartoffeln zu pflanzen, lehren wollen, Seesand mit Hilfe von Tang und Fischabfällen zu düngen, wie er es die Bevölkerung von gewissen Küstengegenden Englands hatte tun sehen, ohne jedoch Gehör dafür zu gewinnen. Und als er sah, wie die Überbleibsel des großen Strömlingsfanges im Frühling dalagen und verfaulten infolge von Mangel an Salz, wollte er die Fischer das Notmittel der Färinger lehren: den Hausbedarf mit Tangasche einzusalzen, eine Methode, die diese Inselbewohner beim Käsemachen anwenden.

Das Ergebnis aller seiner Bestrebungen, nützliches Wissen zu verbreiten, lief darauf hinaus, daß er den Spitznamen »Doktor Allwissend« erhielt, für nicht recht klug gehalten wurde, Anlaß zum Gelächter bei jedem Kaffeeklatsch und allen Trinkgelagen war, und daß die Kinder heulten, wenn sie ihm begegneten.

Das Mißverhältnis zwischen dem, was er war und wofür man ihn hielt, wirkte anfangs nur komisch, allmählich aber, als offenbare Feindseligkeit anstelle des bisherigen kühlen Verhältnisses trat, fühlte er eine ungünstige Einwirkung auf sein seelisches Befinden. Es war, als liege eine mit entgegengesetzten elektrischen Strömen gesättigte Gewitterwolke über ihm und reize sein Nervenfluidum, als wolle sie dasselbe durch eine Neutralisierung zerstören. Er hatte ein Gefühl, als wenn die Gedanken der Menge, die auf ihn konzentriert waren, möglicherweise die Fähigkeit besäßen, ihn nach und nach niederzuziehen, sein Selbstbewußtsein zu schwächen, so daß die Zeit kommen konnte, wo er nicht an sich selbst und seine geistige Überlegenheit glaubte, sondern daß schließlich ihre Ansicht, daß er der Tropf sei und sie die Gesunden, sein Gehirn ergreifen und ihn zwingen würde, ihrer Meinung Folge zu leisten.

Während ihn diese Gedanken erfüllten, war ein neuer Gegenstand innerhalb der fünfundvierzig Grade des Horizonts aufgetaucht, die er von seinem Fenster aus mit dem Blick bestreichen konnte. Eines der Kanonenboote der Flotte lief mit halber Kraft ein in den Schutz der Schäre, barg die Segel und ging vor Anker. Durch das Fernrohr sah er die Matrosen sich in einem scheinbaren Wirrwarr bewegen, jedoch ohne sich zusammenzudrängen; jeder Mann eilte auf seinen Platz, an sein Tauende, an sein Fall, als die Bootsmannspfeife ertönte. Die schlank gebauten Breitseiten des Fahrzeuges, der gespannte Bug, wo die eisernen Platten auseinanderspringen zu wollen schienen, aber dennoch ihre zusammengepreßten Kräfte in einer vorwärtsgehenden Richtung vereinten und gleichsam im Bugspriet ausströmten, die energischen Röhrenformen des Dampfrohrs und des Schornsteins, die Widerstandstellung der Masten, Stagen und Wanten gegenüber, die kreisrunde Mündung der Kanone, alles zeugte von einer Sammlung wohlgeordneter Kräfte, die einander durch Gegensatz und Zusammenwirkung zügelten und ihn in eine harmonische Stimmung versetzten. Es war ihm, als entströmten Kraft und Ordnung dem keilförmigen eisernen Rumpf, in dem Zweckmäßigkeit, Begrenzung und Mäßigung zu einem schönen Ganzen vereint waren, das durch Reflexion einen tieferen Genuß hervorrief, als ihn ein schönes Kunstwerk dem oberflächlichen Beobachter auf dem Wege des Gefühls zu verschaffen pflegt.

Aber bei Nachdenken kam noch etwas anderes zu ihm herein aus dieser kleinen schwimmenden, wasserumflossenen Gesellschaft. Er fühlte sich gestärkt, als habe er eine Stütze in diesem Bilde von Macht, das von der Volksvertretung und der Regierung mit Autorität ausgestattet und mit Anwendung aller Hilfsmittel der Kultur und der Wissenschaft die höher Entwickelten gegen das Vordringen der Barbarei von unten her beschützte. Er sah mit Befriedigung ein paar von den Intelligentesten mittels einer Bootsmannspfeife diese Hunderte von Halbwilden lenken, die nicht über das zu räsonieren wagten, was sie nicht verstanden. Er hatte sich niemals verleiten lassen, den modernen, persönlichen Beobachtungsfehler zu begehen, daß die niederen Klassen durch ihre untergeordnete Stellung und die gröberen Nahrungsmittel leiden. Er wußte nämlich sehr wohl, daß sie sich an dem Platz befanden, der für sie paßte, und daß sie ebensowenig darunter litten wie es die Fische quälte, daß sie keine Amphibien geworden waren. Und was die gröberen Speisen betrifft, so wußte er aus Erfahrung, da er zuweilen einige von den Fischern zu Tische eingeladen hatte, wie sie das verschmähten, was nicht ausschließlich dazu bestimmt war, den Bauch zu füllen, ja sogar das gewöhnliche Schwarzbrot dem feinen Weizengebäck vorzogen. Er hatte niemals an all das Gerede von Hunger geglaubt, wenn es sich nicht um einen Ort handelte, der von einem großen Unglück betroffen war, und selbst dort nur ausnahmsweise, denn man hatte ja das Armenwesen, das so oft von Faulpelzen und minderwertigen Personen mißbraucht wurde, die sich unter Vorschützung von Krankheiten, die sie gar nicht hatten, Unterhalt erzwangen. Er hatte niemals den Kleinen geschmeichelt, niemals das Knie vor den Unbedeutenden zu beugen gebraucht, obwohl er selbst von oben ausgestoßen worden war, von einer Gesellschaftsschicht, die während einer allgemeinen Verfallperiode sich mit gestohlenem Ruhm emporgeschwindelt hatte und die jetzt bedrückend auf dem lag, was emporsprießen wollte. Und er ließ sich auch jetzt nicht verleiten, dies lose Bild der oberen Schichten zu überschätzen, das ihm in Gestalt eines Kriegsschiffs auf gewisse Weise Bewunderung einflößte, das aber auf der andern Seite nur ein Überbleibsel von dem Staatssystem war, das mit Hilfe von komprimiertem Gas und Bessemerzylindern Gewalt gegen das Geistesleben ausübte.

Da wurde unten bei den Wirtsleuten mit der Tür geschlagen, und die Zungen wurden in Bewegung gesetzt durch den eintretenden Oman, dessen Fischnetze konfisziert worden waren. Die Branntweingläser klirrten, und der Lärm stieg gleichzeitig mit dem jetzt aufgefrischten Rausch des gestrigen Tages.

»Idioten und Volksverderber, die sich einbilden, mehr zu verstehen als vernünftige Fischer! Das sind diese Herren, die zweitausend Kronen dafür bekommen, daß sie auf dem Sofa liegen und Bücher lesen – Bengels, die nicht trocken unter der Nase sind und uns Alten belehren wollen – solche Diebe und Zigarettenhelden, die mit Schweineschwänzen unter der Nase gehen, solche...!«

Und dann folgte eine Sturzsee, die sich mit Vestmans tatsächlichen Aufklärungen vermischte, die er an Bord des »Jakob Bagge« über die Abstammung des Inspektors aufgeschnappt hatte, über das unregelmäßige Geschlechtsleben des Vaters, die niedere Herkunft der Mutter, Andeutungen auf die Entlassung des Inspektors aus seiner früheren Stellung usw.

Der Lauschende versuchte wie gewöhnlich, sich taub und gleichgültig zu machen, aber die Worte trafen, besudelten ihn, verletzten ihn gegen seinen Willen. Alte Zweifel an der Rechtschaffenheit des Vaters, Zweifel an dem eigenen Wert, Angst, sich nicht gegen diesen Schlammregen verteidigen zu können, einen Kampf nicht vermeiden zu können, in dem er auf Grund seines Feingefühls in der Wahl der Kampfmittel unterliegen würde, begannen in ihm rege zu werden.

Jetzt wurde an Bord des Kriegsschiffes mit der Glocke geläutet, dann rollte ein Trommelwirbel, und aus Hunderten von Kehlen führte der Sommerwind die Töne eines geistlichen Liedes, ernst, rhythmisch geordnet, über das Wasser hinaus, während gleichzeitig der Lärm und die Drohungen von unten her knurrend aufstiegen wie aus den Kräften einer Menagerie und sich in den Fermaten des geistlichen Liedes bis zu Geheul steigerten, denn jetzt war Uneinigkeit zwischen den Parteien entstanden bei dem Vorschlag, sich mit Gewalt wieder in den Besitz der Netze zu setzen.

Der Inspektor, der Kirchen als eine Art archäologischer Sammlungen oder interessanter Pagoden aus längst entschwundener Zeit betrachtete, entsann sich jetzt plötzlich einer Äußerung, die ein junger Pfarrer eines Nachts während einer Diskussion über den christlichen Kultus getan hatte:

»Ich glaube nicht an Christi Göttlichkeit und all dergleichen, aber glaubt mir, das Gesindel muß in Furcht gehalten werden!«

»Das Gesindel muß in Furcht gehalten werden!« wiederholte er für sich, verlor aber sofort den Gedankenfaden, da unten eine Prügelei ausbrach. Stühle wurden umgeworfen, Stiefelabsätze donnerten gegen die Möbel, und Gebrüll wie von Vieh vermischte sich mit reptilartigem Fauchen, und über dies alles schimpfte eine Frauenstimme, die viele hundert Worte in der Minute hervorbrachte.

Da ertönte die Pfeife des Dampfers, der Anker wurde gelichtet, die Segel gehißt, und der Schornstein sandte eine rußschwarze Wolke zu dem blauen Frühlingshimmel empor. Mit einem Gefühl von Entbehren und Unruhe sah Borg den Dampfer und die schöne Kanone gen Süden entschwinden. Es war ihm, als habe er eine Stütze verloren, als schlüge der Haß wie ein Sack um ihn zusammen. Er wollte entfliehen, gleichviel wohin.

Jetzt schrie ein Kind, ob aus Furcht oder aus Schmerz, konnte er nicht hören, denn während des Tumults hatte er sich die Treppe hinuntergeschlichen, war in den Hafen hinabgekommen und hatte sein Boot losgemacht, mit dem er, so schnell er nur konnte, von Land abstieß.

Die Schäre, die er verließ, war die östlichste in einer ganzen kleinen Inselgruppe, die bisher seiner Aufmerksamkeit entgangen war, die er aber jetzt in seinem Bedürfnis nach Einsamkeit aufsuchen wollte. Als Hasser starker körperlicher Bewegungen, die er teils überflüssig fand, da man ja Verkehrsmittel und Maschinen hatte, teils schädlich für sein Nerven- und sein Gedankenleben hielt, da das feine Werkzeug, das das Gehirn umschloß, ebensowenig Erschütterungen vertrug wie das Haus, in dem die Präzisionsinstrumente des Astronomen aufbewahrt werden, hatte er nie rudern gelernt; aber sein Taktsinn machte ihn schnell zu einem tüchtigen Ruderer, und sein physikalisches Wissen lehrte ihn, diese uralte Erfindung zu verbessern, so daß er, indem er die Ruderbank hob, Armkräfte sparte.

Als er nun die Schäre sich hinter dem Boote entfernen sah, begann er freier zu atmen, und als er kurz darauf an dem kleinen Werder anlangte, ergriff ihn ein unbeschreibliches Gefühl von Glück. Es war eine helle, langgestreckte Miniaturinsel, deren Strandklippen aus grauem Gneis einen kleinen Hafen bildeten, in den er mit dem Boot eingelaufen war. Das Wasser war hier so klar wie verdichtete, fließende Luft, und die weichen Farben des Tangs schimmerten unten auf dem Grunde, als seien sie in eine Glasmasse eingeschlossen. Die Steine des Strandes lagen gewaschen, getrocknet, abgeschliffen und boten eine Abwechslung in Farben dar, die niemals ermüdete, da keine von ihnen die gleiche war, und dazwischen guckten kleine Haufen von Samtgras und Riedgras hervor. Mit einem leisen, gleichmäßigen Steigen hob sich der Abhang, und in den Vertiefungen, im Moos verborgen, lagen die Eier der Möwen, zu dreien, kaffeebraun mit schwarzen Punkten, während die Besitzerinnen über dem Kopf des unwillkommenen Gastes schrien und lärmten. Borg ging weiter und stieß, höhersteigend, auf einen Steinhaufen, ein Seezeichen, von Wildenten, Möwen und Seeschwalben weiß gemalt. Hier wuchsen einige Wacholderbüsche, wie Teppiche ausgebreitet, und darunter hatte sich eine Menge von den weißen, feinen Sternblumen ein trauliches Plätzchen improvisiert, eine Vereinigung der Berggegenden Mitteleuropas und der Schatten der nordischen Wälder.

Nicht ein Busch oder ein Baum ragte über den halbkahlen Felshängen empor, und dieser vollständige Mangel an Schatten und Schlupfwinkeln versetzte den Besucher in eine lichte und fröhliche Gemütsstimmung. Alles lag offen überschaulich und sonnenbestrahlt auf dieser Klippe, und das Wasser, das ihn von dem kürzlich verlassenen Heim bei den Wilden trennte, schien ihn mit einer unübersteigbaren Mauer von reiner Durchsichtigkeit zu umgeben. Die halb arktische, halb alpenähnliche Landschaft mit ihren Urzeitbildungen erfrischte ihn und spendete ihm Ruhe. Und nachdem er ausgeruht hatte, ging er wieder in das Boot und ruderte weiter. Er kam an drei blankgeschliffenen Klippenblöcken vorüber, die drei Versteinerten Wellen glichen, kahl, ohne Spur von organischem Leben, und die nur wissenschaftlich geologisches Interesse bezüglich ihres Entstehens hervorriefen. Dann bog er um eine flachgedrückte Klippe aus rotem Gneis, auf deren Leeseite eine hundertjährige Eberesche stand, einsam, moosbewachsen, knorrig; in dem ausgehöhlten Stamm hatte eine Bachstelze in Ermangelung von etwas Besserem ihr Nest gebaut. Der kleine kokette Vogel ließ sich zwischen den Sandsteinen nieder und wollte dem Feind einbilden, daß in dem Baum keine Spur von Nest oder grauweißen Eiern zu finden sei.

Die Eberesche stand auf einem kleinen Stück Rasen, einige Quadratellen groß, und war ein Bild der Einsamkeit; aber stark geworden war sie in Ermangelung von Nebenbuhlern, sie konnte besser Sturm, Salz und Kälte ertragen als den Kampf um die Erdbrocken mit ihresgleichen. Der Inspektor fühlte sich angezogen von der einsamen Alten und sehnte sich einen Augenblick danach, eine Hütte an ihrem Stamm zu bauen, aber der Eindruck verschwand doch so schnell wieder, wie er gekommen war, und er zog weiter.

Jetzt tauchte eine dunkle Klippe hinter der Landspitze des äußersten Werders auf. Sie trug die kohlschwarze Farbe der vulkanischen Bergart Diorit, und als er sich ihr näherte, fühlte er sich beklommen. Die schwarze, kristallisierte Masse schien von dem Meeresboden ausgespien, und nachdem sie einige Festigkeit erlangt hatte, in einen schrecklichen Kampf mit dem Wasser oder dem Licht geraten zu sein, denn sie war in acht Teile geborsten. Fast senkrecht standen die schwarzen, glitzernden Wände an dem kleinen Hafen entlang, und als die Jolle unter ihnen anlegte, war es ihm, als sei er tief unten in einer Kohlengrube oder in einer rußigen Schmiede. Die Umgebungen belasteten und bedrückten ihn; er begann an einem der Abhänge hinaufzuklettern und stieß ganz oben auf ein Seezeichen mit einer weißgemalten Tonne auf der Spitze der Stange. Diese Spur von Menschenhand hier draußen, wo keine Menschen zu sehen waren, diese Mischung von Galgen, Schiffbruch und Steinkohle, dieser rohe Kontrast zwischen den zusammengesetzten farblosen Farben Schwarz und Weiß, die Mischung von unfruchtbarer gewaltsamer Natur ohne organisches Leben, da sich auf der ganzen Felsklippe auch nicht eine Spur von Moos fand, und dann diese Tischlerarbeit ohne das Zwischenglied der Vegetation oder Übergänge aus Urnatur zu menschlicher Handarbeit wirkte aufregend, unruheerweckend, brutal. Und in der großen Sonntagsstille hörte er unter seinen Füßen, wo herabgestürzte Steinblöcke eine Brücke über einen Spalt geschlagen hatten, wie die lange Dünung unter die helle Schäre hineingesogen wurde, die Luft vor sich zusammenpreßte, so daß sie stark klatschte und sich mit einem fauchenden, hohlen Seufzer zurückzog.

Er blieb eine Weile stehen und schwelgte in der Beklommenheit selbst, ließ sich zurückführen zu älteren Eindrücken, die immer Unlust in ihm erweckten, spürte Steinkohlengeruch, sah Fabriken, schwarze, unzufriedene Menschen, hörte Dampfmaschinen, Stadtlärm, Menschenstimmen, die Worte herausschleuderten, die sich einen Weg durch sein Ohr in das Gehirn hineinfressen, dort Samen ausstreuen und das Unkraut seine eigene Aussaat ersticken und seinen mit so vieler Mühe urbar gemachten Acker in eine natürliche Wiese gleich denen der andern verwandeln wollten.

Als er ins Boot hinabkam und dem dunklen Anblick den Rücken wandte, genoß er wieder die unendliche Reinheit des Wassers, das leere Blau, das gleich einer unbeschriebenen Tafel vor ihm lag, beruhigend, weil es keine Erinnerungen wachrufen, keine Eingebungen oder starke Gemütsbewegungen hervorrufen konnte; und als er sich jetzt einer etwas größeren Insel näherte, begrüßte er sie als eine neue Bekanntschaft, die von etwas anderm reden und Stimmungen verwischen würde, die er kürzlich durchlebt hatte. Neue Schären und Werder flössen an ihm vorüber, jedes von ihnen mit seiner Überraschung, mit seiner eigenartigen Physiognomie, in der Regel nur mit einem so haarfeinen Unterschied, daß ein scharfes und geübtes Auge dazu gehörte, um ihn zu entdecken. Und diese kleinen Felsenufer, die, wenn man an ihnen vorübersegelte, einem so kahl vorkamen, so ermüdend einförmig, boten bei näherer Besichtigung das abwechselndste Schauspiel, so wie die Variationen derselben Münze ihre Geheimnisse nur dem Numismatiker verraten können.

Er landete jetzt bei einem etwas größeren Werder, dessen unregelmäßig zerrissenes Aussehen ihn an sich lockte, zumal er Kronen laubreicher Bäume über dem Felsufer aufragen sah. Und als er auf die nördliche Landzunge hinaufkletterte, deren schwarzer Sockel von den Wellen blankpoliert war, sah er, wie der Werder durch Anschluß von mindestens vier andern, die scheinbar unter Beeinflussung verschiedener Windrichtungen zusammengetrieben waren, und durch Aufhäufung verschiedener geologischer Arten ein ganzes Konglomerat von Landschaftsbildern geschaffen hatte, die aus allen möglichen Zonen herbeigeholt waren.

Der nördliche Teil bestand aus einem Kegel aus Hornblendeschiefer, der unten am Strande in ungeheure Blöcke gespalten, die von der Felswand herabgestürzt waren, und zwischen diesen schwarzen Steinmassen guckte sonderbarerweise eine unglaubliche Menge von schwärzen Johannisbeerbüschen hervor, dunkel in Farbe und Ton zusammenstimmend mit den funkelnd schwarzen Steinen, zu denen sie durch eine geheime Sympathie hingezogen zu sein schienen. Es war so überraschend, diese kultivierten Flüchtlinge des Gartens hier draußen in der Wildnis zu finden, daß sie wie ein Scherz der Natur erschienen, ein Scherz, der möglicherweise einem angeschossenen Birkhuhn in den Mund gelegt war, das einstmals hier hinausgeflüchtet war, um zu sterben, und das Samenkorn zu der aufsprossenden Kultur mit sich geführt hatte. Höher hinauf im Steinbruch stand ein Hain von Laubbäumen mit hellgrünen, aber vom Winde beschnittenen Wipfeln und mit weißen Stämmen, als seien sie von einer fürsorglichen Menschenhand mit Kalk bestrichen. Borg versuchte, aus der Entfernung die Baumart zu erraten, aber sie war so ungleich allen andern, die er auf diesem Breitengrad gesehen hatte, daß seine Gedanken zwischen Akazien, Buchen und den im südlichen Europa so allgemeinen japanischen Firnisbäumen schwankte. Schließlich traute er seinen eigenen Augen nicht, als er das wohlbekannte Rascheln der gewöhnlichen Pappel vernahm und kurz darauf, indem er einer Natter auswich, die wie ein Wasserstrahl zwischen zwei Steinen hinablief, näher kam und sah, daß sein Gehör ihn nicht betrogen hatte. Es war die wohlgewachsene, nette Pappel des Haines und des Waldrains, die steiniger Boden und Nordwind, Treibeis und Salz zu einer unerkenntlichen Abart gebildet und umgeformt hatten. Sie war im Kampf gegen Unwetter und Kälte nach oben zu ergraut, hatte die Krone verloren und bestand daher nur aus erfrorenen Schüssen, die unaufhörlich hervorbrachen, sich unermüdlich erneuend, während die Ziegen die Rinde abgeknappert und den Saft hatten herauslaufen lassen. Es war eine ewige Jugend in diesen zarten, hellgrünen Schüssen an dem zweiglosen, ergrauenden Stamm, ein Altern ohne Mannesalter, eine Abnormität, die erfrischend wirkte, weil sie neu war und nicht nach dem Banalen schmeckte.

Nachdem er zwischen den scharfen Steinen hinaufgeklettert war und den höchsten Punkt erreicht hatte, war es, als habe er in zehn Minuten eine Bergbesteigung zurückgelegt. Die Laubholzregion lag unter ihm, und auf dem Plateau des Berges zeigte sich schon die Alpenflora mit der Gebirgsart des Wacholderbusches neben der echten nordischen Multebeere in dem weißen Moos der feuchten Felsschluchten und dazwischen die kleine zivilisierte Kornelkirsche, vielleicht die einzige ursprüngliche Schärenpflanze. Jetzt stieg er langsam an dem südlichen Berghang hinab zwischen Preißelbeeren und Mehlbeerengestrüpp, zwischen Honig- und Riedgras und schaukelndem Moos, bis er plötzlich an einem Abgrund stand, wo die Insel gespalten war und zwischen den schwarzen Klippenwänden einen Kanal gebildet hatte.

Die naseweisen Alken fuhren mit wildem Geschrei auf, während er auf einer von der Natur gebildeten Steinbrücke über den kleinen Kanal ging, einen neuen Berghang von hellerer Formation enterte und sich bald in einer neuen Abteilung der wunderbaren Insel befand.

Der helle, elegante Eurit, in dem sich schwach rosenroter Feldspat zusammen mit blaugrauem Quarz abgelagert hatte, und wo sich der Glimmer nur als flimmernder Schein von mikroskopischem Reiffrost zeigte, verlieh der ganzen Landschaft einen munteren Ton, und bis in die Unendlichkeit gespalten, wie sie war, bot sie bei jedem Schritt Sofas und Lehnstühle dar. Eine starke Schicht körniger, weißer Kalkmasse ging wie ein Gürtel gerade durch die Klippenmasse, und der fruchtbare Kies, der von hier, durch Regen und Frost zerbröckelt, herabgeglitten war, hatte sich zwischen den nicht recht hohen Bergwänden angesammelt. Am Fuße derselben breitete sich jetzt ein Talkessel aus, der einen so bezaubernden Anblick gewährte, daß er stutzend stehen blieb und sich auf einen Stein setzte, um das überraschende, schöne Schauspiel zu genießen.

Vor ihm rollte sich zwischen den senkrechten Bergwänden, die sich allmählich in der Wiese verloren, eine Rasenfläche auf, durchwirkt von bunten Blumen, erlesener und üppiger als die des Festlandes. Das blutrote Geranium war von dem Berg herabgestiegen und hatte hier unten Feuchtigkeit und Wärme gesucht; die honigweiße Leberklette aus der nassen Strandwiese hatte sich ein Stelldichein gegeben mit der blauen Anemone des Waldes, und die südländischen Orchideen, vielleicht aus dem Weinlande Gotland hergeführt, waren hierher geflüchtet; das hyazinthenähnliche Holunderknabenkraut, die prachtvolle Helmordus, die stattliche Waldlilie, eine Art verschönerten Maiglöckchens hatten sich hier in treibkräftigem Kalk und feuchter Seeluft, im Schutz schirmender Wände ein Warmbeet zwischen dem üppigsten, grünen Gras aufgesucht.

Und weit weg, im Hintergrunde, war die Bergwand verhüllt von Birken und Erlen, die sich schämig erhoben und nicht wagten, den Kopf in den Wind hineinzustecken; und hier und da standen vereinzelte Schneeballsträuche mit ihren weißen Schneebällen, die auf die weinlaubähnlichen Blätter herabhingen, und dem Berghang zugekehrt, gleichsam als Spalier daran gezogen, wuchs der grellgrüne Kreuzdorn mit seinen blanken Blättern, die schwach an das oft besungene Orangenlaub erinnerten, aber saftiger waren, mehr Dornen, eine feinere Zeichnung und einen etwas empfindlicheren Bau hatten.

Es war ein Park, eine Binnenlandsnatur, die hier draußen schwamm! Aber erst, als er durch einen Spalt oder eine Senkung im Berge den blauen, wagerechten Küstenrand sah, fühlte er sich betroffen durch den Gegensatz von dem Wunderbaren in diesem Anblick.

Nachdem er eine Weile dagesessen und dem frühlingsfreudigen Gesang eines Buchfinken gelauscht hatte, der unterbrochen wurde von dem Geschwätz und Geschrei der Lummen und Drosseln, und die Einsamkeit anfing, ihn einschläfernd zu umfangen, und als die Vögel einen Augenblick verstummt waren und nur die schwache Seebrise in den Birkenwipfeln säuselte, ohne weiter hinabzugelangen, vernahm er plötzlich ein Husten. Er fuhr in die Höhe, sah sich um, konnte aber keine Spur von Menschen entdecken.

Dieser leidende, hohle Laut aus einer Menschenbrust inmitten der stummen Natur erweckte ihn plötzlich und führte eine ganze Wolke von unangenehmen Empfindungen mit sich. War es ein einsamer Wanderer, der hier Ruhe suchte, so wie er selbst, oder ein Eierräuber? Auf alle Fälle wollte er sich von der Unruhe befreien und wissen, wer der Ruhestörer war. Er kletterte deswegen auf einer natürlichen Treppe empor über die Bergwand und entdeckte nun die dritte Abteilung der polypenähnlichen Insel. Über eine niedrige steinerne Mauer, die offenbar errichtet war, um die Blumenwiese gegen weidendes Vieh zu schützen, gelangte er in eine Nadelholzregion auf Gneisgrund, trampelte unter den Zweigen zwischen allerlei Farnen herum, die Zwergpalmen glichen, aber frischere, grünere Blätter hatten, und an deren Fuß errötende Walderdbeeren hervorlugten.

Aus der Talenge herausgekommen, sah er eine schilfbewachsene Bucht, wo einige vergessene Angelruten in den Schlamm gerammt standen. Er blieb stehen, um zu lauschen; nun hörte er eine Stimme, die auf der andern Seite der Felskante sprach. Sie klang so hoch und weich wie eine Kinderstimme, sank dann jedoch ein wenig herab, so daß er glaubte, sie entstamme einem Jüngling, der sich auf einer Segelfahrt hier herausgewagt hatte. Aber die Worte fielen so passiv, so anziehend, gewinnend, einladend, und er staunte darüber, einen Jungen sich so abgerundet ausdrücken zu hören.

Der Wortvorat war nicht groß, es waren die gewöhnlichen Redensarten aus der gebildeten Umgangssprache, ohne irgendwelchen konkreten, farbenreichen Ausdruck, und wo etwas Bestimmtes angegeben wurde, war dies nicht korrekt. Die Stimme sprach von dem Grün der Bäume, ohne den Namen der Bäume anzugeben, nannte die Lummen, Möwen, den Buchfink einen Vogel, den Gneis Granit und Schilf Röhricht.

Es konnte ja freilich ein Jüngling sein, der mit einer solchen Sicherheit, einer solchen Forderung, gehört zu werden, so lange sprach, ohne sich von der leise brummenden Stimme eines alten Mannes unterbrechen zu lassen, die hin und wieder eine Einwendung oder eine Aufklärung brummte. Jetzt lachte die jugendliche Stimme, ein nach der Unterhaltung zu urteilen unmotiviertes Lachen, ein Lachen, um die schöne Stimme hören zu lassen oder die weißen Zähne zu zeigen, ein Lachen ohne ergötzliche Veranlassung, eine Reihe klingender Töne ohne andern Zweck, als eifersüchtig die Aufmerksamkeit von etwas Wirklichem abzulenken, das sich eindrängen wollte: ein warnendes Signal, ein Lockton! Es war zweifellos ein junges weibliches Wesen!

Unwiderstehlich angezogen, erstieg er auch die letzte Höhe, nachdem er ein wenig an seinem Halstuch und seinem Hut gerichtet hatte, und gewahrte nun da unten ein Bild, das sich mit allen seinen Einzelheiten unauslöschlich in seine Erinnerung einätzte. Auf einem kleinen Stückchen Wiese, unter einer Gruppe alter Ebereschen, saßen um ein weißes Tischtuch, auf dem eine Butterkruke aus Kolmaarder Marmor mitten in einer Anrichtung aus einem mitgebrachten Speisekorb stand, eine ältere, feingekleidete Dame mit schönem grauen Haar, und neben ihr ein Schärenbursche in Hemdsärmeln und mit einem Stück Butterbrot in der Hand. Vor dem letzteren stand ein junges Mädchen mit einem gefüllten Bierglas, das sie knicksend und, die verebbende Dünung des eben ersterbenden Lachens auf den Lippen, dem verlegenen Ruderknecht reichte.

Borg war sofort gefesselt von dem Aussehen des jungen Mädchens, und obwohl seine Überlegung ihm gleichzeitig zuflüsterte, daß sie mit dem Knecht kokettierte, fühlte er sich unwiderstehlich angezogen von dem dunklen, olivenfarbenen Teint, den schwarzen Augen und dem stattlichen Wuchs. Es war ja freilich nicht die erste Frau, die so augenblicklich Eindruck auf ihn machte, aber sie gehörte der Gruppe von weiblichen Wesen an, die nie verfehlten, ihn anzuziehen. Nicht der Einsamkeit und dem Mangel an andern Frauen konnte er diese schnelle Wahl zuschreiben, denn es war ganz dasselbe Gefühl wie damals, als er nach einem Halstuch mit einer besonderen Farbe suchte und, nachdem er in schlechter Laune von Laden zu Laden gegangen war, ohne das Lustgefühl zu empfinden, das das Gesuchte ihm verursacht hätte, schließlich vor einem Ladenfenster haltmachte, wo das richtige Tuch lag, und sich im selben Augenblick, als ihm seine Gedanken sagten: das ist es! von einem Druck befreit fühlte.

Nachdem er einen Augenblick geschwankt hatte, ob er hingehen und sich selbst vorstellen oder umkehren sollte, machte er eine Bewegung, die ihn verriet. Das junge Mädchen, das ihn zuerst bemerkte, ließ im selben Nu den Arm sinken und betrachtete den so unerwartet Auftretenden mit dem Blick eines erschrockenen Kindes, der dem Friedensstörer sofort Mut machte, vorzutreten und die Gesellschaft mit einer Erklärung zu beruhigen.

Und den Hut in der Hand, ging er dann auf die Gruppe zu und grüßte.

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