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Altdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band

Paul Hansmann: Altdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band - Kapitel 7
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Hansmann
titleAltdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band
publisherGeorg Müller
editorPaul Ernst
year1913
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070923
projectid907212d0
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Die Märe von der Minne
oder
die Herzmäre

von Konrad von Würzburg

Ein Ritter und eine Frau voll Güte,
Die taten ihr Leben und ihr Gemüte
So ineinander verweben,
Daß ihr Gemüt und auch ihr Leben
Ein Ding war worden ganz und gar:
Denn was der Frau ein Böses war,
Das war es auch dem Ritter;
Dadurch zuletzt ward bitter
Ihr Lebensende leider.
Es war die Minne beider
Worden so gewaltig,
Daß sie gar mannigfaltig
Machte ihr Herze schmerzen.
Groß Schmerz ward ihren Herzen
Durch solche süße Minne kund;
Es hatte sie bis auf den Grund
Mit ihrem Feuer so entfacht,
Durchdrungen ganz mit ihrer Macht
Die minnigliche Liebe,
Daß Worte könnten solche Triebe
Wohl nimmer ganz ergründen.
Ihr lauteres Empfinden
Könnt' niemand offenbaren;
Sie solcher hohen Treue waren,
Wie nie gefühlt sie Mann und Weib.
Doch schwer fürwahr an seinem Leib
Der eine wie der andere trug,
Denn beide konnten sie mit Fug
Zueinander kommen nicht,
Auf daß sie zu der Minne Pflicht
Den eigenen Willen mochten haben.
Das Weib, so reich an süßen Gaben,
Hat einen edlen Mann zur Ehe,
Das tat gar hart ihren Herzen wehe,
weil ihre Schöne ward so sehr
Behütet, daß der gute Herr
Nie konnte an ihr stillen
Seines siechen Herzens Willen,
Das nach ihrer Minne lag in Wunden.
Deswegen hat er Qual empfunden,
Die herbe war und voller Not.
Nach ihrem Leib, der Minne bot,
Er so zu sehnen sich begann,
Daß er nicht konnte ihrem Mann
verhehlen seine Qual.
Hin zu der Schönen allzumal
Ging er, so oft es konnte sein,
Und gab ihr seines Herzens Pein
Durch Klagen zu erkennen;
Dafür tat ihn am Ende brennen
Ein bittres Leid viel tausendfach.
Der Frauen Herre spürte nach
Geflissentlich dem Tuen beider
Solange, bis er leider
An ihrem Wesen ward gewahr,
Daß sie die Minne ganz und gar
Verwickelt in ihre Banden;
Weshalb sie schmachtend standen
Nach einander beide.
Darum ward großes Leide
Diesem guten Herren dort.
Er dachte bei sich alsofort:
Hüte ich meines Weibes nicht,
So sieht an ihr mein Augenlicht
Leicht, was mir Leid abzwingt,
Wenn sie mir Schaden bringt
Mit diesem trefflich, edlen Mann.
Darum, wenn ich es fügen kann,
Bring ich aus seiner Macht sie fort.
Ich will auf hohen Schiffes Bord
Durch wilde Meere mit ihr fahren,
Auf daß ich sie denn kann bewahren
Vor ihm, bis daß er ganz von ihr
Gewendet seines Herzens Begier
Und sie die Gedanken von ihm ließ.
Ich hörte einstmals sagen dies:
Dem würde die Geliebte leid,
Der mit langer Stetigkeit
Ganz von ihr geschieden ward.
Darum will ich mit ihr die Fahrt
Tun nach dem heiligen Gottesgrabe,
Bis daß sie ganz vergessen habe
Die hohe Liebe, die sie trägt
Zu jenem Ritter unentwegt.
So kam er mit sich überein,
Daß er den sich liebenden Zwei'n
Ihre Minne wolle verleiden,
Die er doch nimmer scheiden
Je vermochte zu seinem Gewinn.
Er lenkte darauf seinen Sinn,
Daß er mit der Frauen
Wirklich wolle schauen
Jerusalem, die hohe Stadt.
Als der Ritter dies erfahren hat,
Der heiß auf ihre Minne sann,
Da ward der herzenssieche Mann
Des Entschlusses gar schnelle,
Daß er wie sie auf der Stelle
Auch wolle fahren über Meer.
Ihn deuchte, daß er ohne Wehr
Zu Hause sich verläge tot,
Entschlösse er sich in seiner Not
Nicht, daß er Pilger würde.
Der strengen Minne Bürde
Bedrängte so sehr seinen Leib,
Daß er für das gar schöne Weib
Wär' in den grimmen Tod gegangen.
Nicht länger zögern hier in Bangen
Mocht' er und wollte auf die Fahrt.
Und wie nun sie es inne ward,
Die süß und züchtiglich,
In Heimlichkeit sich zu ihm schlich
Das gar königliche Weib.
»Freund,« sprach sie, »und mein lieber Leib,
Mein Mann ist zu dem Willen kommen,
Wie du es selbst wohl hast vernommen,
Daß er mich flüchten will vor dir.
Gehorche, Trautgeselle, mir
In deiner hohen, gütigen Art
Und wende von mir ab die Fahrt,
Die sein Leib beschlossen.
Fahr du allein und unverdrossen
Hin durch des Meeres Sturmgebraus,
Auf daß ich bleiben darf zu Haus.
Denn, wenn von dir er hat vernommen,
Daß du ihm bist zuvorgekommen,
Sogleich er auf die Fahrt verzichtet;
Dann wird der Argwohn auch vernichtet,
Den er fürwahr hat wider mich;
Denn sicher denkt er dann bei sich:
Wär' etwas an diesen Dingen da,
Die mein Leib im stillen sah
An meinem schönen Weibe gut,
Dann wäre der Ritter hochgemut
Nicht außer Landes gekommen.
So wird ihm der Zweifel genommen,
Den er an mir spürt tief im Herzen.
Auch soll es dich nicht schmerzen,
Daß du bist eine Weile fort,
Bis man zu Ende geredet das Wort,
Das über uns fliegt durch das Land.
Wenn dich dann wieder hergesandt
Der gar süße, reine Christ,
So hast du mit mir zu jeder Frist
Desto besser deinen Willen,
Denn dann versiegte ganz im Stillen,
Was man hier über uns gesagt.
Dem hohen Gotte sei's geklagt,
Daß du, ach, nach dem Willen dein
Nicht allezeit kannst bei mir sein
Und ich bei dir nach meinem Begehr.
Nun komm, viellieber Herre, her,
Empfange von mir dies Ringelein,
Bei ihm sollst du des Kummers mein
Zuweilen gedenken,
Der mich wird kränken,
wenn dich mein Auge nicht mehr sieht;
Denn wenn mir wirklich nichts geschieht,
Muß stets ich deiner denken.
Dein Fernsein wird mir senken
Jammer in meines Herzens Grund.
O drücke mir auf meinen Mund
Nun einen süßen Freundeskuß.
Dann tue also und ohne Verdruß
Für mich, was ich gesaget dir!«
»Gern, Fraue,« sprach er drauf zu ihr
Mit trübem Herz und Sinne,
»Was ich dadurch auch gewinne,
Gern opfre ich Eurem Wunsch mein Leben.
So gänzlich bin ich Euch ergeben
Mit Herz und Mut und allem Sinn,
Daß ich Euch wahrlich ewig bin
Leibeigener Untertan.
Gebt mir Euern Urlaub dann,
Auserwählte Fraue gut.
Wißt, meinem sehnsuchtsvollen Mut
Nach Euch ward Kummer als Gewinn.
So schmerzvoll ich ganz Euch zu eigen bin
Mit Herzen und mit Leib,
O allerliebstes Weib,
Daß ich der Ängste größte habe,
Man trüge tot mich eher zu Grabe
Als daß mir fernhin das Heil geschähe,
Daß ich Euch jemals wiedersähe!«
Zu Ende war die Rede dann,
Die miteinander sie getan
Von ihrem Herzeleide;
Die zwei Geliebten beide
Sich trennten unter Qualen.
So heiß zu often Malen
Herzten sie sich zur Stunde,
Daß ich es mit dem Munde
Nimmer beschreiben kann.
Weltliche Wonne dann
In ihrer beider Herzen war tot.
Ihre süßen Münder rosenrot
Sehr zarte Minne übten;
Darnach die Hochbetrübten
Entsagten aller Freude.
Der Ritter in Herzleide
Alsbald am Meere stand,
Der erste Kiel, den er da fand,
Der führte ihn wohl über die Flut.
In seinem Herzen entschloß er sich gut,
Daß er auf der Erden
Nimmermehr wolle werden
Freudenvoll und herzlich froh,
wenn Gott es füge nicht also,
Daß, wenn er dort zu Lande käme,
Er irgend etwas nur vernähme
Von ihr, der lieben Fraue sein.
So ward denn seine Herzenspein
Sehr strenge und auch sehr bitter.
In dem tugendsamen Ritter
Nur Trauer nach ihr wohnte,
Und tief in seinem Herzen thronte
Die jämmerliche Pein;
Und neu die alte Sehnsucht sein
Nach ihrer süßen Minne ward.
Der reinen Turteltauben Art
Befolgte er ganz offenbar:
Denn in seinem Leid fürwahr
Mied er den grünen Freudenast,
Und immerfort war er zu Gast
Auf dem dürren Zweige der Schmerzen.
Er sehnte sich nach ihr im Herzen,
Es ward sein Leid darauf so stark,
Daß ihm der Jammer durch das Mark
Drang bis auf seiner Seele Grund.
Er ward vom vielen Kummer wund
Und inniglichem Sehnen.
Der Dulder da in Tränen,
Er sprach zu mancher Stunde
Mit bange seufzendem Munde:
Gelobet sei das reine Weib,
Deren Seele und gar süßer Leib
Mir bringet so herzinnige Pein;
Wie kann die liebe Fraue mein
Mit ihrer süßen Herzensgewalt
So bitterer Nöte Hinterhalt
Senden zu meinem Herzen!
Wie mag so grausame Schmerzen
Ihr seliger Leib mir geben!
Soll mich denn trösten nicht ihr Leben,
So bin ich balde tot.
In solcher Angst und Herzenot
Lebt' er in Jammer seine Tage.
Und führte solange diese Klage,
Bis ihn zuletzt dann überkam
Ein also großer Herzensgram,
Daß er nicht länger konnte leben.
Ihm ward so grimme Not gegeben,
Daß äußerlich man an ihm sah
Das Ungemach, das ihm geschah
Und er verborgen im Herzen trug.
Und da der edle Ritter klug
Sah, daß die Pein ein Ende nahm,
Weil ihn der Tod nun überkam,
Da sprach er zu dem Knechte sein:
»Hör zu, o Trautgeselle mein,
Ich seh' es leider nur zu wohl,
Daß ich jetzt wirklich sterben soll
Durch meine liebe Fraue:
Sie hat verwundet mit ihrer Braue
Bis auf den Tod mich durch sehnende Not.
Drum höre also mein Gebot:
wenn ich bin verdorben
Und hier liege erstorben
Durch das gar königliche Weib,
So laß mir schneiden auf den Leib
Und nimm heraus mein ganzes Herz,
Blutig und voller Schmerz;
Das sollst du darauf salben
Mit Balsam allenthalben,
Auf daß es lange sich frisch erhält.
Hör zu, was mir noch mehr gefällt:
Laß fertigen eine Lade klein
Von Gold und edelem Gestein;
Darein mein totes Herze tu
Und lege den Fingerring dazu,
Den mir gegeben die Fraue mein.
Wenn die zwei beieinander sein
Verschlossen und versiegelt,
Dann bringe also verriegelt
Sie beide meiner Frauen,
Auf daß sie möge schauen,
Was ich durch sie erlitten
Und wie mein Herze ist zerschnitten
Durch seine gar süße Liebe.
Sie hat so reine Triebe
Und ebenso hohe Treue,
Daß ihr mein Kummer, der neue,
Liegt immerdar am Herzen,
Erfährt sie nun die Schmerzen,
Die ich um sie erleiden soll.
Und darum handle sehr wohl
Und erfülle mein Gebot,
Der reine und gar süße Gott,
Der ein edles Herze nie,
Das nach seiner Hilfe schrie,
verlassen, möge sich erbarmen
Über mich sehr Armen,
Und möge der Viellieben geben
Freude und wonnigliches Leben,
Um die ich hier muß liegen tot!«
Mit dieser Klage in Herzensnot
Der Ritter nahm sein Ende;
Darum nun seine Hände
Der Knecht rang schreckensbleich.
Er ließ ihn schneiden auf sogleich,
Und erfüllte darauf mit Fleiß
Des toten Ritters Geheiß.
Er tat's; und kehrte heimwärts dann
Als ein freudeloser Mann
Mit dem Herzen also tot,
Und brachte es nach dem Gebot
Nach derselben Feste hin,
In der noch die verweilte drin,
Um die der liebe Herre sein
Erlitt des grimmen Todes Pein.
Als er dann nach der Feste kam,
Allwo die Fraue tugendsam
War drinnen zu derselben Zeit,
Da kam ihm auf dem Felde weit
Ihr Mann zufällig zu Gesicht,
Der hatte, wie die Märe spricht,
Allda den Falken steigen lassen;
Das Knechtlein mußt' erblassen
Vor Sorge, die ihn schwer bedrückte.
Als nun der Ritter ihn erblickte,
Da dachte er sich alsofort:
Hergesandt ist dieser dort
Wohl um nichts anderes fürwahr,
Als daß er bringe heimlich dar
Eine Kunde meinem Weibe
von seines Herren Leibe,
Der Not um ihre Minne litt.
Darauf er zu dem Knechte ritt,
Wollt' ihn nach Nachricht fragen; da
Sogleich er auch die Lade sah,
Die fein und kostbar war genug,
Darinnen der das Herze trug
Und auch der Frauen Ringelein.
Er hatte an dem Gürtel sein
Sie aufgehängt von ungefähr,
Als ob es etwas anderes wär'.
Wie das der Ritter wahrgenommen,
Ist er grüßend zu dem Knappen kommen
Und fragte, was er darinnen trüge;
Da sprach der sehr gefüge
Und treugesinnte Jüngeling:
»Von gewisser Art, Herr, ist's ein Ding,
Mit dem ich von ferne bin hergesandt!«
»Laß sehen,« sprach der kurzerhand,
»was drinnen ist verborgen!«
Da sprach der Knecht in Sorgen:
»O nein, das mag nicht sein,
Kein Mensch sieht je hinein,
Als der es soll mit Rechte sehn!«
»Nein, also soll es nicht geschehn,«
Der Ritter zu ihm sprach alsbald,
»Wenn ich es nehme mit Gewalt
Und es wider deinen Willen schau!«
Darnach ward er sehr hart und rauh,
Bis daß er ihm das Lädelein
Gerissen von dem Gürtel sein.
Und machte es auf mit seiner Hand,
Er sah das Herze drin und fand
Dabei der Frauen Fingerring,
Wodurch er Kunde denn empfing,
Daß der Ritter läge tot
Und diese beiden dessen Not
Der gar Wonnevollen
Ankündigen sollen.
Der Ritter sprach dem Knechte zu:
»Was ich dir sage, Knappe, tu:
Fahr' deine Straße, es steht dir frei,
Ich will dies Kleinod, und bleibe dabei,
Für mich behalten. Hör' auf mein Wort!«
Und eilig ritt er dann heimwärts fort;
Und sagte, als seinen Koch er sah,
Daß er ihm aus dem Herzen da
Eine besondere Speise
Bereiten solle mit hohem Fleiße.
Voll Eifer lieh ihm der Koch das Ohr;
Und nahm darauf das Herze vor
Und bereitete es also wohl,
Daß man nimmer essen soll
Irgendeine Art Speise,
Die so vorzüglicherweise
Mit edlen Gewürzen, voll Bedacht,
Wie dieses Herz ist zurechtgemacht.
Und wie dann fertig das Gericht,
Da zögerte man länger nicht.
Der Mann, der ging nun an den Tisch
Und ließ auch setzen also frisch
Die Speise vor seinem Weibe hin.
»Frau,« sprach er drauf mit heitrem Sinn,
»Das ist ein Speiselein,
Das sollst du essen allein,
wenn du es nicht magst teilen!«
Die Fraue tat sich beeilen,
Des Freundes Herz aß sie ganz und gar.
Also, daß sie nicht ward gewahr,
Was es für Speise mochte sein.
Das jammervolle Speiselein
So köstlich schmeckte ihrem Munde,
Daß sie davor zu keiner Stunde
Jemals gegessen eine Speise,
Die ihr gemundet in solcher Weise.
Als die Fraue nun indessen
Das Herze aufgegessen,
Da sprach der Herre kurzerhand:
»Tu, Fraue, mir jetzo bekannt,
Wie diese Speise dir behage;
Ich glaube, daß du all deine Tage
Nie eine Speise hast gegessen,
Die süßer, Fraue, als die gewesen!«
»Viellieber Herr,« sprach sie also,
»Nie möge ich werden richtig froh,
Hätt' ich je eine Speise gegessen,
Von der ich mich wollte vermessen
Zu sagen, sie wäre so süß und rein
Gewesen wie dieses Speiselein,
Das ich genossen hier;
Aller Speisen höchste Zier
Muß sie mir gewißlich sein.
Sprechet, lieber Herre mein,
Ist dieses lobesame Essen
Vertraut oder fremd gewesen?«
»O Fraue,« sprach er da zu ihr,
»Vernimm sehr sorgsam, was ich dir
Mit Worten jetzo lege dar:
Fremd und vertraut in einem war
Die Speise, bei dem höchsten Gott!
Den Freuden fremd ohne allen Spott,
Vertraut den Sorgen für und für:
Du aß'st des Ritters Herze hier,
Das er in seinem Leibe trug,
Der um dich hat gelitten genug
Des Jammers all seine Tage;
Glaube mir, was ich dir sage.
Er ist vor Sehnen und Herzenot
Nach deiner süßen Minne tot,
Und hat dir nun das Herze sein
Und dieses schone Ringelein
Zu solchem Zeugnis hergesandt
Durch seinen Knecht in unser Land!«
Nach dieser Märe schmerzensreich
Da ward die Freudenfrohe bleich
Von Antlitz wie ein totes Weib.
Kalt ward in ihrem süßen Leib
Das Herze, glaubet mir;
Die blanken Hände fielen ihr
Beide vor in ihren Schoß.
Und Blut aus ihrem Munde floß,
Wie es der Himmel wohl gebot.
»Ja,« sprach sie da mit großer Not,
»Wenn ich des Herze also aß,
Der nach mir ohne Unterlaß
Hat immer holden Mut getragen,
So will ich Euch denn wahrlich sagen,
Daß ich an keiner Speise
In irgendeiner Weise
Mich fürder will erlaben.
Christ soll mir das verboten haben
Durch seinen tugendlichen Mut,
Daß nach so edler Speise gut
Unedle Speise ich verzehr',
Genießen will ich nimmermehr
Irgendwas
Außer dem Unglück, das
Geheißen ist der Tod.
Ich will in Sehnen und Herzenot
Verschwenden hier mein armes Leben
Für ihn, der für mich hingegeben,
Ja, beides: Leben und Leib!
Ich wäre ein treueloses Weib,
Wenn ich nicht dächte daran,
Daß der gar tugendsame Mann
Sandte mir sein Herze tot.
Weh, daß mir je nach seiner Not
Ward noch ein Tag des Lebens beschieden!
Doch wird's nicht sein, daß ich hienieden
Allein noch lange ohne ihn lebe
Und er alleine im Tode schwebe,
Der vor mir Treue nimmer barg!«
Da wurde ihre Not so stark,
Daß sie vor Herzeleide
Die blanken Hände beide
Zusammenlegte im Schmerze,
Und im Leibe brach ihr Herze
Vor sehnendem Schmerze der Seele.
So gab die sonder Fehle
Ihrem süßen Leben ein Ende,
Tat auf die milden Hände
Und gab zurück im Übermaß
Dem vielgetreuen Freunde das,
Was einst er eifrig ihr geliehn;
Sie belohnte mit hoher Treue ihn
Und auch mit ganzer Stetigkeit.

Gott gebe, daß ich all meine Zeit,
Was ich geborgt, müsse wiederzahlen
Besser und ohne solche Qualen! –

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