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Altdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band

Paul Hansmann: Altdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band - Kapitel 35
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Hansmann
titleAltdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band
publisherGeorg Müller
editorPaul Ernst
year1913
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070923
projectid907212d0
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Von dem Ritter mit den Nüssen.

Von Frauen soll man reden gut;
Der ist glücklich, wer es tut,
Denn Fraun verstehn der Listen viel –
Ein Beispiel ich euch geben will,
Wie einst ein Ritter ward betrogen,
(Das sage ich euch ungelogen,)
Als eines Tags nach feiner Sitt'
Von seinem Weibe fort er ritt
Wohl in das Feld mit seinen Hunden.
Da sandte die in diesen Stunden
Nach ihm, der ganz ihr war vertraut,
Und ließ ihm sagen leis', nicht laut,
Daß er bald zu ihr käme
Und ihre Red' vernähme.
Als der die Botschaft nun vernahm,
War er gar froh und schnell er kam.
Und wie er in der Kammer war,
Da gingen an die Bettstatt gar,
Die heimlich sich nicht grollten,
Und taten, was sie wollten;
Was sie da aber taten,
Das mag ein Mönch erraten. –
Nun überkommt den Herrn ein Regen,
Sodaß er umkehrt auf den Wegen.
Er dachte: »Du wirst naß und nässer,
Kehr wieder heim, da tust du besser!«
Fest hat's zu regnen angefangen.
Es waren in die Nüsse gangen
Dort Kinder, er ritt auf sie zu.
Auch flüchten wollten die im Nu,
Eh' denn der Regen stärker rann.
Die Nüsse nun, die man gewann,
Von denen ich schon vorher sprach,
Die las in seinen Schoß man jach.
Er bat, ihm Nüsse abzugeben,
Das tat man nur mit Widerstreben.
Er hielt denn ihnen hin den Hut,
Die Kurzweil deuchte ihm gar gut.
Die Kinder taten nichts erbitten;
Dann ist der Ritter heimgeritten.
Die Hunde aber liefen vor,
Der eine kratzte an dem Tor,
Darob der Ritter sehr erschrak,
Der in des Wirtes Bette lag,
Er meint, der Herr sei heimgekommen.
Als dies die Fraue hat vernommen,
Sprang flink sie von dem Bette auf.
»Habt keine Angst,« sprach sie darauf,
»Herr Ritter jetzt und lieget stille,
Ich rat' es Euch, es ist mein Wille.
Man kann nicht hintern Vorhang sehen,
Uns wird nichts Arges hier geschehen.
Ich will Euch gut von hinnen bringen,
Und es soll wahrlich schön gelingen.
Was ich auch sage, schweiget Ihr;
Ich helf Euch, glaubt es, fort von hier!«
Der Ehmann in den Hof stracks kam,
Wo man sein Pferd ihm schnell abnahm.
Bis er an ihr Gemach schlich sacht,
Hat sie die Türe zugemacht
Und sich gesetzt auf einen Stein;
Der Ritter lag im Bett allein,
Da hinter jenem Bettvorhange.
Nun dauerte es gar nicht lange,
Bis daß der Ehwirt zu ihr kam;
Die Frau empfing ihn lobesam.
»Was tust du,« sprach er, »liebes Weib?«
»Ich wollte«, sprach sie, »grad den Leib
Hier überlassen guter Ruhe,
Dieweil ich mich langweilen tue,
Da ich alleine saß allhier.
Ach Gott, was frommet es denn dir,
Daß du zu allen Stunden
Verreitest mit den Hunden
Und läßt mich sitzen so allein?
Wär' eine bessre Einsicht dein,
So wärst du wahrlich bei mir mehr,
Weil ich voll Kummer dich entbehr'!«
»Ich hab' dir Nüsse mitgebracht!«
Sie drauf: »Du hast wohl dran gedacht,
Daß ich hier keine Kurzweil han
Und hast zur Sühne es getan;
Du weißt ja alles ganz genau!«
Dann knackte er und auch die Frau
Die Nüsse aus des Weibes Schoß.
Des Gastes Angst war aber groß,
Der dorten lag verborgen.
»Du brauchst dich nicht zu sorgen,«
Sprach sie, »du dort im Bette,
Ich helf' dir, ohne Wette
Aus dieser Kemenaten;
Du bist hier nicht verraten.
Niemand soll wehtun dir ein Glied,
Wie ich's dir schon vorher beschied,
Warum sollt' man dich zwicken, zwacken,
Hilf uns doch auch mit Nüsse knacken,
Weil dir ja niemand schaden soll!«
Nahm Nüsse, ganze Hände voll
Und warf sie hintern Bettvorhang.
Das Beißen deucht den Gast zu lang.
Der Wirt begann sie anzusehn
Und sprach: »Ach Gott, was ist geschehn,
Zu wem sagst du ein solches Wort?«
Sie sprach: »Es liegt ein Ritter dort,
Dort in dem Bett von dir!«
Schnell sagt der Ehwirt ihr:
(Er glaubt, sie halte ihn zum Narren)
»Dort dürfte meiner er nicht harren,
Und wär' er da« ... »Das glaub' ich dir,«
Sagt sie, »du sprachst es oft zu mir;
Nun will ich keine Sünd' begehn,
Gebiete selbst dir, hinzugehn.
So geh denn hin, schau, wer es ist;
Er lag bei mir zu dieser Frist.
Da du zu schnell bist wiederkommen,
Hast du uns manche Lust genommen,
Denn er kann viel und ist vermessen!«
»Fürwahr,« sprach er, »dich hat besessen
Ein Teufel, Lästerling genannt.
Gott, der dich schirmt mit seiner Hand,
Der helfe, daß du deine Sinnen
Jetzo mögst wieder mir gewinnen;
Das täte dir, weiß Gott, gar not.
Wer wär' der, der zu seinem Tod
An meine gute Bettstatt ginge,
Daß ich ihn schlüge oder finge?
So Gott dir helfe, geh' in dich
Und lasse unbekümmert mich!«
Da sprach des Herren Fraue:
»So stehe auf und schaue;
Wähnst du denn, daß ich töricht bin?
Besitze gar sehr klugen Sinn:
Du hast dich selber ja belogen!«
Er sprach: »Du hast mich nicht betrogen;
Was du mir nun auch schaffst
Und wie du mich jetzt affst,
Du möchtest nur, daß ich hinginge
Und wahrlich keinen dorten finge,
Um drüber dann zu lachen
Und deinen Spott zu machen
Bei all den andern Weiben.
Ich lasse es schon bleiben:
Ich traue deinen Worten nicht!«
Sie sprach: »Dein Wort hat kein Gewicht;
Bei meinem Eide, es ist wahr,
Was ich gesagt mit Worten klar;
So trau' dir's doch und geh' heran.
Sonst bist du ein mutloser Mann,
Dann liegt er da zu Rechte
Gleich einem kühnen Knechte!«
Wie sehr sie ihm auch zusetzt nun,
Er wollt' es nie und nimmer tun.
Doch jener, der im Bette war
Und auf sie baute ganz und gar,
Der biß nun alle Nüsse klein:
Er hätte lieber ganz allein
Geholet sie von Sankt Jacob,
Erwürb' er damit Ritterlob.
»Fürwahr,« sprach sie, »das glaube mir,
Ich hab' gelogen für und für,
Denn es ist wahrlich niemand hier;
Gönn' alles Gute ja nur dir.
Doch sage ich dir wahrlich nun,
Tät dorten jetzt ein Ritter ruhn,
Den wollte ich von hinnen bringen;
Es sollte sicher gut gelingen,
Daß er aus diesem Hause käme
Und keinen Schaden dabei nähme!«
Er sprach: »Wie wolltest du das tun!«
»Das will ich gern dir zeigen nun.
Ich nähm' dich also unverwandt,
wie jetzo, unter mein Gewand,
Begönne dich an mich zu zwingen
Und wacker gar mit dir zu ringen
Wie jetzt; verdeckte dir das Haupt
Wie jetzt; Herr Gast, es ist erlaubt,
Nun gehet Eure Straße,
Dieweil ich ihn nicht lasse,
Und räumet unser Haus ganz leise,
Da ich ihn fest hab' solcher Weise!«
Als sie dem Gaste das gesagt,
Säumt er nicht länger und verzagt,
Geht heimlich nun von seinem Ort;
So half sie ihrem Buhlen fort.
Und wie er war dann auf der Straßen,
Begann sie dieses Haupt zu lassen;
Sie griff ihn vorn am Schopf:
»Heb', Lieber, auf den Kopf
Und schau' mich unbefangen an;
Dieweil ich solchen Spott getan,
Vergib mir nun in deiner Güte!« –
Vor bösen Weibern man sich hüte,
Die also gut verstehn zu mausen.
Und Narrn soll man mit Keulen lausen.

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