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Altdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band

Paul Hansmann: Altdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band - Kapitel 28
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Hansmann
titleAltdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band
publisherGeorg Müller
editorPaul Ernst
year1913
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070923
projectid907212d0
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Die Geschichte von drei Gesellen, die in eine Stadt kommen, und wie sie sich dort Wein, Brot und Fisch verschaffen.

Ich kam gegangen auf einem Plan,
Dort fand ich beieinanderstahn
Gerader, wackrer Gesellen drei,
Sinns und Muts waren sie frank und frei,
Doch klagten sie groß Ungemach.
Der erste zu den Genossen sprach:
»Gesellen, merkt meinen Kummer mir;
Nie mehr als in diesem Sommer hier
Hat es am Gelde mir gefehlt!«
Und ohne Besinnen der zweite erzählt:
»So hat es am Gelde mir auch nie gebrochen
Wie in den jetzt vergangnen Wochen.«
Der dritte sprach: »Merkt, was ich sage,
Auch ich ließ bis zu diesem Tage
Gar all mein Geld von hinnen gehn.
Nun sollt ihr mich recht wohl verstehn:
Wir haben alle frohen Mut,
Drum wär's uns vor allen Dingen gut,
Darnach zu trachten mit bestem Fleiß,
Daß wir gewönnen unsere Speis'!«
Sie kamen dann schließlich überein
Und gingen in eine Stadt hinein;
Selbdritt sie vor ein Wirtshaus traten,
Den Wirtsherrn sie um Herberg' baten
Und fragten, ob er sie wollte behalten.
Der Wirt sprach: »Daß euer Gott mög' walten!
Ich gebe euch allen Lagerstatt!«
»Hör zu, Wirt,« einer gesprochen hat,
»Wir haben uns zu einer Sache entschlossen.
Drum bleibt deine Speis' von uns ungenossen,
Weil es uns ist befohlen worden,
Wir halten inne die Regel vom Orden,
Die immer wir erwägen müssen.
Drum laß es, Wirt, dich nicht verdrießen,
Wenn wir nach Speise gehen aus
Und bringen sie hinein ins Haus!«
Es sprach der Wirt: »Gesellen hold,
Tut also leben, wie ihr wollt,
Dazu will ich euch behilflich sein!«
Der erste sprach: »Ich gehe nach Wein.
Mein lieber Wirt, nun hör' mich eben
Und wolle mir zwei Flaschen geben,
Deren jede zehn Maß fassen tut!«
Die eine füllt er mit Wasser gut
Und steckt sie unter den Mantel dort,
Die andere trug er offen fort
Vor einen andern Wirtes Keller;
Dacht': »Daß ich schließe keinen Fehler!«
Er sprach zum Wirt: »Was gilt dein Wein?
Ich hätt' gern voll die Flasche mein!«
Der sprach: »Acht Pfennig gilt ein Maß!«
»Mein Wirt, nun merk' dir aber das
Und fülle mir die Flasche voll!«
Darnach steckt er sie heimlich wohl
Unter den Mantel sein mit List.
Und die Flasche mit Wasser zu der Frist
Tat er fein säuberlich herfür
Und sprach zum Wirt: »Nun geh' mit mir,
So will ich dir gar freundlich zahlen!«
Der Wirt tat ihm in die Flasche fallen.
Sprach: »Wenn ich jedem nach wollt' laufen,
Wann sollt ich denn meinen Wein verkaufen?«
Sprach der Gesell': »So will ich es klagen,
Daß ich die Flasche muß leer heimtragen!«
Es sprach der Wirt: »Klag', lieber Mann,
Was du nur willst, mich geht's nichts an!«
Und goß die Flasche aus in den Wein.
Der kam drauf zu den Gesellen sein
Und sprach zu ihnen: »Liebe Gesellen,
Gar guten Wein kann ich uns stellen.
Drum laßt uns also trinken fest!«
Dem zweiten das keine Ruhe läßt:
»So will ich ausgehn stracks nach Brot,
Weil es uns nimmt des Hungers Not!«
Er lief dahin in schneller Eil',
Wo ein Bäcker schönes Brot hält feil;
Der hatte sitzen dabei ein Kind,
Zu dem sprach der Geselle geschwind:
»Ich hätte Brot für sechs Schilling gern,
Und geh dann mit mir, nicht gar fern,
So will ich's dir bezahlen gut!«
Der Knabe es wahrlich willig tut.
Der Gesell tat's Brot mit den Händen fassen
Und ging mit ihm durch enge Gassen
Zu seinen Gesellen und eilte sehr,
Der Knabe aber lief hinter ihm her.
Und als er kommt an eine Eck',
Da läßt er fallen einen Weck,
So daß er fiel dort in den Kot.
Er sprach: »Mein Knab', heb auf das Brot!«
Und als der sich darnach bücken tut,
Flieht der Geselle mit gutem Mut
Die Ecke hinab und eilt entlang
Eine andere Gasse, bis ihn der Gang
Zu seinen Gesellen tragen tat.
Als aufgehoben der Knabe hat
Den Weck, da blickt er nach ihm schnelle,
Doch sah er ihn nicht mehr auf der Stelle,
Auch konnte ihm niemand geben Bescheid.
Ging wieder nach Hause in großem Leid
Und ward daheim sehr arg geschlagen.
Was soll ich weiter davon sagen?
Der kam sehr fröhlich zu seinen Gesellen,
Sprach: »Gutes Brot kann ich uns stellen,
Das uns den Hunger stillt genug!«
Der dritte dünkte sich auch sehr klug,
Wie er Fische bekäme, bedacht' er sich recht.
Er stellte sich wie ein Klosterknecht,
Der seinem Konvent will Fische kaufen,
Und tat hin auf den Fischmarkt laufen;
Und blickte nach den Fischen dann.
Bei einem alten Fischersmann
Sucht er viel Fische auf einen Ort
Und spricht zu ihm: »Macht wenig Wort'
Und sagt, wie teuer wollt Ihr sie geben?«
»Wohlan, so merket mir doch eben,
Ich geb' sie um einen Gulden Euch!«
Zu ihm sprach der Geselle gleich:
»So kaufe ich sie alle hier.
Ich will sie zahlen, kommt mit mir,
Ich bringe sie ins Kloster mein!«
Der sprach: »Soll es denn also sein,
So zahlt das Geld an diesen Knaben!«
Sie begannen selbander wegzutraben
Und gingen in eine Kirche fort;
Da saß ein Mönch an einem Ort
Und hört' einem Alten ab die Beicht'.
Der Geselle schnell sich zu dem schleicht
Und spricht: »Mein Herr, vernehmt mich recht,
Wenn Ihr abgefertigt diesen Knecht,
So nehmt Euch jenes Fischers an
Und tut es recht bald, lieber Mann!«
Es sprach der Mönch zu ihm in Züchten:
»Ich will ihn gleich nach dem ausrichten,
Darum, mein Sohn, sitz' her die Weile!«
Der Gesell' ging fort in schneller Eile
Durch den Kreuzgang auf der anderen Seite,
Bis daß er gefunden hat seine Leute,
Und sprach: »Ihr lieben Gesellen mein,
Nun laßt uns guten Mutes sein,
Weil ich es mir erst recht bedacht
Und gute Fische euch hergebracht!«
Sie aßen wacker und lebten wohl
Und waren alle drei freudenvoll.
Von ihnen will ich schweigen dann.
Da nun der Mönch den alten Mann
Hat losgesprochen von seiner Sünde,
Sprach er zum Jungen: »Komm' her geschwinde!«
Der aber trat auf das Mönchlein zu;
Der sprach: »Mein Sohn, knie nieder, du,
Und sag mir deine Sünden eben,
Die du getan in deinem Leben,
So will ich absolvieren dich!«
Der Knabe sprach: »Herr, höret mich,
Bezahlt mir für den Fisch mein Gold
Und beichtet dann, soviel Ihr wollt,
Weil ich durchaus nicht beichten will!«
Der sprach: »Es ist umsonst, schweig still,
Was weiß ich denn von deinem Fisch?«
Der Knabe sprach: »Gott strafe mich,
Ich will's euch zeigen, euch sauberem Herrn,
Daß Ihr den Fisch bezahlet gern!«
Und schimpft den Mönch mit grobem Wort;
Das hörten andre Mönche dort.
Die auch noch waren in dem Orden,
Und dachten, er sei verrückt geworden,
Und liefen zu den beiden her
Und fragen, was geschehen wär.
Der Knabe schrie von Geld und Schuld;
Es sprach der Mönch voll Ungeduld:
»Er hat sich wider mich vergessen,
Ich glaube, er ist vom Teufel besessen!«
Drauf griffen den Knaben ungestüm
Die Mönche und führten ins Kloster ihn
Und sprachen: »Wir wollen den Teufel beschwören!«
Sie taten ihm vorn das Haar abscheren
Und strichen ihn so wacker mit Ruten,
Daß er anfing sehr fest zu bluten;
Und darauf nahmen sie ihn bald
Und setzten ihn in ein Wasser kalt.
Ein Buch hat einer vorgenommen
Und sprach: »Bist du von Sinnen kommen,
So mußt du in diesem Wasser baden,
Bis du vergissest deinen Schaden,
Und mußt ganz wieder besonnen sein!«
Der Knabe sprach: »O Herren, mein,
Ich bitte euch flehentlich bei Gott,
Laßt mich heraus aus dieser Not,
Dieweil ich wieder die Sinne hab',
Ich lasse euch alle Schulden ab,
Will nimmer an sie denken je,
Weil das Beschwören tut so weh!«
Da nahmen sie ihn wieder heraus
Und ließen ihn schnell gehn nach Haus.
Er sah gar wüst aus um den Kopf,
Geschoren war er wie ein Tropf,
Und wo er sich dann wollte beklagen,
Mußt' Spott er noch zum Schaden tragen.
Also ist da in diesem Orden
Der Knabe wieder vernünftig worden. –
Und hiermit wisse ein jeder Bescheid,
Daß keiner trau'n soll dem Wolf auf der Heid',
Dem Bauer auf Eid, dem Adel auf Gewissen,
Er wird von allen dreien beschissen.

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