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Altdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band

Paul Hansmann: Altdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band - Kapitel 26
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Hansmann
titleAltdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band
publisherGeorg Müller
editorPaul Ernst
year1913
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070923
projectid907212d0
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Der Bürger im Harnisch

Ein reicher Bürger hatte ein Weib;
Es war sehr hoffärtig ihr Leib,
Das war dem Bürger stets zuwider,
Denn er war ehrsam, brav und bieder.
Er sprach: »Mein Weib, nun folge mir
In dem, was ich will sagen dir.
Zwei Mägde hast du immerdar,
wo eine uns genügt fürwahr,
Die dir nachgeht auf jeder Fahrt!«
Da sprach nun diese Fraue zart:
»Mein trauter Mann, was tut es denn,
wenn sie mir alle zwei nachgehn?
Es ist ja wahrlich wert mein Leib.
Gibt es hier doch kein Handwerksweib,
Der eine Magd nicht muß nachtraben,
Warum sollt' ich's nicht besser haben?«
Also die Rede zu Ende kam.
Die Mägde hielt sie immer stramm.
Still schwieg der brave Bürgersmann.
Nach einem halben Jahre dann,
An einem Sonntag das geschah.
Zu seinen Mägden sprach er da:
»'s ist Zeit, tragt mir das Essen her,
Vor Hunger mag ich nicht warten mehr.«
Die sprachen: »Herre, es taugt doch nicht,
Daß jetzt das Essen wird angericht',
Weil wir zur Frauen müssen gehn,
Die in der Kirche wartet schön.«
Der Herre sprach: »Von selbst kommt die,
Denn holen soll jetzt keine sie!«
Die Mägde erschraken und schwiegen still;
Nach der Kirche, das war der Frauen Will.
Da sollte man sie holen sein.
Sie dachte: »Ich ginge nimmer allein.
Ich bliebe lieber hier alsolang',
Bis daß zu Ende jeder Gesang!«
Als man gelesen alle Messen,
Da hatte der Herr noch nicht gegessen
Und wartete auf die Fraue sein.
Die Mägde sprachen: »Herre mein,
Laßt uns jetzt nach der Frauen gehn;
Wir werden sonst von ihr Böses besehn.
Sie darf allein nicht gehn hinaus,
Vor Schande erlitte sie großen Graus.
Wir würden mit Essen fertig sein,
Dürft' sie nach Hause kommen allein!«
Der Bürger sprach: »Neu ist mir das,
Da spüre ich wahrlich keinen Haß,
Weil sie gern käme und wagt es nie,
Ich eile zu Hilfe und hole sie!«
Er sprach zum Knechte: »Bring herein
Mir jetzt den guten Harnisch mein,
Die Hellebarde und mein Schwert.
Zu meinem Weibe so bewehrt
Geh ich, und tut ihr wer ein Leid
Von allem Volk in der Kirche weit,
So will ich zu Feinden han die Leute,
Ich bringe noch soweit manchen heute,
Daß man ihn morgen muß begraben,
Weil ich jetzt meine Frau will haben!«
Bereit war er nach diesem Wort
Und ging voll Zorns vom Hause fort.
Hinein er in die Kirche lief,
Gar grimmig er da schrie und rief;
Durch alles Volk mußte er dringen,
Der Harnisch tat laut an ihm klingen.
Die Leute erschraken alle sehr,
Der eine lief hin, der andere her.
Der Lärm ward in der Kirche groß,
Der Bürger machte sein Schwert stracks bloß,
Er schlug um sich und machte Platz,
Bald sah er seinen Herzensschatz
Und lief auf ihren Stuhl schnell zu.
Da stand sie denn. Er schrie: »Sag du,
Wer tut dir etwas? Geh nach Haus
Ich helfe dir vor die Kirche hinaus,
Doch zeige mir schnell die oder den,
Der dich nicht läßt nach Hause gehn,
Und sollten es halt ihrer fünfzig sein,
Ich brächte sie alle in Not und Pein:
Sei auch der Teufel mit ihnen allen,
Ich geb's ihm, daß er zur Erde muß fallen!«
Es wollte niemand das nehmen an,
weil keiner hatte Schuld daran,
Daß er hier Schwert und Harnisch trug
Und also mörderlich um sich schlug.
Es sprach zum Bürger jeder denn:
»Wer wollte sie wohl nicht lassen gehn?«
Der Bürger sprach: »Das weiß ich nicht,
Drum fecht' ich hier mit Zorn im Gesicht!«
Die Frau kam zu ihm her und sprach
Mit großem Weinen und Ungemach:
»Ich wollt allein nicht heimwärts gehn,
Er weiß, mir wäre nichts geschehen,
Nur sollten mich holen die Mägde beide,
Darum ich diese Schande erleide!«
Da aber verhöhnte das Volk sie sehr
Mit Spotten und Lachen immer mehr,
Der Bürger ging aus der Kirche schnell,
Das Volk lief beiden nach auf der Stell';
Und als er aus der Kirche kam,
Sein Weib er fest beim Mantel nahm:
»Wir müssen laufen, drum Gott befohlen,
Ich sorge, du wirst mir noch gestohlen.
Du siehst, das Volk tut uns nachlaufen;
Daß du mir nicht kommst unter den Haufen!«
Drauf gab er ihr eins mit dem Stab,
Nahm sie beim Mantel hart, lief trab.
Sie fiel in großer Schande nieder,
Er zog sie in die Höhe wieder
Und schleifte sie mit sich durch den Dreck.
Doch niemand wollte gehen weg,
Bis daß der Bürger kam nach Haus;
Das fremde Volk blieb aber drauß'.
Da hatte ein Ende Schande und Spott.
Die Frau der einen Magd Urlaub bot
Und ließ die andre das Essen machen
Und hütete sich vor hoffärtigen Sachen.
Und wer die Bürgerin fernerhin kannte,
Sie Bürgerin mit dem Harnisch nannte.

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