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Altdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band

Paul Hansmann: Altdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band - Kapitel 25
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Hansmann
titleAltdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band
publisherGeorg Müller
editorPaul Ernst
year1913
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070923
projectid907212d0
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Von einem trunkenen Manne, und wie ihn sein Weib überzeugen tat, er wäre falsch gegangen.

Hört eine Mär, die ward vollbracht
Einstmals in einer dunklen Nacht
von einem schönen, stolzen Weib.
Nach Wunsch vollkommen war ihr Leib;
Ihr Mann, der war ein Trunkenbold,
Darum ward sie ihm nie recht hold.
Ihr Herz sich einem Jüngling neigte,
Dem sie sich voller Eifers zeigte,
Und bat ihn, daß er's nicht vergäße,
Stets, wenn ihr Mann beim Weine säße,
Gar heimlich schnell zu ihr zu kommen.
Der Jüngling hat das gern vernommen.
Als nächtens saß der Mann beim Wein,
Schlich er sich in sein Haus hinein
Und legte zu ihr ins Bett sich dort.
Man redete manch' süßes Wort;
Und auch viel freundliches Umfassen,
Liebkosen, lachen, zanken, hassen,
War ihre Arbeit da zur Nacht,
Und was man sonst daneben macht,
Das mag ein jeder selbst verstehen.
Indes ihr Mann nach Haus tat gehen.
Er klopfte: sie erschraken sehr.
Da sprach die Frau: »Folg' meiner Lehr';
Ein Scheit ich hergetragen hab,
Damit geh' laut die Stiege hinab
Und schreie: »Wer pocht mir an das Haus,
Bringst du mich jetzt zu dir heraus,
Straf ich dein Lärmen, glaub es ja.«
Und sieh' auch bei dem Riegel da,
Ob er ans Fliehen denkt fürwahr
Und meint, er sei falsch gangen gar!«
Das tat der Knabe kurzerhand;
Der Ehwirt klopfte an die Wand.
Der schob den Riegel auf und vor
Und schrie: »Wer klopft mir an das Tor?
Ich bringe dich fort, du, hörst du wohl?«
Der Mann war großen Schreckens voll.
Vom Hause eilt er jählings fort,
Sprach zu sich selber solches Wort:
»Mich trügt der Teufel und die Nacht,
Was hat mich nur so irr gemacht,
Daß mir so Törichtes geschieht?«
Von weitem er sein Haus ansieht
Und prüft es dann in einem fort
Und auch die Nachbarhäuser dort;
Doch ward er durch sich selbst betrogen.
Die Gassen ist er lang gezogen;
Er einen Schusterladen fand,
Darauf legt er sich kurzerhand.
Und voll Gedanken er dort schlief,
Bis daß man gar den Tag anrief.
Die zwei vollbrachten ihre Sach'
Und trennten sich voll Ungemach;
Wenn es sich ließe gut einrichten,
Sollt' er, um ihre Sach' zu schlichten,
Sehr frohen Herzens wiederkommen,
Was oft geschah zu seinem Frommen.
Die Frau ihr Bett von neuem macht,
Ein Feuer hat sie schnell entfacht.
Die Haustür tut sie auf ganz leis,
An die setzt sie sich hin mit Fleiß
Und stellt sich so, als schläft sie tief.
Ihr Mann bald an die Türe lief
Und sah nun, daß sie offen stand;
Sein Weib er an ihr schlafend fand.
Er sagte zu sich selber da:

»Gibt's einen, der solch Wunder sah!
Hat mich der Teufel nachts besessen,
Daß ich mein Haus so ganz vergessen?
Ich muß es nennen doch ein Wunder,
Daß ich davonkam als Gesunder!«
Die Frau begann zu schnarchen sehr,
Wie wenn sie fest entschlafen wär'
In einem schweren Traume tief;
Gar liebreich sie ihr Mann aufrief.
Die Frau erwachte, sah ihn an
Und sprach zu ihm: »Du trunkner Mann,
Die ganze Nacht lang wartet' ich
Und sorgte mich gar sehr um dich!«
Da sprach der Mann: »Vielliebes Weib,
O wüßtest du, wie ich den Leib
Bald auf die Schlachtbank hätt' gegeben
Und kaum davonkam mit dem Leben!
Doch weil du selbst ohn' allen Spott
Mir Ruh erworben hast, um Gott,
Will ich dich fürder stets ergetzen!« –
Wer sich kann baden und nicht benetzen.
Den täuschet Weibsbetrug gar sehr,
Spricht Hanns von Worms, Barbierer.

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