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Altdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band

Paul Hansmann: Altdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band - Kapitel 23
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Hansmann
titleAltdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band
publisherGeorg Müller
editorPaul Ernst
year1913
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070923
projectid907212d0
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Der Kaufmann zu Basel

Zu Basel wohnte einst ein Mann,
Viel Gut als Kaufherr der gewann;
Gar stolz und schön war dessen Weib
Und gab der Lust hin ihren Leib.
Ein froher Jüngling in der Stadt
Um Minne sie gebeten hat.
Der Magd und ihres Kindes Amme
Sagt sie, daß sie sie nicht verdamme,
Wenn sie auch Buhlschaft stille treiben;
Was die tun, will ich nicht beschreiben.
Als einst der Kaufmann war verreist,
Da schickt' sein Weib zum Jüngling dreist,
Daß er zur Kurzweil zu ihr käm';
So trieben sie es oft seitdem.
Und da die Zeit, den Tag, die Stund',
Niemand im Hause wissen kunnt',
Wann zu erwarten war der Mann,
Geschah's nach einem Mittag dann,
Daß er nach Haus geritten kam;
Die Frau ihn stracks beim Arme nahm,
Empfing ihn gar sehr liebreich und
Küßte ihn oft auf seinen Mund.
Auch Magd und Amme ihn empfingen.
Als abgelegt vor allen Dingen
Er Hut und Stiefel, Kappe, Schwert,
Er nach der Mühe Ruhe begehrt
Und legt ins Bette sich zur Rast.
Als er dort lag, hat er erfaßt
Gar eine schwarze Hose, und
Ein Fluch entwischte seinem Mund.
Er wollte sein Weib herrufen dann;
Doch er des Bessern sich besann.
Die Hose er in die Tasche steckt,
Und in Verdruß er lang sich streckt
Und denkt dabei an mancherlei;
Doch hütet er sich vor Geschrei.
Er steht bald auf, macht sich zu Tisch,
Gott gebe, man brächte ihm Fleisch und Fisch
Was man der Kurzweil vor ihm trieb,
Er immer still und traurig blieb.
Die Amme merkte um die Sache
Und schlug an eine laute Lache.
Sprach: »Wüßtet Ihr, was ich, Herr, weiß,
Ihr säßst hier nicht vor Sorgen heiß,
Ihr müßtet wahrlich herzlich lachen!«
Drauf tat sie sich von hinnen machen;
Die Frau ihr nach. Sprach: »Bist du toll,
Sag' was dein Lachen heißen soll?«
Es sprach die Amme: »Schickt die Magd
Zu Eurem Buhlknecht, daß er sagt,
Ob er etwas vergessen hat,
Als er heut' von Euch ging zur Stadt.
Der Herr fand etwas, das ist klar,
Drum ist er ja so sonderbar!«
Und so geschieht's. Der Jüngling spricht,
Hätt' eine schwarze Hose nicht,
Die sei im Bette früh geblieben.
Die Magd erzählt's der Frau, der lieben
Und auch die Amme stand dabei.
Froh kauft die schwarzer Hosen zwei
Und ziehet eine davon an,
Desgleichen hat die Magd getan.
Die Frau stets bei dem Manne saß,
Der seiner Trübsal nicht vergaß
Und immer daran dachte,
Warum die Amme lachte;
Und fragte die Frau, weshalb es geschah.
Eintraten nun die beiden da
Und huben laut zu lachen an;
Zu beiden sprach allda der Mann:
»Nun sagt mir, warum lacht ihr so?«
Die Amme sprach: »Herr, wärt Ihr froh,
Wie Ihr vordem gewesen seid,
So solltet Ihr seit langer Zeit
Die beste Kurzweil jetzt erfahr'n,
Durch die uns zwein die Frau ins Garn
Gefallen ist in diesen Tagen.
Doch laßt Euch die Geschichte sagen.
Der sechste Tag ist heute gekommen,
Seit wir uns solches vorgenommen:
Wir kauften schwarzer Hosen drei
Und machten bei uns aus dabei,
Daß wer acht Tage es vergißt,
Daß die zu tragen Bedingung ist,
Der müßte ein Viertel Weins bezahlen.
Die Frau tats nicht zu zweien Malen!«
Der gute Mann ward froh und lachte,
Als er an ihre Hose dachte.
Er rief sie alle vor sich her,
Das Kleid zu lüpfen bat er sehr;
Es sträubt sich erst die Frau ein wenig,
Doch will sie ihm sein untertänig
Und stellt sich zu den Mägden hin.
Da wurden sie entblößt durch ihn;
Dazu sie also herzlich lachten,
Daß sie den Herrn sehr fröhlich machten.
Er war nun gänzlich aufgetaut.
»Du, Frau, verlorest,« schrie er laut.
(Sie hat gewonnen, dünket mich!)
»Schon vorher tat sie's sicherlich,«
Sprach da die Magd, »Herr, heißt sie zahlen.
Der Mann drauf: »Frau, du bist verfallen.
Dem Juden für drei viertel Wein
Zahl auf, wir wollen fröhlich sein.
Ich kam zu diesem Spaß da eben,
Das eine Viertel will ich geben.
Leg' an die Hose; laßt mich sehn,
Wem sie am besten wohl mag stehn!«
Die Frau sprach: »Lieber Herr, ach nein,
Die Bänder schneiden so ins Bein,
Daß ich sie keinen Tag mehr trage!«
Der Herr drauf: »Hör', was ich dir sage,
Ich muß sie wahrlich sehn an dir!«
Die Frau sprach zu der Magd: »Geh' mir.
Such' sie in meinem Bett im Stroh!«
»Ich hab' sie,« rief der Herr jetzt froh;
»Mein Unmut der ist gänzlich hin,
Ich hatte einen andern Sinn!«
Da fingen die drei an zu lachen
Und taten einen Spaß draus machen. –
Seht, also man den Herrn anführte,
Wiewohl er erst die Wahrheit spürte.
Wen täuscht ein Weibsbetrug denn nicht?
So Hanns von Worms, Barbierer, spricht.

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