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Altdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band

Paul Hansmann: Altdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band - Kapitel 12
Quellenangabe
typepoem
authorPaul Hansmann
titleAltdeutsche Mären und Schwänke - Erster Band
publisherGeorg Müller
editorPaul Ernst
year1913
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070923
projectid907212d0
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Der begrabene Ehemann

Ein Mann sprach einst zu seinem Weib:
»Du bist mir lieber denn mein Leib;
Ach, wärest du jetzo auch mir
Genau so hold, wie ich es dir,
was wäre mir dann der Griechen Gold?
Du kannst mir werden nie so hold,
wie ich dir, Fraue, bin.
Mein Herze und mein Sinn
So liebevoll für dich empfinden,
Daß ich es nimmer dir kann künden!«
Sie sprach: »Das solltest du mir zeigen;
Dann wollte ich deinem Willen neigen
Mich, täte alles ja aufs beste
Und hielte treu zu dir und feste.
Tu etwas nun, worum ich bitt';
Erreichen wirst du ja damit,
Daß stets ich alles tuen will,
(Es sei nun wenig oder viel)
Was du anheimstellst mir;
Und zeige damit dir.
Daß du mir sehr viel lieber bist,
Als ich dir bin zu dieser Frist!«
Er sprach: »Sag an, was ist es nun,
Ich will das und noch Bessres tun,
Als du jetzo begehrst,
Dieweil du mir gewährst,
Daß also sehr du minnest mich
In Treuen immer wie ich dich!«
Sie sprach: »Mein Trauter, glaube mir,
was ich fürwahr jetzt künde dir:
Gar schwer bekümmert es ein Weib,
Es kommet hart an ihren Leib
Daß, was sie spricht zu ihrem Mann,
Er nimmer glauben will und kann;
Das tut uns wehe sehr!«
Er sprach: »Ist es nicht mehr,
Was du erbittest!« Sie sprach »Nein!«
Er drauf: »Es soll ein Frevel sein,
Bin ich das nicht zu tun bereit;
Ich will dir schwören einen Eid,
Auf daß du so mich lieben magst.
Was du dann immer zu mir sagst,
Das will ich glauben dir sogleich;
Dein Treuen ist dann ja so reich,
Wenn du mich minnest wie ich dich,
Daß immer du vertraust auf mich!«
Als diese Rede war zu Ende,
Der Eid geschworen auch behende,
Da dachte sie sogleich daran:
Wie prüfe ich wohl, ob mein Mann
Wird alles glauben, was ich sage!
Das war an einem Vormittage.
Sie sprach: »Geselle, es ist Nacht,
Ich habe Essen uns gemacht,
Laß essen uns und schlafen gehn!«
Er sprach: »Was ist mit dir geschehn,
Es ist doch wahrlich Mittag eben!«
»Daß ich dich je geliebt im Leben,«
Sprach da das Weib, »es tut mir leid.
Nun seh ich doch in Wirklichkeit,
Wie übel Männertreue ist,
Weil du in also kurzer Frist
Meineidig wurdest wider mich.
Ich wollte nur versuchen dich
Und sehn, ob Treue und dein Eid
Wohl hätten etwas Stetigkeit!
Nun sehe ich und hör' ich wohl,
Daß ich dich immer halten soll
Für ein ganz treueloses Faß!
Was hätte dir geschadet das,
Daß ich dir sagte, es sei Nacht?
Hätt'st du an deinen Eid gedacht,
Und drauf gesprochen, es ist wahr,
So hätte ich länger als ein Jahr
Getreuet besser deinem Leib,
Als es tut irgendwelch' ein Weib
Dem besten Ehemann fürwahr.
Unstet ward deine Treue gar,
Das trennt die Freundschaft uns im Nu.
Ich sah es doch so gut wie du,
Daß es kaum Mittag ist.
Ich sagt' es doch aus List
Und wollte dich ja prüfen nur!«
Gar hoch bei ihrem Leib sie schwur,
Daß er verloren hab' ihr Herz.
Die Drohung schuf ihm solchen Schmerz,
Daß kaum er noch am Leben blieb,
Er hatte ja sein Weib so lieb.
Also nun sprach er traurig da:
»O wehe, daß mir je geschah
Dies Leid und dieses Ungemach,
Wodurch ich große Schande, ach,
Erleide an meinem Leibe,
Dieweil ich meinem Weibe
Gefolget bin nicht also viel
In ihrem tugendsamen Spiel.
Das tut mir leid gar sehr,
Ich klage es der Frau Ehr',
Auch muß es Gott erbarmen;
Kam über mich gar Armen,
Vergessenheit, bei meinem Leibe!«
Kniet nieder drauf vor seinem Weibe
Und spricht: »Lieb Fraue, süße,
Vergönne mir, daß ich's büße,
Ich schwöre, daß ich's nie wieder tu;
Und ich gelobe dir noch dazu:
Geschähe es wieder, sei es fürwahr
Unsühnbar jetzo und immerdar!«
Sie sprach: »So will ich's lassen ruhn;
Das aber glaube ja mir nun,
Versündigst du noch einmal dich
An dem, was so verdrießet mich,
Ist zwischen uns die Freundschaft aus
Und du kommst nie mehr in das Haus!«
Da war er froh, daß sie den Zorn
So balde hatte ganz verlor'n.
Darnach nun, nach wohl vierzehn Tagen,
Tat sie ihm abermals was sagen,
Das wirklich aller Wahrheit bar.
Und daß sie jetzt sein Meister war,
Das machte sie sehr stolz und kühn.
Sie machte ein kaltes Bad für ihn
Und sprach: »Steig ein, es ist sehr warm!«
Da war er frischen Muts so arm,
Daß er nichts, gar nichts sagte; da,
Wenn er sich abermals versah,
Er ja all ihre Huld verlor.
Wie sehr ihn auch im Bade fror,
Er sprach doch, es sei warm genug;
Und weil er mit Geduld es trug,
Ward da ihr Herze freudenschwer.
Sie liebte ihn seitdem so sehr,

Wie sie es nimmer vorher tat,
Und so beständig früh und spat,
Daß er ihr wurde also hold,
Hätt' sie gesprochen: »Erde ist Gold!«
Er hätte erwidert: »Es ist wahr!«
Dies währte wohl ein halbes Jahr. –
Nun war ein Pfaffe in der Stadt,
Der eifrig sie um Liebe bat,
So oft er es nur konnte fügen.
Und es traf ein ihm zum Vergnügen,
Daß sie zu lieben ihn begann.
Nun sah sie eines Tags ihr Mann
Zusammen aus einer Scheuer gehn.
Er sagte: »Unrecht ist geschehn,
Da du vertraut dem Pfaffen bist!«
Sie sprach: »Du lügst, beim heiligen Christ,
Es kränket deinen Torensinn,
Daß ich so hold dir worden bin.
Nie ward ein Weib, das glaube mir,
Dem Manne holder als ich dir.
Doch willst du mir das glauben nicht,
Und wenn dein Mund darwider spricht,
Dann wird mein Zorn fürwahr so blind,
Daß immer wir geschieden sind.
Willst du jetzt nicht für gut erachten
All' meine Reden, all mein Trachten,
Sollst du es balde sagen mir,
Dann will ich scheiden mich von dir!«
Er sprach drauf: »Es ist alles gut,
Was dein geliebter Leib nur tut.
All' deine Worte sind ja wahr;
Magst du auch leben tausend Jahr,
Ich zeihe dich keiner Sache mehr!«
Sie war ihm holder als vorher.
Sie war ihm gut und liebte ihn heiß,
Tat es solange voller Fleiß,
Bis sie ihn endlich dahinbrachte,
Daß er zu allen Zeiten dachte:
Ich habe das allerbeste Weib,
Das je gewonnen Weibes Leib!
Doch ward es so beschaffen,
Daß bald sie diesen Pfaffen
So heiß zu minnen gar begann,
Daß ihr verleidet ward ihr Mann.
Das tat sie kund; wie, sage ich nun:
Als er vom Feld kam, um zu ruhn,
Begann sie einst ihn anzusehn
Und sprach: »Was ist mit dir geschehn?
Daß ich mein Leben je gewann!«
»Was meinst du, Liebe,« sprach der Mann.
Sie drauf: »Wo ist dein Wangenrot?
Ach, du bist bleicher als der Tod!
Dir will des Todes Schmerz
Jetzt kommen an dein Herz.
Kein Kräutlein, ach, wuchs je darwider,
Geh, lege dich ins Bette nieder,
Du willst nun sterben, wehe mir!
Den Pfaffen ruf ich her zu dir,
Er rette dir das Seelenheil!«
Der Pfaffe kam herzu in Eil'.
Sie ließ ihn sprechen seine Beichte;
Und das erbat sie sich gar leichte:
Er wollte ja in allen Dingen
Nur ihren Willen stets vollbringen.
Dazu zwang ihn die Doppelnot:
Erst, weil sie ihm viel Gutes bot,

Und dann, weil nimmer ja ein Mann
Sein Weib so lieb wie er gewann.
Als seine Beichte man vernommen
Und Gottes Leichnam er bekommen,
Den er voll Andacht gar empfing,
Der Pfaffe schnell von dannen ging.
Drauf gab sie ihm in seine Hand
Ein Wachslicht, das schön angebrannt,
Und machte ihm die Augen zu.
Sie sprach: »Mein lieber Mann, nun tu, –
Weil, weh' mir Gott, du ja bist tot, –
Was die tun, die in solcher Not:
Du sollst fürwahr dich nimmer regen!«
Man tat ihn auf die Bahre legen,
Die sie gebracht gar schnell herein.
Die Nachbarn kamen hinterdrein,
Die Nacht man bei ihm wachte;
Als sich der Tag aufmachte,
Bald hin zur Kirche man ihn trug,
Sie aber raufte sich und schlug,
Ging hinter ihm in Tränen her,
Gebärdete sich kläglich sehr.
Die Seelenmesse man ihm sang,
Sie dauerte jedoch nicht lang;
Dann trug man ihn zum Grabe hin,
Denn gerne abtun wollten ihn
Das Weib und auch der Pfaffe.
Und dennoch glaubte der Affe,
Daß sie ihn wieder prüfe so
Und später wolle machen froh;
Das nahm er als Gewißheit an.
Solange blieb er in dem Wahn,
Bis man ihn senkte in das Grab
Und Erde warf auf ihn hinab.
Als nun die rechte Not begann,
Da rief er alle jene an,
Die dort am Grabe waren,
Und tat sich auch gebaren
wie einer, den bezwingt der Tod.
Der Pfaff' den Leuten all' gebot,
Daß sie sich segnen täten
Und Gott gar innig bäten,
Daß er den Teufel da vertriebe,
Damit er dort nicht länger bliebe
Bei jenem armen toten Samen.
Er sprach: »Das werde wahr!« Und »Amen«
Scholl laut der Chor von Mann und Weib.
Und so verlor der seinen Leib.
wie er auch immer rief und schrie,
Es sagten alle beide hie,
Die diese Anstalt trafen,
Er sei in Gott entschlafen;
Der Teufel wär's. Nicht ausgegraben
Ward er und mußte den Schaden haben,
Weil er gesetzt ein arges Weib
Als Meister über seinen Leib.

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