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Alt-Frankfurt

Adolf Stoltze: Alt-Frankfurt - Kapitel 7
Quellenangabe
typefarce
booktitleFrankfurter Theater
authorAdolf Stoltze
firstpub1887
year1926
publisherBlazek & Bergmann
addressFrankfurt a. M.
titleAlt-Frankfurt
created20051031
sendergerd.bouillon
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Sechstes Bild.

Elegant möbliertes Zimmer in Muffels Wohnung. Rechts im Hintergrunde ein Klavier, links ein Sofa. Im Vordergrunde an der Seite, ein Spiegelschrank. In der Mitte der Bühne eine kleine, gedeckte und mit Blumen bestellte Tafel. Links ein Fenster, rechts und im Hintergrunde Türen. Es ist Abend, ein dreiarmiger Lüster erhellt das Zimmer.

Erster Auftritt.

Heinrich, allein.

Heinrich (vor dem geöffneten Apothekerschränkchen, in der Hand ein Arzneifläschchen, welches er unausgesetzt schüttelt). Was heint die Frää Schnippel um mich erumschwenzelt, von wege dem Awendeuer, des ihrer Dochter in der Äppelweiwertschaft zugestoße is. Jetz pressierts de Alte nadierlich doppelt. Weern die gucke, wann se merke, daß merr trotz der Verlowerei nix for enanner iwwrig hawwe. Was des Agathche nor hat – bald flennt se, bald lacht se. Die werd doch kää Mäus mache un mich nach dem Verspruch beim Wort halte! Unsinn, sie hat merr ja ehrscht vorhin enn Kuß druff gewwe, daß se mich net leide kennt. – Die Hauptsach is jetzt, daß mei Mutter in ihrer Hausapothek des Fläschi findt un die Etikett lest: Gift, zwische zwää Dodekepp. Für Herrn Heinrich Muffel, stindlich enn Eßleffel voll. Wann mei Leut merke, daß ich mich mit Selbstmordgedanke trag, gehn se ei wie Nanking un gewwe Kordel nach. Uff die Art muß ich merr helfe. Sääfebrieh un Lakritz is ja ääch e ganz ungefehrlich Gift. (Stellt das Fläschchen in den Schrank und schließt die Türe). Duh dei Werkung.

Zweiter Auftritt.

Vorige. Frau Schnippel (auf einer Platte Backwerk tragend) kommt.

Fr. Schnippel. Noch net aagezoge! da mußt de awwer jetzt draa denke. Uff neun Uhr hat dei Vatter die Leut eigelade un es is acht vorbei.

Heinrich. Was die Zeit vergeht.

Fr. Schnippel. Des is immer so, wann mer was vor hat. Bei meiner Verlowung seiner Zeit ääch – da haww ich mich gehetzt un gehetzt un wie die Leut kame, haww ich noch im diefste Negligee gestocke.

Heinrich. Da is des Agathche flinker, die lääft schon seit heint Middag gebutzt erum.

Fr. Schnippel (indem sie den Tisch ordnet). Die kann den glickliche Äägeblick kaum erwaarte. Was sich des Kind fräät – es hat dich ääch zu gern.

Heinrich. So! des Ehrschte was ich heer.

Fr. Schnippel. Die hält nor noch hinnerm Berg. An der Mutterbrust hat se ihr Herz ausgeschitt, da hat se merr gestanne, daß se mich, un die ganze Welt verlasse kennt, um dem Zug ihres Herzens ze folge.

Heinrich (für sich). Was e Licheoos!

Fr. Schnippel. Mehr kann se doch gewiß net sage, wie dem Zug ihres Herzens folge ze wolle.

Heinrich. Bewahr! wann's nor kää Schnellzug is. (Ab).

Fr. Schnippel (allein). Was ich froh bin, wann heint der Dag erum is, kann ich kääm Mensch sage. Sin emal die Ring gewechselt, hawwe wenigstens die Strääch mit dem Barickemacher e Enn un der Heinerich werd sich iwwer die Sachsehäusern kää graue Haarn wachse lasse. – Wie setz ich dann die Leut. – Hier an die Spitz nadierlich des Brautpaar. (Legt Zettel auf die Teller). Da, den Onkel Blotzer, dann der Herr Muffel mir gegeniwwer, newer merr des Gretche Eiser, von wege der Kunnschaft. Uff die anner Seit die Jumfer Essig un newer se den Buchhalter Schnawwel; hier die Frää Muffel da is se in der Neh von ihrm Arzneischrank un da unne die Freilein Rotheborjer. So! – jetzt noch die Name von de annern Gäst, un die Gesellschaft is arrangiert. – Ach Gott, was muß mer den Schummel for sei Kinner mache. (Oeffnet das Fenster und sieht hinaus). E bissi frisch Luft is e Erholung.

Dritter Auftritt.

Vorige. Agathe kommt.

Agathe (in einer Rolle lesend, ohne Frau Schnippel zu bemerken). Wenn ich nur nicht in der Rolle der Königin von Karthago stecken bleibe. (Liest). Stichwort: dein elend Blut! – Dido. (Mit gehobener Stimme). Du schnöder Wüterich entweiche meiner Wut! Ich merk' es wohl nur du willst mein Verderben, eh ich dich lieb', will ich in Flammen sterben. – Stichwort: die jugendlichen Schläfe kränzen. – Dido. So hoffst du den Tribut zu schwänzen? Ich gründete mein Reich mit einer Ochsenhaut, doch nimmer werd' ich eines Ochsen Braut!

Fr. Schnippel. Gewiß e Iwwerraschung for heint Awend? des is recht, da kimmt ääch e bissi Lewe unner die Leut.

Agathe (verbirgt erschrocken die Rolle). Gewiß Mama – eine Ueberraschung.

Fr. Schnippel. Siehst de endlich ei, was des for e gut Bardie for dich is?

Agathe. Eine reizende Partie – namentlich im dritten Akt.

Fr. Schnippel. Dei Heinerich im dritte Akt?

Agathe. Nein! die Dido.

Fr. Schnippel (ärgerlich nach der Rolle greifend). Als der Thejaderkram! Do die werd verbrennt.

Agathe. Gewiß Mama – aber erst im fünften Akt und nicht do – die, sondern Di–do.

Fr. Schnippel. Kannst de dann die Dummhette gar net lasse. Bedenk doch den ernste Schritt, den de vorhast, eh zwää Stunn erum sin, is dei ganz Zukunft entschiede.

Agathe (Frau Schnippel um den Hals fallend). Ja. es ist ein ernster Schritt, den ich vorhabe, aber nicht wahr Mama, du bist liebreich und gütig, du wirst ihn verzeih'n?

Fr. Schnippel. Verzeihe! ich bin glicklich, daß de dich entschlosse hast. Awwer was is derr dann – du flennst ja.

Vierter Auftritt.

Vorige. Gretchen Eiser und Frau Muffel kommen.

Gretchen. Gun Awend Fraa Schnippel! Gun Awend Agathche! Bleibst de jetzt ganz hier? (Leise). Ei, ich habb jo wos munkele heern – is es wohr mit dem junge Herr Muffel?

Fr. Schnippel. Was mecht dann die Frää Mutter? braucht err noch kää Schmiersääf?

Gretchen. Ich danke! in unserm Lädche geht's net su stark.

Fr. Muffel. Bitte, Fräulein Eiser, legen Sie ab.

Gretchen. Ich bin noch ganz echauffiert – es mecht schon geherig worm.

Fr. Muffel. Echauffiert! da müssen Sie schnell einige Tropfen Kräutersaft auf Zucker nehmen.

Gretchen. Gott bewohr mich! was ich net kenn, schluck ich net. Ei, es sin schon die gesindste Leut an Arzeneie gestorwe.

Agathe (leise zu Gretchen). Nein! ich gehe zum Theater.

Gretchen (leise). Loß es! Die Frau Muffel hot marr die ganz Geschicht verzehlt.

Agathe (sie bei Seite ziehend). Verrate mich nicht! Wir wurden miteinander eingesegnet, drum bist du die Einzige, der ich mein Herz ausschütte. Morgen Abend trete ich zum ersten Male auf.

Gretchen. Uff den Wäldchesdag?

Agathe (leise). In einem Nachbarstädtchen. Ich bitte dich, bewahre mein Geheimnis. Meinen Koffer habe ich schon heimlich weggeschickt.

Fünfter Auftritt.

Vorige. Muffel, Blotzer, Fräulein Essig und verschiedene Gäste kommen. Später Schnuckes. – Mägde tragen ab und zu Speisen auf.

Muffel. Nemme Se Blatz, so jung komme merr doch net mehr zesamme. No Agathche, uij, wie gebutzt! wo is dann dei sanfter Heinerich?

Schnuckes (im Eintreten). Angele; ich haww emm vorhin Werm hole misse.

Muffel. Angele – ich meen der hätt doch hier enn Fusch gefange, wie kääner im Mää schwimmt.

Fr. Schnippel (leise zu Schnuckes). Du bist e Dummkopp, so was segt mer net laut.

Fr. Muffel. Er wird sich ein wenig ergehen wollen..

Muffel. Was hat er dann gesacht, wie er fortgange is?

Schnuckes. Ich derfs net sage.

Muffel. Warum?

Schnuckes. Die Frää Schnippel leid's net.

Fr. Schnippel. Was! ich leid's net. (Für sich). Da werd was Scheenes erauskomme.

Muffel. Als mit der Sprach eraus!

Schnuckes. Er – er – er deet bald widderkomme.

Fr. Schnippel (sehr erleichtert). Des häst de gleich sage derfe. Sonst nix?

Schnuckes. Nää! nor wie er enausgange is hat err gesacht: Die Gesellschaft kann merr mei Ruh lasse – ich leg mei Grundangel.

Fr. Schnippel. Butz dei Ohrn aus – dummer Bub! Wer wääß, was de widder geheert hast.

Schnuckes. O ja! ganz deutlich – – –

Muffel. Schweih! (Schnuckes geht mürrisch nach dem Hintergrunde).

Agathe. Er wird mir eine Freude machen wollen.

Muffel. Nadierlich! was sollt enn dann sonst bei Nacht un Newwel an's Wasser treiwe, er wääß, daß de die Backfisch noch vom Institut her gern hast. Setze merr uns.

Blotzer Enn gesegnete Appetit allerseits. (Setzt sich).

Fr. Schnippel. Danke! dadraa werd's hoffentlich niemand fehle.

Essig. Aber der junge Herr?

Muffel. Werd schon komme. (Winkt Schnuckes, leise zu demselben). Geww e bissi am Fenster acht, wann er kimmt, gibst de merr enn Stumber. (Schnuckes tritt an's Fenster).

Fr. Muffel. Agathchen wird uns mit einem musikalischen Vortrag erfreuen.

Muffel. Ich bitt dich, Sinche, wann mer nix im Mage hat.

Fr. Schnippel. Ja, spiel! Was vom Händel, heerst de.

Blotzer. Nor kää Händel bei me Nachtesse.

Schnuckes. (Stößt Muffel heftig an).

Muffel (leise). Kimmt er?

Schnuckes. Nää, noch immer net – soll ich weiter gucke?

Muffel. Nadierlich!

Gretchen (zu Agathe). Zier dich doch net – wann ich spiele kennt, ich deet ga net mehr uffheern.

Blotzer. Die scheenst Musik is, wann die Gleser anenanner klinge. »Des Vatterland verleiht die beste Gawe«. (Liest die Flaschenetikette). »Hochheimer, aus den Weinbergen der freien Stadt Frankfurt.« Hoch Frankfort! Hoch! (Während alle anstoßen, eilt Schnuckes auf Muffel zu und gibt demselben einen heftigen Stoß).

Schnuckes (halblaut) Ewe is er unne un leßt unsern Karo dorch die Ärm springe.

Muffel. No, no! Ich glääb gar! (Für sich). Der brengt noch die ganz Verlowung uff den Hund.

Sechster Auftritt.

Vorige. Heinrich kommt.

Heinrich. Gun Awend! is des Wasser klar, mer kann im Mondschei bis uff den Grund gucke.

Muffel. Is des e Aart, so auszebleiwe?

Fr. Muffel. An solchem Abend.

Heinrich. Ich hatt's wääß Gott vergesse – no, nix for ungut.

Fr. Schnippel. Was hast de dann gefange?

Heinrich. Enn Schliwwer an dere alte Hausdier, enn Kerl wie enn Kerwebaum.

Essig. Wie schrecklich! ich kann kein Blut sehen.

Fr. Muffel (untersucht den Finger.) Ich bemerke nichts. Du wirst dir doch keine Blutvergiftung zugezogen haben!

Heinrich. Wo geww ich mich mit so Sache ab. (Frau Muffel verbindet den Finger).

Fr. Schnippel. Es is nor e Glick, daß es net den Ringfinger getroffe hat. Komm, setz dich, des Esse werd kalt.

Muffel (für sich). Jetzt kann's losgeh. (Räuspert und erhebt sich).

Agathe (springt auf). Sie müssen mich aber entschuldigen, wenn mein Vortrag nicht so ausfällt, wie Sie wünschen.

Blotzer. Bravo!

Muffel (für sich.) Da! jetzt fiehrt die des große Wort, da kann ich schweihe. (Setzt sich). Eß ehrscht ferdig.

Gretchen. Ach naa, spiel wos. Wann ich Musik heer, geht marrsch bis in die groß Fußzeh. (Stellt sich an das Klavier).

Agathe (sieht nach der Uhr – für sich). Noch eine volle Stunde bis der Zug geht – ach! und mir ist das Herz so schwer. (Spielt einen kleinen Walzer, während sich die Gesellschaft unterhält).

Fr. Muffel. Bravo, Agathchen! bravo! (Alle applaudieren).

Essig. Ich bin keine Freundin von Tänzen – etwas getragenes ist mir lieber.

Blotzer. Des segt mei Frää net, die will nor neues.

Muffel. So jetzt setz dich emal. (Räuspert und erhebt sich).

Blotzer. Silentium! Der Herr Muffel werd e Redd redde.

Muffel. Verkleerte – merte – ehrte Anwesende! E Dag, wie der heutige Awend, kömmt nicht alle Dag widder; enn Augeblick, wie der jetzige Äägeblick is – ist – is sozesage die ereignißvollste Stunde des Menschenlebens. (Agathe schleicht ab). Es ist ein Famieljönföst was uns heint zusammegefiehrt hat. Es ist diejenige Feier, derjenigen Herzen, die dasjenige empfinde, was mer von zwää, die mitenander uffgewachse sin erwarte derf – eine Vereunigung für das ganze Löben.

Blotzer. Hoch! hoch!

Fr. Muffel. Pst! noch nicht. Die Rede ist wenigstens noch eine Seite lang.

Muffel (fortfahrend). Als mir vor siwweunzwanzig Jahr die Ferma Muffel un Compagnie grindeten, da dachte weder ich, noch mei Freind Schnippel selig, daß dermaleinst unsere Kinner, wir waren beide noch leddig ja, daß mir selbst dorch die Erziehung von klääne Schnippelcher und Muffelcher diesem Geschäft eine Dauer verleihen deeten, von der die speteste Generatione – Generatione – mit ääm Wort, eine Dauer, die sich heern leßt.

Fr. Schnippel (weint). Ach Gott! wann des mei Hector selig erlebt hätt, der werr for Frääd gestorwe. Sie mache's ääch zu riehrend!

Muffel (fortfahrend). Heute ist nun der erhebende Monement, der Moment gekommen, wo hier in Gegenwart von Zeige das Band geknöppt wern soll, geknöpft, geknipft, geknüpft für das ganze Leben. Gebbt euch die Henn, gebbt euch die Henn! denn indem ich jetzt das Glas erhebe, –

Blotzer. Erlääwe Se, des is mei Glas.

Muffel (verwirrt). Ihr Glas? mei Glas – des sin doch all mei Gleser – also, bitte, erhewe Se mei Gleser und trinke Se mit mir uff des Wohl – – (Sieht sich betroffen um) uff des Wohl – Frää Schnippel, wo is dann Ihr Dochter?

Fr. Schnippel. Am Enn in die Kich. (Springt auf).

Muffel (leise für sich). Mei schee Red. (Laut). Uff des Wohl – von uns're Gäst! (Sinkt erschöpft auf den Stuhl).

Heinrich. Bravo! unsere Gäste sie leben hoch!

Alle. Hoch.

Blotzer (zu Muffel). Hier mei Hand! sehr schee – ich hatt merr odder doch enn annern Schluß erwaart.

Muffel (springt auf). Ich aach! (Leise zu Frau Schnippel). Ihr Agathche is e Hahlgans!

Fr. Schnippel (leise). Sie hawwe's ääch ze eilig. Noch net die Supp recht drunne un schon verlowe – waarte Se doch bis zem Salat, die junge Leut misse ehrscht warm wern.

Muffel. Mir lääft die Brieh der Stern erunner.

Heinrich (zu Muffel). Ich habb derr als geblunke, du sollst schweihe – awwer wann de so im Babbele bist, da siehst de un heerst de nix.

Fr. Schnippel. Ich weer des Agathche emal ganz geherig zwiwwele.

Blotzer. Wie weersch, wann merr e bissi Pendersches spiele deete? – Eins, finf, siwwe Prr!

Schnuckes. Uij! jetzt werd gekißt. Herr Muffel, soll ich Ihne noch e Salvet hole?

Muffel. Willst de schweihe! – Nor net Prrrn, des dauert e Ewigkeit.

(Man hört auf der Straße Akkorde einer Guitarre).

Fr. Schnippel. No, was is des?

Fr. Muffel. Still!

Muffel. Verdeppel! e Ständche. Wer is dann uff den Einfall komme. (Während alle nach dem Fenster drängen, macht sich Schnuckes über den Wein her).

Haspel (auf der Straße, singt. Melodie: Ständchen aus Don Juan).

Zu der Verlobungsfeier
Greif ich zur alten Leyer.
Ob auch das Herz mir bricht,
Euch groll' ich dennoch nicht.
Was nützte auch mein Klagen,
Die Losung heißt: Entsagen.
Es war ein schöner Traum,
Der nun vergeht im Schaum.
(Nachspiel).

Muffel (wütend). Der Barickemacher! So e Frechheit! Gebb Owacht, ich gebb derr Schaum, aafälliger Kerl!

Fr. Schnippel. Der Mensch is unser Unglick!

Heinrich. Awwer e ganz schee Stimm hat er.

Fr. Schnippel. Ja, um unerfahrene Dechter zu verfihre, der sollt sich e bissi scheme.

Heinrich. Macht doch nor aus errer Mick kaan Elefant, der hats net bees gemaant.

Muffel. Dem wolle mer gleich des Maul stoppe. Peter, gebb merr emal schnell enn Kiwwel Wasser – da, in der Newestubb. Eil dich! (Schnuckes ab.)

Blotzer. Du werscht doch net? –

Muffel. Freilich wern ich! Wie e gedaaft Katz soll er treppele. Der Kerl verfolgt ja des Mädche uff Schritt un Tritt.

Siebenter Auftritt.

Vorige. Schnuckes (eine große Punschbowle tragend) kommt.

Schnuckes (etwas angetrunken). Es war kää anner Wasser da – wie Spilwasser.

Muffel (greift hastig nach dem Topf). Schadd nix. Spilwasser baßt ze seiner Spielerei.

Haspel (auf der Straße singt).

Viel Glück und reicher Segen
Erblüh auf euren Wegen,
Mit jedem Tage neu
Schmückt schöner euch die – – –

Muffel (schüttet die Bowle zum Fenster hinaus). Werscht de jetzt schweihe – Drallaff!

Haspel (auf der Straße). O, wie gemein! die schöne Guitarre.

Fr. Muffel. Um Gotteswillen, Hieronymus! du hast ja den Maitrank zum Fenster hinausgeschüttet!

Blotzer. Was! den Maitrank!

Fr. Schnippel. Ich hatt den beste Wei dazu genomme.

Muffel. Un der Olwel gibt merrsch als Spilwasser. (Verfolgt Schnuckes, welcher flüchtet).

Schnuckes. Ich habb gemeent, Gewerzel deet drei erumschwimme un dann hat's so geroche. (Ab.)

Muffel (energisch). Alle Äägeblick was annerscht! Sinche, hol emal die Ring. – Meine Herrschafte jetzt uffgebaßt – jetzt gibt's e Iwwerraschung. – Heinerich!

Fr. Schnippel. Sie hawwe recht; was soll mer lenger Werks mache. (Ruft). Agathche! Agathche! Agathche! (Ab durch die Mitteltüre).

Muffel (feierlich). Der langersehnte Äägeblick is endlich aagebroche, wo sich zwää liewende Herze sage derfe, was se for enanner iwwerig hawwe. Der Lieblingswunsch seit Jahren associerter Eltern geht heint in Erfillung. Unser Kinner, Heinerich un Agathe sin nach reiflicher Iwwerlegung zu dem Entschluß gelangt, daß – daß – –

Achter Auftritt.

Vorige. Fr. Schnippel (einen Brief in der Hand) kommt.

Fr. Schnippel (laut weinend). Ach! daß ich des erlewe muß – die Schann! die Schann! (Sinkt auf einen Stuhl – Alle umringen sie.)

Muffel. Was is dann bassiert? Frää Schnippel, so redde se doch!

Fr. Schnippel. Da! lese Se selbst. (Gibt ihm den Brief). Ich kann net mehr!

Muffel (setzt seine Brille auf, liest, während sich Frau Muffel mitlesend so an seine Schulter lehnt, daß sie Muffel fast zur Erde drückt). »Liebe Mama! Die Braut der Kunst kann nicht in einen prosaischen Muffel aufgehen. Ich gehe zum Theater und trete schon morgen auf. Ein Lorbeerblatt, das ich dir sende, betrachte als ein Zeichen meines Erfolges!« – Als erunner, drick mich bis unner die Erd! – »Forsche nicht nach meinem Aufenthalt, denn Du wirst ihn nie erfahren. Liebe, gute, beste Mama, verzeihe mir, wenn ich dir Kummer bereite, aber ich muß dem Zug meines Herzens folgen. Lebe wohl und vergiß nicht dein Agathchen.« – E schee Nachricht!

Heinrich (für sich). Hätt se merr e Wort davo gesacht, ich hätt err die beste Empfehlunge verschaffe kenne.

Fr. Schnippel. Des kimmt von der Thejaderlääferei – ich kent merr die Ääge aus dem Kopf flenne.

Muffel. Un von dem verwinschte Barickemacher.

Blotzer. Sollt der net von dem ganze Kram wisse?

Muffel. Nadierlich! der Kerl is mit err dorchgebrennt. Heinerich, räch' dei Ehr, merr wollen schon kriehe.

Heinrich. Ich bin wie verschlage, Vatter, dorch den Schrecke – ich kann derr kaum e Bää rihrn.

Muffel. Bleib! ich verwisch enn ääch allääns. Dod odder lewendig soll er hier sei Schandate eigesteh. (Ab, gefolgt von Blotzer).

Fr. Muffel (ängstlich). Was sagst du, Heinrich! wie verschlagen? – Am Ende ein Hexenschuß – ein Blutandrang nach dem Gehirn. Damit ist nicht zu spaßen. Komm, ich habe dir einen kalten Aufschlag mit etwas Balsam hergerichtet.

Heinrich (für sich). Wann die wißt, wie wohl merrsch weer.

Fr. Muffel (legt Heinrich ein Tuch auf die Stirne). So da wirst du gleich Linderung fühlen.

Muffel (vor der Türe). Als erei, Berschi! als erei!

Neunter Auftritt.

Vorige. Muffel, Haspel und Blotzer kommen.

Muffel, (welcher Haspel am Kragen hält, indem er ihn losläßt). Will nix von der Geschicht wisse – steht ganz gemietlich drunne un butzt sich ab.

Haspel (trägt einen, vom Wasser triefenden Hut und hat eine, mit Maitrank gefüllte Guitarre ohne Saiten umhängen – spricht mit höchster Erregung). Ich bin doch kein Verbrecher! meine Toilette derangiert – die Guitarre zerbrochen und Fräulein Schnippel entflohen, das ist ja entsetzlich!

Fr. Schnippel. Des is Ihr Werk! Sie hawwe se entfiehrt.

Haspel. Mein Werk! glauben Sie, daß ich jemand entführen könnte, ohne dabei zu sein?

Muffel. Sie hawwe err mit Ihrm Klimperkaste e Zeiche gewwe, un an der Dier uffgebaßt, bis se perr war.

Haspel. Ich bitte Sie! Hätte ich geahnt, daß die vermummte Dame, welche während meines Ständchens das Haus verließ und an der Ecke in einen Wagen stieg, Fräulein Schnippel gewesen wäre, ich hätte sie mit Gewalt zurückgehalten oder wäre wenigstens – mitgefahren.

Fr. Schnippel. Ach, mei Agathche, mei Agathche!

Haspel. Wenn der junge Herr Muffel, wie mir scheint, im Augenblick nicht in der Lage ist, die Fliehende einzuholen und Sie wollen mir gestatten, ihren Aufenthalt ausfindig zu machen so will ich nicht rasten noch ruhen, bis ich Ihr Vertrauen glänzend gerechtfertigt habe

Fr. Schnippel. Lääfe Se! lääfe Se err nach. Brenge Se merr nor mei Kind zerick, un Se solle reichlich dafor belohnt wern.

Muffel. Wo Se se ääch entdecke, telegrafirn Se gleich – mei Soh helt se.

Haspel. Daß ich meine ganze Kraft einsetzen will, sie aufzufinden, das schwöre ich bei dieser Guitarre! (Indem er die Guitarre mit dramatischer Extase emporhält, bespritzt er mit dem ausfließenden Wasser usw. die ganze Gesellschaft).

Muffel (indem er seinen Rock abwischt). Jetzt haww ich doch was vom Maitrank krieht!

Alle (trocknen ihre Kleider ab).

Vorhang fällt.

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