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Alt-Frankfurt

Adolf Stoltze: Alt-Frankfurt - Kapitel 5
Quellenangabe
typefarce
booktitleFrankfurter Theater
authorAdolf Stoltze
firstpub1887
year1926
publisherBlazek & Bergmann
addressFrankfurt a. M.
titleAlt-Frankfurt
created20051031
sendergerd.bouillon
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Viertes Bild.

Geräumiges Zimmer auf der Mehlwage, mit kahlen, weißen Wänden, schlecht vergitterten Fenstern. In der einen Ecke eine Bettstelle, mit Strohsack und Kolter. In der Mitte ein einfacher Tisch, auf demselben ein kleiner Koffer. – Die Sonne scheint hell durch das Fenster.

Erster Auftritt.

Direktor Purzler (allein, in etwas abgeschabtem, wunderlichem Anzug, unruhig auf- und abgehend).

Purzler. Was soll aus Don Carlos werden, wenn Philipp der Zweite hier auf der Mehlwage schmachtet? – Schuldgefangen! während meine hirtenlose Künstlerschar auf den Hund kommt. Und warum bin ich eingekerkert? Wegen eines unbezahlten Wamses für Wallenstein und zwei Paar Hosen für Marquis Posa nebst Gerichtskosten. – Schneiderseele! Schneiderseele! Klebten meine Affichen nicht schon am Brunnen zu Krotzenburg, ich würde mich furchtbar an dir rächen und – hier bleiben für deine Rechnung. O, du hast keine Ahnung von der Geduld eines wandernden Schauspieldirektors. – Warum mußte ich auch gerade über Frankfurt reisen, wo ich doch wußte, daß man mir ein liebevolles Andenken aus meiner Direktionszeit in Bockenheim bewahrt hatte. – Warum? weil mich eine junge Dame in Homburg zum Frühstück einlud. Und dann hieß sie Schnippel! Agathe Schnippel! Hat doch meine erste Liebe auch einen Schnippel geheiratet. Ich habe der jungen Dame auf gut Glück geschrieben, mich hier zu besuchen – ob sie wohl kommen wird? – (Geht unruhig auf und ab). Nichts werde ich aus meinem Schiffbruch retten, wie diesen Kasten mit unbezahlten Perücken, die ich erst heute früh von einem Friseur erhandelte. (Die Hausglocke wird heftig geläutet). Markdurchdringendes Getöse! O, daß man in den Gefängnissen keine Rücksicht auf schwache Nerven nimmt. (Es klopft). Herein!

Zweiter Auftritt.

Vorige. Agathe (dicht verschleiert), kommt.

Agathe (furchtsam). Ich habe Ihren Brief erhalten – es war ein Zufall, daß er an mich gelangte. – Sie stöhnen im Kerker. (Sieht sich neugierig um). Hier ist's ja ganz gemütlich.

Purzler. Tausend Dank! mein guter, ungeflügelter Engel. Sie sehen den Mimen in den Krallen der Manichäer.

Agathe. Ich hatte mir ein unterirdisches Verließ gedacht – feuchte Mauern – klirrende Ketten, Sie wahnsinnig in einer Ecke und finde alles anders – ganz nett! Eine erste Etage, freie Bewegung im Zimmer und auf dem Korridor, nur die Haustüre verschlossen. Da war der alte Moor in seinem Kerker übler dran.

Purzler. Glauben Sie das nicht. Er war kein Theaterdirektor, dessen Personal Hunger litt, während ihn ein boshafter Gläubiger fütterte.

Agathe. Ich kann an Ihrer Lage doch nichts ändern.

Purzler. Ja, Sie können es! Die Gänse retteten das Kapitol, und Sie, ein Schwan, ein Phönix der Kunst, sollten nichts vermögen? Nicht um das Kapitol handelt es sich hier, sondern um das Kapital. Darf ich Ihnen mein Innerstes ausschütten? Darf ich Sie einführen in das Reich meiner Geheimnisse? Darf ich Sie – darf ich Sie – vorerst um einen Gulden vierzig Kreuzer bitten?

Agathe (lachend). Wenn es das nur ist – hier sind zwei Gulden.

Purzler. Sehen Sie, ich füge mein tägliches Kostgeld von achtundvierzig Kreuzer bei, und nun Schoßkind der Kamönen, Rachel der Zukunft, leisten Sie mir den Eid der Verschwiegenheit.

Agathe. Wie romantisch! Ich schwöre!

Purzler. Der Eid ist heilig!

Agathe. Weiter – weiter!

Purzler. Was kann ich hier anders tun wie – durchbrennen – auskneifen!!

Agathe. Entfliehen! Um Mitternacht bei Vollmond.

Purzler. Ja, bestes Fräulein, helfen Sie mir.

Agathe. Ich kann Ihnen die Leiter unmöglich halten, bei uns wird das Haus um zehn Uhr geschlossen.

Purzler. Was Leiter! ich werde mich einem Strick von zwanzig Fuß Länge anvertrauen.

Agathe. Einem Strick?

Purzler. Gewiß, ich habe ihn redlich verdient, er soll mich retten. Sehen Sie diese rostzerfressenen Gitter? In einer halben Stunde durchfeile ich sie.

Agathe. Immer romantischer! Also eine Feile?

Purzler. Getroffen. Eine Feile und einen Strick, das ist alles, was ich von Ihnen verlange. Teures Fräulein, ein Band umschlingt alle Musensöhne und Töchter. Ich bin ein ergrauter Veteran, Sie eine strahlende Jüngerin der Kunst. – Sie, die Morgenröte, ich der Abendstern des Ruhmes. Sind nicht alle Künstler auf einander angewiesen? Ich bahne Ihnen den Weg zu den Brettern und Sie mir zum Strick. Auf meiner Bühne sollen Sie Ihren ersten theatralischen Versuch machen, von meiner Bühne aus soll Ihr Ruf die Welt erfüllen, bis Sie alle Photographen mit offenen Armen aufnehmen, bis es des Bildhauers höchster Stolz ist, Sie auszuhauen.

Agathe. Glauben Sie wirklich, daß ich Talent habe?

Purzler. Sie brauchen kein Talent, nur Mut.

Agathe. Für die Bühne?

Purzler. Nein für Strick und Feile.

Agathe. Ich meinte das Theater.

Purzler. Ja so! Da brauchen Sie heutzutage auch nur Mut und Gönner.

Agathe. Und die fürchte ich, fehlen mir.

Purzler. Sie müssen sich die Bescheidenheit abgewöhnen, wenn Sie eine große Künstlerin werden wollen.

Agathe. Ich singe auch ein wenig.

Purzler. Und wenn Sie keine Zunge hätten, die Philomele könnten Sie nicht leugnen. Sie besorgen mir doch Feile und Strick?

Agathe. Gewiß! Wird auch kein Verdacht –

Purzler. Wenn Sie sie in einem Regenschirm geschickt verbergen, sind Sie vor Entdeckung sicher – und dann – erster theatralischer Versuch in Klein-Krotzenburg oder Langen!

Agathe. Reizend. In einer Stunde haben Sie beides. – Glauben Sie, daß ich später auch ein Engagement an einer großen Bühne finde?

Purzler. Ein Engagement – zwanzig in einer Saison.

Agathe. Tausend Dank! Ich eile Sie zu retten! (Ab.)

Purzler (allein). Nun zittere, elender Schneider, der mich hierhergebracht, deine Häscher hast du umsonst gedungen! (Untersucht die Gitterstäbe an dem Fenster). Ihr sollt mir nicht lange mehr den Weg zur Freiheit versperren. Schwachheit, dein Name ist Mehlwage! (Kleine Pause. Es klopft). Aha, mein Gläubiger. Herein!

Dritter Auftritt.

Vorige. Fr. Schnippel, (einen Brief in der Hand, kommt).

Fr. Schnippel (sehr aufgeregt). Des sein merr ja scheene Geschichte! mei Dechterche hierher ze bestelle; odder hawwe Se vielleicht den Brief gar net geschriwwe? (Liest). »Hochgeehrtes Fräulein! Eingedenk unserer Bekanntschaft in Homburg, wage ich es, Sie um Ihre Hilfe anzurufen«, un so weiter. Es is nor e Gottesglick, daß ich den Wisch in ihrm Hausklääd gefunne habb; so e unerfahrn Mädche leßt sich leicht ze errer Dummheit verbabbele. No, wann Se merr aus der Klavierstunn kimmt, krieht se geherig die Levitte gelese.

Purzler (Frau Schnippel aufmerksam betrachtend, für sich). Ist sie's oder ist sie's nicht. (Seufzt). Thekla!

Fr. Schnippel. Da hawwe merrsch! sogar wie ich hääß, hat err schon erausgeluxt.

Purzler (für sich). Sie ist's! (Laut). Thekla, kennst du deinen Max nicht mehr? (Stürmt auf sie zu).

Fr. Schnippel (zurückweichend). Was! der Fridolin Schlucker. Du spielst ja e schee Achtelche. Fui Deiwel! ich deet mich scheme!

Purzler. Ja, ich bin's! Ich habe meinen Familiennamen Schlucker abgestreift und reise jetzt unter dem Künstlernamen Purzler.

Fr. Schnippel. Un bist doch e aarmer Schlucker gebliwwe?

Purzler. O Thekla! schütte in den Freudenkelch des Wiedersehens keine Wermutstropfen. Gedenke in Liebe der Zeit, da du in Neustadt zum Besuche geweilt, da unsere Herzen für die Musen geschlagen, da wir selbander durch die Auen wandelten, Hand in Hand.

Fr. Schnippel. Bis ich von meim Onkel mei Feng krieht habb un du aus der Lehr fort un unner die Komedjante gelääfe bist.

Purzler. Und dann hast du dich nach Köln verheiratet.

Fr. Schnippel. Nach Frankfort – des Kelle hat dich nor mei Onkel weiß mache lasse, damit de net mein eheliche Friede steerst.

Purzler. Schnöder Oheim! Wie schnürte es mir die Brust zusammen, als ich hörte, daß du eines Anderen Weib geworden.

Fr. Schnippel. Schweih, Lichemaul! Du bist ja schon in de ehrschte acht Däg, wo de von Neustadt fort warscht, mit ääner vom Chor dorchgebrennt.

Purzler. Aus Verzweiflung.

Fr. Schnippel. Merr kenne dich. Un jetzt, in deine alte Däg kannst de die Strääch noch immer net lasse un willst ääch mei Agathche in's Geredd brenge.

Purzler (für sich). Ihre Tochter! O, wenn sie ahnte. (Es wird rasch dunkel – donnert und blitzt – man hört heftig regnen).

Fr. Schnippel. Schem dich, e jung Mädche uff die Mehlwag ze bestelle. Was willst de dann von err? Soll se derr vielleicht dei Schulde bezahle? – Du liewer Gott was e Wetter! Des tretscht nor so.

Purzler. Du hast dich ja vorgesehen.

Fr. Schnippel. Dei Schulde zu bezahle – des deet merr eifalle.

Purzler. Nein, mit einem Regenschirm.

Fr. Schnippel. Ich geh nie ohne Barblee aus. (Die Hausglocke wird heftig gezogen). Da reißt ja ääns schee die Schell. Wann des des Agathche weer!

Purzler. Ich werde nachsehen. (Will zur Türe hinaus).

Fr. Schnippel (faßt ihn am Arm). Du bleibst hier. Meenst de ich deet leide, daß de draus vor Zeuge des Mädche blosstellst.

Purzler. Thekla! Thekla, du bist heute mein böser Geist.

Fr. Schnippel. Des is merr egal was ich derr bin, wann nor mei Kind aus de Leut ihrm Mund bleibt.

Muffel (hinter der Szene). Bis uff die Haut naß – trotz meim Regemantel – un des all von wege so emme Kerl.

Fr. Schnippel (heftig erschrocken für sich). Die Stimm – der Herr Muffel! (Lauscht).

Muffel (hinter der Szene). So e Gourmand – denke Se nor, Herr Verwalter – lebt wie e Ferscht in dem Bockenem – beschummelt Gott un die Welt – ich komm um mei scheenste Schinke.

Purzler (für sich). Er spricht von Schinken – nun kann mir die Sache nicht mehr Wurst sein.

Muffel (hinter der Szene). Ich wißt gar nix von dem Fang, wann merrsch net ääner vom Fiskal gesteckt hätt. – So e oosiger Komedjant!

Fr. Schnippel. Ja, will err dann zu dir?

Purzler. Zu wem sonst?

Fr. Schnippel. Ich bitt dich um Gotteswille, des is ja mei Kompagnon! Wann der mich hier finne deet, wo er wääß wie mir zwää zesamme gestanne hawwe, ich kennt mich ja net mehr vor meiner Dochter seh lasse. Kann mer sich dann nerjends versteckele? (Sieht sich verzweiflungsvoll um).

Purzler. Ich halte die Türe zu.

Fr. Schnippel. Ääch noch! damit mer glääbt, merr hätte uns eigeschlosse.

Muffel (hinter der Szene). Also dadrei is err?

Fr. Schnippel. Ich bin verlorn! (Verbirgt sich neben der Bettstelle). Deck mich zu, deck mich zu! (Purzel wirft die Kolter über sie). Wann's hier nor net eischlegt, so nah an de eiserne Drallje! (Starker Donnerschlag).

Vierter Auftritt.

Vorige. Muffel (im Regenmantel und Zylinderhut, völlig durchnäßt, kommt).

Muffel. Brr! des rumbelt ja schee! Mei Name is Muffel, ich breng Ihne blos e paar unbezahlte Rechnunge. Sie sin merr untreu warn mit Ihrer werte Kunnschaft. Wer liwwert Ihne dann jetzt mit fortlääfendem Erfolg? der Scheppler? – Der werd sich biete. Hawwe Se vielleicht die groß Erbschaft, uff die Se mich vor drei Jahr vertrest hawwe, aagetrete un hie die ehrscht Etag gemiet? Odder warsch e iwwerseeisch un is ins Wasser gefalle. Meene Se, ich bräucht bloß ze peife un da käme die Budellje Konjack ebeigefloge un die Schinke deete merr uff der flach Hand wachse? Ich muß mei Sache ääch bezahle, verstehn Se mich!

Purzler. Ich bitte, beruhigen Sie sich.

Muffel (auf- und abgehend). An mir solle Se ihrn Siwwesorteflegel gefunne hawwe! Fihrt die Thejaderdirektion in Bockenem unner dem scheene Name: Direktor Taubenspeck un jetzt entpuppt er sich als Borzler.

Purzler. Hören Sie mich doch nur –

Muffel. Ich habb Ihne lang genug Geheer geschenkt. Fihrt mich der Deiwel emal enaus in des Thejader – ich lern den sauwere Batron kenne, un eh ich mich verguck, haww ich e Klett von hunnertachtzig Gulde am Bää. Wann des mei Däälhawwern wißt.

Purzler. Die würde mich gewiß nicht so peinigen.

Muffel. Da kenne Se se schlecht, die hungrig Mott! – Brauche Sie Havanna ze rääche, des Stick for zehe Kreuzer, un ääm dann blaue Dunst vorzemache?

Purzler. Ich wollte Sie etwas verdienen lassen.

Muffel. Guck emal aa! – verdiene lasse un bezehlt vor Gott nix. – Awwer waarte Se! an mir solle Se Ihrn Mann gefunne hawwe; entwedder mei Geld, odder ich laß Ihne sitze bis Se grie un gehl wern.

Purzler. Während der Sommersaison kann ich nicht zahlen.

Muffel. Da hawwe sich allerdings Ihr Verhältnisse geennert; friher konnte Se's während der Wintersaison net.

Purzler. Ich habe nichts wie diese Perücken. (Er setzt eine Muffels Haartracht ähnliche Perücke auf).

Muffel. Un die wern net bezahlt sei. Lasse Se nor die Atzel ab, die Minz hat bei mir kään Korsch.

Purzler (für sich). Was blitzt mir durch den Kopf! (Nimmt einen kleinen Handspiegel aus dem Koffer). Die Aehnlichkeit ist täuschend. – Frisch gewagt, vielleicht gelingt's.

Muffel. Ääch derfe Se sich net eibilde, daß Se hier verdufte kennte. Ich habb schon mit dem Nachtwächter geredd, der werd e wachsam Ääg uff Ihr Fenster hawwe. For enn Browenner schleft der sechs Woche am e annere Eckstää.

Purzler. Ich werde dieses Haus nur verlassen, wenn mir der Verwalter selbst die Türe aufschließt.

Muffel. Da wern Se waarte kenne.

Purzler (für sich). Wir werden sehen. (Laut). Aber bester Herr, Ihr Mantel und Hut macht das ganze Zimmer naß.

Muffel. Wahrhafdig! Des is ja ääch e Hundewetter.

Purzler. Ich bin gegen jede Feuchtigkeit empfindlich.

Muffel. Davo haww ich nix gemerkt, wie Se mein Konjack gepetzt hawwe. – Wann Ihne odder der Mantel schenniert –

Purzler (schnell). Wollen wir ihn auf den Korridor hängen?

Muffel. Wie Se meene – Sie wisse hier Bescheid. Daß ich mich odder bei dem Wetter dricke soll, wern Se merr net zumute.

Purzler. Im Gegenteil, Sie sollen recht lange hier bleiben.

Fr. Schnippel (von Muffel unbemerkt, winkt heftig ab).

Muffel. Un wann ich verzeh Däg hier bleiwe mißt, uff neue Versprechunge lass' ich mich doch net ei. – Da! (Reicht Purzler Hut und Mantel). Wann's nor gut ablääft. (Tritt an das Fenster.)

Purzler (wirft unter der Türe den Mantel über und setzt den Hut auf). Ich hoffe, daß es gut abläuft! (Ab. – Es donnert in der Ferne.)

Muffel. Des Gewitter verzieht sich – es treppelt nor noch e bissi. Was des Wasser den Garkicheplatz erunnerschießt; e rein Iwwerschwemmung. (Tritt vom Fenster). No, der Herr Direktor wääß wenigstens jetzt, was die Ehl kost. – Wollt der merr sei Baricke uffschmuse; ich meen dann, ich hätt an der Frisierkunst e Haar gefunne. (Nimmt einige Perücken aus dem Koffer und setzt eine, Purzlers Frisur ähnliche Perücke auf). An des Sachsehause denk ich. Ketteesel! Seh ich wie e Ketteesel aus? (Betrachtet sich im Spiegel). Was ääm so e Atzel entstellt, mer werd an sich selwer err. (Es schellt heftig). Des Geschäft bliet – was mag dann da widder for e Kunne komme. (Es klopft). Es kloppt – herein! (Die Türe öffnet sich ein wenig und ein Regenschirm wird ins Zimmer geschoben).

Agathe (von außen, leise). Alles besorgt! Ich fürchte, man ist mir auf der Spur.

Muffel. Komme Se doch erei.

Agathe (von außen). Nein! nein, ich muß fort. – Vergessen Sie meinen theatralischen Versuch nicht. (Die Türe schließt sich wieder).

Muffel. E theatralischer Versuch uff der Mehlwag, un noch derrzu mit emme Barbleh, des is doch e wunnerbar Geschicht. (Hebt den Regenschirm auf). Dunner! hat der e Gewicht, mit dem mecht ich net uff den Feldberg geh un wann des scheenste Wetter weer. (Will den Schirm aufspannen, wobei eine Feile und ein Seil herausfällt). Krieh die Krenk! E Feil un e Wäschsääl! Oho, Herr Borzler, es is gut, daß ich bei dem dramatische Versuch rechtzeitig hinner den Vorhang geguckt habb.

Fünfter Auftritt.

Vorige. Dappler. (sehr kurzsichtig, trägt eine blaue Brille).

Dappler. Es ist acht Uhr, Herr Derekter; die Besuchszeit is voriwwer.

Muffel. Ja, wo bleibt dann der Mensch? – Ich habb noch e Wertche mit emm ze redde. Des Wetter hat ääch uffgeheert.

Dappler. Freilich! schon widder brotdrocke. Des Frauenzimmer braucht sich vor kääm Sampel ze ferchte.

Muffel. Des Frauenzimmer – Sie meene die mit dem Scherm, die – (Für sich). Da scheint der Verwalter mit unner der Deck ze stecke.

Dappler (sieht sich überall um). Ihr Besuch is grad lang genug da – Sie wern doch kää Strääch mache. – Nää, nää, des geht hier net.

Muffel. Wo steckt er dann? Mir sin gleich ferdig.

Dappler. Der Herr? der is lengst fort – ich haww emm selwer uffgeschlosse. Der hat's eilig gehatt.

Muffel. Ich wern aus Ihne net gescheidt.

Dappler. Mit dem kenne Se sich ausenanner setze. – Leut, die gleich uffbrause, des sin in der Regel die beste Mensche. Awwer des Frauenzimmer. –

Muffel. Was wolle Se dann nor mit Ihrm ääfällige Frauenzimmer!

Dappler. No, sie is doch noch bei Ihne.

Muffel. Deiwel zu! For wen halte Se mich dann?

Dappler. For ään, der froh weer, wann er jetzt ääch enaus mißt.

Muffel. Ich glääb gar der meent – – (Mit Nachdruck). Mei Name is Muffel.

Dappler (findet Feile und Seil) Ei des Dunnerwetter noch emal! Was hawwe Se dann da ereigeschmuggelt? Sie Himmelherrgottsapperment! Wo hawwe Se des Zeug her?

Muffel. Ääns von uns zwää is verrickt. Ich bin's net! – Wen meene Se dann eigentlich, wen Se vor sich hätte?

Dappler. Enn ganz häämdickische Kerl, der enn gutmietige Verwalter dorch sei Lumpesträäch um sei Brot brenge mecht. Es soll Ihne odder vergeh!! – Uff der Stell gewwe Se jetzt des Frauenzimmer eraus, odder ich lass die Bolizei hole. Sie ordinärer Dorchbrenner! Sie Alteleutuzer!

Muffel. Scheeler Kiwwitz! Ich wern Ihne gleich zeige, wer ich bin. (Reißt das Fenster auf). Seh'n Se den Schibbkärjer drunne?

Dappler. So weit kann ich nit gucke.

Muffel. Der Mann kennt mich – gewwe se acht: (Ruft nach der Straße). Pst, pst! Du, Specht, wer bin ich? – Wer bin ich?

Stimme (von der Straße). E Lump! E Schuldemächer!

Muffel (schlägt das Fenster zu). Olwel! Hier kann mer noch enn schlechte Name kriehe. – Ewe werd merrsch ze dumm.

Dappler. Mir odder ääch. Des Frauenzimmer eraus!

Muffel (wütend). Wo is mei Mantel un mei Hut? (Es schellt heftig).

Dappler. Seither haww ich gedacht, emme Komedjant derf mer enn dolle Strääch net iwwel nemme, jetzt awwer packt mich die Wut.

Muffel (läuft nach der Tür). Wo is mei Mantel un Hut – ich will enaus!

Sechster Auftritt.

Vorige. Schnuckes (Hut und Mantel auf dem Arm, stürmt atemlos herein). Später Haspel.

Schnuckes. Hier! hier! Ich bin schee gelääfe. Ei, wie seh'n Se dann aus! Sie hawwe ja neue Haarn krieht.

Muffel (nimmt erschrocken die Perücke ab). Des Oos haww ich in Gedanke uffgelasse.

Schnuckes. Die Frää Muffel schickt mich mit Ihrm Mantel un Hut her – e fremder Mensch hätt se gebracht un enn scheene Gruß vom Herr Thejaderdirekter Borzler ausgericht, er deet ääch bestens danke, er weer schon iwwer die Grenz.

Muffel. Was! der Kerl is ausgerisse; in meine Klääder! Da schlag e Bomb enei!

Schnuckes (zieht ein Fläschchen aus der Tasche). Un davo, meent Ihr Frää, sollte Se gleich zwelf Troppe von wege dem Gewitter nemme. – Ach, sin Se net bees! ich habb mich vergriffe un des Fläschi mit Stiwwellack gedappt.

Dappler (fortwährend das Zimmer durchsuchend). Wo er des Frauenzimmer nor hiegebracht hat? Halt, was is des! (Zieht die Kolter über Frau Schnippel empor). Aha! Sie wolle doch net iwwer Nacht bleiwe?

Muffel. Frää Schnippel! Ich bin eweck wie dem Bape sei Dos'!

Fr. Schnippel. Ach du liewer Gott! Der Schei is gege mich.

Schnuckes. Sie hawwe ääch Schulde?

Muffel. Jetzt geht merr e Licht uff: O zarte Sehnsucht, sießes Hoffe, die uff der Mehlwag sich getroffe. – Alte Liebe rostet net. – No, sin Se nor still, ich kann schweihe.

Dappler. Des gibt e Kriminalunnersuchung.

Haspel (stürmt herein). Wo ist er! wo ist er! O meine Perücken! meine teuren Perücken! – Dieser Purzler soll ja niemand bezahlen. (Ergreift den Koffer).

Muffel. No, uns hat er bees bezahlt.

Unter allgemeiner Bewegung
fällt der Vorhang.

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