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Als ich noch der Waldbauernbub war

Peter Rosegger: Als ich noch der Waldbauernbub war - Kapitel 37
Quellenangabe
typenarrative
booktitleAls ich noch der Waldbauernbub war
authorPeter Rosegger
year1972
publisherL. Staackmann Verlag KG
addressMünchen
isbn3-920897-01-3
titleAls ich noch der Waldbauernbub war
pages3-5
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1900
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Das Schläfchen auf dem Semmering

Das Mittagmahl war vorüber. Den Rest der Milchsuppe hatte der Kettenhund bekommen, der, dankbar mit dem Schweife wedelnd, die Schüssel so blank leckte, daß die roten und blauen Blumen sowie die Zahl des Geburtsjahres der geräumigen Tonschüssel klar zum Vorschein kamen. Der Hund beleckte, gleichsam zum Dank, dann auch noch die Blumen und die Jahreszahl, und gut war's. Den Rest der Schmalznocken hatte die Bäuerin dem alten Zottentrager (Lumpensammler) verehrt, der auf der Ofenbank saß bei seinem großmächtigen Bündel, in welchem alle Fetzen von Alpl beisammen waren und der Papiermühle harrten. Der Zottentrager nahm weder die »Zotten« umsonst noch die Schmalznocken, er tat ein Täschlein auseinander und bot der Bäuerin zur Gegengabe drei Ellen blaue Schürzenbänder und ein paar englische Nadeln. Der Großknecht nannte ihn trotzdem einen Lumpenkerl.

Als wir vom Tische aufstanden, um wohlgesättigt wieder dem Tagewerk nachzugehen, steckte der Großknecht Rochus einen Ballen Tabak in den Mund. Trotzdem vermochte er noch zu reden und zum Hausvater das Wort zu sagen: »Bauer, brauchst du heute das Bendel?« Bendel, das ist nämlich der geringschätzige Ausdruck für einen nichtigen, kleinen Buben, der den Leuten unter den Beinen umherschlupft, wenn er beim Vieh nichts zu tun hat.

Das Wort Bendel mußte auf mich passen, weil der Zieselhofbauer, bei dem ich damals als Schafhirt angestellt war, auf mich herabschaute und die Achseln zuckte. Er brauche mich nicht. Die Schafe seien ja in der eingezäunten Halde.

»Wenn du ihn nicht brauchst, so brauch ich ihn«, sagte der Knecht. »Wenn ich morgen ins Österreichische hinaus soll mit dem Leab, so muß das Vieh heut ein paar Stunden umgetrieben werden auf dem Anger.«

Der Leab, das war durchaus kein »Vieh«, wie der Knecht in seiner Grobmäuligkeit sagte, sondern das war unser falbes Öchslein, der Liebling des Hauses. Es mußte besonders brav sein, denn es wurde besser gehalten als die anderen Rinder, es bekam Heu statt Stroh und Salzrübenbrei statt Spreufutter. Warum die Bevorzugung? Weil der Leab eben ein Kerl war und so schön jodeln konnte. Wenn er satt war und vor dem Stalle stand, so begann er zu lauten, die Töne, die er in kurzen Zwischenräumen ausstieß, waren wie heller Juchschrei, der drüben im Wald klingend widerhallte. Die anderen konnten es bei weitem nicht so. Ich wußte damals noch gar vieles nicht, unter anderem auch, warum der Leab so schön jauchzte. War es, weil es gar so lustig ist auf dieser Welt, wenn man nicht an den Pflug muß und so guten Salzrübenbrei kriegt? Oder war es, weil er Genossen und Genossinnen herbeirufen wollte von den Weiden? oder war es, weil der Wald sein Jauchzen so munter beantwortete? Kurz, es machte sich alles so fein und nett mit dem Leab, und das war nicht bloße Höflichkeit, wenn es hieß, daß er sehr gut aussehe. Mit diesem lieben Öchslein nun sollte der Knecht Rochus am nächsten Tag ins Österreicherland reisen, über den Semmering hinüber. Man sprach gar von Wien, wo der Leab, wie es hieß, sein Glück machen sollte.

»Sodl, jetzt komm einmal, Bendel, nichtiges!« Also hat der Knecht mich geworben. »Jetzt führ den Leab aus dem Stall auf den Anger und treib ihn ein paar Stündlein langsam herum. Na, hast mich verstanden?«

Nun war das vom Leab eine besondere Gefälligkeit. Wenn ich ein gesunder starker Ochse bin wie der Leab, so lasse ich mich nicht von einem siebenjährigen Jungen, den sie noch obendrein das Bendel heißen, mir nichts, dir nichts auf dem Anger herumtreiben. Entweder ich gebe ihm einen Deuter mit dem Hinterbein, daß er mich in Ruh lassen soll, oder ich tauche ihn mit dem gehörnten Kopf zu Boden. Mein Leab aber erkannte mir die Oberhoheit zu, oder es war ihm nicht der Mühe wert, sich einem winzigen Knirps zu widersetzen, er ließ sich gutmütig treiben. Etwas schwerfällig trottete er auf dem Rasen dahin, ich trappelte barfuß hinter ihm drein, und wenn er stehenbleiben wollte, um sich zu lecken oder eine Schnauze voll Gras zu sich zu nehmen, so versetzte ich ihm mit der Gerte einen leichten Streich an den Schenkel, daß er weiterging. So hatte es der Knecht angeordnet. Ich wußte nicht, was das Herumtrotten heute zu bedeuten hatte, und mein Leab wußte es wahrscheinlich auch nicht. Der Mensch, wenn er etwas nicht weiß, macht sich Sorgen darob, der Ochs nicht, trotzdem kam letzterer genauso weit als ich – etwa fünfzigmal um den Anger herum.

Am Abend, als wir müde und mit steifen Beinen in den Stall gingen, habe ich's erst erfahren, weshalb die Rundreise verhängt worden war. Der Leab mußte sich für seine bevorstehende Fußpartie ins Österreicherland eingehen, weil er das Marschieren nicht gewohnt war. Bei mir stand die Sache nicht viel anders, denn auch ich war auserlesen, die Reise mitzutun.

Am nächsten Frühmorgen hatten wir, der große Knecht Rochus und das kleine Bendel, unser Halbfeiertagsgewand angelegt, ich auch mein neues Paar Schuhe, dann aßen wir Sterz und Milch, und der Leab bekam noch einmal seinen Salzrübenbrei. Während er mit Behagen sein Frühstück verzehrte, ahnungslos, daß es das letzte war in der Heimat, striegelte ihm der Zieselhofbauer noch die Haare glatt und betastete mit Wohlgefallen den rundlichen Leib.

»Unter hundertsechzig treibst ihn wieder heim«, sagte er dann zum Knecht. Das war mir nicht ganz verständlich, der Rochus aber nickte. »Geh nur her, Öchsel!« sprach er und legte dem Genannten den Strick um die Hörner. Ich stand hinten mit der Gerte. Als wir zu dreien durch das Hoftor hinaus davonzogen, brüllten die anderen Rinder des Stalles, und der Leab stieß ein paarmal sein helles Juchzen aus. War ihm wirklich so wohl ums Herz, weil es jetzt in die helle Fremde ging, oder hatte der Arme nur einen einzigen Laut für Freud und Leid? – Die Hausleute schauten uns nach, bis sich der Weg im Schachen verlor.

Anfangs ging's etwas rostig, es waren uns die Beine noch steif von der gestrigen Angerwanderung, aber schon über dem Alpsteig wurden wir gelenkiger, und im Mürztal trabten wir zu acht Füßen ganz rüstig fürbaß.

»Sodl«, sagte der Knecht, »bis die Sonne abi geht, müssen wir z' Gloggnitz sein. Heimfahren können wir morgen auf dem Dampfwagen, ist sicherer mit dem Geld.«

Und jetzt kam es auf, was der Rochus im Sinn hatte. Den Leab wollte er verkaufen. Zu Gloggnitz an einen Viehhändler, der ihn dann nach Wien führen würde. – Nein, das konnte dem Knecht nicht Ernst sein. Verkaufen, den Leab! Derselbe Knecht hatte früher einmal am Feierabend eine Geschichte erzählt, wie ein Mann seinen Bruder an den Juden verkauft hatte... Und stimmte denn das mit dem, was meine Mutter daheim oftmals gesagt hatte, nämlich, daß auch das liebe Vieh unserem Herrgott gehöre, und daß Ochs und Esel die ersten gewesen, die beim Christkind Wache gehalten? –

Weil die Straße so breit und glatt vor uns dalag und das Öchslein so willig fürbaß ging, so konnten wir plaudern. Daheim plaudert kein Knecht mit dem Schafbuben, am wenigsten der ruppige Großknecht mit dem Bendel, aber in der Fremde schließen die Menschen sich nahe aneinander, selbst wenn ein Ochs dazwischen ist.

»Was wird er denn nachher machen, der Leab, in Wien?« fragte ich.

»Der wird totgeschlagen«, antwortete der Knecht. Ich lachte überlaut, weil ich das grobe Wort für einen feinen Witz hielt. »Übermorgen um die Stund hängt er schon an den Hinterbeinen beim Fleischhacker«, setzte der Knecht bei. Mir ward plötzlich bange, ich schaute dem Leab ins Gesicht, der glotzte harmlos drein; er hatte nichts verstanden, gottlob. – Fleischhacker! Ich hatte den Namen übrigens schon gehört. Als daheim die Mutter einmal schwer krank gewesen war, hatte der Arzt ein Pfund Suppenfleisch verordnet, zum Kraftmachen. Das war auch beim Fleischhacker geholt worden.

»Hi, Leab!« sagte der Rochus und zog am Strick.

Dann fuhr er fort, wunderlich zu sprechen: »Das beste Fleisch geht allemal nach Wien. Wenn unsereiner auf der Kirchweih beim Fleischhacker im Dorf ein Stückel kauft, kriegt man ein wiedenzähes Luder.« – Was er nur da redet!

Als wir beim jungen Lärchenwald am Anfang des Semmeringberges waren, wußte ich alles. Es war ganz unerhört. Zurückführen nach Alpl konnte ich den armen, armen Leab nicht, ich hätte mit dem Knecht darum bis auf den Tod raufen müssen. Der Knecht Rochus hatte eben vom Bauern den Auftrag, den Leab in Gloggnitz dem Fleischhacker zu überantworten! Dann sollte das gute Öchsl zur Schlachtbank geführt, dort mit einer großen Hacke niedergeschlagen und hernach mit einem langen Messer erstochen werden. Alsdann sollten ihm die schönen, schwarzen Hörnlein vom Haupte geschlagen und die Haut herabgezogen werden. Dann sollten ihm die Eingeweide herausgerissen und das Fleisch in tausend Stücklein zerschnitten werden. Und diese Stücklein würden gekocht, gebraten, von den Wienern verzehrt, so wie der Wolf das Schaf frißt und die Katze die Maus! – Mir ward blau vor den Augen, ich taumelte hin an den Rain. Der Rochus steckte mir einen Bissen Brot in den Mund.

Später, wieder zu mir gekommen, schaute ich den Leab an. Der biß einen Grasschopf ab und kaute ihn mit aller Behaglichkeit hinab. Er weiß von nichts. Er hat's gehört, aber nicht verstanden. Oh, argloses Gottesgeschöpf! – Ich hub an, laut zu brüllen.

Der Rochus lachte und gab mir zu bedenken, daß ich selbst schon Ochsenfleisch gegessen hätte. Ich selbst? Das wär noch schöner! – Ja! am Leihkauftag, wie uns der Bauer beim Wirt Braten mit Salat gezahlt hatte. Das sei so etwas gewesen. – Mir wurde übel. Braten hatte ich freilich gegessen, er war sogar sehr gut gewesen, aber daß das ein Stück Tierleib sollte gewesen sein? Daß es ein Stück von einem Ochsen sollte gewesen sein, der vorher geradeso warm gelebt und vielleicht so hell gejauchzt hatte wie der Leab! – Und daß die Menschen so etwas tun!

Als mir das erstemal die Gewißheit ward, daß alle Menschen sterben müssen, auch ich, da war mir nicht so abscheulich weh ums Herz wie an diesem Tage, als ich erfahren hatte, daß der Mensch das Tier ißt, mit welchem er vorher so zutraulich gelebt hat.

»Was ist denn das?« fragte der Rochus und stupfte mit dem Stock auf meinen Fuß. »Ist das nicht ein Schuh?«

»Das ist mein Feiertagsschuh«, gab ich artig zurück.

»Gelt, und mit dem gehst du in die Kirche und betest fleißig. Sag mir schön, hast du die Scheckige noch gekannt, die unser Bauer im vorigen Jahr für ein Kalb umgetauscht hat?«

»Die scheckige Kuh, die mit dem Melkstuhl geschlagen worden ist von der Stallmagd, weil sie keine Milch geben hat wollen?«

»Richtig. Und geben hat sie keine wollen, weil sie keine mehr im Euter gehabt hat, und deswegen hat sie unser Bauer fortgetauscht. Was meinst, Schafhalterbub, wo wird sie sein jetzt, die scheckige Kuh?«

Riet ich: »Auf der Fischbacher-Alm.«

Sagte er: »O Tschapperl, auf der Fischbacher-Alm! Wo du jetzt in ihrer Haut steckst!« Und tippte wieder auf meine Schuhe. – Mich machten diese Offenbarungen ganz verwirrt. Inwendig Ochsenfleisch, auswendig Kuhhaut! Und so einer will Kind Gottes sein!

Auf der Semmeringhöhe, wo die grünen Matten waren, wollte unser Leab auf einmal nicht weiter, sondern legte sich nieder. »Das ist gar nicht so dumm!« meinte der Rochus und setzte sich auch in den Schatten einer Lärche, denn es war heiß geworden. Ich hockte mich ebenfalls hin und lugte heimlich auf das Öchslein. Das tat gemütlich wiederkäuen, der Knecht tat's auch an seinem Tabak, und dabei kratzte er das Tier zärtlich hinter den Ohren. Der Leab war dessen froh und streckte traulich den großen Kopf so zurecht, daß der Rochus gut krauen konnte. Und jetzt dachte ich: Wie doch der Mensch so falsch sein kann! – Ich meinte damit den Knecht und mich und alle, die ein Haustier so liebhaben, daß sie dasselbe endlich zur Schlachtbank führen und aufzehren. Endlich hatte der Leab sein schweres Haupt auf den Rasen hingelegt und machte die großen, runden Augen zu. Der Rochus lehnte sich an den Baumstamm und duselte auch ein. Jetzt schliefen sie beide aber den Schlaf des Gerechten sicherlich nur einer. Der Knecht hatte den Strick noch schlafend um die Hand gewunden, mit dem er das ahnungslose Schlachtopfer hielt. Ich war voller Betrübnis.

Kam des Weges her, den wir gekommen, ein großes, graues Bündel, unter demselben gebückt der alte Zottentrager, der tags zuvor in unserem Haus gewesen. Der stand still, streckte seinen langen, braunen Hals nach mir vor und fragte flüsternd: »Was hat's denn, Bübel?«

Schluchzend stand ich auf und vertraute dem wildfremden Menschen meinen Schmerz an.

»Das Öchsl tut mir soviel derbarmen, weil es zum Fleischhacker muß.«

»So, so! Zum Fleischhacker!« flüsterte der Alte und verzog sein runzeliges Gesicht zu einer schrecklich lächerlichen Larve. Aber ich konnte nicht lachen, mußte immer noch heftiger weinen aus Erbarmnis, weil der liebe, gute Leab so arglos und unschuldig schlummerte.

»Ist das nit dem Zieselhofer von Alpl sein Knecht?« fragte dann leise der Zottentrager, auf den Rochus deutend. »Ist schon gut. Der hat mich gestern mit einem Lumpenkerl angemurmelt. Lumpenkerl, der bin ich, gewiß auch noch, daß ich's bin. Weil ich ein Kerl bin, der Lumpen tragt. Aber anmuten laß ich mich nit so. Gesagt ist's! Heute wird er die Lumpen nit verachten, wenn sie ihm der Viehhändler als nagelneue Hunderter auf die Hand tut. Aber wart, altes Murmeltier, so gut sollst es nit haben! Gesagt ist's! Dem kleinen Edelmann da tut eh der Ochs leid. Mir auch. Schlaf süß, du holdseliger Bauernknecht, du kotzengrober! Der Ochs soll in den grünen Wald gehen und nit zum Fleischhacker. Gesagt ist's und« – mit dem Taschenmesser schnitt er den Strick durch – »getan ist's.«

Das alles war im Flüsterton herausgestoßen, nun rüttelte er den Ochsen bei den Hörnern: »Steh auf, Herr Ochs, und flieh!«

Der Leab glotzte ob solcher Belästigung etwas verblüfft umher, dann stand er schlotterig auf, zuerst mit den Hinter-, dann auch mit den Vorderfüßen, und ließ sich vom Zottentrager in den Wald führen. Der alte Spitzbube zischelte mir noch zu: »Du schlafst auch, Jüngling, und weißt von nichts.« Dann rückte er sein Bündel wieder auf und huschte davon.

Ein junger Mensch ist bald verführt, wenn er verführt sein will. Ich streckte mich auf den Rasen, drückte meine Augen zu und wartete, bis der Knecht Rochus die seinen aufmachte. – Das wird ein schreckliches Erwachen werden! Ich bangte davor und war höllisch neugierig darauf. Ich blinzelte zwischen den Augenwimpern wohl doch ein wenig auf ihn hin. Er schlief so arglos wie früher der Leab. Jetzt tat mir der Knecht leid wie früher der Ochs. Fest um die Hand gewickelt, hielt er den abgeschnittenen Strick. Jetzt zuckte er ein wenig mit derselben Hand, als wollte er das Tier an sich ziehen. Das gab keinen Widerstand. Er riß die Augen auf, warf den Kopf, sprang empor: »Der Ochs!« Ein wahrhaftes Angstgebrüll: »Bub, wo ist der Ochs?«

Ich tat, als wäre ich eben auch erst erwacht, streckte die Arme aus, gähnte und sagte mit der ganzen Niederträchtigkeit eines Zottentragers: »Hast du den Leab verkauft?«

»Gestohlen! Geraubt! Weggeraubt!« schrie der Knecht und schoß umher wie ein scharf losgelassener Kreisel. Die Faust, um welche der Strick noch geschlungen war, streckte er gegen den Himmel, und an mir vorüberrasend, schien es einen Augenblick, als wollte er sie auf mich niedersausen lassen. Mir war nicht zum Lächeln, und die Freude an dem geretteten Leab verwandelte sich in eine schreckliche Angst vor dem schnaubenden Großknecht. Seine Fäuste lösten sich bald in flache Hände auf, mit denen er sich jammernd den Kopf hielt. Das viele Geld! Auf Jahre hinaus der Dienstlohn weg, auf viele Jahre hinaus! Der Bauer werde ihm nichts schenken. Vielmehr strafen werde er ihn für die Fahrlässigkeit. Auf fremden Straßen einzuschlafen! Es sei auch zu pflichtvergessen! Zu pflichtvergessen! »Mein Bübel!« rief er mir zu, in seiner Verzweiflung zärtlicher als je, »lauf du zurück auf der Straßen, wo wir hergekommen, vielleicht derwischst du den Dieb! Ich werde auf die Österreicherseiten hinaus. Weit kann er ja nicht sein. Oh, mein liebes Geld, mein liebes Geld!«

So wollten wir uns aufmachen zur Verfolgung des Wichtes, der uns den Leab gestohlen, da hub es im nächsten Dickicht an, in hellen Stößen zu lauten... Oh, Ochs, du jauchzest dich in den Tod hinein! –

Drei Stunden später hat zu Gloggnitz der Händler den Leab übernommen und ihn dem großen Mastviehtransport einverleibt, der nach Wien ging.

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