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Allzeit voran

Friedrich Spielhagen: Allzeit voran - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Spielhagen
titleAllzeit voran
publisherVerlag von L. Staackmann
printrunVierte, neu durchgesehene Auflage
year1875
firstpub1871
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20130729
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Fünfzehntes Kapitel.

[Nummerierung der Kapitel im Buch falsch. Re]

Wenige Minuten nachdem Hedwig den Pavillon verlassen hatte, war vor der Freitreppe der Wagen des Fürsten vorgefahren. Er hatte mit dem Marquis einen Ausflug nach dem Jagdschlosse gemacht und wollte ihm auf dem Rückwege die Fasanerie zeigen. Man hatte den Weg direct zum Theehause genommen; der Diener sollte die Schlüssel von Prachatitz holen.

Aber die große Thür nach der Rampe hatte offen gestanden; vermuthlich war Prachatitz zum Reinigen mit den Leuten drinnen. Jedenfalls brauchte man nicht nach den Schlüsseln zu schicken.

Die Herren standen am Fuß der Treppe. Der Marquis ließ mit vortrefflich gespieltem Interesse seine Blicke durch den Park und über das Theehaus schweifen.

Aber das ist charmant, das ist entzückend! rief er. Ich habe, so lange ich so glücklich bin, in Gesellschaft Eurer Durchlaucht zu sein, etwas wie französische Luft um mich her zu fühlen geglaubt; aber hier sehe ich mich ganz in mein geliebtes Frankreich zurückversetzt: diese Anmuth, diese Heiterkeit, dieser vollendete Geschmack – dazu diese Lichter und Schatten, diese Sonne – das Alles ist französisch. Verzeihen Sie, Monseigneur, das Wort ist vielleicht nicht ganz schicklich, aber man kann doch schließlich für das, was uns gefällt, keinen treffenderen Ausdruck finden, als daß man sagt: ganz wie bei uns! Vor Allem der Franzose kann es nicht.

Und in diesem Falle ist der Ausdruck wirklich berechtigt, erwiederte der Fürst mit Heiterkeit. Wenn einem Franzosen dieser Park wie ein Stück Frankreich vorkommt, so ist es genau, was der Schöpfer desselben gewollt hat. Treten wir einen Augenblick hinein.

Der Marquis bot dem Fürsten den Arm und so stiegen sie die Steintreppe hinauf, verweilten noch ein paar Minuten auf der Rampe und traten in die Rotunde, deren schattige Kühle nach der langen heißen Fahrt doppelt angenehm empfunden wurde.

Der Fürst war ein wenig erstaunt, auch hier Prachatitz und dessen Leute nicht zu finden, aber der Marquis ließ ihm keine Zeit, weiter daran zu denken.

Der Marquis fand die innere Einrichtung womöglich noch geschmackvoller als das Aeußere des Gebäudes; er bewunderte die Gobelins; er wußte die Sèvresvasen auf den Kaminen nach ihrem Werth zu schätzen; er amüsirte sich vortrefflich an den chinesischen Figuren; er gerieth in Entzücken vor einer Marmorgruppe, welche die Befreiung der Andromeda durch Perseus darstellte und die, wenn es nicht eine Copie des bekannten Bildwerks im Louvre von des Künstlers eigener Hand sei, ohne Zweifel von einem Schüler Pugets und unter den Augen des Meisters gefertigt sein müsse.

Der Fürst hörte dem Geplauder des jungen Mannes mit Wohlgefallen zu und konnte dennoch seine Aufmerksamkeit nicht zusammenhalten. Der Inhalt der wichtigen Gespräche, die er gestern Abend und heute auf der Fahrt mit dem Marquis gehabt, beschäftigte ihn unaufhörlich. Zwischen beiden Unterredungen lag die, zu welcher er heute Morgen Hermann hatte rufen lassen, wie ein finsteres Gebirge zwischen zwei lachenden Thälern. Was der Marquis gestern und heute so leicht, so einfach, so aus der Natur der Dinge hervorgehend dargestellt – Hermann hatte von Allem das Gegentheil behauptet, und mit seinen Auseinandersetzungen, seinen Bitten einen um so tieferen Eindruck auf den Fürsten hervorgebracht, als dieser gerade von dem jungen Hannoveraner eine wenigstens bedingte Zustimmung durchaus erwartet hatte und von der Lauterkeit seiner Gesinnung, von der Interessenlosigkeit seiner Rathschläge nach wie vor auf das innigste überzeugt war.

Der Marquis seinerseits hatte sehr wohl bemerkt, daß der Fürst heute mit viel geringerem Eifer auf seine Pläne einging, sich heute einer viel größeren Vorsicht im Ausdruck befleißigte; und er hatte daraus geschlossen, daß zwischen gestern und heute auf den Fürsten eine Einwirkung stattgefunden haben müsse, die wohl von Niemand ausgehen konnte als von Hedwig. Er hätte es gern herausgebracht und hatte bereits verschiedene Anspielungen zu diesem Zwecke versucht; aber der Fürst war immer ausgewichen und er hatte nicht weiter zu gehen gewagt.

Ich ermüde Durchlaucht mit meinem Geplauder, sagte er endlich, als er bemerkte, daß der Fürst, der nachdenklich, den Kopf in die Hand gestützt, in seinem Fauteuil saß, seit einigen Minuten nicht mehr geantwortet hatte.

Nicht doch, nicht doch, sagte der Fürst aufblickend, aber Sie werden es begreiflich finden, daß ein Mann in meinen Jahren die wichtigen Dinge, welche der Gegenstand unserer Unterhaltungen waren, nicht ganz so leicht nimmt, wie Ihr jüngeren Leute; ganz abgesehen davon, daß, was Sie wollen, für Sie im Grunde sehr einfach, sehr logisch ist, und Ihr Gemüth in Folge dessen vollkommen frei sein darf; mein Vorhaben aber, oder besser die Aufgabe, die Sie mir stellen, sehr schwierig, sehr dunkel und sehr verworren ist, und folglich auch meine Stimmung nicht anders als widerspruchsvoll und ganz gewiß nicht heiter sein kann.

Verzeihung, Monseigneur, sagte der Franzose, ich verkenne keinen Augenblick die Größe des Opfers, das Sie bringen, die Höhe des Einsatzes, den Sie wagen, den Muth des Herzens, die Kühnheit des Geistes, mit welcher Sie sich von gewissen Empfindungen losmachen, die der große Haufe heilig hält, gewisse Traditionen über Bord werfen, welche die Welt nun einmal sanctionirt hat. Und fern sei es von mir, weiter in Sie dringen zu wollen, da ich so schon die Empfindung habe, für meinen patriotischen Eifer Ihrer Nachsicht zu bedürfen. Aber, Monseigneur, die Bemerkung müssen Sie mir verstatten, daß für mich als Person – wenn ich Kleines mit Großem vergleichen darf – die Lage kaum minder schwierig und verwickelt ist. Es ist wahrlich kein Geringes für den Abkömmling eines so alten Geschlechts, die Geschichte seiner Ahnen vergessen zu sollen; vergessen zu sollen, daß so viele Geschlechter der Marquis de Florville mit dem Hause Bourbon gekämpft, gelitten haben, und statt dessen in den Dienst eines Mannes zu treten, der in meinen Augen und in den Augen Aller, die denken wie ich, schließlich doch nichts weiter als ein glücklicher Abenteurer ist, hervorgegangen aus der fluchenswerthesten aller Revolutionen und gewissermaßen nur die letzte Consequenz dieser Revolution; – das, sage ich, Monseigneur, ist gewiß eine harte Prüfung, eine dornenvolle Aufgabe, und Gott mag es wissen, was ich empfinde, indem ich diese Prüfung auf mich nehme und diese Dornen in mein blutendes Herz drücke. Aber, Monseigneur, es muß eben sein!

Für den Augenblick – es wäre mein Tod, wenn ich sagen müßte: für immer! – aber für den Augenblick ist die Sache der Legitimität in Frankreich hoffnungslos, das Steuer des auf der Sturmfluth der Zeiten dahintreibenden Staatsschiffes ist einmal den allzu schwachen Händen entglitten. Die schwankenden Wogen wechselnder Volksgunst müssen sich erst wieder ebnen, bevor sie in ihrem reinen Spiegel das heilige Bild des Königthums von Gottes Gnaden zurückstrahlen können. Aber bis dahin, Monseigneur, bin ich gezwungen und ist jeder Verständige, Wohlmeinende mit mir gezwungen, von zwei Uebeln das kleinere zu wählen – ein Satz, der im privaten Leben vielleicht noch angefochten werden kann und gegen den die private Moral sich sträuben mag, der aber unbedingt im öffentlichen Leben gilt und den die politische Moral acceptiren muß. Anders aber liegt die Sache nicht. Der Speer, der die Wunde schlug, hat auch nur die Wunde heilen können. Der Schlund der Revolution konnte nur von dem geschlossen werden, den die Revolution gleichsam als ihre Incarnation, als ihre höchste Potenz und Consequenz erzeugte.

Für den Augenblick ist der Kaiser und nur der Kaiser im Stande, die Revolution zu bändigen, die zu unseren Füßen, ich meine zu den Füßen Europa's gährt. Fällt der Kaiser, so bricht das Chaos unaufhaltsam über uns herein, und er muß fallen, wenn er nicht losschlägt. Der Erfolg des Plebiscits ist nur ein Scheinerfolg; das freche Nein der großen Städte, die sechzigtausend Nein der Armee schnellen sämmtliche sieben Millionen Ja in die Luft, die Republikaner wollen den Krieg, die Armee will ihn, der Kaiser muß wollen gegen seinen Willen, muß im Interesse der Ordnung, im Interesse von Allem, was dem edeldenkenden Menschen heilig ist, muß im Interesse des Friedens den Krieg wollen. Nun, Monseigneur, ich meine, hier sind doch auch unsere Interessen, die Interessen der französischen und deutschen Legitimsten – wenn ich mich dieses Ausdrucks bedienen darf – identisch. Ein so scharfsichtiges Auge wie das Ihre kann sich doch durch die scheinbaren Unterschiede nicht täuschen lassen, nicht dadurch täuschen lassen, daß die Revolution bei uns die rothe Mütze des Jacobiners und in Deutschland eine usurpirte Krone trägt? Hier wie dort handelt es sich um die Frage: sollen die Barbarei, die Frechheit, die brutale Gewalt, der Diebstahl siegen, oder die Civilisation, die Humanität, die friedliche Entwickelung, das Eigenthum? Und dort wie hier kann es auf diese Frage doch nur Eine Antwort geben.

Der Marquis hatte mit bescheidener Lebhaftigkeit gesprochen und in einem gedämpften Ton, der auf die schattige Kühle des Pavillons berechnet schien. Der Fürst hatte nur mit halbem Ohr zugehört. Seine Phantasie weilte in der Vergangenheit bei seinem Vater, der sich mit denselben Gedanken getragen, über denselben Plänen gebrütet, der auch nicht hatte zum Entschluß kommen können; und in diesem Schwanken zu einer Zeit, als es galt zu handeln, und in der Reue über sein Schwanken, als die Zeit des Handelns vorüber war, sein Leben hingebracht und sich zum unglücklichsten Menschen gemacht hatte. Dann dachte er daran, wie seltsam es doch sei, daß die Unterredung gerade hier im Theehause stattfinden mußte, daß die Worte des französischen Emissärs denselben Raum erfüllten, in welchem sein Vater einst den Worten Napoleons gelauscht, und daß sein Vater diese Räume nie wieder betreten und daß er selbst jahre- und jahrelang diese Schwelle gemieden; und ob es nicht besser gewesen wäre, er hätte den pietätsvollen Schauder nicht gewaltsam unterdrückt, hätte nie den Fuß hieher gesetzt. Und weshalb hatte er es gethan? Ihr zuliebe, ihr, die es zu verantworten hatte, wenn er sich in den Jahren, die er für eine glückliche Häuslichkeit aufbewahrt glaubte, in die Unruhe, den Kampf der Politik stürzte, sein Leid, das Leid, das sie ihm bereitet, zu vergessen.

Der Fürst seufzte und strich mit der Hand über die Stirn, als jetzt der Marquis schwieg. Er hatte die letzten Worte desselben gar nicht mehr vernommen; er gab eine Antwort, wie sie ihm eben der Augenblick eingab, eine Antwort, die den Marquis nicht befriedigte und nicht befriedigen konnte.

Ich muß wissen, woran ich bin, sprach der Marquis bei sich, und laut sagte er:

Ich begreife vollkommen, Monseigneur, Ihre Zurückhaltung, so dringend auch der Moment Ihre Entscheidung heischt, und – darf ich offen sprechen? – ich wünsche Ihre Entscheidung umsomehr, als ich fürchten muß, daß der Eindruck, den meine schwache Beredtsamkeit etwa hervorgebracht hat, jedesmal wieder durch einen Einfluß paralysirt wird – dem gegenüber ich allerdings meine Machtlosigkeit peinlich genug empfinde.

Was meinen Sie? fragte der Fürst.

Ich weiß nicht, ob ich mich irre, sagte der Marquis, daß Madame, Ihre Gemahlin, mein Hiersein nur mit wenig günstigem Auge ansieht.

Woraus schließen Sie das? fragte der Fürst. Ich hoffte, annehmen zu dürfen, daß Sie vom Gegentheil überzeugt seien.

Ich bitte, mich nicht mißzuverstehen, sagte der Marquis; eine Dame von so vollendeten Formen würde auch einer etwaigen persönlichen Abneigung gegen den Gast des Hauses niemals einen Ausdruck geben, und ich schmeichle mir mit der Zuversicht, daß Madame eine derartige Abneigung gegen mich nicht empfindet; ich habe im Gegentheil für die unendliche Güte, mit welcher sie sich unserer früheren Beziehungen erinnert hat, nur dankbar zu sein, und bin es im höchsten Grade. Aber es handelt sich hier nicht um persönliche Fragen. Madame ist die liebenswürdigste Frau, und gewiß dadurch nicht weniger liebenswürdig, daß sie ein Interesse für Alles und auch für Politik hat. Daß die politischen Ansichten von Madame meinen Wünschen so entgegengesetzt sind, kann ich ihr nicht zum Vorwurf machen; es ist eben mein Unglück.

Das Sie auf jeden Fall überschätzen, erwiederte der Fürst. Ich kann Sie sogar versichern, daß der Haß meiner Frau gegen Preußen kaum geringer ist als der meine.

Ich hätte gestern Abend, als der Herr Graf unserer reizenden Idylle ein so unerwünschtes Ende machte, fast das Gegentheil geschlossen, sagte der Marquis.

Der Fürst hob so schnell und mit einem so sonderbar zornigen Ausdruck die Augen, daß der Marquis die seinen unwillkürlich senkte. Er hatte in diesem Moment wirklich nur wissen wollen, was er von Hedwig nach dieser Seite hin zu fürchten oder zu hoffen habe. Es schien, daß er statt dessen eine andere Entdeckung gemacht hatte, die ihm nicht minder interessant war, und er fuhr, mit Entschlossenheit die Spur verfolgend, fort:

Wenigstens ist die Aufnahme, welche sich der Graf von Seiten Madames zu erfreuen hatte, ein Beweis, wie wenig Madame ihre persönlichen Beziehungen durch ihre politische Ueberzeugung beeinflussen läßt.

Der Fürst richtete sich aus seinem Fauteuil jäh empor.

Wollen wir aufbrechen? sagte er; und dann, da er seine Heftigkeit sofort bereute: Ich sehe, jene Thür zu dem Cabinet ist ebenfalls nicht geschlossen; man hat von dort einen schönen Blick in die Berge.

Wie Monseigneur befehlen, sagte der Marquis.

Sie traten in Hedwigs Atelier; der Fürst blieb erschrocken auf der Schwelle stehen. Er glaubte, daß Hedwig seit jenem Abend das Theehaus gemieden und ganz gewiß ihr Atelier nicht wieder hatte einrichten lassen, und doch schien, nach den Vorrichtungen zu schließen – dem offen stehenden Malkasten auf dem Tisch, der Palette, die auf dem Stuhl lag, dem Malstock, der an der Staffelei lehnte – als ob sie noch heute Morgen, noch eben erst hier gewesen sei.

Ein vortreffliches Bild, sagte der Marquis, sein Monokel in das Auge klemmend. Ich meine: ein Bild, das vortrefflich werden kann, wenn die Ausführung, woran ich nicht zweifle, der Genialität des Entwurfes gerecht wird. Und wer ist der Künstler, wenn man fragen darf?

Ich muß annehmen: meine Frau, in deren Atelier wir uns befinden, erwiederte der Fürst mit einem verlegenen Lächeln.

Ah, sagte der Marquis, das Monokel wieder in's Auge klemmend und das Bild von neuem mit erhöhtem Interesse betrachtend, in der That erstaunlich!

Der Fürst wendete sich mit einiger Ungeduld ab. Das Entzücken des Marquis schien ihm etwas übertrieben, und es war ihm fast, als ob ein leiser Spott, der ihm das Blut auf die Stirn trieb, durch die Worte des jungen Mannes hindurchklänge. Er trat an das Fenster.

Nicht zweihundert Schritt von dem Pavillon in der großen Allee, die von dem Pavillon nach dem westlichen Parkthore führte, schritten Hedwig und der Graf; der Graf, das Pferd am Zügel und eifrig sprechend, Hedwig, wie es schien, mit gesenkten Augen und flammenden Wangen zuhörend. So war es denn wirklich, was er gefürchtet! So stand es denn vor seinen leiblichen Augen das Schreckbild, das er nun schon so oft in seiner Phantasie gesehen, im hellen, frechen Licht des Tages! Ein Rendezvous, zu dessen Zustandekommen nichts weiter gehörte, als daß er ein paar Stunden über Land fuhr. Ein Stelldichein, für welches der künstlich aufgebaute Apparat des Ateliers im schlimmsten Falle den bequemen Vorwand abgeben mußte!

Der Fürst taumelte vom Fenster zurück, fast in die Arme des Marquis, der noch immer vor der Staffelei stand. Lassen Sie uns gehen, sagte er.

Durchlaucht befinden sich nicht wohl, sagte der Marquis, schnell den Arm des Fürsten, der zu schwanken schien, ergreifend. Ich fürchte, die Hitze des Tages, vielleicht die aufregenden Gespräche, mit denen ich Durchlaucht belästigt habe; ich bin bekümmert, wahrlich bekümmert.

Eine vorübergehende Indisposition, unter der ich bisweilen leide, sagte der Fürst, dem der kalte Schweiß auf der Stirn stand. Es ist dumpfig in diesen Räumen; ich denke, wir machen uns auf den Heimweg.

Der Marquis leitete den Fürsten die Treppe hinab und bemerkte dabei, daß derselbe sich offenbar nur mit Mühe aufrecht hielt.

Aber der Fürst wollte nicht schwach sein, sein Körper sollte gehorchen, wenn seine Seele Rache schrie. Auch athmete er wieder freier, als sie nun unter den hohen Bäumen der Fasanerie der Chaussée zufuhren. Es war ihm, als ob die Schnelligkeit der Bewegung von ihm ausgehe, als ob die Kraft der Racepferde die seine sei, als ob er noch sei, was er vor Jahren war, da er in eben diesem leichten Wagen zur Jagd in die Berge fuhr. Ja, zur Jagd, zur Jagd! einer andern, höheren Jagd, als er sie gejagt in den Tagen seiner Jugend! Da hatte er Krieg geführt gegen die Wildschweine, die seinen Bauern die Saat verwüsteten. Jetzt mußte er sein eigenes Gehege befreien von den frechen Eindringlingen. Er mußte es und sollte er darüber zu Grunde gehen.

Herr Marquis, sagte er, sich plötzlich zu seinem Begleiter wendend, wann sagten Sie, daß Sie meine Entscheidung haben müßten?

Ich habe Ihre Entscheidung, Monseigneur, sagte der Franzose. Durch solche Augen schaut nur eine Seele, die sich entschieden hat.

Er nahm die Hand des Fürsten und drückte sie an seine Brust.

Ich danke Ihnen, Monseigneur; ich danke Ihnen im Namen Frankreichs, im Namen der Gerechtigkeit und der Humanität.

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