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Allerlei Gelehrte

Hans Hoffmann: Allerlei Gelehrte - Kapitel 4
Quellenangabe
typenarrative
booktitleAllerlei Gelehrte
authorHans Hoffmann
year1897
firstpub1897
publisherGebrüder Paetel
addressBerlin
titleAllerlei Gelehrte
pages240
created20151020
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die verlorene Adresse.

Gewaltige Augenblicke sind's immer, die der nicht ganz banausische Mensch durchlebt, wenn er zum erstenmal der ewigen Stadt Cäsars, des heiligen Petrus, Gregors des Siebenten und des heiligen Goethe sich nähert.

Noch anmuthender soll es ja in der Väter Zeiten gewesen sein, wenn man gemächlich mit dem Vetturin über den Ponte Molle zur Porta del Popolo hineinkutschirte: ihre Reize aber hat auch die heutige Methode, auf der Eisenbahn jählings heranzustürmen, im Fluge zur Rechten die Peterskuppel und zur Linken die Sabinerberge auftauchen und wieder verschwinden zu sehen und dann plötzlich sich gleich mitten im wirbelnden Getriebe der Stadt selbst wiederzufinden. Man muß schon ein hartgesottener Stoiker, das will sagen, Phlegmatiker sein, wenn einem gar nichts in der Brust hämmert bei diesem Ereigniß.

Was Wunder, wenn mein Freund Waldemar Naumann, der weder ein Banause noch ein Stoiker war, sondern ein nervenkitzliger Aesthetiker und 190 Gelehrter, vor Aufregung ganz und gar aus dem Häuschen kam und zu allernächst seinen Koffer auf dem Bahnhofe vergaß, was freilich alle seine Freunde mit Sicherheit vorausgesagt hatten.

Ein rechter Vortheil für ihn war es, daß er keinen Gasthof aufzusuchen brauchte, sondern schon eine Wohnung bereit fand: die hatte sein Freund Geppert ihm übermacht, der gerade vor ein paar Tagen nach Athen abgedampft war. Er nahm also einen Fiaker und las dem Kutscher seine Adresse aus dem Notizbuche vor. Das muntere Pferdchen griff aus, und fort ging's über den Corso hinweg in den alten Stadttheil hinein, der damals noch nicht modern umfrisirt war, sondern eng, winklig und verworren in der Maienblüthe seiner baupolizeilichen Sünden stand.

Sehr angenehm war's, von der alten Padrona gleich als erbberechtigter Zimmerherr und ganz wie ein guter Bekannter empfangen zu werden: aber jetzt zum erstenmal that es ihm leid, daß er das Italienische bisher über vornehmeren Wissenschaften so vollständig vernachlässigt hatte. Denn nun stand er der schrillenden Redseligkeit stumm wie ein Grobsack gegenüber und verstand auch kein Wort ihrer verwunderten Frage, ob er denn gar kein Gepäck weiter bei sich führe. Und doch kam ihr gellendes Kreischen seinem Aufmerken so liebevoll entgegen; mein Gott, welche Stimmmittel waren dieser begnadeten Römerin 191 verliehen! Die Bewohner von zwölf Nebenhäusern verstanden sie gewißlich, Waldemar Naumann aber nicht.

Dagegen gelang es ihm selbst leicht genug, durch Gebärdenspiel ihr verständlich zu machen, daß er sich zu waschen und umzukleiden begehre; viel schwerer begriff sie, daß ihre Anwesenheit dabei überflüssig sei. Nur zögernd entwich sie, nicht ohne einen letzten kummervoll fragenden Blick, ob er einen zweiten Anzug vielleicht in der Tasche des aktiven trage, und überließ ihn seinen Thaten.

Voll Hast, ins Freie zu kommen und sein Rom ernsthaft zu begrüßen, entleerte er hurtig seine Taschen und legte alle herausgewundenen Gegenstände säuberlich nebeneinander auf den Stuhl vor dem Bette: Notizbuch, Pfropfenzieher, Brieftasche, Streichholzbüchse, Uhr, Geldbörse, Federmesser, Bädeker, Burckhart, ein Zwergwörterbuch, ein Häuflein Taschentücher und Handschuhe, sowie einige Kupfermünzen, die er lose in der Hosentasche trug.

Nun erst entledigte er sich der Kleider, wusch sich emsig und spähte nach dem Koffer mit dem zweiten Anzug.

Per Bacco! fluchte er, denn so weit war er sprachlich schon acclimatisirt; und sein Scharfsinn sagte ihm sehr bald, daß er ihn entweder auf dem Bahnhof oder im Fiaker vergessen oder aber irgendwo unterwegs gelassen haben müsse.

192 Mit erschrockener Eile schlüpfte er wieder in seine Reisekleider, um nur schleunigst zunächst nach dem Bahnhofe zu eilen, als demjenigen Orte, der immer noch die günstigsten Aussichten bot, sein Gut wiederzuerlangen. Also stürzte er auf die Straße, seine Thür verschließend, ohne der Padrona eine Mittheilung zu machen, denn er schämte sich seiner Liederlichkeit, und fand sich nun alsbald in einem Gewirre von Gassen, Gäßchen und Winkelplätzen, daß er schnell jede Richtung verlor und ins Blaue hineinlief oder richtiger ins Schmutzgraue von Häusermassen im Urdreck.

Doch war ihm das auf die Länge nicht leid; denn er fand an allen Ecken und Enden etwas zu sehen, zu erforschen, zu bewundern; hier ein schönes Gesimse, dort einen anmuthigen Springbrunnen, hier einen malerischen Hofraum, dort eine klassische Säulenstellung, dazwischen auch manchmal zum allerhöchsten Entzücken eine antike Ruine majestätischen Ansehens. Seine frohe Aufregung wuchs, je länger er umherstrich, und das Ziel seines Auszuges hatte er bald völlig vergessen. Es sind gewaltige Stunden, die man durchlebt, wenn man zum erstenmal Rom durchwandert.

Nicht die leiseste Ahnung hatte er, in welcher Stadtgegend er sich befand, noch wohin er etwa steuerte: und er fühlte sich ganz glücklich, so tief 193 verloren zu sein in einer wunderreichen Welt. Auch die Fremdheit der Menschen war ihm äußerst behaglich; so brauchte er nicht zu fürchten, von irgend einem schwatzhaften Bekannten in der Andacht des Schauens gestört zu werden. Hatte er doch die angenehme Gewißheit oder zum mindesten Wahrscheinlichkeit, daß sich zur Zeit keine Seele in Rom aufhielt, der er von Angesicht bekannt war. War er auch sonst schon so leidlich in der Welt herumgekommen, so hatte er den Sinn der Städte, die er gesehen, doch allezeit mehr in deren Kirchen, Alterthümern und Museen gesucht als in den sie bewohnenden Menschen. Selbst in seinem Heimathstädtchen an der Ostsee und auf den Universitäten war sein Bekanntenkreis gering. Er fühlte sich also sicher.

Einige Stunden verstrichen in reinem Genusse. Da meldeten sich allmählich Durst, Hunger und Müdigkeit, die Bezwinger der Seelen. In der Morgenfrühe war er angekommen; es war ein klarer Oktobertag, und die römische Herbstsonne zeigte ihre Fähigkeiten.

Er sah sich nach einem Wirthshause um und fand auch ein solches an einer breiteren Straße, das ein allenfalls anständiges Aussehen hatte. Er trat ein und verlangte zu essen. Maccaroni natürlich (so viel Italienisch verstand er), Fisch, ein Fleischgericht, eine süße Speise. Eine ganz achtbare Mahlzeit. 194 Wein bezwang er ein halbes Liter, und der Wein war kräftig. Ihm ward höchst wohlig ums Herz.

Nun noch der Kaffee, und dann bezahlen.

Da – schockschwerenoth! oder vielmehr per Bacco! Seine Taschen waren leer, alle seine Taschen, schlechterdings leer, leer wie das Nichts, das abstrakte, leer wie das Herz eines Geizhalses und der Kopf eines Modenarren, wüste und leer wie die Erde vor der Schöpfung: aber kein Geist Gottes schwebte über den Wassern.

Da half kein Tasten und Fingern und Klopfen und Streichen, die Taschen blieben leer, denn sie waren eben leer. Auch nicht ein Kupfersoldo war herauszudrücken.

Waldemar Naumann hatte immer bestritten, daß er ein zerstreuter Mensch sei: in dieser Stunde that er sein halsstarriges Leugnen ab und bekannte sich die Wahrheit.

Das half ihm freilich nicht viel und dem Speisewirthe noch weniger. Indessen überlegte er doch als ein gelassener Mann, wie dem Schicksal zu begegnen sei. Als Pfand hatte er nichts dazulassen, nicht einmal einen Schlüssel; Rock oder Weste mochte er nicht gern entbehren und die Hose erst recht nicht; der Hut war leider recht alt und werthlos.

So konnte er denn seine Adresse angeben, und wenn man ihm das Vertrauen versagte, mochte der 195 Wirth oder ein Kellner ihn zu seiner Wohnung begleiten.

Ja, per Bacco! Aber die Adresse – die Adresse! Wo wohnte er denn eigentlich? Welche Straße? Welche Nummer? Wie der Name der Padrona? Kein Schimmer einer Erinnerung. Das stand alles sehr sorgfältig gebucht im Notizbuche – aber seine Taschen waren leer, auch leer von Notizbüchern.

Jetzt brach das Unheil über ihm zusammen. Er ward blaß wie die Wand; er saß hier also als gemeiner Zechpreller, jeder Beschämung, jeder Beschimpfung eines erbitterten Speisewirths preisgegeben. Und keine Hülfe. Die Lage war schrecklich. Keine befreundete Seele, auf die er sich berufen konnte, in der weiten Stadt. Wahrscheinlich zuletzt in Hemdsärmeln auf die Straße gestoßen. Doch das war noch erträglich; aber was dann weiter?

Halt! Konnte er nicht seinen Koffer vom Bahnhof abholen (falls er da war!), und zum Pfande setzen? O weh! Der Behändigungsschein lag in seiner Brieftasche: und wenn er die hatte, hatte er auch sein Geld und bedurfte keines Pfandes mehr. Auch dieser Strohhalm versagte.

Nunmehr durchdrang ihn der wilde Thatenmuth der Verzweiflung. Vorerst bestellte er noch einen Schoppen Wein, um das Vertrauen des Wirthes zu stärken. Und dann – ja, wenn er denn schon ein 196 Zechpreller sein sollte, dann schon lieber auch wirklich in aller Ernsthaftigkeit und mit allen Handwerksgriffen dieses Berufes und mit allen Konsequenzen! Heimlich sich davonmachen und dann später bezahlen (mit Einschluß überreichen Trinkgeldes), das war die einzige Rettung.

Er überlegte sich's reiflich. Sittlich groß war es nicht, um einer unverdienten Strafe zu entrinnen, die Schuld wirklich begehen; erhabener wäre es, in standhafter Unschuld zu leiden. Aber ach, was für eine Figur machte sittliche Größe in Hemdsärmeln auf der Straße!

Es ging wirklich nicht anders. Sein Handeln war Nothwehr, und die entschuldigt selbst einen Todtschlag. – Aber wie die Flucht bewerkstelligen? Im offenen Ansturm sich auf die Straße hinauswerfen hatte wohl Aussicht auf Erfolg gerade durch das Verblüffende unerhörter That, erforderte jedoch einen verwegeneren Charakter, als er Waldemar Naumann beschert war. Ihm war es gemäßer, mit sinnvollem Anschlag leise durch eine Hinterthür zu entweichen, auf deren Dasein er hoffen durfte.

Er machte seinen Anschlag. Der Feind selbst sollte ihm goldene Brücken bauen. Er nahm zunächst heimlich sein Schlapphütchen vom Haken und knöpfte ihn unter den Rock. Dann erhob er sich von seinem Platze und durchschritt das Lokal mit einem gewissen schamhaft forschenden Umblicken.

197 Der Wirth bemerkte und verstand ihn; wie denn in der That dem Gesichte des Gastes schon lange jener hippokratische Zug des unrechtzeitigen Leibschmerzes bedeutsam aufgeprägt schien.

»Bitte, hier, mein Herr!« rief er mit kraftfreudigem Laut durch den Saal, daß die anderen Gäste aufschauten und sich den Angerufenen mit einiger Theilnahme betrachteten. Zitternd kam Naumann und folgte dem Wirthe. Der führte ihn hinten hinaus und nicht zwar auf einen umschlossenen Hof, sondern auf einen freien Platz hinter dem Hause, der den Schluß einer Sackgasse bildete. Der Gast athmete tief auf; jede Hoffnung war übertroffen.

»Bedienen Sie sich, mein Herr!« ermunterte der Wirth, und der Platz sah einladend unsauber aus.

Allein der Wirth blieb breit in der Thüre stehen und sah seinem Thun mit wohlwollendem Antheil entgegen.

Der Unglückliche war nahe daran, in Thränen auszubrechen. Jedoch die Angst der Verzweiflung ersann neuen Rath. Er tastete suchend in seinen Taschen umher und gab sich den Anschein, daß ihm noch etwas fehle.

»Ah!« sagte der Wirth mit verbindlichem Lächeln und trat dienstfertig ins Haus, das Vermißte zu besorgen.

Sein Gast entfloh mit kraftvollen Sprüngen, so 198 sehr es ihm ins Herz schnitt, jenes kindliche Vertrauen hämisch täuschen zu müssen. Erst nach zehn Minuten angestrengten Dauerlaufs gönnte er sich ruhigere Schritte.

Aus dieser Noth war er gerettet. Aber was nun weiter? Die Füchse haben ihre Gruben, doch Waldemar Naumann hatte nicht, wohin er sein Haupt legen sollte. In dumpfer Trübsal schlich er durch die Gassen. Welche Möglichkeit gab es, seine Wohnung wiederzufinden und zu dem Seinigen zu gelangen? Als ein guter Preuße dachte er zuerst daran, sich bei der Polizei zu melden und deren Hülfe in Anspruch zu nehmen. Allein was konnte die ihm helfen mit der Macht, die ihr gegeben?

Ausklingeln lassen konnte sie ihn doch nicht. Sie mußte abwarten, bis etwa die Padrona das Verschwinden ihres Zimmerherrn zur Anzeige brachte. Das war ja eine Aussicht, aber vielleicht eine sehr ferne. Ja, wenn man in Preußen wäre! Aber eine Römerin wird es nicht so eilig haben, um eines Fremdlings willen, dessen Geld sie als Pfand hat, sich zur Polizei zu bemühen. Inzwischen konnte er verhungern und verschmachten; wenn er sich nicht etwa gleich in Gewahrsam nehmen lassen und Gefängnißkost schlucken wollte.

Nun denn, zum deutschen Konsul gehen? Der würde wohl sicherlich Vertrauen und Verständniß 199 haben und ihn vorerst mit den nöthigsten Baarmitteln unterstützen. Das war eine Auskunft – aber – welch Gelächter mußte das geben! Zweifellos war er morgen die Fabel der ganzen deutschen Gesellschaft in der ewigen Stadt. Das war entsetzlich. Er war sonst nicht so empfindlich, doch gerade dieser eine Punkt: es war ihm immer unmöglich, zuzugeben, daß er zerstreut sei, und sich darum verspotten zu lassen.

Nein, dann noch lieber zur römischen Polizei. Die war wenigstens ernsthaft; bitterlich ernsthaft sogar, wenn sie der preußischen im geringsten nur ähnlich war.

Er kam nun wirklich zu diesem Entschlusse und spähte nach einem Schutzmann, der ihn zurechtweisen könnte.

Als er aber endlich eine Guardia erblickte, überkam ihm ein jäher Schreck. Der Schreck des bösen Gewissens. Welche maßlose Verwegenheit für ihn, den Zechpreller, sich mit der Polizei zu befassen, sich gleichsam selbst muthwillig ans Messer zu liefern! Wer bürgte ihm dafür, daß der betrogene Wirth nicht schon Anzeige gemacht und eine genaue Beschreibung seiner Person gegeben hatte? Wahrlich, er that besser, sich in die dunkelsten Winkel zu verkriechen, als sich selbst tollkühn in das grelle polizeiliche Tageslicht zu stellen.

200 Er wandte sich jäh abseits und tauchte in eine Nebengasse.

Damit aber war auch die Möglichkeit gefallen, sich dem Konsul zu vertrauen; denn der würde auch immer die Polizei zur Hülfe heranziehen müssen. Und dann stand er vor seinen Landsleuten nicht bloß lächerlich mehr, sondern als ein Verbrecher.

Jetzt blieb nur noch eine Hoffnung; eine sehr kümmerliche, schattenhafte, hoffnungslose Hoffnung: er konnte zufällig an seiner Wohnung vorübergehen und das Haus wiedererkennen – nein, daran war nicht zu denken, er hatte nicht das leiseste Kennzeichen sich gemerkt, und er war überzeugt, es sah genau ebenso aus wie tausend andere Häuser. Nicht einmal von der Gasse hatte er irgend welche Vorstellung. Aber vielleicht von der Padrona? Die konnte doch im Fenster liegen oder ihm begegnen. Das konnte sie wohl; aber wie sah sie aus? Er kannte bisher nur zwei italienische Gesichter: das junge und das alte; innerhalb jeder dieser Klassen sahen alle gleich aus.

Blieb also nur ein letztes: sie selbst konnte ihn erkennen. Das war nicht ganz unwahrscheinlich. denn Frauen sehen scharf: aber daß sie ihn unter den Hunderttausenden irgendwie zu Gesichte bekäme, welch ein fernliegender Zufall! In dem winzigen Heimathstädtchen traf man einen Bekannten oft wochenlang nicht.

201 Die Lage war ganz ernst. Wo sollte er bleiben? Gesättigt war er ja vorläufig, und kurz vor dem Hungertode konnte er allenfalls noch einen zweiten Wirth prellen – so weit war er schon entsittlicht – aber wo sollte er nächtigen? Welches Gasthaus nahm ihn ohne Mißtrauen auf, wenn er so gepäcklos hereinschneite? Hinein kam er möglicherweise, aber heraus ohne Zahlung oder Prügel und Schlimmeres ganz sicherlich nicht.

In so äußerster Noth ergriff ihn eine grelle Lustigkeit.

Und find' ich keine Herberg', so lieg ich zur Nacht
Wohl unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht,

sang er munter vor sich hin. Zum Teufel, nun ja, für den Nothfall ging es. Das Wetter war sehr warm; riskirte man einen Schnupfen, so doch kaum etwas Aergeres.

Soweit fühlte er sich geborgen, und er empfand die Beruhigung der vollen Vogelfreiheit. Er konnte bei der Sache schlechterdings nichts thun als abwarten und auf den Zufall hoffen. Das hat immer etwas Behagliches.

Er durchstrich nun weiter die Stadt, die Hände in den Hosentaschen, wie seine Gewohnheit war; es hatte auch sein Gutes, daß darin heut so freier Raum war. Keine Padrona kam ihn anzureden. Wohl aber erblickte er plötzlich über der Straße ein 202 Wirthshaus, dessen Aeußeres jenem Opfer seiner Prellkunst unangenehm ähnlich war. Mit einem Zischlaut fuhr er zurück und suchte andere Wege.

Fortan war ihm dieser Stadttheil, auf dem doch seine Hoffnung ruhte, bitter verhaßt, und er strebte ihm zu entrinnen. Und indem er mit einigem Aufmerken eine feste Richtung einschlug, statt planlos zu schlendern, gelangte er endlich über den Corso hinweg in eine Gegend mit geraden Straßen und feineren Häusern. Und am Ende kam er so auf den Monte Pincio.

Da sah er dies Rom unter sich, das ihn so seltsam ungastlich empfangen hatte und nun doch in so strahlender Schönheit anlachte. Und die Peterskuppel drüben in ihrer ruhigen Größe schien ihm gelassen entgegenzuwinken mit einem vornehm sorglosen Gruße: »Sei nur immer getrost! Mit Leuten deinesgleichen werde ich mich schon verständigen.«

Und es floß eine wunderbare Sicherheit über ihn, als wehe ein Hauch von Michelangelos Geiste zu ihm herüber.

Er war inzwischen sehr müde geworden von dem zwecklosen Wandern, denn es war nun schon später Nachmittag; da streckte er sich dort in den Gartenanlagen auf eine einsamere Bank und schlummerte ein wenig. Als er aufwachte, hatte er Hunger und Durst. Er schöpfte sich Wasser aus dem 203 Springbrunnen; aber zu essen gab es da nichts und auch sonst nirgendwo, er hätte denn betteln oder stehlen oder zechprellen müssen. Doch er hatte genug an dem einen Mal und mochte sich mit der Polizei nicht weiter veruneinigen. So hungerte er lieber, obgleich er das unerfreulich fand, und beschwichtigte seinen Magen mit der Erinnerung an das unbezahlte Frühstück.

Es war längst dunkel geworden, und das war ihm nicht unlieb, denn ihn verfolgte das Gefühl, als müßte er sich vor dem Tageslichte schämen, nicht so sehr zwar wegen jener ungesetzlichen Handlung (das ging mehr die Polizei an), als vielmehr wegen seiner schimpflichen Mittellosigkeit und wegen der Zerstreutheit, die zuletzt daran schuld war. Er hatte die Vorstellung, als ob seine Kleider in lauter Fetzen und Lumpen ihm am Leibe herumhingen.

Wieder schleppte er sich einige Stunden in gedankenlos unbestimmtem Hoffen durch die Straßen, die langsam stiller wurden; dann war er zum Umsinken matt und mußte sich ernsthaft nach einer Lagerstätte umsehen oder was er so nennen wollte.

Er überschritt eben einmal wieder den spanischen Platz; da sah er im Laternenschein über die Stufen der großen Treppe eine Schar von Menschen gelagert, allerlei buntes und leidlich verdächtiges Volk, das schon tagsüber dort sein Wesen getrieben, in 204 malerischer Tracht, aber mit ungemüthlichen Gesichtern.

Gleichwohl faßte der Fremdling den Entschluß, mit ihnen gemeinsam hier seine Nachtruhe zu halten; ja, er fühlte sich in seltsamer Art gerade zu diesen hingezogen als zu Leuten seinesgleichen, die wahrscheinlich nicht viel mehr als er selbst in den Taschen und im Magen trugen, und zweifelsohne seiner heimlichen Uebelthat recht viele gleiche an die Seite zu setzen hatten. Unter anständigen Menschen hätte er's gar nicht ausgehalten.

Nur ein klein wenig abseits gedachte er sich zu halten, mehr aus körperlichen Gründen.

Eines aber war ihm doch peinlich: das Licht der Laternen war hell genug, den Leuten zu verrathen, daß er nicht zu ihnen gehörte, vermuthlich sogar ihn als Fremden erkennbar zu machen; und da mochten sie sonderbare Dinge von ihm denken – vielleicht gar ihn als verdächtig der Polizei denunziren. Der Gedanke war ihm sehr greulich.

In dieser Sorge kam er auf den Einfall, sich betrunken zu stellen: so etwas konnte den Römern an einem nordischen Manne nicht sonderlich auffallen.

Gedacht, gethan. Nicht ohne feine pantomimische Kunst taumelte er über den Platz, stolperte einige Stufen hinauf, torkelte endlich schwerfällig zu Boden und blieb da liegen wie von seiner Trunkenheit völlig 205 übermannt. Die List schien zu gelingen; ein derbes Gekicher und einige verächtliche Töne konnten es ihm bestätigen.

Das Lager war sehr hart, doch bei der Breite der niedrigen Stufen noch nicht gar zu unbequem; so hoffte er schlafen zu können; er hatte das schon in manchem Eisenbahnwagen dritter Klasse zu Stande gebracht. Die Luft war warm und weich, ohne den leisesten Windhauch.

Er entschlummerte wirklich, ganz erschöpft wie er war.

Doch konnte er nicht allzulange geruht haben, als er erwachte mit dem sonderbaren Gefühl, daß Jemand vorsichtig an seinem Körper herumtaste. Schlaftrunken blinzelte er aus halboffenen Lidern: und richtig, da kniete ein Kerl über ihn gebeugt und untersuchte seine Taschen eine nach der anderen mit rühmlicher Geschicklichkeit.

Der Liegende regte sich nicht. Eine wunderbare Ruhe überkam ihn, eine tiefe Seelenheiterkeit, eine göttliche Schadenfreude, noch leise vermischt mit einem milden Mitleid.

»Ein Leichenfledderer!« dachte er, »ach, du armes Wurm!«

Nach einiger Zeit erhob sich der Kerl und entfernte sich langsam mit unterdrückten Flüchen, deren Sinn gewiß grauenhaft war. Waldemar Naumann 206 aber fühlte sich jetzt so sicher wie im Paradiese und genoß fortan ungestörten Schlummer, bis die Morgendämmerung ihn weckte.

Er stand auf und wollte gehen. Da trat jener Kerl, den er alsbald wiedererkannte, in hoheitvoller Haltung, den schmutzigen Mantel in schönen Falten über die Schulter geschlagen, gelassen auf ihn zu und drückte ihm mit einer wahrhaft königlichen Gebärde leutseliger Herablassung einige Kupfermünzen in die Hand.

Der Deutsche stand sprachlos vor Ueberraschung, der Römer entfernte sich so groß, wie er gekommen war, und erstieg die Höhe der spanischen Treppe, einem Priester gleich, der zum Tempel des kapitolinischen Jupiter schreitet.

In dumpfer Beschämung blieb Waldemar zurück; er fühlte sich grenzenlos klein in seiner kümmerlichen Erscheinung. Die Kupfermünzen – je nun, sie eröffneten die Aussicht auf etliche Morgensemmeln. Und diese Aussicht hatte zur Stunde einen märchenhaften Reiz.

Fast ein wenig getröstet schritt er die Stufen hinab, wusch sich in dem Becken des Schiffleinbrunnens, kämmte sich mit den Fingern und betrachtete sich ein Stündchen das sonderbare Gesicht einer erwachenden Großstadt. Wie langsam und nur ruckweise das Leben in Gang kam! Endlich gingen 207 die Rollladen eines sehr bescheidenen Kaffeehauses in die Höhe. Er überzählte seine Barschaft. Ja, es langte zu einer Tasse Milchkaffee und einem Brötchen; das Trinkgeld mußte er kneifen.

Er trat ein, bestellte und erhielt das Gewünschte und genoß es mit dem neuen Hochgefühle, kein Zechpreller zu sein. Dafür durfte er sich erlauben, zwei Stunden lang seinen Platz zu drücken, denn er bedachte, daß der Tag sehr lang sei und daß er noch viel auf seinen Füßen werde herumstehen müssen.

Gelegentlich warf er einen Blick in einen Spiegel und musterte die Wirkungen der abenteuerlichen Nachtruhe auf seinen äußeren Menschen. Der sah nicht einmal so schlimm aus, wie er eigentlich gefürchtet hatte; zwar für einen Mann seines Standes mochte man ihn kaum nehmen, und das konnte ihm ganz recht sein, aber doch etwa für einen ehrbaren Handwerker bescheidenerer Hantirung. Nun, das war immer etwas Besseres als eines Leichenfledderers Almosenempfänger.

Endlich erhob er sich denn doch, bezahlte mit stiller Genugthuung und trat wieder auf die Straße.

Er kam zurück auf den spanischen Platz, der jetzt ein ganz anderes Gesicht zeigte. Das Leben in den großen Gasthöfen war in Gang gekommen, Fiaker rollten vor und führten die schaulustigen Fremden ins Weite, zumeist Engländer, doch auch etliche 208 Deutsche darunter. Zuweilen kam Waldemar beinahe in Versuchung, einem solchen Landsmanne sein Schicksal zu offenbaren und ihn um ein Darlehen anzugehen; aber Scham und Stolz behielten doch immer die Oberhand, zumal er im Augenblick keinen nagenden Hunger hatte. Diesen Tag wenigstens wollte er sich noch durchschlagen; der schwärmerische Aberglaube an die rettende Padrona behielt immer noch Kraft in ihm. Solange es irgendwie möglich war, sollte die Welt das Geheimniß von seiner Zerstreutheit niemals erfahren.

Er nahm eine Aufstellung ganz nahe der Hauptthür des Albergo di Europa, nicht so sehr aus Neugier als aus einem sonderbaren dunkeln Antriebe, der Versuchung doch immer möglichst nahe zu sein. So stand er und beobachtete, als ein behäbiger Herr von etwa fünfzig Jahren heraustrat, mit etwas kurzsichtigem Ausdruck umherblickte, ihn stehen sah und gerade auf ihn losging.

»Sie sind der bestellte Führer?« fragte er, »– Kommerzienrath Leineweber.«

Waldemar machte eine unwillkürliche Verbeugung, wie man sie gewohnt ist, wenn sich Jemand vorstellt. »Sehr angenehm – Naumann,« brummelte er, auch noch ohne Gedanken. Jetzt erst achtete er auf die vorausgegangene Frage; doch ehe er sie verneinend beantworten konnte, war der Kommerzienrath schon 209 wieder ins Haus getreten; nur auf der Schwelle drehte er sich noch einmal um und rief kurz befehlend: »Besorgen Sie eine Droschke.«

Waldemar mochte sich den Spaß nicht versagen, dem Wunsche zu willfahren; er that einige Schritte vor und winkte einem Fiaker, der herangeschossen kam wie der Pfropf aus der Champagnerflasche.

Noch um vieles schneller jedoch schoß ihm ein Gedanke durch den Kopf von verwegener Heiterkeit. Wie, wenn er die ihm zugeworfene Rolle wirklich übernähme und ganz ernsthaft durchführte? Zum wenigsten bis zu dem Augenblick, wo die lachende Aufklärung nicht mehr zu vermeiden sein würde? Ein verlockend lustiger Unsinn das, den Fremdenführer zu spielen in einer Weltstadt, von der er nichts kannte als verworrene Straßenzüge, den Monte Pincio, die spanische Treppe und einen Springbrunnen als Waschbecken! Ein wahres Fressen für einen Mann, der Freude hat am Unsinn! Und dieser Herr Kommerzienrath sah gerade recht verführerisch aus als ein Opfer solches Streiches: nach allem Anschein der trefflichste Typus des deutschen Reisephilisters, wie er im Buche steht, jenes selbstquälerischen Ungeheuers, das alles gesehen haben will, aber gar nichts sehen, und das denn auch wirklich nicht das mindeste sieht, nämlich nichts, was des Sehens lohnte: bunte Farben vielleicht, aber nie deren Einheit, wirre 210 Linien wohl, aber niemals Gestalten. Konnte man so einen nicht gar einen ganzen Tag lang an der Nase herumführen –?

Per Bacco! Der übermüthige Einfall war noch einer ernsthaften Entwickelung fähig. Man konnte sich ein ehrliches Stück Geld verdienen, den geprellten Wirth bezahlen und morgen der Polizei mit polirtem Gewissen entgegentreten! Ein anständiges Nachtquartier wohl gar noch nebenbei erschwingen!

Waldemar Naumann faßte seinen Entschluß. So schnell entfaltete sich dieser Gedanke, daß er fix und fertig war, als der Fiaker heranbrauste. Der Kutscher begrüßte ihn mit einer gewissen freudigen Vertraulichkeit, die zwar nichts Dreistes hatte, ihm aber doch auffiel: sollte der ihn auch schon für einen Fremdenführer von Profession halten? Zu verwundern wäre es nicht nach seinem handwerkermäßigen Aussehen: und jedenfalls ein günstiges Omen für den neuen Beruf. Der Entschluß war nun ganz sicher geworden.

Aber da bereute er ihn schon wieder. Denn der Kommerzienrath kam wieder heraus in Begleitung seiner Gattin – das war noch nicht schlimm –, deren Züge auch gerade kein Uebermaß von Durchgeistigung dafür viel vergnügliche Gutmüthigkeit zeigten, außerdem aber einer Tochter: und diese Tochter war reizend; jung, bildhübsch, mit 211 blitzblanken Augen und einem intelligenten Näschen, dazu mit vollendetem Geschmack vornehmer Einfachheit gekleidet – kurz, in allen Stücken so gestaltet, wie die geeignete Kommerzienrathstochter in der Theorie sein soll, in der Praxis leider so selten ist.

Das war nun doch recht peinlich, vor einer solchen jungen Dame die unwürdige Rolle eines bezahlten Fremdenführers, wenn auch nur vorübergehend, zu spielen. Konnte nicht, wie es so oft geschieht, dieser erste Eindruck bei ihr maßgebend bleiben und sich nie wieder aus ihrer Seele verdrängen lassen? – Ach was, er mußte sich verdrängen lassen, wenn morgen der Phönix des jungen Aesthetikers aus der Asche des Lohnführers stieg! Vielmehr konnte die Geschichte ihn in ihren Augen höchlich interessant machen: und das war schon halb gewonnenes Spiel. Und jedenfalls war dies eine Anknüpfung, die sonst nicht so leicht gefunden werden mochte, heute schon ganz gewiß nicht; ja, wäre es nicht dreifach degradirend gewesen, in diesem abgerissenen Räubercivil vor ihr zu stehen, wenn dies nicht als eine scherzhafte Verkleidung zu gelten hatte?

Also, es mußte gewagt werden; und es wurde gewagt.

Er nahm eine dienstliche Haltung ein, die Befehle in Empfang zu nehmen. Der Vater Kommerzienrath überreichte ihm einen Zettel, darauf eine 212 beträchtliche Liste von Sehenswürdigkeiten geschrieben stand – Palazzo Borghese – Vatikan – Peterskirche – Villa Farnesina – und noch mancherlei anderes.

»Das muß heut alles abgeklappert werden,« sprach er mit einem heimlichen Seufzer, »meine Tochter hat's so ausgerechnet.«

Der Führer verbeugte sich, half den Herrschaften in den Wagen und stieg dann selbst auf den Bock neben den Kutscher.

»Die Droschke auf Zeit; wir behalten sie den Tag über,« bestimmte der Brotherr.

Waldemar unterdrückte ein heimliches Schmunzeln. Wahrhaftig, so war es ihm leicht gemacht, den Führer zu spielen, da er selbst seinen Führer zur Seite hatte! Und brachte man ihn nur an den Eingang der Kirchen und Galerien, drinnen wollte er sich schon zurecht finden! Ja, es war ihm kein kleiner Triumph, zeigen zu können, wie ein deutscher Aesthetiker wahrhaft berechtigt sei, in Rom den Führer zu spielen, auch wenn sein körperlicher Fuß es noch niemals zuvor betreten hatte! Er schwoll von Thatbegierde und Freude an seiner Rolle.

Der Wagen hielt vor dem Palazzo Borghese. Man betrat die Galerie. Waldemar vermochte seine freudevolle Aufregung kaum zu bezwingen. Doch gedachte er mit Ernst seines Amtes und suchte sich 213 mit hastigen Blicken zu orientiren. Es gelang ihm durchaus; er fand die Perlen viel schneller heraus als die Kommerzienräthin die Sterne im Bädeker. Er merkte aber bald, daß diese ihn scharf kontrollirte und ihn verwarnte, wenn er etwas bei Seite ließ, das doch einen Stern trug.

Er gab sich Mühe, und anfangs erfolgreiche, den stumpfsinnigen Berichtston der Fremdenführer nachzuahmen. Vor Raffaels Grablegung unterlag er zuerst der Versuchung, etwas auszuschweifen und eigene Gefühle und Gedanken zu verrathen. Doch nahm er sich schnell in Zucht und fügte sich in seine Rolle. Nachher strauchelte er öfter; und als er gewahr ward, daß die hübsche Tochter in solchem Falle erst recht mit Eifer und Wohlgefallen lauschte und schaute, nahm er's so genau nicht mehr und ließ sich etwas gehen.

Ganz aus dem stillen Fahrwasser gerieth er aber erst vor Tizians himmlischer und irdischer Liebe; seine Begeisterung ging hier haltlos mit ihm durch. Nach einem längeren Freudengeschrei begann er zu doziren.

»Mit der landläufigen Auffassung dieses Wunderwerkes kann ich mich nicht befreunden, auch nicht mit der Erklärung als »naive und befriedigte Liebessehnsucht.« »Liebe und Sprödigkeit« kommt meiner Ansicht schon näher; doch kann ich überhaupt keine 214 Allegorie in dem Bilde erblicken, dazu ist mir's zu frisch bewegt, vielmehr eine lebendige Scene; ich sehe die Liebesgöttin, die eine noch spröde junge Dame zur Liebe zu überreden sucht. Dahin deutet der nahe Amor, dahin die Nacktheit der göttlichen Gestalt im Gegensatz zu dem menschlichen Mädchen, dahin die Pantomime des ganzen Vorganges, die deutlich und lebhaft ein sänftliches Zureden ausdrückt, ganz besonders in dem seitlichen Vorbeugen der Venus und kaum weniger in dem ahnungsvoll hinausträumenden Zuhören der zögernden Jungfrau. Wir haben dann eine Scene ganz ähnlich jener auf einem antiken Relief zu Neapel dargestellten, wo Aphrodite der ebenfalls zögernden Helena zuredet, dem Paris liebend zu folgen, während dieser selbst ähnlich von Eros bearbeitet wird. Auch ein antikes Gemälde, die sogenannte Aldobrandinische Hochzeit, zeigt eine ganz verwandte Gruppe: der verhüllten Braut wird von einem halb enthüllten Weibe Muth eingeflößt. – Ich verlange von Niemandem, daß er diese Auffassung theile; doch von mir darf ich bekennen, daß meine Freude an dem Bilde noch gesteigert oder, ich will sagen, gereinigt ist, seit ich mich von dem immer doch etwas frostigen Anhauch der Allegorie – obendrein einer ziemlich unklaren – befreit habe und in den herrlichen Gestalten warm pulsirendes Leben sehe –«

215 »Aber Führer,« unterbrach ihn hier der Kommerzienrath, »wenn Sie bei jedem Bilde so langathmige Reden halten, können wir unser Programm heut nicht abschnurren. Ich bitte, fassen Sie sich kürzer.«

»Es ist auch nicht mal richtig,« fügte die Gattin hinzu, »im Bädeker steht's anders.«

»Mir scheint das aber sehr ansprechend,« meinte die Tochter, »ich liebe die Allegorie auch nicht.«

Sie heftete dabei aber sehr verwunderte Blicke auf den beredtsamen Fremdenführer.

»Die Allegorie ist aber anständiger,« entschied die Mutter. »Ueberhaupt, Führer, mit den sehr mythologischen Bildern können Sie uns verschonen, die sind nicht für feine Damen. Ich bin mehr fürs Christliche. Und Du, Elsa, erst recht.«

Fräulein Elsa rümpfte recht spöttisch ihr wunderhübsches Näschen.

»Schade nur, daß gerade das Christliche so langweilig ist,« brummte der Kommerzienrath, jedoch sehr leise.

Nach Erledigung einer Serie anderer Bilder zog er den Führer bei Seite vor Correggios Danae mit des Zeus goldenem Regen.

»Das ist ein süperbes Frauenzimmer,« sagte er, »ein bißchen reichlich mythologisch, aber für Männer ist das kein Fehler. Wie heißt der nette Käfer und was hat die Geschichte zu bedeuten?«

216 Den Führer stach der Haber. »La conception immaculée,« antwortete er laut mit geheimnißvollem Tone.

»Sacrebleu,« rief der Kommerzienrath, »der kann auch französisch.«

»Elsa, komm her,« sprach seine Gemahlin, »dies darfst Du sehen; es ist wieder christlich. Aussehen thut es eigentlich anders, aber man täuscht sich manchmal. Adam und Eva würde man auch nicht für christlich halten.«

»Eigentlich waren sie ja auch wohl keine Christen,« bemerkte lachend Elsa, die schon lange vor der mütterlichen Erlaubniß die Danae betrachtete und bei der merkwürdigen Erklärung des Führers sehr sonderbar aufhorchte.

»Aber ihre Bilder sind christlich, darum darf man sie ansehen,« erklärte die Mutter.

Nachdem der Kommerzienrath sich an den Reizen der Danae ersättigt hatte und jetzt fast nur noch Madonnen und sonstiges Christenthum an den Wänden erblickte, sprach er mit Entschiedenheit:

»Jetzt hab' ich genug von dem Zauber hier. Ueberhaupt von Bildern. Jetzt will ich mal was anderes. Was folgt auf dem Programm, Führer?«

»Der Vatikan,« entgegnete dieser.

»Sind da auch Bilder?« fragte der Vater.

217 »Fresken und Oelgemälde und die Antikensammlung,« versetzte jener in feuriger Vorfreude.

»Na, die Gipspuppen ohne Arme und Beine liegen mir jetzt gerade auch nicht,« knurrte der Kommerzienrath, »das ist im Grunde Jacke wie Hose, und mythologisch sind die auch meistens. – Aber dabei doch wieder zu anständig,« raunte er in jovialer Vertraulichkeit dem Führer zu. »Und was kommt nach dem Vatikan?«

»Die Villa Farnesina.«

»Na, das laß' ich mir gefallen; 'ne hübsche Villa kann man schon mal ansehen, wie die wohl hier so eingerichtet ist. Unsere am Thiergarten kann sich ja auch sehen lassen. Also vorwärts, Kinder, nach der Villa Farnesina. Und dann aber ein Frühstück.«

»Papa, Bilder sind da aber auch,« sagte Elsa neckend.

»Herr Gott, dies Rom!« rief er aufstöhnend. »Es ist rein zum Auswachsen. Wohin man spuckt, trifft man immer auf Bilder.«

»Aber Väterchen, welcher Ausdruck!« mahnte milde die Gattin. »Man spuckt doch nicht.«

»Die Italiener thun's alle. Also muß es hier doch wohl anständig sein,« vertheidigte er sich ärgerlich.

Man verließ die Galerie und bestieg wieder den Wagen. Dieser rollte jetzt durch die alten 218 Stadttheile am linken Tiberufer, den malerischen Schmutz engwinkliger Gassen.

»Die reine Schweinerei,« meinte Papa Leineweber.

Der Kutscher gab sich jetzt Mühe, seinen Sitzgenossen auf allerhand Merkwürdigkeiten, an denen man vorüberfuhr, aufmerksam zu machen, Paläste, Alterthümer und dergleichen; das mußte dann Waldemar wieder seiner Herrschaft nach deren dringendem Verlangen verdolmetschen und hatte damit einen recht übeln Stand; er begriff selten ein halbes Sätzchen, am ehesten noch einmal einen Namen, wenn solcher ihm bekannt ins Ohr klang, was zum Glück häufig der Fall war; das übrige aber mußte er durch Geistesgegenwart und kühne Erfindungen ersetzen. Noch unbehaglicher war es, wenn er selbst den Kutscher etwas abfragen sollte; doch half er sich mit Glück dadurch, daß er flottweg lateinisch sprach; Fräulein Elsa hielt das für die besonders feine römische Aussprache, die lingua toscana in bocca romana, denn sie hatte vom Italienischen so einige leise Kenntniß; und der Kutscher nickköpfte und antwortete aus Höflichkeit mit solchem Eifer, daß er alles begriffen zu haben schien. Das konnte sich dann der Dolmetsch nach Gutdünken formuliren.

Einmal deutete der lehrhafte Wagenlenker unter einem besonders freundlich vertraulichen Lächeln und 219 mit einer Art stiller Befriedigung auf ein Haus, an dem aber auch gar nichts Merkwürdiges zu entdecken war, das ganz genau so aussah wie all die anderen gleichgültigen Häuser gewöhnlichen Schlages. Was er sagte, war unverständlich, kein Name herauszuhören. Nur das Wort casa fing der Zuhörer auf: aber daß es ein Haus sei, wußte er auch ohne das.

»Ein historisch interessantes Gebäude,« erklärte er nach rückwärts gewendet, denn Fräulein Elsa war neugierig geworden. »Goethe hat hier einmal eine Semmel gekauft bei einem Bäcker, der damals hier wohnte; es steht bei Heinrich Düntzer; man beabsichtigt in deutschen goethereifen Kreisen, das Haus mit einer Gedenktafel zu versehen.«

Ihn selbst befriedigte diese Erklärung nicht; und er war doch auch neugierig; es mußte ein Räthsel dahinterstecken; doch er fand keine Lösung.

Die Villa Farnesina ward endlich erreicht; man schritt durch den Garten, und der Führer deutete mit Feuer auf das Casino und die wunderbar zarten Verhältnisse dieses edlen Gebäudes. Der Kommerzienrath aber war wenig zufrieden. »So was macht in Berlin jeder Maurerpolier; da ist keine Säule und keine Karyatide, überhaupt kein Stuck und kein Nichts und viel zu wenig Fenster. Für ein preußisches Offiziercasino wär' es jedenfalls nicht schön genug; für ein italienisches mag es ja gehen. Und 220 dann überhaupt eine Villa ist doch kein Casino, und ein Casino keine Villa.«

»Mit dem Ausdruck Villa bezeichnet man in Italien den Garten, und das Haus darin heißt Casino,« erklärte Waldemar Naumann.

»Dann sollten die Italiener erst besser Deutsch lernen, eh' sie unsere Ausdrücke gebrauchen; so reden sie Unsinn,« sagte Herr Leineweber.

»Papa, blamire uns nicht,« flüsterte Fräulein Elsa.

»Die Italiener blamiren sich,« murrte der Vater.

Die Gesellschaft trat ein.

»Amor und Psyche,« dozirte der Führer, mit begeisterten Blicken die Deckengemälde betrachtend, »der berühmte Cyklus des Raffael, ausgeführt von seinen Schülern.«

»Daß Schüler so was schon können, ist ja alles Mögliche,« bemerkte die Kommerzienräthin, »aber man hätte den Knaben doch anständigere Vorlagen geben können. Ich weiß nicht, was ich denken soll von diesem Raffael; und er ist doch so berühmt. Elsa, im ganzen ist dies nichts für uns. Zum Glück kann man's nicht lange ansehen, man bricht sich sonst das Genick ab, das ist auch wohl darum so eingerichtet.«

Fräulein Elsa warf einen klagenden Blick zum Olymp hinauf, als wollte sie die fröhlichen Götter um Entschuldigung bitten für die Bildungslücken ihrer 221 Eltern. Den gleichen Blick wie auf den großen Jupiter im Kreise der Seinen aber richtete sie auch auf den Führer, und in dem Blick lag zugleich etwas wie Frage und etwas wie Erwartung: und daran erkannte er mit einem gelinden Schrecken, daß sie in der Hauptsache ihn bereits durchschaue: doch mischte sich dem Schrecken doch auch ein recht angenehmer Kitzel bei; schmeichelhaft ist es immer, in der niedrigen Hülle sogleich als etwas Höheres erkannt zu werden, und noch dazu von einem so hübschen Mädchen.

Was aber mochte sie denken von seinen Beweggründen zu dem tollen Streiche? Er überlegte in aller Kürze. Von dem wahren Grunde, daß er in aller Wirklichkeit ein paar lumpige Franken verdienen wollte, konnte sie nichts ahnen, Gott Lob und Dank; also blieb ihr eigentlich nur eine Annahme übrig: daß er's um ihretwillen unternommen habe. Sie mochte denken, er habe sie irgendwo auf der Straße gesehen und – – der angenehme Kitzel ward um vieles stärker, denn – sie schien es im geringsten nicht übel zu nehmen.

Vielmehr that sie jetzt die sehr freundliche Bitte, die Bilder im einzelnen näher zu erklären. Er that es mit freier Beredtsamkeit, die sich keinen Zwang mehr anthat; und sie lauschte begierig und sichtlich gefesselt.

222 Ungleich weniger der Vater.

»Na, lieber Freund,« meinte der sehr bald, »um die Wanddekorationen brauchen Sie so viele Redensarten nicht zu machen; so was haben wir bei uns zu Lande hübscher. Zeigen Sie uns 'mal lieber, wie die Villa sonst eingerichtet ist; denn hier sehe ich gar nichts, die paar alten Stühle sind ruppig genug.«

Der Führer zuckte bedauernd die Achseln: »Die übrigen Gemächer sind für Fremde nicht sichtbar.«

»Zum Donnerwetter, wozu schleppen Sie einen denn hierher? Ich will doch was sehen und mich daran bilden. Das heißt, Sie sind ja unschuldig; Sie haben das Programm; aber Elsa, Dich begreife ich nicht.«

»Papa, es gehört zur Bildung,« bemerkte Elsa spitz, »man muß es gesehen haben.«

»Na, dann in Gottesnamen!« polterte der Kommerzienrath, »aber nun hab' ich's gesehen. Mein Fett hab' ich weg. Und das großpratschige Gerede von dem Mann kann ich schon gar nicht mehr anhören. Da kommt man sich ja ganz dumm vor.«

Seine Gattin warf ihm einen Blick milden Vorwurfs zu. »Sei nicht so rauh, Väterchen,« flüsterte sie, »der Mensch redet ganz nett; sieh 'mal, viele von den anderen Leuten hören ihm auch zu, und das find' ich sehr ehrenvoll für uns, weil wir ihn doch 223 bezahlen und sie bei uns nassauern. Er redet wirklich wie ein Professor.«

»Was kann mir das nutzen,« rief der Gatte etwas sanfter, »wenn er kein Professor ist? Von einem Professor würd' es mir 'ne Ehre sein und meinethalb auch ein Vergnügen, aber von 'nem Fremdenführer und für fünf Mark den Tag ist's Klugschnackerei. Und wenn er jetzt noch über die alten Griechen und ihren Gipspuppen sich so hermacht, krieg' ich mein Seitenstechen.«

»Marmorbilder, Papa, meinst Du,« erinnerte Fräulein Elsa nicht ohne Strenge, da sie eben herzutrat.

»Natürlich mein' ich das,« versetzte Papa etwas gedrückt. »Und Marmorbilder stehn und sehn mich an, wie Beethoven sagt. Ich hab' auch meine Bildung. Bloß daß ich sie auch ansehen soll, das ist 'ne starke Zumuthung für meine Jahre.«

Während dieser Zwischenrede winkte die Mama den Fremdenführer heran und fragte ihn mitleidig:

»Sie haben gewiß bess're Tage gesehen, guter Freund? Man merkt Ihnen so etwas an.«

»Sehr viel bessere Tage,« bestätigte er mit einem tragischen Augenaufschlag, denn ihn stach wieder der Haber, und machte eine Handbewegung, als zöge er einen Kreidestrich zwischen sich und seine Vergangenheit.

224 »Der Mensch ist interessant,« flüsterte sie ihrer Tochter zu.

»Ach, findest Du, Mama?« entgegnete diese und blinzte mit so unverkennbarer Schalkheit zu dem Menschen hinüber, daß ihm ein höchst wohliger Schauder den Rücken hinablief. Es war kein Zweifel mehr, sein Streich hatte Gnade gefunden vor ihren Augen; und also doch auch er selbst. Und wenn ein so kluges und bildhübsches Mädchen – und eine Kommerzienrathstochter – –

Ja, er gestand sich allmählich mit einiger Entschiedenheit, daß sie ein ganz allerliebstes graziöses Spiel mit dem Fächer zu treiben anhub und hinter dem Fächer ihre blanken Augen immer kecker und schelmischer blitzten. Ein so schnelles Anspinnen hätte er kaum erwartet – vielleicht nicht einmal gewünscht, ganz ernsthaft betrachtet – indessen es war denn doch gar zu reizend, ganz überaus reizend.

»Wißt Ihr was, Kinder,« erklärte jetzt der Papa nach einem tiefen Nachsinnen, »schenkt mir heute den Vatikan und das andere Zeugs. Sparen wir uns das für die Regentage, heut ist zu schönes Wetter, ich muß an die Luft. Hier herum soll ja die sogenannte Campagne sein, die man auch gesehen haben muß. Die wollen wir uns heute vorknöpfen: da habt Ihr Bildung, und ich habe Luft.«

Die Mama war schnell mit dem Vorschlage 225 einverstanden. Elsa erhob Einspruch, wurde aber schnell überstimmt.

»Selbstverständlich frühstücken wir vorher,« fügte der Vater vergnüglich hinzu. »Es soll auch Champagner setzen oder Asti, wenn Ihr wollt, zum Lohn, daß Ihr mich nicht ganz umgebracht habt. Ich fange wirklich an, wieder aufzuleben. Den Führer brauchen wir dann ja, Gott sei Dank, auch nicht mehr.«

»Aber erst recht brauchen wir den!« rief Fräulein Elsa mit einer Kraft und Lebhaftigkeit, die jenen lieblich durchprickelte wie ein Glas Champagner. »Wir fahren natürlich nach der Via Appia, und da brauchen wir ihn doch für die antiken Gräber.«

»Oho, pfeifst Du auf dem Loche?« schrie der Kommerzienrath grimmig. »Aber daraus wird nichts. Ich will nichts Antikes mehr, am wenigsten Gräber. Ich bin ein lebendiger Mensch und ein moderner Mensch. Und überhaupt ist das Antike jetzt ganz unmodern geworden, das kannst Du alle Tage in den Zeitungen lesen, und die müssen es doch wissen. Ich will frische Luft und grüne Bäume und weiter gar nichts.«

»Grüne Bäume wirst Du in der Campagne nicht gerade viele finden,« bemerkte Elsa mit einiger Bosheit.

»Dann ist mir der Thiergarten lieber,« sagte der Vater mit Nachdruck. »Aber was ist denn sonst da?«

226 »Gras,« sagte Elsa schnippisch.

»Dann ist es was für Ochsen, aber nicht für mich. Wiesen sind an der Spree auch genug. Ich setze mich auf die Eisenbahn und fahre ins Gebirge. Da sind Bäume, das habe ich schon von weitem gesehen und mich gleich darauf gefreut. Die sind ja rein was Rares in dieser verdammten Gegend. Und da brauch' ich keinen Führer, Bäume erklär' ich mir selbst. – Ja, wißt Ihr, Kinder,« fügte er flüsternd hinzu, »dieser Mensch ist mir schauderhaft ungemüthlich mit seinem Gekohle und stört mir das ganze Vergnügen. Wir wollen mal ein bißchen unter uns sein. – Hören Sie, guter Freund, ich will Sie heute nicht weiter bemühen, wir haben etwas anderes vor. Befördern Sie uns nur noch sicher zum spanischen Platz in unsere »Europa« zurück, dann sollen Sie frei kriegen. Auf europäischem Boden fühlen wir uns sicher. Selbstverständlich bekommen Sie Ihren vollen Tageslohn. Und der Kutscher auch, den brauchen wir auch nicht mehr, Sie können ihm das mittheilen.«

Daß es Waldemar Naumann wirklich gelang, dem Kutscher diese Mittheilung beizubringen, wird immer ein Wunder bleiben, ein Wunder der Intelligenz eines römischen Droschkenkutschers.

Der Augenblick des Abschieds vor der Thür des Albergo di Europa war da.

227 »Kommen Sie also morgen wieder,« bestimmte der Kommerzienrath, »um dieselbe Stunde.«

»Wenn ich wiederkommen darf?« – entgegnete der Führer mit einer eleganten Verbeugung und einem tief fragenden Blicke – aber nicht nach dem Vater hin, sondern nach Fräulein Elsa.

Und diese erröthete, gab mit den Augen eine leise Antwort, lächelte mit stiller Schalkheit und hauchte unhörbar: »Ich meine, Sie dürfen.«

Auf diese Sekunde der höchsten Glückeserhebung folgte nur zu schnell ein tief kritischer Augenblick: der Akt der Auszahlung. Was hätte der Bedrängte darum gegeben, wenn er sich jetzt einen glänzenden Abgang hätte sichern, wenn er die fünf Franken mit einer anmuthigen Handbewegung hätte zurückweisen können! »Es ist mir ein besonderes Vergnügen gewesen.«

Es hing an einem Haar, daß Wort und Handbewegung ihm von selber entschlüpften; doch der geprellte Speisewirth trat wie Banquos blutiger Schatten zwischen ihn und seinen Wunsch. Nein, ehe der bezahlt war, durfte er sich wahrlich keine effektvollen Scenen und Abgänge leisten!

Er nahm den Fünffrankenzettel und schob ihn in die Westentasche mit einer Bewegung, die heiter-nachlässig erscheinen sollte, die aber schwer unter der Beklommenheit seiner armen Seele verunglückte: denn 228 Elsas muntere Augen ruhten auf dieser seiner Hand mit einer sehr bestimmten, lustig hoffenden Erwartung – und dann einer Enttäuschung – und dann immer noch einer Erwartung – und dann mit dem strafenden Ausdruck verwunderter Mißbilligung, unbegreifenden Kopfschüttelns, fast einer kühlen Verachtung.

»Hier nehmen Sie noch einen Franken extra für Ihr schönes Gerede; und wenn Sie es morgen unterwegs lassen, bekommen Sie zwei,« erklärte der Kommerzienrath mit einem schelmischen Lächeln und verschwand im Hause. Die Damen folgten, und Waldemar erhielt keinen Blick mehr. Er hatte auch das Trinkgeld in die Westentasche geschoben.

In der Seelenverfassung eines Geprügelten kehrte er sich ab; da rief der Droschkenkutscher ihn an und winkte ihm freundlich, den Wagen zu besteigen.

»Le porto a casa sua,« sagte er ermunternd, und sein lebhaftes Mienen- und Gebärdenspiel verrieth, daß er's umsonst thun wolle zum Dank für die gute Fuhre.

»A casa?« Das konnte nur heißen, »Nach Hause;« aber was soll das bedeuten?

Immerhin stieg er ein. Richtig, ja wohl! So schnell als möglich zu dem Speisewirth, den blutigen Schatten versöhnt und die Rechnung beglichen. 229 »Kutscher, fahren Sie nach –« wollte er rufen – ja, aber wohin? Allgütiger Himmel, er hatte auch diese Adresse nicht mehr im Kopfe; vielmehr, er hatte sie sich gar nicht gemerkt! Und nun eine unbekannte Kneipe wiederzufinden in dem kneipenreichen Rom!

In letzter Verzweiflung lehnte er sich in den Sitz zurück und ließ den Kutscher fahren, wohin er wollte. Am liebsten zu den stygischen Schatten, zum Lethefluß – aber nein, von der Lethe kam ja all sein Unheil!

Das Pferd zog an und ging in prächtigem Trab. Er schloß die Augen wie von einem Schwindel übermannt und öffnete sie nicht wieder. Er mochte nichts mehr sehen von diesem schrecklichen Rom, dieser schönen, gleißnerischen Stadt voll verderblicher Tücke. Hören mußte er es ja, dies wirre Gebrause der Großstadtgassen, aber sehen wollte er nichts mehr. Der Wagen rollte, zuweilen scharf schlenkernd; er kümmerte sich um nichts.

Da gab es einen Ruck; der Wagen hielt in einer engen Gasse, vor einem sehr gewöhnlichen Hause.

»Il signore è servito!« sagte der Kutscher mit einem freundlichen Kopfnicken.

Was hieß das? Was sollte er in diesem Hause?

230 Was der Tausend, das Haus war doch nicht so ganz gleich allen anderen, es hatte seine kleinen unterscheidenden Merkmale; ja, er hatte es schon gesehen, er kannte es wieder!

Richtig! Es war das historisch interessante Haus, auf das der Kutscher früher gewiesen, und in dem sich Goethe eine Semmel gekauft hatte. Sollte er sich auch eine Semmel kaufen? Ja, wenn es nur wahr wäre! Aber ein scharfes Hungergefühl überkam ihn bei dem Gedanken.

Plötzlich ward aus einem Fenster eine kreischende Frauenstimme vernehmbar:

»Ecco, il nostro signore, che è ritornato!«

Ha! Die Stimme kannte er! Auch sie hatte ihre unterscheidenden Merkmale. Die Stimmen der Römerinnen sind nicht alle gleich. So helltönig kreischen kann keine zweite. Das war seine Padrona, die vielgesuchte, die heißersehnte, die endlich gefundene!

Ein wunderbares Ahnen stieg in ihm auf: Dieser Kutscher – ja wohl, gestern früh war er mit einem so milchweißen Schimmel wie dieser vom Bahnhof hergefahren; und – und – o entsetzlicher Dummkopf, die Nummer 101 hatte er sich ja gemerkt und würde sich erinnert haben, wenn er daran gedacht hätte! Wie leicht hätte er mit dieser Handhabe seine Adresse herausfinden und sein Abenteuer beenden können!

231 Aber freilich, Fräulein Elsas Bekanntschaft würde er dann niemals gemacht und niemals bewiesen haben, daß ein deutscher Aesthetiker in einer wildfremden Großstadt mit Glanz und Erfolg den Fremdenführer spielen kann, wenn diese Stadt eben Rom heißt! Der Mensch soll nicht hadern mit seinem Schicksal.

Waldemar Naumann haderte nicht weiter, sondern drückte dem Manne seines Schicksals seinen Fünffrankschein in die Hand und stürmte ins Haus und stürmte in sein Zimmer.

Da lag alles geruhsam und behaglich beisammen, die Uhr und die Börse und die Brieftasche mit den schönen Hundertfrankensscheinen und dem Aushändigungszettel für den Koffer und vor allem das Notizbuch mit der schön und deutlich geschriebenen Adresse seiner römischen Wohnung. Ja, Gott sei Dank, jetzt wußte er sie und vergaß sie bis an sein Ende nicht wieder. In Fieberphantasien einer schweren Krankheit hat er nach Jahren sie stundenlang mit glücklichem Lächeln vor sich hingemurmelt.

Von der Padrona erfuhr er mit Hülfe seines Wörterbuches nach unsäglicher Mühe, daß sie nie daran gedacht hatte, ihn irgendwo zu suchen, am wenigsten bei der Polizei. Sie hatte gemeint, er habe gleich einen kleinen Ausflug gemacht ins Gebirge oder ans Meer, wie die Herren Fremden so sind.

232 Sei denn zehnfach gepriesen, du Droschkenkutscher Numero 101!

Meine Geschichte ist zu Ende.

Ja, wirklich. Ich habe nichts hinzuzufügen. Ich habe alles gewissenhaft und vollständig berichtet. Was will man noch von mir?

Ach so, man interessirt sich für das Schicksal des betrogenen Speisewirthes. Nun meinetwegen. Zwar, ich habe diese tragische Gestalt mit Bewußtsein verschwinden lassen, es gehört das zu meinen Stilkünsten, denn sie paßt nicht in eine Burleske, sie ist ein schwarzer Fleck in dem heiteren Bilde. Aber mag es denn sein. Was thut man nicht für seine Zuhörer!

Waldemar Naumann hat ihn niemals wiedergefunden und niemals bezahlt. Er gab den zehnfachen Betrag für die römischen Armen; aber was nutzte das dem Speisewirth?

Es ist nicht meine Schuld, daß ein so schriller Mißklang meine Geschichte beschließt. Ich war eher zu Ende.

Und noch nicht zufrieden? Darf ich nicht schweigen? Ich verstummte so gerne. Diesmal ist's keine Stilkunst, sondern eine zärtliche Rücksicht auf Fräulein Elsa.

Und doch auch eine Stilkunst. Man soll nichts Ueberflüssiges erzählen, nichts, was der Hörer sich 233 selber ergänzen kann. Denn es muß ihn ärgern, wenn man seinen Scharfsinn beleidigt. Nun, und was in den nächsten Tagen geschah, das wissen Sie ja doch alle. Die feierliche Visite im Albergo di Europa in dem guten Anzug und frischer Wäsche, die Aufklärung, die Verblüfftheit der Eltern, Fräulein Elsas herzliches Lachen, Verzeihung und Versöhnung, gemeinsames Frühstück, sechs Franken und noch etwas drüber in Champagner angelegt von Waldemar Naumann, gemeinsame Ausflüge und Museumsbesuche, gemeinsames Schwimmen auf dem Meere der Bildung – das wissen Sie alle. Und am letzten Ende –

Das wissen Sie nicht, das darf ich erzählen. Fräulein Elsa kann schließlich nicht Unmenschliches an Verschwiegenheit verlangen. Amica Elsa, sed magis amica veritas. In den Stil der Geschichte paßt das Folgende sehr gut; es ist gar nicht tragisch, sondern recht das Gegentheil: es kriegen sich zwei Paare.

Und noch minder tragisch: sie haben sich schon gekriegt.

Zehn Jahre sind vergangen. Waldemar Naumann ist abermals in Rom, mit ihm seine junge Gattin. Er erklärt freimüthig, Rom sei zehnmal schöner geworden, da er mit ihr es genieße. Herman Grimm und andere Jeremiä der 234 Vernichtung Roms mögen suchen, ihn zu widerlegen, wenn sie ihm den holden Irrthum nicht lieber vergönnen wollen.

So sehen wir ihn denn nun doch in den Vatikanischen Museen.

»Sieh, Gustchen,« sagt er, »dies hier war immer mein Lieblingsstück.« Und er zeigt auf einen Torso, der eigentlich nichts ist als ein Paar Beine mit etwas Faltenwurf darüber. »Da kannst Du sehen, was echt hellenischer Meißel ist.«

»Ja, es ist wundervoll gearbeitet,« bestätigt Gustchen. »Sieh, früher hätte ich auf so etwas niemals geachtet; wieviele Genüsse wären mir ohne Dich entgangen!«

Er zog sie hinter den schönen breiten Rücken des berühmten Heraklestorso und gab ihr einen Kuß. Sie dankte ihm die kleine Aufmerksamkeit und gab ihm auch einen. Es küßt sich ganz gut in so klassischem Verstecke.

»Ach, weißt Du. Gustchen –«

Aber ich merke, jemand zupft mich am Ohr. »Gustchen hieß sie doch gar nicht.«

Ja, sie heißt Gustchen. Man nehme es als eine Thatsache. Sonst will ich nichts Weiteres von ihr aussagen, als daß sie mir wohlgefallen hat und ich jedem meiner Freunde eine ähnliche Frau wünsche. Kann er dann mit ihr nach Rom reisen, ist's ja das 235 schönste; muß er zu Hause bleiben, ist es immer noch schön, bleibt er doch bei ihr.

Aus dem Nebensaal näherten sich andere Besucher. Eine schöne, sehr geschmackvoll gekleidete Dame ward sichtbar, vielleicht dreißig Jahre alt, am Arm eines Mannes, in dem selbst ein minder geübter Blick den preußischen Offizier in Civil nicht leicht hätte verkennen mögen. Sogar auf die Garde speziell schien irgend etwas hinzuweisen, sei's in der Haltung, sei's im Ton der Stimme. Er sah leider nicht so vergnügt und glücklich aus, wie man es von dem Manne einer so schönen Frau wohl erwarten durfte, vielmehr entschieden recht öde und gelangweilt. Doch das lag wahrscheinlich, nach seinen müde schweifenden Blicken zu urtheilen, an den allzu vielen antiken Marmorarbeiten, die er zu besichtigen hatte; eine solche Unmenge muß niederdrückend wirken auf unbefangene Gemüther.

Desto munterer plauderte der andere Begleiter, ein sehr distinguirt aussehender Herr, dem ein bildschöner Taschentuchzipfel aus der äußeren Rocktasche guckte, der einen grauen Cylinder und ein Monokel trug und nach gutem Parfüm roch; ich schätze ihn auf einen Gesandtschaftsattaché. Er war offenbar unter den Antiken genügend bewandert, um sie durch viele geistreiche Scherze kritisiren zu können und doch solchen Werken wie der Laokoongruppe und 236 dem Apoll von Belvedere seine volle Anerkennung zu zollen. Die schöne Frau hörte ihm bald mit einem fein gedämpften Lächeln, bald mit schalkhaft mißbilligendem Augenzwinkern, aber immer sehr aufmerksam und mit nachdrücklichen Bekundungen des Verständnisses zu.

»Sehen Sie, meine Gnädige,« sagte er eben, »dieser Torso hier ist eine feine Allegorie; sie bedeutet: auch der stärkste Herkules kann mal den Kopf verlieren – beim Anblick einer schönen Frau.«

Sie schlug ihm mit dem Fächer zierlich zürnend auf den Arm. »Sie Unart! Auf so anzügliche Witze höre ich gar nicht hin. Ich habe zu viel Respekt vor diesem Meisterwerke des griechischen Meißels, des Apollonios aus Athen.«

»Wie soll man bessere Witze machen,« sprach er mit einem Seufzer, »wenn man ebenfalls den Kopf verloren hat und zwar aus ähnlichen Gründen?«

Sie drohte ihm schalkhaft mit dem Finger.

Inzwischen kam der Gatte heran, der etwas zurückgeblieben war, und sprach in seinem näselnden und verschleifenden Tonfall:

»Sag' mal, Elsa, die alten Griechen haben doch eigentlich solche Marmorsachen schon beinahe ebenso gut gemacht, wie man das heutzutage versteht, wo wir Begas haben und andere Leute. Und das find' ich doch fabelhaft.«

237 »Du blamirst Dich einmal wieder, Botho,« antwortete Frau Elsa in schneidendem Mitleidston und warf dem Begleiter einen Blick zu, der Hohn und Verzweiflung ausdrückte. Dieser lächelte milde. Darauf schritten sie weiter.«

Waldemar Naumann war in einige Aufregung gerathen beim Nahen dieses Kleeblattes; doch wußte er sie zu bemeistern und hütete sich nur, sich erblicken zu lassen.

»Gustchen,« fragte er jetzt ruhig, »hast Du Dir die angesehen? Aber ohne Zweifel. Und wie hat sie Dir gefallen?«

»Wenn ich ganz ehrlich sein soll, so finde ich sie abscheulich. Kokett, eitel und höhnisch.«

»Gott segne Deine Zunge! Drei tödtliche Hiebe auf einmal. Und im Grunde mordshäßlich, solltest Du noch hinzusetzen.«

»Traust Du mir so schlechten Geschmack zu? Eben weil sie bildschön ist, finde ich sie nur um so abscheulicher. Mit einem häßlichen Gesicht wäre sie unschädlich.«

»Es scheint also, Du kannst Dir trotz ihrer Abscheulichkeit allenfalls vorstellen, daß ein junger Mann, wenn er nämlich sehr thöricht von Natur ist, sich in sie verliebe?«

»Das kann ich mir sehr vorstellen, auch bei mäßiger Thorheit, schon weil sie kokett ist: das liebt Ihr Männer.«

238 »Kannst Du Dir aber auch etwas anderes vorstellen: daß ich dieser Dame zu so großem Danke verpflichtet bin wie keinem Sterblichen sonst auf der Welt, selbst Dich nicht einmal ausgenommen?«

»Wie? Du kennst sie? Aber höre mal, das ist mir denn doch ernsthaft verdächtig. Jedenfalls, was sie Dir Gutes gethan hat, kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Die Gabe des Hellsehens ist mir nicht verliehen.«

»Nun denn, höre und preise sie! Sie hat mir die Möglichkeit gegeben, Dich heirathen zu können.«

»Nun bitte ich doch. Diese Möglichkeit war meines Wissens immer vorhanden.«

»Durchaus nicht. Bigamie ist nicht bloß unsittlich, sondern auch strafgesetzlich verboten.«

»Was? Sie wollte Dich also heirathen? Aber das ist ja empörend.«

»Nein, sie wollte eben nicht; und das war ja so preisenswerth.«

»Du willst doch nicht sagen, daß Du sie hast heirathen wollen? Sage so was nicht, denn ich glaub' es Dir doch nicht.«

»Du wirst es glauben müssen; gegen die Wahrheit hilft kein Sträuben. Ich sprach doch von einem ganz extra thörichten Jüngling: und diese naturgetreue Beschreibung solltest Du nicht gleich erkannt haben?«

239 »Ich hätte es sollen. Sie trifft aufs Haar.«

»Nun also, solchem thörichten Jünglinge hast Du mit eigenem Munde das Recht zugestanden, sich in sie zu verlieben. Von dem Rechte habe ich Gebrauch gemacht – es ist zehn Jahre her –«

»So hat sie Dich mit schändlicher Koketterie in ihr Netz gelockt.«

»Das darf ich ihr nicht nachsagen; es wäre Verleumdung. Sie meinte es ganz ehrlich und hätte mich gewißlich zum Manne genommen, wenn ihr nur ihre Eltern ein klein wenig zugeredet hätten.«

»Aber das thaten sie nicht? O die herrlichen Eltern!«

»Sie thaten nach ihrer Elternpflicht, das gedankenlose Kind darauf aufmerksam zu machen, daß ich erstens keine Uniform trug und zweitens keinen Orden und drittens keinen Titel und viertens kein Geld hatte – wenigstens nicht, was in ihren Augen Geld hieß. Ihr Vater war Kommerzienrath. Das kluge Kind mußte das einsehen und sah es auch ein. So wurde ich gerettet und kam wieder ans Land.«

»Aber doch wahrscheinlich mit zerrissenem Herzen.«

»Nun, ob es wieder geflickt ist, mußt Du selber am besten wissen.«

»Und ihr jetziger Mann?«

240 »Hatte alles, was mir fehlte; und außerdem im geistigen Ausdruck eine starke Aehnlichkeit mit ihrem Vater; das wird sie vornehmlich bestochen haben. Er ist jetzt Hauptmann außer Dienst. Sein Oberst hatte Mitleid mit ihm, weil ihm der Dienst gar so schwer wurde, und ließ ihn pensioniren, ehe er an die zugige Majorsecke kam, die ihm hätte schaden können. Er genießt nun die Wonne, daß er in der Welt nichts weiter zu thun braucht, als eine schöne, geistreiche und gebildete Frau auf den Händen zu tragen. Das kann ich ihm doch nicht nachmachen.«

»Nein, solche Frau hast Du nicht. Die Deine hat gar nichts von jenen hohen Eigenschaften.«

»Das ist eben das Unglück. Sie ist gar nichts als hübsch, klug und verständnißvoll; und das ist doch recht wenig.«

»Und obendrein ist's noch gründlich geschmeichelt.«

»Die Schmeichelei ist allemal schlimmer auf Deiner Seite. Was gibt es Schmeichelhafteres für einen Mann, als einer hübschen, klugen und verständnißvollen Frau jederzeit ungestraft einen Kuß geben zu dürfen, sogar hinter den Rückenmuskeln eines vor Schreck kopflosen Gottes?«

Die Muskulatur des berühmten Torso fand eifrige Bewunderer an diesen beiden. Der alte Winkelmann hätte seine Freude gehabt an so gelehrigen Schülern.

 


 

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