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Aller Praktik Grossmutter

Johann Fischart: Aller Praktik Grossmutter - Kapitel 3
Quellenangabe
typesatire
booktitleAller Praktik Grossmutter
authorJohann Fischart
year1876
firstpub1572
publisherMax Niemeyer
addressHalle
titleAller Praktik Grossmutter
pages32
created20100130
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Von den vier gezeiten deß Jars.

DEr Früling würdt nichts bey den sieben schlaeffern vermoegen, vnd wann er erst im Augst kaeme, so hieß er wol Spaetling. Auff Sant Vaeltins tag, ist der früling nach. Vnnd dieweil auff den Karfreitag jederman will fladen vnd Eyerkaeß essen, würd ein eyerbrůch muessen 5 vorgehen, vnd wolfeile in den Eyerschalen entstehen. Die verbunden zeit geht ein, wann man der blinden maeuß spielet. Die Faßnacht würd jren Rechtshandel gewinnen, dann die Doctor seind gar wolfeil vnd wurmstichig worden, vnd helffen erhalten den Narrenorden. In der faßnacht würd ein theil der welt sich verkleiden, darmit sie das ander betriegen. Mir ohn schaden, so mach jch auch mit.

Im Sommer ist trucken ein kommen, vnd würd am kuelen getranck Weins vnd Biers mangel sein. Auch würd das Dorff wasser im Brunnen so sueß vnd geschmack werden, das manchem dürstigen Schnitter ein kalter trunck wassers baß schmacken würd, dann den Reichen huenerfressern der badwarm gaenßwein. Die Sonn würd diß jar einem waermer scheinen dann dem andern, angesehen das etliche in den kelleren sitzen, vnd nicht allein die Weber, sonder auch die weinspueler. Das abgemaeyt graß vnnd die eingeschnitten frucht würdt nicht mehr wachsen. Im Sommer würd nichts hitziger sein, dann das fewr, vnd darff die Schaubenhuet verbrennen, wann man das fewr darmit anmacht. Auch werden die floeh den Weibern fast vber die knie steigen, vnnd weder schůh noch hosenbendel zůvor vmb erlaubnuß fragen. Bey den floehen im mittel des Sommers, vnd den filtzlaeusen im regen würd das jucken wolfeil sein: Auch werden die weiber die schwartzen Reütter mit den blossen wehren oder messern auß den haarechten vnd beltzechten busch klopffen vnd scheichen. O jhr floeh weichen, eh sie euch beseichen.

Im Herbst des Haendschůchs würd ein grosser abfall werden, daß man vil laubreicher baeum kleidung würd ligen sehen auff erden, vnd also nackend zůschanden werden. Es würd diß jhar meh wasser sein dan wein. Im Herbst würd man die trauben vor oder nach ablesen. Wer zů viel Most einschütt, verknipff die Nestel nit. Der auffgang des Mosthardi mit dem Weinmann würd ein abgang in die Newen laeren faesser verursachen, vnd mangel an vollen seckelen machen. In weinlaendern würd das bauchgerümpel mit einer wüsten influentz den durchbruch bringen, also das manchen der weg zůlang würd sein, 6 etwann nur bey dem nechsten weinstock nieder zů sitzen, vnd zů schwitzen. In solcher Not wer mein Rhat, daß jhr euch nicht auffnestelten, sonder das wammest mit dem gesaeß verbunden abstreiffeten: Es iß auff der post scheissen (wie die Walchen auff der post essen) auch ein vortheil: doch hueten euch daß jr nicht wie jener lecker, euch selber in den Ermel scheisset, wann jhr das wammest nicht genůg an euch halten. Den besten Most würd der gemein Mann am liebsten trincken. Es soll in dieser zeit oepffel vnd biren den Bauren vngeschaelt zů essen erlaubet sein. O Jockel beiß kein zan auß daran.

Der Winter würd dem Herbst gestracks auff den fersen in pantoffeln vnnd im Wolffsbeltz nachfolgen mit weissem schnee vnnd schwartzen kolen, mit kaltem eyß vnd heyssen oeffen. Was man im Winter im schnee verschart, würd im Sommer offenbart. Zwischen Arm vnd Reich ist es fast nacht, vnnd schafft es B der Bůchstab, vnd würd der Wassermann meh bey jhnen sein dan der Weinmann. Es würd sehr kalt sein, wann es gefrieren würd. Ein beckelhaub würd den Narren waermer halten, dann der doppelgehaeubelten deck den thoren stuben vnd kammer vber einander, ich naem sie vnd hielt eim ein stirn schnall. Es würd auch volgen, das die vom Kachelberg vnd die stat offen mit dem feurigen Aspect vom Dürren holtz dermassen erzürnt werden, daß man sich leichtlich an jnen verbrennen mag: Derhalben sie billich in ehren gehalten sein, sonderlich vom weiber volck. Die maegd vnd frauwen, werden mit solcher einbrünstiger lieb gegen den weissen Moren vom ofenloch entzündt werden, das zůbesorgen sie muessen jnen zů dem hindern hinein blasen, so lang biß sie feüwr außspeyen, vnd sich entgegen mit hitziger brunst vernemmen lassen: Pfuy was stinckt also? Gredt dir ist der beltz verbrendt, Ey daß dich Bock schaend, wie blast am hindern end? Wolan wer in der zeit ein gefroren Ey legt, dem ist gewißlich der magen erkalt, gleich wie jenem bauren der den jegel schiß, vnd jhn im hindern biß. O wie erkaelte Eyer sein bawren Eyer, es seind keine die eher gefrieren, man leg sie hin wo man woell, dann sie seind nicht heyß gewürtzt, wie die Polnischen fürtz. Im Winter würd mit 7 kalten haenden nicht gůt in bart zůgreiffen sein. Die Weinacht vom wein würd in schlafftrüncken braeuchlich sein. Im winter würd nichts kaelter sein dann das Eyß, vnd die Gaeuch werden vmb die selb zeit auff den gassen gehen, auch die Rotbrüstlein auff die nasen fliegen. Das nasen fůter her mit zaehem witwenleimen gefütert vnnd mit starkem baurenstreck gelidert. Die mag man wol für Narren tauffen, die im winter den beltz verkauffen, auff das sie brillen kauffen, guck mir durchs loch, seh bedarffst ein haendschůh noch.

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