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Aller Praktik Grossmutter

Johann Fischart: Aller Praktik Grossmutter - Kapitel 27
Quellenangabe
typesatire
booktitleAller Praktik Grossmutter
authorJohann Fischart
year1876
firstpub1572
publisherMax Niemeyer
addressHalle
titleAller Praktik Grossmutter
pages32
created20100130
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Von Nationen vnd Staetten.

POlen vnd Vngeren würd diß Jar groß Krieg führen mit dem vngeziffer. Sachßen, Meyssen vnd Thüringen würd das gering bier nicht gern trincken. Venedig, Straßburg, Costentz vnd Lindaw würd an wasser nicht leichtlich abgang haben. Aber der gemein Mann zů Würtzburg wuerd nicht so reich sein, als desselbigen orts ettliche Domherrn. Den Bayern vnd Schwaben würd es wol gehn, wann sie kein mangel an der notturfft hetten. Die Staett werden ledig vom Todt sein, so bald man sie hat eingegraben. Antorff würd vngleiche kaeuff treiben. Zů Regenspurg würds wasser vnder der Brucken hinfliessen biß gehn Constantinopel ins Meer. Zů Augspurg werden Maeuß an statt der Ratzen sein. Spanien würd zůnemmen wann es jm nicht fehlt. Man würd den Spaniern vnd den Polen acht auff die haend haben muessen. Das Niderland würd zůsteigen haben will es in das Oberland. Die Italiaener werden sehr die Esel trucken. Die Saracenen werden mechtig von den Mucken vexiert werden. Es würd viel fisch im Meer geben, vnd niergend meh saltz 27 dan in der pfannen, vil Saew im Beyerland, vil sand zů Nuerenberg vnd Hagenaw, vil Rettich vnd Růben zů Straßburg, vil wein vnd bettler im Elsaß, vil Korn in Polen, vil kueh im Schweitzerland, viel Ochsen in Vngeren, vil Butter in Holand, viel Kaeß in Flandern, vil Haengst in Frießland, vil danzapffen im Schwartzwald, vil haering inn Seeland, vil Roß in Denmarck, vil mandelen vmb Speir, vil Honig in der Eyfel, vil Hopffen in Saxen, viel Speck in Westphalen, vil Gaens im Noerdlingergaw, vil Geissen in Hessen, vil Hutzelen im Algoew, Loewen in Affrica, Kümmich in Malta, Maulbeerbletter zů Messana. Schwartz leut in Morenland, Weiß leut in Schweden. Corallen in Egypten, Zimmet in Zalon, pfeffer vnd imber in Calicuth, Greiffen in India, Pantherthier in Parthia, Tigerthier in Hircania, Perlin in Persien, Myrrhen in Arabien, Thůch von Antorff, Gewürtz von Lisabona, Seiden von Venedig, Barchet von Vlm, Eisenwerck von Nürenberck, Reiß von Meiland, leinwat von S. Gallen, Baumwollen auß Cypern, Cypreß in Creta, Magneten in Macedonien, gifft in Thessalien, zucker zů Palermo sümpff in Massow, feüwr im Heckelberg, Schnee auff Alpengebirgen, Veltliner vom Chumersee, Rangenwein von Dann, hammelfleisch in Malta, Küngelein in Spanien, Arles von Arles. Eulen zů Athen, Kaelt in Samogetia, Granatoepffel zů Granata, Augstein in Preüssen, Schlehen im Jochimerthal, Quecksilber im Schoenbach, Schiff im Haaffen, Auwerochsen in Polen, Schiffholtz vmb Genua, Wullen in der Bůch, Brunnen in Burgund Krebs zů Pruntraut, Scorpion in Welschland, Wandleüß in Franckreich, Marmelstein zů Verona, Reinfal in Hoesterich, Growerck in Lyffland, Schleiffstein zů Padenborn, graw hasen in litthaw, Pfaffenhůren vnnd Esel zů Rom, Weiß Baeren bey den Reüssen, Sueßholtz zů Bamberg, Kaemmetfaeger in Churwalen: Curßwein in Corsica, Kreiden auff der Schampagni, Kroepff im Pintzgoew, Silber in Tyrolischen bergen, Warm wasser in den Baedern, Saltz zů Hall, Mett zů Eger, Stockfisch in Nortwegen, Rainger in Lappenland, Wachs in der Moscaw, Schaff vnd thůch in England, Steinsaltz zů Crackow, Weyerfisch in Westerich, 28 Seefisch im Heegew, Hanff in der Mortnaw, Eßigwein zů Ingelstatt, Eichelen im Nordgaw, Dantzend pferd zů Neaples, Juden zů Franckfurt, Muffelthier in Sardinien, Holtzoepffel vmb Saltzburg, Zwibeln in Francken, Gersten auff der Alb, kesten vmb Heidelberg, Salmen in Schotten vnd Gaeuch durch alle Land.

Kranckheyten Artzneyen vnd sterben.

WAnn der Wind nicht blaset würd ein groß sterben in dem Spittal in die floeh kommen. Es werden so vil geistliche sterben, das man niemands finden würd koennen, dem man die pfründen verleihe, dermassen das jren vil zwo drey, vier vnd mehr besitzen werden. Die blinden werden nicht einen sticken sehen, die tauben werden gar wenig hoeren: den podagramischen würd das dantzen erleiden, die stummen werden stillschweigen vnd die hinckende sich neigen. Vil Schaaff, Ochsen, Schwein, Voegel, Huener, Dauben, Gaenß, Enten, werden sterben in den kuchen, vnd würd ein solch sterben nicht vnder die Affen vnd Kaemmelthier kommen, wiewol man es sonst genaw sůcht, das auch die Froesch vnnd schnecken vor grossem schlecken nit thieff genůg sicher in der erden stecken. Vil wunden werden vnheilbar sein. Ein Wundartzt der barmhertzig ist, ein wund nur meh verwüst. Ein Artzt verzagt, der die krancken viel fragt, sie doppel plagt. Die Polnischen kopen von gewürtz, auch von Rettich vnd zwibeln die fürtz, werden den luft vergifften. Als dan wann ein sterben vnder die Gaeuch kompt, so sperret fenster vnnd laden zů, es moecht sobald ein vnschuldigen treffen, duck dich gauch der Narr ist voll, &c. Werden sich die jungen wie die alten zů sterben entsetzen. Kein Milch auff die Fisch, sonder ein Nuß erwisch. Milch auff wein ist gifft, Aber auff Milch den wein, das mag ein Artzeney sein. Wz sol andere Artzney zuckerey vnd zauberey, die die leüt toedten on schoew: Aber die Artzeney ist galgenfrey, Auch kan ich wol ermessen, dz kopffwe erfordert essen, vnd das Magenwee scheissen das darff 29 mich kein Theophrastist weissen. Vnd essen vnd nit getruncken, ist sv vil als gehuncken. Deßgleich wer wol schlaefft, seicht, kopt vnd furtzt, Bedarff kein Artz noch wurtz. Vnd fleisch macht fleisch, fisch macht nisch, und knobloch ist ein gůter koch, erhalt den bauren noch, den Apotheckern zů schmoch, vnd den Doctorn zů poch. Ein kappen acht Monat alt, ich für ein Keysers essen halt, wiewol ein Kochersperger Baur auch mit aeß. Die flüß vnd Catarrhi werden diß Jhar meh vom haupt fallen, dan vom gesaeß, dann auß dem fallen kein flüß, sonder ef er es. Die gründigen werden sich selbst beissen grammen vnd fressen. Die bloedigkeit der augen würd dem gesicht wee thůn. Die padagrammischen werden sich baß an den zaehnen dan an den beinen befinden. Die gesunden werden sich besser gehaben dan die krancken. Die das durchlauffen kriegen, werden offt den koenigstůl besůchen, vnd soll jhn in solchen aufflauff erlaubt sein, wann sie kein wisch haben, die finger oder das hembd zů brauchen, oder, wie ichs von eim lecker gesehen hab, zieh den einen strumpff auß, vnd wisch inwendig das gesaeß dran, Deren lungensichtigen würd vom stechen der Kützel in der seitten vergehn. Das Grün würd zů vertreiben sein mit dem schwaertzen. Wann ein Podagramischer ein Pfersichkern trucket das er Oel gibt, so würd jm geholffen. Die feüchten getreuwen Nasen werden vil schluckens vnd truckens bedoerffen. Das Alte würd sein vnheilbar von wegen der vergangnen jar. Es würd das leben kosten denselbigen die da sterben vnd als dan werden sie kein beckelhaub meh bedoerffen. Kurtzumb wir muessen vns zůletz alle im haeußlin behelffen, da der gibel biß an die nasen stoßt, vnd wer da froelich vnd fridlich fahrt daruon, der würd auch fridsam auffersthon. Darauff doerfft ich schier sterben, daß jm also sey, wann es nicht weh thet, vnd sein müßt.

Nun das ich es recht beschließ, dann so das end
gůt ist, so ist es alles gůt, sagt ein mahl
ein Herr sehr Reich, mir vngleich, belegt
er ein zwilchenen küttel mit
borten von guldenen stücken. 30

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