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Alfred Schirokauer: Alarm - Kapitel 11
Quellenangabe
pfad/schiroka/alarm/alarm.xml
typefiction
authorAlfred Schirokauer
titleAlarm
publisherWilhelm Goldmann Verlag
printrun1. ?10. Tausend
year1930
firstpub1930
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090225
projectida2445045
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11

Zehn Minuten später kam Angelita. Wisdom empfing sie mit nicht geringem Bedenken. Ja, war denn dieses stille, ehrwürdige Haus heute abend zum Versammlungslokal eines Frauenkongresses geworden? Er vergaß sich soweit, sich an der sensationsbewegten Debatte im Souterrain stimmführend zu beteiligen. »Das wird ja ein Harem hier bei uns«, zeterte er.

Die Köchin Jane machte runde erfahrene Augen und ließ sich vernehmen: »Ich sage es ja immer, stille Wasser sind tief. Da hat der Herr nun jahrelang getan, als könne er nicht bis drei zählen.«

»Es sind ja heute abend nur zwei«, wagte der Chauffeur einzuflechten.

Ihn traf ein zermalmender Blick des Sparkassenbuches.

Amy aber sann stumm über die Möglichkeit, vielleicht doch noch diese Dritte im Bunde zu werden. Wenn der Herr sich als solch wilder Casanova entpuppte, konnte sie vielleicht doch einmal riskieren, sich ihm etwas auffälliger und girrender bemerkbar zu machen. Sie würde ihm sogar die beiden anderen gönnen, sie würde sogar – –

Sie gab sich mit schwimmenden Augen ausschweifenden Möglichkeiten und Hoffnungen hin. –

Zu Häupten dieser sittlich und weniger sittlich erregten Versammlung spielte Zufall und Laune des Schicksals einen seiner tückischen und bösen Streiche.

Rutland war auf Angelita zugeeilt, hatte sie in die Arme geschlossen und zum ersten Male geküßt ohne Hemmungen, befreit, erlöst, bereit zu einem neuen Leben der Gemeinschaft.

In den wenigen Minuten zwischen Muriels Abschied und Angelitas Ankunft hatte er die schmerzliche Bitterkeit von sich geschleudert, mit der Muriels naiver Egoismus ihn überlaugt hatte.

Gut, sie hatte ihn erkannt. Wenn auch! Sie würde nicht sprechen. Ihr schloß primitivster Selbsterhaltungstrieb den Mund. Er würde nun Angelita alles bekennen. Den Namen der Frau natürlich verschweigen. Den Schwur getreulich halten. Doch die Tatsachen konnte er erzählen. Angelita wußte sicher nichts von jener Skandalgeschichte in Amerika. Sie würde keine Beziehungen zu Muriel finden. Und dann hinein in das Glück und das Wunder ihrer Liebe!

Ein froher, seines Weges bewußter Mann begrüßte Angelita mit stürmischer Leidenschaft.

Da war ihm, als fühle er einen warnenden Widerstand, eine steife Zurückhaltung in ihrem Körper, in ihren Lippen, die ihn kaum berührten. Betroffen gab er sie frei. Bisher war sie doch die Begehrende, Ungestüme, Flammende gewesen!

»Was ist, Angelita?« fragte er verstört. »Ist etwas geschehen?«

Sie sah ihn durchdringend an. In ihren Pupillen glühte etwas Hartes, Kaltes, Fremdes, das er nicht zu deuten wußte. Doch sie schüttelte den Kopf. Riß dann plötzlich mit einer heftigen Bewegung den Hut von den schwarzen Haaren, als umspanne er zu eng ihr Gehirn.

»Willst du nicht den Pelz ablegen?« bat er, irgendwie ahnungsvoll beunruhigt.

»Danke.« Sie sagte es schroff, lächelte aber sofort wieder besänftigend und fragte bewegt: »Wie geht es dir heute?«

»Danke, wieder gut.« Er fühlte eine Kluft zwischen ihr und sich, eine seltsame unerklärliche Ferne.

»Du willst morgen verreisen?« Ihre Augen ruhten forschend auf seinem Gesichte.

»Nein. Nicht mehr. Ich fühle mich wieder ganz wohl. Und dann habe ich sehr viel zu tun. Aber willst du dich nicht setzen!«

Sie sah sich um und nahm Platz. Ihre Lippen waren fest und herrisch verschlossen.

Er stutzte. Was war ihr? Einen Augenblick durchzuckte ihn die Furcht, sie habe Muriel aus seinem Hause kommen sehen. Er fegte den Verdacht von sich. Unmöglich. Er hatte Muriels Taxe davonfahren gehört. Erst Minuten später war Angelita gekommen.

Auch er setzte sich. Da sie noch immer schwieg, beugte er sich zärtlich zu ihr vor und sagte voll innigster Liebkosung:

»Du bist heute so – anders, Angelita. Habe ich dich unbewußt verletzt?«

Es war, als scheuchten seine Worte sie aus fernem Sinnen auf. »Wie? Nein, nein.«

»Hast du irgendwelche Unannehmlichkeiten gehabt? Vielleicht mit dem Fortkommen von zu Hause?«

»Es ging ganz leicht. Mein Mann ist heute abend im politischen Klub. Da Lord Hastings, der Held seiner Eifersucht, auch dort ist, war er ganz beruhigt.«

Sie hatte Rutland früher einmal telephonisch von der falschen Spur des Herzogs unterrichtet.

Sie schwiegen. Da hob Angelita das Gesicht, die Flügel ihrer feinen, leichtgebogenen Nase zitterten, sie zog witternd die Luft des Zimmers ein.

»War eine – Frau hier?« fragte sie mit nebliger Stimme.

Im selben Augenblicke durchbebte Rutland die Erkenntnis, Angelita habe bei ihrem Eintritt in die Bibliothek Muriels aufdringliches Parfüm gerochen.

»Nein«, log er im Zwange seines Eides.

Angelita sank in den Sessel zurück und schloß im Schmerze die Augen. Schon glaubte er, sie durchschaue seine Lüge, da hob sie die Lider mit den langen dunklen Wimpern, strich die losen Haare hinter die Ohren, lächelte ihm arglos zu und sagte mit einer schönen Bewegung der Bereitschaft:

»Ich bin gekommen, deine Beichte zu hören.«

Da kam wieder die Frohheit des Bekennens über ihn.

»Ja«, rief er, »jetzt werde ich dir alles sagen. Und dann – dann sollst du über unser Leben und unser Glück entscheiden.«

Er deckte die Linke über die Augen und überlegte, wie er beginnen sollte. Da vernahm er ihre Stimme. Sie klang dünn und wesenslos, als käme sie von sehr weit her.

»Was wollte Mrs. Bouterweg bei dir?« fragte diese fremde klanglose Stimme.

Er riß die Hand von den Augen, schnellte nach vorn und starrte sie an. Doch er war auf der Hut. Er glaubte, sie habe das Parfüm erkannt und wolle ihn übertölpeln. Er war überraschende Fragen aus seiner geschäftlichen Verhandlungspraxis gewohnt.

»Wie kommst du auf Mrs. Bouterweg?!« fragte er mit gespieltem Staunen.

»Ich habe sie aus deiner Haustür kommen sehen«, antwortete sie mit eisiger Ruhe.

Ehe er sich gefaßt hatte, sprang Angelita auf, schleuderte die Maske der Verstellung von sich und stand vor ihm wie eine Feuersäule der Empörung. Es schien ihm, als sprängen kleine silberne Flämmchen aus ihrem glitzernden Haare, das sich in der auflodernden Entrüstung blähte. Plötzlich lebten in ihr nur die leidenschaftliche spanische Mutter, die glühenden Sinne der maurischen Ahnfrau und erstickten das nordische Blut des Vaters, die deutsche Erziehung und Gesittung.

»Genug dieses erbärmlichen Spiels!« keuchte sie. »Du hast die Stirn, mir von unserem Leben und unserem Glücke zu sprechen und empfängst fünf Minuten, ehe ich komme, hier deine Geliebte!«

Jetzt stand auch er. Ihr leidenschaftlicher Zorn überraschte ihn nicht. Er hatte sie schon einmal, in Tokio, in der Glut ihres Temperaments gesehen.

»Angelita – du irrst dich«, sagte er ruhig und zögernd. »Ich habe nicht das Geringste mit dieser Frau!«

Ihr geschmeidiger Körper bäumte sich auf in den Hüften.

»Das wagst du mir zu sagen!« stöhnte sie. »Deine Backen riechen noch nach ihrer Schminke, auf deinem Munde haftet noch die Klebrigkeit ihres Lippenstiftes. Und du wagst es, noch zu leugnen!«

Vernichtet schwieg er.

Sie holte tief Atem und setzte ihm, bebend vor Demütigung, die Worte hin:

»Ich habe sie hineingehen sehen, damit du es nur weißt. An der Ecke habe ich meine Droschke entlassen, kam zu Fuß auf dein Haus zu. Da hielt eine Taxe. Mrs. Bouterweg stieg aus. Ich blieb stehen. Sie sah mich nicht. Aber ich habe sie deutlich erkannt. Sie ging ins Haus. Ich habe gewartet, bis sie wieder herausgekommen ist. Ja, du! Zum Spionieren erniedrigst du mich! Zum Verstecken entwürdigst du mich. Als sie herauskam, habe ich mich hinter einem Baume verborgen!«

Sie schrie schluchzend auf. Die ungezügelte Wildheit ihrer Ahnen sprühte aus ihr hervor. Alles, was sich in dieser heißen Frau an Schmerz und gebeugtem Stolze, an Haß und Eifersucht angestaut hatte, während sie wie ein Dieb vor seinen Fenstern in der Kälte der Februarnacht wartete, bis die Nebenbuhlerin ging, schäumte jetzt reißend aus ihr heraus.

Er hatte seine erste Bestürzung und Ratlosigkeit niedergerungen. Kam auf sie zu, legte seine Hand auf ihren Arm und flehte:

»Angelita, frage nicht, forsche nicht. Ich –«

Sie schüttelte heftig seine Hand von sich ab.

»Berühr mich nicht!« drohte sie. »Das glaube ich, daß es dir nicht paßt, daß ich frage und forsche. Mir vorgelogen hast du vorgestern am Telephon, du kennst diese Frau nicht. Schien mir gleich seltsam, daß du die Frau des Mannes nicht kennen solltest, mit dem du wochenlang verhandelt hast! Ah!« sie federte innerlich auf in einer jähen Erkenntnis – »jetzt begreife ich! Du wolltest gestern abend nicht mit ihr bei mir zusammentreffen! Du hattest Angst, dich ihr vor mir zu verraten. Daher die plötzliche Krankheit!«

»Angelita!« rief er, schmerzlich entgeistert.

Sie schlug die Hände vor das Gesicht und klagte:

»Und ich Närrin habe jahrelang nur für dich gelebt. Du bist mein Leben gewesen. Und jetzt wollte ich alles von mir werfen, Ehre, Stellung, meine Ehe, alles, die Karriere meines Mannes vernichten, um dir zu gehören. Deine Geliebte wollte ich werden, wenn es sein mußte. Ich wahnwitzige Närrin!«

Sie brach nieder in einen Sessel und weinte, wie er nie eine Frau hatte weinen sehen. Ihr Leben war in wenigen Augenblicken niedergebrochen.

Er stand hilflos über ihr. Rang nach Worten der Erklärung. Fand keine. Was konnte er ihr sagen, ohne seinen Schwur zu brechen? Die Erkenntnis war ihm blitzhaft gekommen, daß seine Beichte nun auch für immer unmöglich geworden war. Jetzt konnte er nicht mehr sprechen, ohne Muriel zu verraten. Gebrochen, entmannt, aller Möglichkeiten beraubt, stand er vor der weinenden Frau. Und fühlte, er mußte erläutern, darlegen. Ihren Wahn zerstören. Die Sekunden, die alles zertrümmerten, verrannen. Er fühlte, wie er sie immer mehr verlor, wie sie ihm unwiderbringlich entglitt ins Bodenlose.

»Angelita«, begann er wieder. »Wie kannst du – – Du kennst mich doch. Du weißt, wie ehrlich ich dich liebe, wie –«

Sie richtete sich auf.

»Nichts glaube ich dir mehr. Gelogen und betrogen hast du mich. Oder willst du mir etwa weismachen, ich sei wahnwitzig geworden? Was meine Augen leibhaft sehen, sei Spuk und Traum? Ja? Hast du die Frau geküßt oder nicht?!«

Sie sprang auf und stand vor ihm wie eine Richterin.

»Angelita«, wich er aus. »Ein unseliges Verhängnis!«

»Antwort! Ja oder nein?!«

»Ich kann darüber nicht sprechen.«

»Warum?«

»Ich darf es nicht. Das mußt du mir glauben.«

»Ach so!« Sie lachte grell und verzweifelt. »Willst mir wahrscheinlich andeuten, daß auch diese Küsserei zu dieser famosen Hintertreppengeschichte deiner Vergangenheit gehört, zu diesem Geheimnis, mit dem du hausieren gehst, wie?«

Er schwieg, ehe er matt sagte: »Nein.«

Er log wieder, jeden Zusammenhang zwischen seiner Tat und Muriel zu zerreißen.

Sie sah ihn lange an. Ihr Atem pfiff, die Brust arbeitete hastig.

»Ich kann es nicht begreifen«, flüsterte sie, und ihre Augen irrten in den Höhlen, »ich kann es nicht begreifen, daß ein Mann so ehrlos und falsch sein kann.«

»Angelita, kannst du dir nicht vorstellen«, versuchte er wieder, »daß es Verhängnisse gibt –«

Sie hörte nicht auf ihn. Ihre Gedanken stoben. Neue Erkenntnisse krachten über ihre Erregung herein.

»Jetzt verstehe ich auch – –« Sie hob in vernichtendem Begreifen den Arm. – »Nie hast du mich geliebt. Schon in Tokio nicht! Deshalb hast du mich damals von dir gestoßen und neulich hier in diesem Zimmer wieder. Nie hast du mich geliebt. Meine Zärtlichkeit, meine Hingabe war dir peinlich. Dein Spiel hast du mit mir getrieben. Du, – den ich gemacht habe!«

Sie funkelte vor Verachtung.

Er horchte auf. »Du hast mich gemacht? Was meinst du damit?« flüsterte er verwirrt.

»Was ich damit meine? Weißt du das nicht?«

»Nein!«

»Hat der wackere Septimus Egan in Tokio dir das nicht verraten?«

»Egan? Wovon sprichst du?«

»Verstell dich doch nicht! Ich glaube dir doch kein Wort mehr.«

Da sagte Rutland ruhig: »Angelita, der Schein ist gegen mich. Das sehe ich. Ich kann dir nur wiederholen, daß ich mit jener Frau nichts habe, daß ich nichts in der Welt liebe, außer dir. Auch meine Arbeit ist nichts gewesen, alle diese Jahre, als Betäubung meiner Sehnsucht nach dir. Ich habe nichts gedacht, als an dich, alle diese Jahre, und bin dir seit dem ersten Tage unserer Bekanntschaft mit jedem Atemzuge treu gewesen.«

Sie lachte wieder bitter auf. »Sechs Jahre treu«, spottete sie. »Und hast das Pech, daß ich dich nach wenigen Tagen schon erwischen muß.«

»Angelita, auch Entrüstung hat ihre Grenze. Ich dulde es nicht länger, von dir mit diesem Hohne behandelt zu werden. Ich kenne deine Maßlosigkeit und Heftigkeit, die dir jede Vernunft raubt. Doch jetzt ist es genug!«

»So – so! Aufs hohe Roß willst du dich noch setzen! Du willst noch den Beleidigten spielen! Du hast wirklich Mut – und – Dreistigkeit.«

»Ich bitte dich, mir zu erklären, was diese Anspielung auf Egan bedeutet.«

»Tu nicht, als ob du es nicht wüßtest. Deswegen allein hast du doch geglaubt, mir Liebe heucheln zu müssen. Ausnutzen wolltest du mich!«

Sie war so erregt, daß er, wie einen Hauch, die Ausdünstung ihrer Haut empfand.

»Ich – dich ausnutzen?!«

»Ja – ja – ja –!«

Sie lohte wieder empor.

»Die Idee, daß du nach Spanien gehen solltest, war von mir.«

»Von dir?!«

»Komödiant!« schrie sie ihm zu.

»Ich schwöre dir –«

»Schwöre nicht! Was deine Schwüre bedeuten, weiß ich nun. Du hast heute schon mehrmals falsch geschworen.«

Er beherrschte sich mit aller Macht.

»Angelita, ich verbitte mir diesen Ton.«

Sie lachte voll Galle und Verachtung.

Da versuchte er es zum letzten Male. Alles war Irrsinn. So konnte diese Liebe nicht verenden durch Mißverstehen, Aneinandervorbeireden, grundlose Erbitterung. Dazu war das, was zwischen ihnen war, zu kostbar, zu teuer, zu heilig.

»Angelita, ich sage dir jetzt zum letzten Male, du siehst alles falsch. Ich kann nicht sprechen. Aber ich verlange von dir – bei unserer Liebe –«

Sie lachte wieder, eine Garbe voll Haß und Spott. Er ließ sich nicht beirren.

»Unser Leben steht auf dem Spiele. Ich will alles vergessen, was du mir heute gesagt hast. Ich begreife deinen Schmerz und deinen Zorn. Aber, Angelita, –«

Er beschwor sie: »Glaube an meine Liebe und meine Treue. Jahrelang habe ich mich gesehnt nach dir. Heute wollte ich dir alles bekennen, alles klären – und dich bitten, deine Ehe zu lösen und mein Weib zu werden!«

Der echte Klang seiner Stimme drang hindurch bis zu ihrem Herzen. Eine leise Hoffnung dämmerte in ihr auf. Ein Strohhalm, an den ihre Verzweiflung, ihr verletztes Frauentum, ihre verratene Liebe sich klammerte.

»Also – beichte«, sagte sie mit trauerndem Gewähren.

»Ich kann es nicht«, klagte er, »jetzt nicht mehr.«

Sie warf mit einem jähzornigen Ruck den Kopf zurück. Maßlos in ihrer Enttäuschung schrie sie ihm zu:

»Du elender Heuchler! Was willst du eigentlich von mir! Jetzt ist es aus zwischen uns. Aber du sollst mich kennenlernen. Du sollst erfahren, daß ich nicht mit mir spielen lasse. Rächen werde ich mich. Zu Bouterweg gehe ich und sage ihm, wo seine Frau sich abends herumtreibt!«

»Das wirst du nicht!« rief er entsetzt.

»Ha – wie er um seine Geliebte zittert!«

»Das darfst du nicht. Du vernichtest die Frau.«

»Das will ich!«

»Angelita, ich bitte dich!«

Sie lachte wieder dieses grausame Lachen, das ins Mark schnitt.

»Ich wollte dich nur auf die Probe stellen«, gestand sie voll tiefster Verachtung. »Du hast sie glänzend bestanden, du treuloser Troubadour! Um dich habe ich die besten Jahre meines Lebens vergrämt! Du stehst mir selbst für meinen Haß und meine Verachtung und meinen Abscheu zu tief.«

Sie raffte den Hut auf. Er schwieg. Sie hatte ihn zu schwer verwundet. Sie preßte den Hut hart auf das Haar und ging hinaus, ohne ihn noch einmal anzusehen.

Er stand noch lange auf demselben Flecke, hörte das Blut in seinen Ohren sausen und rührte sich nicht.

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