Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Arthur Holitscher >

Adela Bourkes Begegnung

Arthur Holitscher: Adela Bourkes Begegnung - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
booktitleAdela Bourkes Begegnung
authorArthur Holitscher
year1920
firstpub1920
publisherS. Fischer Verlag
addressBerlin
titleAdela Bourkes Begegnung
pages408
created20110730
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

»Gehen Sie jetzt, Frances!« sagte Mrs. Belle Garrat zum Dienstmädchen. Das Mädchen stand vor dem Spiegel und säuberte mit einem Fetzen Zeitungspapier die Brennschere. »Haben Sie die Spitzen angenäht? Das Kleid zurechtgelegt?«

»Ja, Ma'am. Gute Nacht Ma'am.«

»Amüsieren Sie sich, Frances!«

»Jawohl, Ma'am.«

Das Mädchen öffnete die Tür.

»Frances!«

»Ja, Ma'am?«

»Sie bleiben heute nacht aus?«

»Ja, Ma'am, ich gehe in sein Quartier mit ihm.«

»Nun, wo treiben Sie sich da herum?«

»Zuerst, da gehen wir zu meiner Tante, dann in ein Variété . . .«

»Gehen Sie ins Tivoli, Frances, da soll es gut sein.«

»Jawohl, Ma'am. Morgen abend muß er wieder nach Newmarket zurück. – Ma'am gehen wohl auch nicht allein aus heute? Ich meine, in Gesellschaft?«

34 Mrs. Garrat drehte sich um nach dem Mädchen, lachte, sprach kein Wort.

»Nun, gute Nacht, Ma'am. Amüsieren Sie sich auch, Ma'am!«

Frau Belle Garrat war fertig. Sie war nicht zufrieden mit ihrer Frisur. Hier und dort mußte sie noch etwas an der Lage des Haares ändern; eine Locke wollte nicht parieren, sie zerrte an ihr, tat sich weh. Sie ging zur Tür hinaus ins Speisezimmer hinunter, das im Erdgeschoß lag. Ihren langen hellblauen, fleckigen Frisiermantel hatte sie anbehalten.

Sie fand das Zimmer leer. Ihr war's doch, als hätte sie die Tür zur Straße gehen gehört? Sie blickte in den Flur: da hing Garrats Hut. Er war zu Hause.

Mrs. Garrat setzte sich an den Tisch. Frances hatte das Abendessen bereits aufgetragen. Mrs. Garrat hob die großen vernickelten Stürze von den Schüsseln, nahm vom Fleisch, vom Gemüse, goß sich aus den Sauceflaschen teerfarbige beizende Sauce über die Speisen, trank hastig zwei Gläser Rotwein und ließ alles nach ein paar Bissen stehn.

Die Tür im Souterrain klappte zu; Frances ging. Darauf war es ganz still im Haus.

Mrs. Garrat hatte die Ellbogen auf den Tisch gestützt und sah vor sich hin. Plötzlich warf sie ihre Serviette zerknüllt in die Mitte des Tisches und lief die Treppe hinauf, zurück in ihr Schlafzimmer.

Auf der Treppe kam ihr Garrat entgegen. Er kam aus seinem Zimmer. Sie verlangsamte ihre Schritte.

»Guten Abend.«

»Guten Abend.«

Oben warf sie die Türe zu.

Dr. Garrat hatte sich an den Eßtisch gesetzt. Er hatte seine Ledermappe mit heruntergebracht und aus dem 35 Portefeuille die Zeitungsausschnitte genommen. Einen lehnte er an sein Weinglas und versuchte zu lesen.

Er bemerkte die Unordnung am Platze, den seine Frau verlassen hatte. Er stand auf, schob mit ruhiger Gebärde, aber mit einem Kraftaufwand, als wären es nicht Teller und Bestecke und nicht eine Serviette, sondern schwere Gegenstände, Steine und Sand, alles in die entfernteste Ecke des Tisches. Hierauf setzte er sich nieder und begann zu essen.

Er hatte ein Kotelett methodisch in kleine Stücke zerschnitten, kaute und las.

Als er den Zeitungsausschnitt das drittemal vom Anfang bis ans Ende durchgelesen hatte, ohne ein einziges Wort behalten zu haben, legte er das Blatt vom Glase fort, stand auf von seinem Platz und blieb mit gesenktem Kopf eine Weile ganz regungslos auf demselben Fleck stehn.

Belle saß vor ihrem Toilettetisch und strich sich mit dem Karminstift über die Lippen.

Das Fenster des Gemachs stand weit offen, und die Abendluft bewegte die verfärbten Schleifen der beiden grauen Lorbeerkränze, die rechts und links von einer großen kolorierten Photographie an der Wand über dem Spiegel hingen. Die Photographie stellte Mrs. Garrat in einer Art Pagentracht dar, in Trikots, Lockenperücke und Federhut. Ein Degen hing ihr zur Seite nieder, in den Händen hielt sie einen Zauberstab. Das Bild zeigte sie hübsch, jung und schlank gewachsen.

Mrs. Garrat befestigte eine große Brosche, die eine Spinne aus Rubinen und Diamanten inmitten eines Netzes aus Goldstrahlen vorstellte, unter dem Ausschnitt ihres Gesellschaftskleides. Sie begab sich hinunter zu ihrem Mann.

Er stand in der Mitte des Zimmers, den Kopf nach 36 der Tür zum Garten gewendet, die Hände auf dem Rücken und rührte sich nicht.

»Ich habe Frances erlaubt, auszugehen. Ich komme heute spät heim. Ich bitte dich, das Licht im Flur nicht abzustellen.«

Sie stand einige Schritte hinter Garrat und wartete. Der aber regte sich nicht. Die Linde im Garten trug ihre ersten hellgrünen Blätter, zart und hell zeichneten sie sich in der graublauen Luft über der Ziegelmauer ab. Wie schön das bißchen schüchterne Frühlingsgrün vor dem Haus!

Belles Stimme kam näher an ihn heran, stieß an ihn. Garrat hörte die Frau in lautem Ton ein paar Worte sagen. Er wurde ihres Klanges bewußt, bemerkte an der Gleichheit ihres Schalles, daß die Frau Worte wiederholte, die sie eben erst gesagt haben mußte. Den Sinn der Worte erfaßte er nicht. Um so bewußter wurde er ihres Klanges.

Im Nu hörte er, tief innen in sich, wieder diesen Laut erwachen, dieses Röcheln, leise und würgend, ein aufkollerndes Geräusch, das sich anhörte, als käme es von einem riesigen, schlafenden Hund auf der Erde neben ihm, oder besser: aus ihm selber herauf.

Es war der metallische Klang in der Stimme dieser Frau, der ihn zu solch schwindliger, röchelnder Wut stachelte. Ehemals war es irgendeine Kleinigkeit gewesen. Die Art, wie sie den Löffel zum Munde zu führen, die Serviette lässig auf den Tisch zu werfen pflegte. Jetzt war es dieser Klang, der bare Klang ihrer Stimme.

Er schrillte auf, weckte Schwingungen. Hätte er sie doch an sich vorbei quer durch den Raum flattern lassen können, diese Stimme, ohne ihr Widerstand entgegenzusetzen. Hätte er doch seine Seele beiseite stehen lassen können, so daß die Stimme sie nicht zu berühren vermocht hätte!

37 Er kannte diesen Klang. Er entströmte der Stimme dieses Weibes, das auf Beute losging. Es half Garrat nichts, daß er sich abseits stellte. Der Klang ging mitten durch ihn.

Belle Garrat trat in die Tür zum Garten. Was gab's denn dort draußen? Daß er so starr und entgeistert vor sich hin glotzte?

Sie entdeckte nichts dort draußen im Garten. Sie drehte sich um und blickte Garrat ins Gesicht. Garrat sah sie an. Sie war unnatürlich eng geschnürt. Ihre Brüste zusammengepreßt. Das rötliche Fleisch stark gepudert, das gealterte Gesicht rosig geschminkt unter gebrannten Locken, die in die Stirn hingen. Er sah die Frau aufmerksam an und wandte sich zur Flurtür. Belle holte ihn ein.

Sie stemmte den Arm in die Hüfte. »Ich kenne diese Miene, diesen stillen Vorwurf! Weil ich Freunde habe und weil ich mich wohlfühle unter Freunden? Warum sitzest du Abend für Abend allein da! Telephoniere an Waterton! . . .«

Garrat drehte den Kopf nach ihr, maß sie mit einem Blick. »Schamlos.«

»Was denn!« schrie sie auf. »Jawohl – Waterton! Schreib dir's selbst zu. Glaubst du, ich lasse mich wie eine alte Frau behandeln? Mein vergrämtes und bekümmertes Gesicht, dem man die Ehejahre mit dir ansieht, stempelt mich in deinen Augen zum alten Weib? Dir bereitet es Genugtuung, mich so hinzustellen vor deinen Leuten. Und mir bereitet es Genugtuung, ihnen das Gegenteil zu beweisen – da!«

Garrat hatte die Klinke in der Hand. »Du wirst das Licht im Flur brennend finden, so spät du auch kommen magst. Die Magd verläßt morgen das Haus. Ich habe genug mit einer Dirne hier.«

Belle rührte sich nicht.

38 Garrat öffnete die Tür: »Ich bitte dich – geh jetzt. Ich habe zu tun, möchte allein sein.«

Belle ging zur Tür, schlug sie zu, lehnte sich gegen sie. »Ich werde dir etwas sagen. Nicht meinetwegen hast du keinen Freund mehr, sogar die letzten verloren, Willoughby, Evell. Hättest du Verstand und wärst ein Mann, du könntest es dir sagen, daß mit einem Quacksalber deinesgleichen keiner zu tun haben will. Daß sie dich aus deinem Ärzteklub hinauskomplimentiert haben, daran war vielleicht auch ich schuld? An mir hast du's auf alle Fälle ausgelassen! Schamlos? . . . pfui.«

Garrat schob sie von der Tür weg, verließ das Zimmer.

Auf der Treppe noch hörte er ihr hysterisches Gekeif, Stuhlstoßen, Tellerdurcheinanderwerfen.

Auf der Treppe, schon oben, machte er kehrt, um die Zeitungsausschnitte zu holen.

Er fand sie im Eßzimmer auf dem Boden verstreut. Er bückte sich, begann sie aufzulesen. Ein Lackschuh stieß das Papierblatt beiseite, stieß an seine Hand, die nach dem Blatt langte. Garrat schnellte empor. Seine Hände griffen in die nackten Arme der Frau. Belle schossen Tränen in die Augen. Sie und der Mann standen, ein wenig zur Seite gekrümmt, zwei Ringer, Körper an Körper.

»Es ist zu spät zu Vorwürfen. Wir sind beide so tief heruntergekommen, daß es tiefer nicht mehr geht. Hättest du mir deinen Abschaum aus den Variétés nicht hierher in mein Ordinationszimmer geschleppt, ich hätte nicht alles auf einmal über den Haufen geworfen. Wäre ich ein anderer, hättest du nicht, alt und gemein, wie du bist, dorthin geraten müssen, wohin du geraten bist. Geh, geh geschwind. Ich kenne den Weg, den du gehst. Es braucht nicht Waterton zu sein. Geh mit welchem Schurken du willst.« Er ließ sie los.

39 Ihre Arme zitterten. Garrat säuberte seine Hände vom Puder mit der Serviette, die von der Tischkante herunterhing.

»Wie sehe ich aus,« sagte die Frau in der Ecke des Zimmers zu sich. »Wie hat das Tier mich zugerichtet.«

Plötzlich warf sie beide Arme nach hinten, schrillte aus voller Kehle, mit weit vorgestrecktem Oberkörper dem Mann ein paar Worte ins Gesicht, unflätige, die das Echo des Zimmers gellend von Wand zu Wand warf. Sprang rasend an ihn heran, griff in seine Haare, zerrte an seinem Bart, bis er sie mit einer Gebärde von sich warf, daß sie taumelnd an den Tisch flog.

»Gut, daß du's weißt, wohin ich gehe. Meinetwegen lösche das Licht im Flur. Adieu.«

Er hörte sie eine Weile über seinem Kopf im Zimmer stampfen. Ein Stuhl schlug hin. Ein Stuhl wurde zum Schrank gerückt. Jetzt knirschte der Fußboden oben: nun stieg sie auf den Stuhl, holte die Reisetasche vom Schrank, sprang vom Stuhl auf den Boden.

Später dröhnte die Gassentür, klirrte das Eisentor im Gitter. Schritte hallten sich entfernend durch die Stille. Garrat zündete die Lampe an, stopfte Tabak in seine Pfeife und nahm die Zeitungsausschnitte zur Hand.

*

Aus welchem Grund begeht man Selbstmord?

Garrat klopfte an der Treppenstufe zum Garten den Aschenrest aus seiner Pfeife und begann längs des Eßtisches auf und ab zu gehen.

Nicht aus einem Grund allein, das war sicher. Das Leben ist ein Zimmer mit vielen Türen. Erst wenn die letzte unwiderruflich verbarrikadiert ist und nicht mehr geöffnet werden kann, macht der Gefangene ein Ende. Jeder einzelne Grund aber muß langen, um ein Leben 40 ganz unerträglich zu machen. Auch dies stand fest. Garrat schloß die Tür zum Garten.

Unter der Lampe lag ein Blatt:

»Die Wahrheit über:  Antikamnia,
Masons Krebspillen,
Dr. Oldports System.

Antikamnia enthält: Acetanilid.

Masons Krebspillen: Vitriol, Stärke und Zucker.

Dr. Oldports System zur Heilung der Morphiumsucht: Morphin.

Aus den Kreisen unsrer Leser treffen unausgesetzt Briefe ein, in denen wir bestürmt werden, unser Gutachten über diese neuen, aus Amerika eingeführten Heilmittel abzugeben. Wir haben unsern Mitarbeiter, Dr. O. P. Purdy, den bewährten Chemiker, beauftragt, eine Analyse dieser ›Kurmittel‹, die in ihren grellen orangeregenbogenfarbigen und hellgrünen Packungen die Schaufenster auch der besseren Chemikaliengeschäfte der Stadt, namentlich der äußern Stadtviertel, überschwemmen, vorzunehmen, und das Resultat ist oben verzeichnet.

All diese Präparate enthalten gesundheitsschädliche Substanzen, zum Teil gefährlichster Art, und ihnen allen ist eine und dieselbe Wirkung eigen, sie wirken auf das Herz stimulierend und täuschen dem Kranken eine momentane Hebung des Gesamtzustandes seines Organismus vor. Ein Trug, der nur allzu rasch zerrinnt, und hinter der Maske der Gesundung grinst der Totenschädel den Betrognen an.

Wie lange wird noch unser Gesundheitsamt diesem Unfug untätig zusehen?

Die Vertriebsstelle all dieser Präparate, die aus Neuyork, Kansas City und Cincinnati zu uns herüberkommen, befindet sich in London, am Kingsway, und 41 ist unserm Mitarbeiter seit längerer Zeit bekannt. Wir werden im Interesse der leidenden Menschheit und des Wohles unsres Volkes die Angelegenheit nicht aus den Augen verlieren. – Heute nur so viel:

Hütet euch vor:  Antikamnia,
Masons Krebspillen,
Dr. Oldports System.

Sie sind allesamt aus des Teufels Küche hervorgegangen!«

Der Ausschnitt trug den Stempel des Bureaus »Argus«, bei dem Garrat abonniert war, und er stammte aus der Sonntagsnummer der populären, in einer Riesenauflage erscheinenden »Londoner Chronik«.

Das Blatt lag zuoberst auf dem Haufen von Ausschnitten, in denen aber, weil die Berichte von Garrat selbst in die Zeitungen gesetzt waren, Günstiges über Antikamnia, die Krebspillen und Dr. Oldports System ausgesagt wurde und zahlreiche Dankschreiben aus England und den Kolonien, die Garrat fertig in einem Posten von 500 Stück von einem Agenten gekauft hatte, abgedruckt standen.

Was weiter? Die Welt betrügen!

Tat er das etwa erst, seit er Patentmedizin verkaufte? Als er noch Arzt gewesen und die Leute einzeln zu ihm gekommen waren, um Heilung bei ihm zu suchen, die seine vom Staat und der Gesellschaft beglaubigte Weisheit gewährleistete, war er da etwa weniger Charlatan gewesen als heute? Es war kein so weiter Schritt vom Arzt zum Quacksalber, nur vielleicht ein Schritt von der Oberfläche weg.

Und plötzlich fiel ihm dies ein: daß Belle doch ähnliches tat, wenn sie vor Waterton und wer weiß wem noch die jugendlichen Formen ihres Körpers entblößte, damit sie 42 nicht nach ihrem abgelebten und verfallenen Gesicht für ein altes Weib gehalten werde. Die Aufrichtigkeit der Dirne und die Aufrichtigkeit des Charlatans . . .

Er versuchte nicht einmal, diesen Gedanken zu Ende zu denken; Schmerz und Wut würgten an seiner Kehle. Jawohl – man konnte sich in Verhältnisse finden, die das Gewissen schwer ertrug, unter denen es fast zusammenbrach. In Demütigungen tiefster Art, vielleicht in die endgültige Erniedrigung. Schwerer war es schon, die Gegenwart eines verabscheuten Menschen Tag für Tag zu erdulden, den Klang seiner Stimme.

Am schwersten aber beides zugleich: denn wie war das zu ertragen: der Krampf der Sinne aus Haß, Verachtung und versteckter Begierde, der ihn befiel, sooft er mit dieser Frau aneinandergeriet, in diesem Haus, in dem sie allein wohnten, ohne Kinder, ohne das Glück des Heims zu empfinden? Das Bewußtsein, daß er mit seinen Instinkten nicht von ihr loskommen könne, nicht im Augenblick, in dem er aus Zorn und Rachsucht handgemein mit ihr wurde, und auch dann nicht, wenn er wußte, sie sei auf Abenteuer aus, und er wie ein Hund auf ihrer Fährte hinterdrein spürte . . .

Warum töten sich Menschen?

Garrat war der letzte Selbstmord, der sich in seinem Bekanntenkreise ereignet hatte, noch gut im Gedächtnis geblieben. Es war ein furchtbarer Vorfall, er hatte sich in Kent auf einem Landgut abgespielt. Dr. Hobhouse, ein Mitglied des Klubs, hatte sich mit Petroleum übergossen und angezündet. Er hatte an einer unheilbaren Krankheit gelitten, und das Gerichtsprotokoll sprach von Geistesgestörtheit im Augenblick des Selbstmords. Nach einem Vortrag im Klub, dem letzten, dem Garrat als Mitglied beigewohnt hatte, war man in eine Diskussion über den Fall Hobhouse eingetreten. Welche Gründe 43 hatte denn ein Arzt, gerade ein Arzt, sich auf so grausame, unvernünftig qualvolle Weise den Garaus zu machen? Man war übereingekommen, daß gerade das Übermaß der Schmerzen körperlicher Art oder der moralischen Pein das Individuum verführen konnte, wohl aus einem transzendentalen Bedürfnis nach Vergeltung, seinen Körper ganz und auf gründlichste Weise zu vertilgen.

Garrat fühlte kalte Tropfen auf seiner Stirne, als er an diese Dinge dachte. Er trocknete seine Stirn, öffnete die Tür zum Garten, holte einigemal tief und methodisch Atem und führte sich zur Beruhigung zurück.

Aus der Nachbarvilla tönte die Melodie eines Walzers herüber, von der Pianola gespielt. Garrat hörte zu, die Hände in den Taschen.

Dann ging er in sein Zimmer hinauf und öffnete ein Fach seines Schreibtisches, in dem sich ein kleines eisernes Safe mit Geheimdokumenten befand. Der Schlüssel drehte sich weich im Schloß des Eisenkastens. Nach kurzem Suchen hatte er das Dokument gefunden. Es schilderte die Symptome eines Todesfalls, der durch eine allzu scharfe Dosis von Masons Krebspillen verursacht war, und enthielt außerdem die Weisung der Cincinnatier Gesellschaft an die Vertriebsstellen, wie sie sich bei ähnlichen Vorkommnissen den Gerichtsärzten gegenüber zu verhalten hätten. Die Symptome ließen sich auf eine Nierenerkrankung umdeuten, der Zersetzungsprozeß des Blutes war ein ähnlicher. Die Formel des Befundes und die Aufreihung der Bestandteile, aus denen die Pillen hergestellt waren, lagen dem Dokument bei. Garrat brauchte bloß in das Laboratorium im Ostteil der Stadt zu fahren, das er dort unter einem falschen Namen unterhielt, um sich alles, was er brauchte, zu beschaffen, in geringer oder in gewaltiger Menge, zu langsamem, beschleunigtem oder zu blitzgleichem Ablauf.

44 Er hatte Licht gemacht und saß, mit der Eisenkassette auf den Knien, in der Mitte des Zimmers.

Als er vor sich hinsah, erblickte er im Spiegel sein Gesicht mit einer blutigen Nagelspur an der Nasenwurzel. Er legte die Kassette zurück und trat vor den Spiegel. Er schüttelte den Kopf, schloß die Augen, konnte den Anblick seines Spiegelbildes nicht ertragen. Nein, keinen Augenblick länger.

Er sah Cora Strattons erschrocknes Gesicht vor sich, morgen früh, im Bureau, sobald sie seiner ansichtig wurde.

Einmal schon, vor Monaten, hatte sie ihm mit ihrem Tüchlein einen kleinen, von einer Kratzwunde stammenden Blutfleck aus dem Gesicht gewischt, es mußte offenbar eine Kratzwunde sein, denn unter das Augenlid kam ja das Rasiermesser nicht . . .

Ein röchelnder Laut kollerte durch die Stille des Zimmers, Scham und Wut.

Konnte er, ein Mann in seinen Jahren, sich wieder daraufhin ausreden, daß er mit der Katze gespielt habe?

Garrat blieb stehen und blickte zur Seite, mit einer plötzlichen Bewegung, als sähe er jählings etwas, einen Schatten über den Boden gleiten. Auf einmal fiel es ihm ein, erinnerte er sich, wußte er.

Sie hatte sich nicht sehr verändert. Das Kind an ihrer Seite im Wagen, das die schreiende Katze auf dem Schoße hielt, war wohl ihr Kind. Daß sie längst geheiratet hatte, war ihm ja bekannt. Auch, daß sie in den Kolonien wohnte. Wo? und wie sie hieß? Wie der Name ihres Mannes lautete, wußte er nicht. Sie war's . . . das war sicher! Jetzt sah er, erlebte er die ganze Szene wieder, die, in dem Augenblick, da er das Haus betreten hatte, wie mit einem Schwamm aus seinem Bewußtsein fortgewischt, verschwunden war.

45 Adela Bourke! Das war ihr Name gewesen. Er glaubte – nein, er wußte es, irgendwo mußte eine Photographie von ihr noch unter seinen Briefschaften, alten Erinnerungen liegen. Ja, eine Photographie, auf der er mit ihr und mit andern jungen Leuten aufgenommen sein mußte – auf einem Hausboot bei Maidenhead, an einem Maitag, vor Jahren, ja, so war's!

Garrat durchsuchte die Kassette, fand aber das Bild nicht.

Daß es Adela Bourke war, stand fest.

Er nahm das Schreiben der Cincinnatier zu sich, verschloß die Kassette, löschte das Licht aus und begab sich hinunter ins Speisezimmer.

Vom Garten her tönte die Pianola immer noch ins Zimmer herein.

Er sah sich um in diesem Zimmer.

Sein Heim. Der Schmutz ringsum. Diese Einsamkeit. Draußen eine Mainacht. Die andern lebten. Auf den Hausbooten der Themse tanzten fröhliche Menschen, die Ketten bunter Lampions spiegelten sich im Strom. Was war das Leben geworden. Was hatte er aus dem Leben gemacht! Was hatten sie alle aus seinem Leben gemacht! Was hätte aus dem Leben werden können, wäre er ihr, deren Gegenwart nicht aus diesem Raum, in dem er doch allein war, weichen wollte, nie begegnet.

Was hatte sie aus seinem Leben gemacht . . .

Und dann dachte er an diesen Augenblick, an jetzt. Wo war sie? In welchen Winkeln drückte sie sich herum und mit wem? Sie besaß ja nicht einmal mehr die primitive Scham, unhörbar, auf Zehenspitzen, sich davonzuschleichen, wenn sie bei Nacht und Nebel auszog. Das nächstemal wird sie die Mühe scheuen, das Haus zu verlassen, und ihre Liebhaber werden hier unter seinen Augen aufmarschieren . . .

46 Gewiß hatten Menschen sich schon aus Scham ums Leben gebracht. Nicht so sehr, weil sie sich vor den andern schämten, sondern aus Scham über ihre eigne Schwäche, vor sich selber!

Garrat stürzte ins Vorzimmer, griff nach Hut und Stock. Erst vor der Kirche, an der Ecke der Mortonstreet kam er ganz zur Besinnung.

Nein – Gott mit dir – diesmal nicht. – Er kehrte ins Haus zurück.

Aus dem Schlafzimmer im oberen Stockwerk holte er die Kassette; aus einem kleinen Aktenschrank eine Mappe mit Briefen, Rechnungen, ein altes Tagebuch, ein Notizheft, in dem die hauptsächlichsten Posten aus seinen Geschäftsbüchern, kurz skizziert, sowie eine Liste der Dokumente, Kontrakte und Inventare, die er ebenfalls im Bureau verwahrte, aufgezeichnet stand. Mit all diesem ging er ins Eßzimmer hinunter, zog die Vorhänge zu und setzte sich an den Tisch, den er vorher abgeräumt hatte.

Um vier Uhr nachts stand er auf. Belle war noch nicht zurück. Aber er dachte nicht daran, daß sie nicht zurückgekehrt sei. Mit klarem Kopf und in vollkommener Ruhe ging Garrat in sein Zimmer hinauf und zu Bett.

*

Der Hansom hielt vor dem Gitter eines Hauses, des Eckhauses einer langen Reihe ganz gleichhoher Häuser, die auf einen kleinen Wiesenpark blickten.

Mrs. Malone stieg aus und streckte die Hand nach Sheila aus, die sich aber nicht von ihrem Platze rühren wollte. Das Kind hatte die Katze auf dem Schoß. Das Tier hatte sich bereits beruhigt, es lag reglos mit geschlossenen hellblauen Lidern, zu einem Kreis gekrümmt, groß und schwer auf den Knien des Kindes.

47 Sheila machte keine Anstalten, auszusteigen; sie blickte ihre Mutter an und sagte:

»Es ist besser, du gehst allein. Sie hat etwas gesehn, mag sein! Wir warten hier auf dich. Komme bald zurück, Mammy!«

Mrs. Malone sprach hinauf zum Kutschbock. »Geben Sie bitte acht auf das Kind!«

Der Kutscher führte den Zeigefinger an den Zylinder, murmelte etwas und öffnete die Klappe im Dach des Wagens, das hieß: schon recht, ich behalte den Gast im Auge.

Eine kleine alte Frau in Pflegerinnentracht öffnete die Gittertür und frug Adela, was sie wünsche. Eine Konsultation, eine Sitzung mit Madame! Die Zeit sei außergewöhnlich – Madame sitze beim Abendessen! Adela wollte geduldig warten.

Die Alte führte sie ins Haus. Im Hintertrakt des Erdgeschosses waren ein paar kleine Zimmer, jedes mit eignem Eingang, in jedem ein Stuhl und ein Tisch. Jetzt standen die Türen aller dieser Zimmer offen, die Besuchszeit war vorüber. In einem nahm Adela Platz.

Die Alte kam zurück: Madame wäre bereit, die Dame zu empfangen. Eine Viertelstunde später wurde Adela in ein stockfinsteres Zimmer geführt, an dessen Schwelle sie stehenblieb.

Ein Licht glühte auf und Adela gewahrte eine große, knochige Gestalt in dem Schein. Sie stand in der Mitte des geräumigen Zimmers, vor einem ovalen Tischchen, auf dem eine sehr niedere Lampe war. Die Lampe hatte einen dichten grünen Schirm, der das Licht der Glühbirne auf der Tischplatte sammelte und nur einen geringen Umkreis erhellte. Von der Frau waren bloß die Hüften und eine herabhängende Hand zu sehn, eine derbe Männerhand mit kurzen runden Nägeln und starken Adern auf 48 dem Handrücken. Die Hand machte im Lichtkreis eine einladende Bewegung, und Adela kam näher.

Als sie einander gegenübersaßen und die Frau Adelas Hände in den ihren hielt, waren nur diese beiden Händepaare beleuchtet, die Gesichter im Schatten.

»Ihre Hände sind ja ganz kalt!« sagte Mme. d'Endore in fast vorwurfsvollem Ton. »Sie haben einen Schreck erlebt! Oder flöße ich Ihnen solche Angst ein? Nun, dazu ist keine Ursache!« Sie preßte Adelas Hände einigemal fest in den ihren, wie um sich von ihrer Konsistenz zu überzeugen, schob dann Adelas Rechte vom Tisch und drehte die Linke mit der Handfläche nach oben.

»Nein, keine Ursache,« wiederholte sie gedehnt und aufmerksam. »Und da –« sie zeigte auf einen Punkt in der Mitte der Handfläche, am Zusammenlauf zweier Linien, »da ist ja ein Fleck! Zu den Gesündesten gehören Sie nicht! Der Fleck ist nicht in der Haut, der kommt aus dem Blut. Sie haben zwei schwere Krankheiten gehabt, eine als Kind, warten Sie, es war keine Kinderkrankheit – ich weiß nicht genau, was, aber mit dem Gehirn hängt es zusammen, und eine in der Pubertätszeit, da war's das Herz. Außerdem – hatten Sie nicht Schwierigkeiten mit der Milch, mit den Brustwarzen?«

Adela bejahte.

»Ja, sehen Sie!« sagte die d'Endore lebhaft. »Ich weiß es!«

Nach einer Weile fuhr sie rasch plappernd fort: »Sie liegen gern lang im Bett bis in den Morgen hinein, in den Vormittag? Das schadet Ihnen! Ja, schade, man muß seine Energie pflegen, wie die Zähne, die Nägel, den Teint, die Haare! Das ist viel wichtiger – es gibt im Orient eine ganze Lehre darüber, eine Methode, die ist so tief begründet wie die rituellen Vorschriften im Alten Testament! Ja! Man braucht einen Willen im Leben. 49 Aber natürlich kann man einem da keine Lektionen erteilen, so was kommt aus einem selbst oder gar nicht. Überhaupt Leute mit Phantasie wie Sie – Sie haben da eine wunderbare Linie – parfaitement! Une ligne merveilleuse - mais tout à fait merveilleuse. Sie hätten sich ausbilden sollen, vielleicht Künstlerin werden, aber dazu gehört Energie, Ausdauer! Jetzt ist's vielleicht zu spät. Irgendwo, irgendwer hat Ihre Energie gebrochen, vielleicht ist Ihnen das in der Ehe passiert. Sie waren zweimal verheiratet!«

»Nein.«

»So – aber ich sehe hier zwei Männer – nun, vielleicht liegt die zweite Ehe in der Zukunft, ich sehe da eine Abzweigung, eine Gabel. Ja, genau: zwei Männer.«

Sie hatte Adelas Hand losgelassen und eine kleine Lupe, die an einer Kette von der Tischplatte herunterhing, in die Hand genommen. Aber sie legte, sobald sie die Hand oberflächlich besichtigt hatte, die Lupe wieder weg und starrte ins Licht der Lampe, als sähe sie dort etwas sich abspielen. Und wirklich, sie sah dort etwas, denn sie sprach weiter, als gäbe sie eine Vision wieder, die vor ihren Augen entstand und da war. »Ihre Phantasie, das ist Ihre Feindin! Sie ist es immer, wenn das Herz nicht so will wie das Hirn. Dies ist bei Ihnen der Fall. Sie werden hin und her gerissen, das ist sicher. Einmal haben Sie jemand das Leben gerettet. Ihres hätten Sie dabei um ein Haar verloren. Und gedankt hat's Ihnen niemand, der Gerettete vor allen Dingen nicht. War's ein Kind? Nein – schweigen Sie, sagen Sie es nicht – ich sehe, es war etwas Haariges – ein Hund?«

»Der kleine Affe meiner Mutter! Er fiel in den Bach vor unserm Haus.«

»Hüten Sie sich vor allzu großem Mitleid. Man soll sich an Menschen, an Tiere nicht allzu sehr hingeben. Das 50 Wasser – einmal sind Sie ihm entronnen – aber ich sehe, es wird Ihnen noch Gefahr bringen. Kein fließendes Wasser – das Meer! Aber auch nicht der Kanal und kein Strand, ein sehr weites, offenes – eine Seereise, viele Tage – hüten Sie sich!«

»Ich bin aus Australien . . .«

»Ich habe es gesehn!« sagte Mme. d'Endore. »Nun, eine Seereise, sehr bald – das ist eine Drohung hier. Können Sie sie verschieben? Sie sind gewarnt!«

»Ich kann sie verschieben.«

»Dann ist es gut, denn sie stand Ihnen unmittelbar bevor, soviel ich sah . . . Nein – Sie können sie nicht verschieben. Nun – Sie müssen Ihre Energie entwickeln! Vielleicht glauben Sie, Sie müssen in Geschäften zurück und werden sich doch noch in letzter Stunde entschließen! Sie haben da eine wunderschöne Linie – Geld! Erfolg! Wirklich wunderbar – Sie sind eine reiche Frau! Viel Geld – schon in naher Zukunft – aber Sie lieben die Einfachheit, sind anspruchslos, machen sich nicht viel aus Reichtum? Nun, um so besser. Das ist Ihre Sache! Ich, für mein Teil – nun ja, vielleicht liegt bei Ihnen dies alles an Ihrer schwankenden Willenskraft! Ich wünsche mir immer so viel Geld, wie ich überhaupt haben kann. Man soll so viel Geld behalten wie möglich, sonst haben es die andern. Ja – irgendwo muß es ja bleiben, da sagt man sich: warum nicht bei mir?«

»Können Sie mir sagen, an wen ich eben denke?«

»Hören Sie, ich bin noch lange nicht mit Ihnen fertig. Aber ja, ich sehe, es steht jemand neben Ihnen. In Ihren Gedanken.«

»Ja, was ist mit ihm?«

»Es ist kein Er!«

»Kein Mann?«

»Nein – vielleicht denken Sie an jemand, den ich nicht 51 sehe! – Ich sehe jemand, an den Sie noch nicht denken, vielleicht nicht denken können!«

»Wie sieht die Person aus, die Sie sehen, Madame?«

»Sie werden jemand begegnen . . .«

»Nein, ich bin jemand begegnet, an den denke ich, es ist ein Er!«

»Sie werden jemand . . . es droht Ihnen Gefahr . . . vielleicht auf der Seereise! Es hängt mit der Reise zusammen. Sie sind gewarnt!«

»Können Sie mir über das Schicksal der Person etwas sagen?«

»Es steht Ihr Schicksal im Wege. Ich sehe nur Ihres. Aber jetzt sehe ich auch einen Mann, durch Sie hindurch. Er trägt einen breiten Hut mit herabhängender Krempe und hat einen schwarzen Bart, aber eng um das Gesicht geschnitten. Wie ein Mönch – kein Engländer . . .«

Adela schüttelte den Kopf. »Ich weiß von niemand, der so aussieht . . .«

»Nun, Sie sind gewarnt. In der Liebe verläßt Sie das Glück, das Sie in Geschäften haben oder haben könnten! Das hängt auch mit Ihrer Willenskraft zusammen!«

»Werde ich meine Mutter lange behalten?«

»Ja – lange – aber ich weiß nicht, ob Sie sie wiedersehen werden . . . es ist eine Reise dazwischen, das Meer, da droht Ihnen ein Verhängnis! Müssen Sie denn reisen? Nun, Sie geben auf Geschäfte nichts, was kann Sie denn zwingen? Es ist auch kein Schiffbruch, der Ihnen bevorsteht – es ist nur die Reise!«

»Also Sie können mir nichts über den Menschen sagen, an den ich beständig denke?«

»Nein, ich sehe jemand, einmal deutlicher, einmal undeutlich, an den Sie nicht denken, der aber beständig bei Ihnen ist. Kein Er!«

»Also eine Frau? Meine Mutter?«

52 »Nein, Ihre Mutter kann sie nicht sein . . . nein, das ist traurig . . . Hüten Sie sich vor Übermüdung, Ihr Gehirn ist nicht sehr stark – ich sah das, in Ihrer Jugend, vielleicht ist das der Grund Ihrer Energielosigkeit . . . Ihr Herz ist reizbar, gleich spielt Ihre Phantasie ihr Spiel mit Ihnen, es genügt ein leichter Anreiz . . . Lassen Sie sehn!«

Sie holte ein Päckchen Karten, legte eine Reihe aus. »Ich wußte es ja: Saturn und Jupiter. Vous n'êtes pas venue volontairement! Der Mond hat Einfluß auf Sie – bei abnehmendem Mond passieren Ihnen Unglücksfälle. Nun, hoffentlich schlägt Ihnen diese Stunde bei mir zum Besten aus, es ist nämlich heute letztes Viertel . . .«

»Kann man nichts gegen Einflüsse tun?«

»Energie – Energie. Aber Sie sehen, unsre Kunst ist hinfällig, die Linien verändern sich, die Vision ist einmal deutlicher, einmal verschwommen . . .«

»Aber die Karten, die Hand!«

»Behelf, Madame, Behelf! Wir sehen ganz anderes, wenn wir auch unsre Aufmerksamkeit auf die Hand, auf die Kartenreihe sammeln. Sehen Sie diese Lampe? Hier unten ist Licht, darüber Dunkelheit. Wir schauen ins Licht nur, um dann oben im Dunkeln die wirklichen Dinge zu erblicken. Wir sehen im Dunkeln, aber nur, wenn unsre Augen vom Licht voll sind!«

»Was soll man tun, wenn man vor Entscheidungen steht?«

»Nicht auf uns hören!! Sie werden das Richtige finden, wenn Sie Ihre Kraft, die in Ihnen schlummert, entwickeln. Tragen Sie einen Amethyst! Das hilft!«

»Sie sagten mir, ich werde jemand begegnen. Was ist mit dem?«

»Ich kann nichts mehr sehn! Sie sind beide weg, der Fremde und Sie. Ich bin müde!«

53 Mme. d'Endore stand auf. Adela öffnete ihr Täschchen, legte ein Goldstück auf den Tisch. Mme d'Endore schob das Goldstück in ihre Tasche und ging zur Tür. Nach einigen Schritten blieb sie stehn. »Was ist das für ein Parfüm, das Sie haben?«

»Heliotrop!«

»Ja, ich rieche es. Aber noch etwas: ein Tiergeruch schlägt durch. Sie haben einen Liebling, eine Katze?«

»Ja, ich habe eine Katze aus Australien mitgebracht . . .« sagte Adela.

Mme. d'Endore verzog ihr Gesicht. »O das ist nicht gut! Tiere soll man nicht um sich haben, Tiere bringen fremde Geister mit, Tiere haben Geister um sich, die die Menschen benutzen! Wir müssen gehorchen und wissen nicht, wem. Etwas Fremdem! Tiere sind unheimlich – brrr!«

Adela lächelte und reichte, schon im Flur, Madame die Hand. Mme. d'Endore begleitete sie zur Tür. »Nehmen Sie die Katze nicht mit auf die Seereise – so hängt es zusammen!«

Adela fuhr mit Sheila und Feuer heim.

*

Der Hansom nahm denselben Weg, den er gekommen war. An der Ecke von Mortonstreet, vor der Kirche, stand eine Frau und winkte dem Kutscher, war aber enttäuscht, als sie in den Wagen blickte und sah, daß Leute drin saßen. Die Frau hatte einen großen Hut mit weißen Rosen auf dem Lockenhaar, unter dem Abendmantel blitzten hohe geschnürte Lackstiefel hervor. In der Hand trug sie eine kleine Reisetasche aus grünem Saffianleder. Sie blickte in den Wagen, Adela gewahrte ein geschminktes Gesicht, mit Kohlenstrichen umränderte Augen. –

Die Pensionäre von Miß West hielten mit ihren Bemerkungen nicht zurück. Sie sah ja ganz verändert aus, 54 Mrs. Malone. Ihre Wangen hatten Farbe bekommen, sie war mit so jugendlichen Schritten zwischen ihnen durch und die Treppe hinaufgeeilt, mit der Kleinen und ihrer unzertrennlichen Freundin, der Katze! Ja, sie hatte gelächelt! Das waren sie an ihr gar nicht gewohnt.

Miß Dalmayne lachte laut auf: »Dieses Kind Sheila! Haben Sie sie beobachtet? Sie benahm sich, als wäre sie von den beiden die Gesetztere!« Ja, die Damen hatten es gesehn, das Kind war ernst und verzog keine Miene, es hatte nur gemessen genickt, als es zwischen den Damen, die im Flur und in der offnen Tür des Musikzimmers standen, durchgeschritten war.

Die Damen folgten Miß Dalmayne, die ihnen heute ihr Konzertprogramm vorsingen wollte. Ach ja, das Programm dieses Konzerts, das nicht zustande kommen wollte!

Miß West verschwand in der Küche und bald darauf brachte Rebecka Mrs. Malone, Sheila und der Katze ihr verspätetes Abendbrot aufs Zimmer.

Adela saß an ihrem Schreibtisch und schrieb. Sie hatte einen Bronzeanker auf das Papier gelegt, weil sie es mit der Linken nicht zu halten pflegte, sondern das Kinn in die Handfläche gestützt hielt, während sie schrieb. Sheila hatte der Mutter ihren Beifall geäußert, als diese ihr mitteilte, daß sie nun doch an Papa schreiben wollte.

Der Brief an Malone war nur kurz. Ebenso kurz war der Brief, den sie an ihren Rechtsanwalt in Melbourne richtete – er enthielt die bündige Aufforderung zur Einleitung aller Schritte, die notwendig waren, um eine Scheidung der Ehe von Michael Malone durchzuführen. Das Material hatte Mrs. Bourke in Händen.

Morgen früh wollte Adela ihrer Mutter kabeln: daß die briefliche Autorisation unterwegs sei.

Sie schloß die Briefe, siegelte sie, was sie sonst selten tat, und lief mit ihnen selbst hinunter, um sie eigenhändig 55 in den Postkasten, drei Häuser weit von Miß Wests Haus, zu werfen.

Auf den Stufen der kleinen Freitreppe zwischen den Säulen begegnete ihr, als sie hinauflief, Herr Lucas, der soeben das Haus verlassen wollte. Er zog den Hut und machte mit komisch wirkendem Erschrecken einen Bogen um Adela, um ihr den Platz frei zu geben vor der Türe. Sie lächelte, wollte ein Wort sagen, aber Herr Lucas war schon fort.

Erst oben im Zimmer fiel ihr ein: er sah ja ganz wie ein Italiener aus. Gar nicht wie ein Engländer. Oft hörte sie ihn nebenan in seinem Zimmer laut sprechen. Es klang aber weder englisch noch italienisch. Sie wollte sich bei ihm einmal erkundigen, welcher Nation er eigentlich angehöre. Sie blieb noch lange wach. Die Nacht war finster auf dem Nachtigallenplatz. Durchs offne Fenster drang in Wellen das rumorende Geräusch des nächtigen Londons herüber.

Sie wachte wieder einmal bei all ihren alten Londoner Erinnerungen im Schein der Lampe. Das hatte sie ja all die Wochen, Abend für Abend getan. Ja, auf dem Schiff schon, in der Kajüte, bei Nacht. Sie wußte nicht recht: weshalb sie all diese Bänder, Fächer, Photographien und vergilbten Zeitungsausschnitte, die sie aus Australien mitgebracht hatte, immer wieder vornahm? Wohl um eine Brücke zwischen damals und der Zukunft aufzubauen? Die Erinnerung aber blieb tot, alles, was sie zwischen den Händen hielt, staubig und verschollen und von der Zukunft hatte sie, selbst wenn sie einen Anlauf dazu nahm, kaum einen Schimmer gesehn.

Jetzt aber wollte es ihr scheinen, als belebte sich mit einemmal der Wust. Auf dem Brückenbogen, den sie beschritt, gewahrte sie das jenseitige Gelände hell und von farbigen Nebeln umspielt.

56 Nein, sie wollte nicht mehr nach Australien zurück!

Sie wollte in London bleiben.

Es war ja nicht die Angst vor der Seereise. Nicht der Aberglaube, der sie zurückhielt. Sie war bei Mme. d'Endore gewesen, aber sie sagte sich: das hatte keinerlei Einfluß auf ihren Entschluß ausgeübt!

Sie legte sich zu Bett, vielerlei Gedanken gingen ihr durch den Kopf. Im Schlafe war es ihr, als habe sie Feuer einen schrillen, langgedehnten Schrei ausstoßen hören. Sie wachte auf, sah nach: das Tier lag ganz ruhig auf der Decke von Sheilas Bettchen. Das Kind schlief tief, das Gesichtlein ins Kissen gedrückt. Auch Adela schlief bald wieder. Sie schlief lange und gesund und erwachte erfrischt und heiter.

*

Dr. Garrat sagte zu Cora:

»Ich bleibe heute Abend etwas länger hier, als gewöhnlich. Bleiben Sie auch. Die Damen sollen nach Hause gehn. Gegen 9 Uhr kommen Sie zu mir nach Hause. Meine Frau ist verreist, Sie speisen heute bei mir zu Abend. Auch das Mädchen ist fort. Ich habe sie entlassen. Sie werden mir beim Abendessen Gesellschaft leisten. Ihre Mutter brauchen Sie ja nicht zu verständigen, sie glaubt, Sie seien ins Theater gegangen. Wollen Sie?«

Cora sagte: »Ja.«

Garrat hatte sich in seinem Privatbureau eingeschlossen, es wurde halb zehn, Cora klopfte an, Garrats Stimme antwortete: »Geduld!«

Sie fuhren mit der Untergrundbahn, gingen durch die hallenden, dunkeln Straßen und Gäßchen. Die Standuhr im Eßzimmer schlug Elf, als sie eintraten.

Cora wirtschaftete in der Küche, deckte den Tisch, besah mit entzückten Blicken all das silberne Gerät, die 57 Damasttücher, die Kristallgläser. Garrat hatte Wein auf den Tisch gestellt, einen kostbaren Burgunder. Er zeigte Cora das Etikett, die Jahreszahl.

Cora aß und trank. Sie war guter Dinge, wurde ausgelassen. Unter dem Tisch berührte ihre Fußspitze Garrats Stiefel.

Sie gab ihm einen kleinen Stoß, errötete und lachte wie ein Kind.

Nach dem Essen setzte sich Garrat zu dem Mädchen auf das Sofa, legte den Arm um ihre Schultern und sprach leise und eindringlich zu ihr.

»Cora, ich habe seit langem etwas auf dem Herzen. Heute müssen Sie mich ruhig anhören und erst antworten, wenn ich sage: nun antworten Sie! Ich kann das Leben mit meiner Frau nicht weiter führen. Sie wissen, ich habe es Ihnen ja gesagt, wie wir lebten. Das hat ein Ende. Ich kann aber auch ohne Sie nicht leben – Cora, verstehen Sie mich. Wir müssen fort. Und zwar gleich. Das heißt: morgen im Laufe des Tages. Und niemand darf es wissen! Sie haben ungefähr die Figur meiner Frau, ihre Größe. Oben sind Kleider meiner Frau, die ziehen Sie an. Wenn jemand Sie sieht beim Fortgehen, wird er Sie für meine Frau halten. Wir packen einen Koffer – oder besser: ich kaufe unterwegs alles, was Sie brauchen und wir reisen. Eine Minute noch, Cora! Ich bin gleich zu Ende. Hier habe ich in der Hölle gelebt. Ich will ein neues Leben beginnen. Kein Andenken an dieses Haus soll die Zukunft beschmutzen. Sind wir erst unterwegs, kaufe ich Ihnen Kleider, alles neu, was Sie mögen. Ich will auch an Ihre Mutter einen großen Betrag schicken. Ich habe Sie sehr lieb, Cora! Ich frage Sie jetzt: wollen Sie mit mir kommen? Meine Frau werden? Wollen Sie alles tun, was ich von Ihnen verlange? Ja oder nein, Cora! Ja oder nein!«

58 »Wohin wollen Sie denn reisen, Walter?«

»Weit weg. Übers Meer. Ja oder nein, Cora!!«

Cora Stratton stand auf und blieb eine Weile mit gesenktem Kopf vor dem gedeckten Tisch stehn. Schade, all das schöne Silberzeug sollte hier bleiben! Was werden morgen die Mädchen im Bureau sagen, wenn sie und Garrat auf und davon sind! Die alte Mammy allein zu Hause – aber Garrat wird sorgen, das ist ja sicher! Dieses abscheuliche Frauenzimmer – die Schramme unter dem Auge – sie verstand es, kein Andenken an solch ein Heim! Außergewöhnlich war es aber doch. Ein wenig unheimlich. Vielleicht würden sie nach Paris fahren, vielleicht nach Indien, oder auch nach Neuyork? Morgen schon!!

Man hörte aus der Nachbarvilla einen Walzer, den Liebeswalzer aus der Modeoperette des »Gaiety« herübertönen. Cora ging der Text des Walzers durch den Kopf.

Wie ihr wohl die Kleider der Frau stehen werden! Aber bald sollte sie ja ganz neue haben! Heimlich sang Cora die ganze Strophe des Walzerliedes mit. Als das Klavier schwieg, schreckte sie zusammen, besann sich, daß sie ja antworten müßte, sagte überstürzt: »Ja.«

Garrat kam zu ihr, drückte ihren Kopf an seine Brust, küßte sie lange und inbrünstig. –

Als am nächsten Morgen die beiden Schläge des Briefträgers unten an der Flurtür ertönten, stand Garrat auf, ging im Pyjama hinunter und brachte einen Brief ins Schlafzimmer mit.

Cora lag im Bette, den nackten Arm über die Augen gelegt.

Garrat stand beim Fenster, er hatte den Umschlag vom Brief gerissen und raschelte mit dem Blatt. Cora hörte ihn halblaut Worte vor sich hinmurmeln.

»Von Deiner Frau?«

59 »Von ihr. Höre, es ist besser, Du kümmerst dich eine Weile nicht um meine Angelegenheiten. Du hättest das schon früher tun sollen. Du weißt ja, es nützt nichts, ich gehe doch meine Wege. Ich habe es hier gut, bleibe noch einige Zeit. Wir fahren die Küste entlang im Automobil . . . lustige Gesellschaft . . . ich hoffe, Dir geht es ebenfalls gut . . . Grüße . . . Belle . . .«

Garrat zerriß das Blatt in winzige Fetzen.

Cora hatte sich auf den Arm gestützt. »O warum – ich hätte den Brief gern gelesen!« Sie streckte die Hand aus. Aber Garrat hatte die Fetzen schon in der Handfläche geballt, ging mit ihnen in den Flur hinaus und sie hörte ihn eine Tür öffnen.

Als er zurückkam, schien er wieder ganz ruhig. Er rieb sich die Hände, streifte sie an seinem Pyjama ab.

»Nun bin ich fertig mit alledem,« sagte er. »Und jetzt wollen wir nie, nie wieder von dieser Frau sprechen.«

»Aber ich hätte doch gerne gelesen . . .« sagte Cora. »Warum hast du den Brief gleich zerrissen?«

Garrat ging zu ihr, setzte sich an ihr Bett.

Sie schlang ihre Arme um seinen Hals, küßte ihn auf die kleine, schon vernarbte Wunde unter dem Auge.

Garrat sprach:

»Wir werden heute Abend das Haus verlassen. Telephoniert jemand – und das werden sie vom Bureau aus sicherlich tun – so antworten wir nicht. Kommt jemand, so öffnen wir ihm nicht die Tür. Ich habe es mir überlegt. Es hat ein Ende. Und von jetzt ab sprechen wir nur mehr von den kommenden Zeiten.«

Cora sprang auf und sie gingen zusammen zum Schrank, in dem Belles Kleider hingen.

Belle hatte ihre Schlüssel zu Hause gelassen. Ja, selbst der Schlüssel zu ihrer kleinen eisernen Schmuckkassette war dageblieben.

60 In einer Schale auf dem Nachttischchen lag der falsche Schmuck Coras; Ringe, Armband, Halskette, eine Haarspange aus Straßsteinen.

Garrat öffnete die Kassette und Cora griff nach einer großen Brosche, die eine Spinne aus Diamanten und Rubinen inmitten eines Netzes aus Filigrangold vorstellte. Wie sonderbar, warum hatte die Frau ihre Schmucksachen nicht mitgenommen? Sie lief im Hemd mit der Brosche zum Spiegel, steckte die Brosche an und besah sich entzückt. Den ganzen Vormittag schwärmte sie Garrat von diesem einzigen herrlichen Schmuckstück vor.

Schließlich stellte sie es Garrat anheim, ihr das Schmuckstück zu schenken, oder auf sie als Reisegefährtin zu verzichten! Denn er hatte ihr gleich von vornherein erklärt, Belle müsse bei ihrer Rückkehr alles so vorfinden, wie sie es verlassen hatte. Nur das Kleid, das Cora bei der Flucht anziehen sollte, durfte fehlen.

Doch gelang es Cora, Garrat zu überreden. Den ganzen Tag ging sie glückselig mit dem ersten echten Schmuckstück, noch dazu einem solchen Prunkstück, im Hause von Zimmer zu Zimmer und betrachtete sich in allen Spiegeln.

Sie hatten sich doch noch für die Mitnahme eines Handköfferchens entschieden. Garrat wählte sorgfältig das Nötigste für Cora und sich aus, packte alles in den Koffer und schloß diesen, als Cora für einen Augenblick das Zimmer verlassen hatte, ab.

Das Telephon hatte unten im Laufe des Vormittags zweimal geklingelt, aber der Verabredung gemäß wurde der Hörer nicht abgenommen. Auch an der Haustür wurde geläutet, aber die Tür wurde nicht aufgetan.

Vor dem Dunkelwerden setzte sich Garrat an den Schreibtisch und schrieb auf einen Zettel die Worte:

»Forsche mir nicht nach. Wir sehen uns nicht wieder. Du findest bei Deiner Rückkehr Dein und mein Eigentum 61 unversehrt wieder. Alles gehört Dir. Daß ich fortging ist Deine Schuld. Ziehe Dein Gewissen zu Rate. Es wird mir recht geben.

Walter.«

Garrat gab diesen Zettel Cora zu lesen. Dann legte er ihn auf den Eßtisch und beschwerte ihn mit dem Schlüsselbunde.

Als es dunkel wurde, verließ Garrat mit Cora das Haus. Sie gingen durch den Garten und Garrat grüßte über das niedere Gitter zu den Nachbarn hinüber, die in ihrem Gärtchen spazierten. Die Nachbarn nickten herüber, auch Cora zu, die im Reisemantel, mit einem breitkrempigen Filzhut und Reiseschleier vor dem Gesicht, Garrat zur Gittertür folgte.

Auf Garrats Pfiff durch die kleine Cabpfeife kam von der Caledonian Road ein Wagen herbei.

Das Paar setzte sich in den Wagen, das Köfferchen lag vor ihren Füßen.

»Sie haben sich ja wieder versöhnt!« lachten die Nachbarn, als das Gefährt vorübergerollt war.

»Ich wüßte, was ich täte, wäre ich mit einer Frau verheiratet wie diese!« sagte Mrs. Palmer zu ihrem Mann, dem Prokuristen der Kohlengroßhandlung Bornbury and Co., »ich ginge nicht auf Vergnügungsreisen mit ihr!«

»Sie ist noch ganz jugendlich,« sagte Herr Palmer. »Man sieht ihr ihre Vergangenheit gar nicht an. Ihr Alter, ihren Lebenswandel!«

*

 << Kapitel 2  Kapitel 4 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.