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Adela Bourkes Begegnung

Arthur Holitscher: Adela Bourkes Begegnung - Kapitel 14
Quellenangabe
typefiction
booktitleAdela Bourkes Begegnung
authorArthur Holitscher
year1920
firstpub1920
publisherS. Fischer Verlag
addressBerlin
titleAdela Bourkes Begegnung
pages408
created20110730
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die Hauptverhandlung gegen Garrat und Cora Stratton wurde durch die Vernehmung des Stallburschen Bingham empfindlich verzögert. Bingham war aus Baden-Baden 373 zurückgerufen worden und stand nun an der Seite des Dienstmädchens Powells vor Gericht, um über die Stiefel auszusagen, die das Mädchen ihm aus Garrats Schrank zugeschanzt hatte. Daß es nicht mit einem Paar allein sein Bewenden hatte, sondern daß auch der Kleider- und Wäscheschrank Garrats von Frances gebrandschatzt worden war, kam nach den ersten einleitenden Fragen des Verteidigers zur Sprache. Der Verteidiger Parker hatte sich überhaupt dieser Chance in ausgiebiger Weise bemächtigt. Er versuchte mit allen Mitteln den Eindruck, den manches Günstige in der Aussage vorangegangener Zeugen für Garrat ergeben hatte, noch zu verstärken durch die neuen Momente, die das Auftreten des Burschen zutage förderten. Denn wenn auch das Gift, das in Belles Körper gefunden worden war, unstreitig auf Garrats Laboratorium hinwies und die mit Vorsicht in Szene gesetzte Flucht Garrats seine Täterschaft zu bekräftigen schien, so war es noch immer nicht aufgeklärt, wem Belle denn eigentlich in dem verlassenen Hause zu begegnen gehofft hatte. Und – falls Garrat wirklich der Täter war – wie er und wann er sich in das Haus Eintritt verschafft haben mochte? Vor dem Stelldichein Belles mit dem Unbekannten oder nachher? Und ob ihm der Mensch, der vor ihm dagewesen war oder nach ihm kommen sollte, bekannt war oder nicht? Nach Watertons Aussage hatte sich die Spur vollkommen verwischt und war vage geworden, wie jene andern Spuren im Kies um das Haus, neben und unter den deutlichen Abdrücken von Garrats Stiefeln.

Parker suchte durch eine Reihe geschickt gestellter Fragen den Burschen und das Mädchen in Verwirrung zu versetzen. Er hatte es herausbekommen, daß das Mädchen auf den Burschen, einen hübschen, zierlichen Menschen von fünfundzwanzig Jahren, eifersüchtig war, und zwar aus guten Gründen. Frances erzählte dem Gericht und den Geschworenen 374 ausführlich, wie eines Tages, als sie gerade eine ihr von Belle für Fred geschenkte Weste enger zusammengenäht hatte, um sie ihm anzupassen, Belle in der Mägdekammer erschienen war und sich auf dem Tische sitzend mit den beiden unterhalten hatte. Das pflegte »die Missis«, wie Frances erklärte, überhaupt des öftern zu tun. Plötzlich war sie, ohne anzuklopfen, da und kramte Intimitäten aus, wollte Intimitäten hören. Sie hatte niemand, mit dem sie sprechen konnte, wie ihr's ums Herz war, sagte Frances, und sie beklagte sich bei dem Dienstmädchen bitter darüber. Garrat pflegte ihr mit wütendem Gesicht gegenüberzusitzen, er sah sie überhaupt nur an, um ihr grimmig ins Gesicht zu fauchen, und hörte ihr nur zu, um böse und giftig zu antworten. Sie beklagte sich bei Frances über Vernachlässigung und darüber, daß sie auf Garrats Wunsch ihrer Laufbahn entsagt hatte, vergoß sie noch bis in die letzte Zeit ungekünstelte Tränen.

Parker suchte aus dem Stallburschen herauszulocken, ob er etwa bei einem Besuch des Mädchens Belle allein im Flur oder in der Gesindestube gesprochen habe. Frances gab an, Belle habe sie einmal, absichtlich, wie sie meinte, fortgeschickt, obzwar ihr bekannt gewesen sei, daß Bingham an diesem Tage kommen wollte, um Frances abzuholen. Der Staatsanwalt griff ein, und Frances hatte ein Kreuzverhör zu bestehen. Denn es hatte den Anschein, als wolle sie, aus Rachegier gegen die Tote wie auch gegen Bingham, eine Geschichte erfinden, von einem andern Burschen, der zu ihr ins Haus gekommen sei und von dessen Existenz sie und Belle, Bingham aber keine Kenntnis gehabt habe. Damit war die Möglichkeit gegeben, daß Schuhe und Kleidungsstücke Garrats einen Weg genommen hatten, dessen Spur die Verteidigung emsig zu verfolgen suchen mußte.

Das Verhör ergab, daß Frances und der Stallbursche sich ungefähr um die Zeit, da der Mord sich ereignet haben mochte, entzweit hatten. Diese Tatsache kam erst jetzt 375 nach dem Erscheinen Binghams vor dem Gerichtshof zur Kenntnis der Öffentlichkeit.

Coras alte Mutter mußte aussagen, wie sich ihre Tochter über Belles Benehmen während dieser Zeit geäußert habe. Ob Belle, seit sie von Garrats Neigung zu Cora wußte, diese bei ihren Besuchen in dem Bureau am Kingsway brüskiert habe, oder ob ihr Benehmen unverändert geblieben sei. Frau Stratton glaubte sich zu erinnern, daß Cora ihr einmal, es mochte einen Monat vor der Flucht gewesen sein, berichtet habe, Belle Garrat sei in das Bureau gekommen, und die Mädchen hätten nachher ihre Bemerkungen darüber gemacht, daß Belle ja ganz verjüngt aussehe, daß sie auffallend heiter und »fast siegesbewußt« aufgetreten sei, als wolle sie die Mädchen wissen lassen, daß sie über ihren Gatten jetzt einen Triumph gefeiert habe, »daß sie diesmal quitt seien!«

Wieder mußten die Mädchen March und Milligan vortreten. Sie berichteten aus ihrer Aufregung und unzuverlässigen Erinnerung wirre und krause Dinge, die Parker mit den immer sicherer lautenden Aussagen des Stallburschen und den Andeutungen Frances' über einen Dritten in Zusammenhang zu bringen trachtete.

Frances' Bekenntnisse machten die Vernehmung von Kollegen Binghams aus den Ställen in Newmarket sowie der Familie des Dienstmädchens, Gärtnersleuten aus dem Vorort Homerton, notwendig.

Der Verteidiger stellte schließlich den Antrag auf Verhaftung des Paares Frances und Bingham, das sich durch die Verworrenheit seiner Aussagen des Meineids und der Mitwisserschaft hinlänglich verdächtig gemacht hatte. Die Verhandlungen, die so gut wie abgeschlossen schienen, wurden aufs neue vertagt. Und der Gefangene in seiner Zelle sah die Stunde, da er vor seinen Richtern erscheinen sollte, über Tage und Nächte weg in die Ferne entweichen.

*

376 Der Aufforderung Parkers war nicht stattgegeben worden; weder Frances Powells noch der Stallbursche wurden verhaftet. Das Vorverfahren nahte seinem Abschluß, und es war noch immer nicht erwiesen, wen Belle in der verlassenen Villa erwartet hatte.

Daß sie jemand erwartet hatte, daß jemand bei ihr gewesen, erhellte ja an dem Zustande, in dem die Leiche vorgefunden worden war. Daß des weiteren der Mord mit Vorbedacht ausgeführt sein mußte; bewies der in Chloroform getauchte Wattebausch, die Giftinjektion, die zudem darauf hinwies, daß nur ein ärztlich geschulter Mann als Täter in Frage kam. Hierdurch fiel der Verdacht gegen Fred Bingham in sich zusammen, wie auch die Märchen des Mädchens Powells von einem Dritten, die sie dem Gericht vorgegaukelt hatte. Einige Tage lang stagnierte die Verhandlung in dieser Ungeklärtheit. Derweil füllten sich die Spalten der Londoner Tagespresse mit zahllosen Zuschriften, in denen naive und spekulative Köpfe aus den breiten Massen des Publikums, aber auch gediegene Kriminalisten, Psychologen, Romanschriftsteller von Ruf, Irrenärzte und Detektivs in heftiger Polemik gegeneinander all die Möglichkeiten erörterten, die der ungeklärte Fall offen ließ.

Über die Frage, wieweit Belle durch ihre Verbindung mit einem neuen Liebhaber nach Watertons Abfall Garrat zur Verzweiflung reizen und aufs tiefste zu demütigen gedachte, indem sie ihn sogar Ort und Stunde des Stelldicheins wissen ließ; über die auffallend deutlichen Spuren von Belles und Garrats Stiefelabdrücken im Kies; die verwischten Spuren andrer Schritte; die ganz frischen Schrittspuren der Besucher, die mit dem Häuseragenten die Villa besichtigt hatten; über die Frage: wieweit diese letzteren die Abdrücke von Belles, Garrats und möglicherweise noch andern Schritten im Sand verwischt hatten; über das Verhältnis von Dienstboten zu ihren Arbeitgebern in London; über 377 die Beaufsichtigung leerstehender Häuser in den Vororten; über zahllose andre Fragen ähnlicher Art entwickelten sich Erörterungen in der Presse, und die Erregung, die diese Erörterungen im britischen Publikum hervorriefen, blieb nicht ohne Einfluß auf die Stimmung der Geschworenen. Der Vorsitzende Wills, Sproß einer alten Quäkerfamilie, gab seinem Überdruß unverhohlen Ausdruck, und die Zeitungen schnitten schließlich selbst den Strom der Zuschriften mit der Erklärung ab, diese Angelegenheit habe nunmehr genügende Mengen Gift in die Volksseele gepumpt, jetzt sei es an den Gerichten, die Sache radikal zu beenden. Ganz allgemein war man indes der Ansicht, das Mißbehagen dürfe die Rechtsprechung auf keinen Fall beeinflussen, und es ereignete sich der in der Geschichte der Rechtspflege Englands unerhörte Fall, daß der Vorsitzende Sir Millbanks in öffentlicher Sitzung die private Meinungsäußerung des Obmanns Wills einer Kritik unterwarf.

Mr. Parker de Vries ließ die Gelegenheit, Sir Millbanks Kritik zu unterstreichen, unbenutzt vorübergehen. Diese kluge Zurückhaltung befestigte den Ruf des Verteidigers und erhöhte ganz zweifellos die Chancen des Angeklagten am Tage vor der Beendigung des Beweisverfahrens.

Die Vorverhandlungen hatten nicht das gewünschte Ergebnis gezeitigt. Es sprachen zugunsten des Angeklagten so viele Momente wie gegen ihn. Die Spannung wuchs daher im Hinblick auf die Hauptverhandlungen ins Ungeheure. Dies war auch die Ursache dafür, daß man, um die ganze Sache möglichst rasch aus der Welt zu schaffen, zwischen die Vorverhandlung und die Hauptverhandlung eine ungewohnt kurze Spanne Zeit setzte – eine Woche im ganzen.

*

Am Abend des 17. Oktober kam Mr. Parker zu Garrat in die Zelle, um ihm von der Schlußsitzung in Bowstreet 378 Kenntnis zu geben. Die letzten Zeugen waren vernommen. Der Gerichtsarzt Hale hatte über alle wesentlichen Punkte, die die Untersuchung der Leiche betrafen, nochmals umfassenden Bericht erstattet. Als nach anderthalbstündiger Beratung die Geschworenen wieder im Saal erschienen waren, hatte Obmann Wills auf Befragen des Kronbeamten für die Totenschau: ob die Jury Einigkeit in bezug auf ihren Wahrspruch erzielt habe, mit: »Ja!« geantwortet.

Der Wahrspruch lautete auf gemeinen Mord, begangen durch eine unbekannte Person, unter Zuhilfenahme von Gift und nach vorangegangener Betäubung des Opfers.

Schließlich hatte der Kronbeamte Geschworenen und Zeugen seinen Dank für ihre Tätigkeit ausgesprochen, und die Hauptverhandlungen waren auf den 24. angesetzt worden.

Die einzige Frage, die Garrat an Mr. Parker stellte, war diese: »wie es um Cora stehe?«

Parker antwortete darauf, daß das Verfahren gegen sie wahrscheinlich nur pro forma geführt und sie sicherlich freigesprochen werden würde.

Als Garrat hierauf schweigend und mit gefalteten Händen in seiner Ecke verweilte, hielt es Parker für nötig, seinem Erstaunen darüber Ausdruck zu verleihen, daß Garrat so geringe Befriedigung über den Verlauf seiner Sache an den Tage lege! Die Sache stand ja über Erwarten gut!

Garrat sprach: »War es nötig, so viele Menschen heranzuziehen? So viele Menschen mußten verdächtigt werden, Stallburschen, alle die andern, ein Berg von Schmutz noch auf die Leiche! Wie fassen Sie denn das Recht auf? Wo ist das Recht der Lebenden und der Toten? Daß Sie, um einen Angeklagten reinzuwaschen, so viele Unbeteiligte schwärzen müssen!«

Garrat verschwieg es, daß er, zur Zeit des Verhörs von Frances und dem Stallburschen, das lebhafte Bedürfnis 379 gehabt hatte, sich zu melden, um gegen die Gepflogenheiten der Gerichtsbarkeit schon in den Vorverhandlungen persönlich zu erscheinen und auszusagen.

Als Mr. Parker verwirrt und verstimmt von dannen gegangen war, überwältigte Garrat plötzlich die Erkenntnis von dem Übermaß an Unrecht, das Cora geschehen war.

Er ging wild und mit mühsam zurückgehaltenem Schluchzen in seiner Zelle auf und nieder. Gewiß lag sie drüben in ihrer Zelle und weinte. Er erinnerte sich auch, daß er sie einmal, auf der »Inverneß«, geschlagen hatte! Diese Erinnerung überfiel ihn mit derartiger Gewalt, daß in ihm wieder der Drang wach wurde: aufzuspringen, an die Tür zu schlagen, den Gouverneur, den Arzt hereinrufen zu lassen, um rasch auszusagen, ein Ende zu machen! Niemand mehr in den Verdacht einbeziehen. Coras Nächte und Weinen und Angst abkürzen! Schon stand er auf dem Sprung, es zu tun – war schon bei der Türe, da wurde es ihm mit einem Schlage gegenwärtig: daß die Entscheidung ja nicht bei ihm liege!

Ja oder nein war nicht mehr seinem Willen allein untertan. Etwas hielt ihn zurück vor dem letzten, notwendigen Schritt. War's eine Schwäche, so war's doch nicht das Festhalten an dem Leben. Er hatte Ähnliches schon durchgemacht, in jener letzten Nacht auf der »Inverneß«, von der in seinen Taschen die Fetzen jenes Abschiedsbriefes übriggeblieben waren. Jetzt nahte das Ende, und was damals vielleicht freier Entschluß gewesen, war jetzt dem Nachgeben unter einem Druck vergleichbar. Immerhin – ein Ende machen wäre gut. Vielleicht hielt ihn die Scham zurück vor dem Letzten? Es hätte den Anschein haben können, als wolle er Hochherzigkeit betätigen! Er fühlte, das Letzte hatte sich an ihm noch nicht erfüllt, noch war er und durfte er nicht Herr seiner Handlungen sein. Er mußte vor seine Richter. Er mußte ja vor alle hintreten – aber auf dem ersten wie auf 380 dem letzten Blatt seiner Rede da auf dem Tische seiner Zelle stand das Wort: »Nicht schuldig!« Daß seine Zeit noch nicht erfüllt war, lag im Inhalt dieser Worte beschlossen. Vor alle hinzutreten, im Bewußtsein, dieses schwere Wort aus seiner Verteidigung nicht gestrichen zu haben, war noch nicht Erfüllung und nicht Ende!

Garrat schloß die Augen, während draußen die Luke aufgeschoben wurde, das Augenpaar erschien, verschwand, die Luke wieder zugestoßen wurde. Es war die Zeit noch nicht da, der Zwang griff nicht aus dem Innern. Nichtschuldig – nicht aus eignem Antrieb schuldig und daher ohne Schuld: der eigne Wille nicht befugt und berechtigt, über das eigne Schicksal zu entscheiden . . .

Log, o Gott, log nicht alles: das Recht, die Wissenschaft, das Gefühl? War die Gerichtsverhandlung nicht eine einzige fortgesetzte Handlung von Lügen?

Er bedachte, ob er die Verteidigungsrede nicht vernichten solle? Nicht von sich werfen den ganzen Wust des aus den eignen Gedanken Erwachsnen, da der Wille zum Handeln ja so schwer und hinfällig war! Hatte Wollen und Handeln denn überhaupt Zweck? Das eigne Leben, darum es ging, retten und halten zu wollen? Die Menschen waren nicht schuldig; dies war sicher; es lag außerhalb des eignen Willens, woran die Menschen schuldig wurden. Keiner war fähig, sich dem Willen, der ihn lenkte, zu entziehen.

Sollte er nun vor den Gouverneur treten und zu ihm sprechen: dies und das tat ich, will büßen, bin unschuldig, aber ein Ende muß gemacht werden. Oder sollte er diese Woche verstreichen lassen und erst dann vor seinen Richtern heraussagen, was er jetzt dem Gouverneur sagen könnte: dies von schuldig und nichtschuldig sein, vom Willen, ein Ende zu machen, vom Willen, Schuldlosere als er es war zu retten, ihre Qualen aus eignem Antrieb abzukürzen?

381 Oder sollte er vielleicht nur auf die Fragen, die ihm vor Gericht gestellt werden würden, ruhig und klar Antwort geben, schlicht und wie ein Kind, das im Dunkeln ein kostbares Gefäß zerschlagen hat? Sollte er stumm bleiben vor Gericht, oder wie jetzt eben vor Parker von andern Dingen sprechen am Ende, als denen, über die man ihn befragen wird? Sollte er . . .

Plötzlich wußte er nichts mehr von Zukunft und Gegenwart. Sein war keine Sicherheit für Stunde und Ewigkeit. Er lauschte hinaus: ob jemand komme und wußte doch nicht: wer kommen sollte? Er lauschte hinaus und fühlte sein Herz in der Brust mit so befremdlichem Schlage pochen, als wäre es gar nicht seins, das seinen Körper bewegte, seine Gedanken speiste, sondern etwas Fremdes, das seinem Willen einen unverstandenen Befehl aufzwang.

Als Macreary an einem der nächsten Tage mit der Aufsichtskommission in Garrats Zelle trat, war er durch Parker bereits unterrichtet. Er setzte sich zu Garrat und frug ihn vorsichtig, ob er einer Dienstleistung bedürfe? Ob seine Gesundheit durch den Wettersturz beeinträchtigt worden sei? Denn Garrats Gesicht war von einer hektisch rötlichen Farbe überzogen, die mit den von Schlaflosigkeit zeugenden gelb und braunen Tönen der Augenhöhlen den Eindruck von Krankheit hervorrief.

Der Gefangene gab Auskunft, und seinen Worten war es anzumerken, daß er mit Aufgebot all seiner Energie Ruhe und Gelassenheit vorzuspiegeln bemüht war. Aber sein Atem flog, er beruhigte ihn nur, indem er zuweilen mit Absicht tief atmete. Dann verstärkte sich die Röte in seinem Gesicht, und er mußte jählings den Mund weit aufreißen, um das gepreßte Blut, das sich in den Adern staute, zu beschwichtigen. Macreary fand, daß, was Garrat sagte, den Eindruck großer Zuversicht, innerer Klarheit und unbeirrter Sicherheit hervorrief. Er sprach vom Prozeß fast wie von 382 einer ihn nur entfernt angehenden Angelegenheit. Dies tat er nicht wie einer, der den Dingen gleichgültig zusieht, aber auch nicht wie einer, den die äußeren Umstände allzu heftig berühren. Er kam des öfteren auf seine Aufzeichnungen zurück, die er in den letzten Tagen ergänzt hatte, weil es ihm aufgefallen war, wie sehr die Rechtsprechung noch im argen lag, da sie sich bloß mit Schuld und Nichtschuld, handgreiflichen und augenfälligen Beweisen und Vermutungen abgab und auch der ganze Apparat der Gerichtstechnik, der da aufgeboten war, um ihn seiner Schuld zu überführen. Chemie, Bertillonsystem, drahtlose Telegraphie und alles andre erschien ihm nur als Beweis dafür, daß das Recht die Menschen verlassen hatte und in die Mechanik hinüber geraten war.

All diesem setzte er ein mehr und mehr verinnerlichtes Geständnis seiner Empfindungen und Reflexionen entgegen. Auch darin, was er Macreary sagte, war er ängstlicher um die Darstellung seiner eigenen Gewissensnöte bemüht, als um ein Abwägen der äußeren Umstände und Chancen für sein späteres Verhalten vor dem Richter. Er teilte Macreary mit, welch eigentümliche Vorstellung Besitz von ihm genommen habe.

»Ich glaube bemerkt zu haben, Garrat, daß Sie den Arzt benötigen«, sagte Macreary.

»Es ist nicht der Arzt, den ich benötige, Macreary, aber auch nicht der Seelsorger, den man mir immer wieder in die Zelle schickt. Ich hoffe morgen der Sonntagsandacht in der Kapelle beiwohnen zu können, aber ich erwarte von ihr keine Gesundung oder Erleichterung in dem Sinne, wie Sie es meinen. Sie erklärten, daß Sie meinen Zustand als in der Mitte zwischen körperlicher und seelischer Krankheit stehend erkannt haben. In Wirklichkeit verhält es sich so mit mir, daß mein Herz im Leibe mich befremdet. Oft ist es mir, als sitze es nicht mehr hier« – 383 er griff sich an die Stelle, wo das Herz des Menschen schlägt – »sondern . . .« er tastete mit seinen Händen erst an seiner Brust, dann an seinem Halse und dann streckten sich seine Hände geradeaus in die Luft, als wolle er andeuten, daß sein Herz außerhalb seines Körpers seinen Platz habe, irgendwo in der Atmosphäre, an einem ihm unbekannten Ort.

Macreary frug: »Sie hören den Schlag zuweilen nicht? Es hört zuweilen auf, zu schlagen?«

»Doch, ich höre es, aber es ist, als ob es gar nicht mein Herz sei, das da in mir pocht. Es ist vielleicht darum, weil ich mich in letzter Zeit oft und gegen meinen Willen fast ablenken lasse von meinem täglichen Leben, ich meine: von dem Leben, das ich jetzt führe. Erst gestern nacht ist wieder etwas aus meiner früheren Zeit, vor meiner Ehe, so gewaltig in mein Bewußtsein geraten, daß ich mich diesem Eindruck kaum entziehen kann! Es gibt solche Zustände, nicht wahr, Macreary? Versäumte Gelegenheiten, Stunden, Erkenntnisse. Der Sinn geht einem erst nach Jahren auf – aber es war ja schon einen Augenblick nach dem Erlebnis zu spät!«

»Worauf spielen Sie an?« frug Macreary. »Vielleicht kann ich Ihnen behilflich sein. Wir kannten uns ja lang genug, vor Ihrer Ehe . . .«

»Es handelt sich vielleicht nur um etwas Geringfügiges, eine Episode nur,« sagte Garrat. »Aber gerade das ist ja das Beklemmende, daß dieses Geringfügige jetzt so sehr an Bedeutung gewinnt, daß die Wirklichkeit von ihm ganz zurückgedrängt wird und an Bedeutung verliert.«

»Eine Liebesgeschichte?«

»Man könnte es so nennen,« sagte Garrat. »Ich muß von Tag zu Tag tiefer daran denken. Der Gedanke gewinnt immer stärkere Gewalt über mich. Ich weiß nicht, ob wir uns zu jener Zeit kannten, als sich jene Episode 384 ereignete, Macreary. Auf keinen Fall hatten Sie Kenntnis . . . es geschah nichts Einschneidendes in meinem Leben – Außenstehende merkten nicht viel davon. Ja, es war vielleicht nicht viel mehr als ein Flirt, nichts Tieferes.«

Macreary saß einige Minuten noch bei Garrat, ohne zu sprechen. An diese Sache wollte er nicht weiter rühren. Er fühlte Mitleid mit dem Gefangenen. In den Nachmittagsstunden meldete sich erst der Gefängnisarzt in Garrats Zelle, dann der Seelsorger. Auch der Gouverneur trat auf seiner Runde bei Garrat ein. Die Frage, ob er ihm irgendwie beistehen könne, verneinte der Gefangene mit ernster Ehrerbietung.

*

Adela hielt Sheila in ihrem Bette an die Brust gepreßt. Sie sprach ihr das alte Gebet vor, das sie zu Hause als Kind gelernt hatte. In dem Gebet kam die Zeile vor:

»Gib . . . daß ich die Tage, die Du mir beschert hast, gut und fromm lebe,
und verlasse mich nicht, wenn ich am Abend von Vater und Mutter gehen muß . . .«

Sheila drängte sich an die Mutter und vergrub ihr heißes Kindergesicht an Adelas Brust.

»Was ist dir, Baby? Was hast du?«

Aber Sheila antwortete nicht, sondern drängte immer heftiger gegen den Körper der Mutter an. Der Druck von Adelas Händen um den Rücken und Kopf des Kindes wurde stärker und stärker. Es schmerzte sie beide, so stark drückten sie sich aneinander. Als Adelas Hände Sheila losließen, flog Adelas Herz wie ein Schiff im Sturm. Sie hielt mit Mühe an sich, um nicht heraus zu schluchzen, in einem Schluchzen alles jäh aus sich herauszuschleudern, was in ihrem Inneren an Angst und Ahnung bebte.

Sie lag die ganze Nacht wach. Nächsten Morgen sollte 385 die Hauptverhandlung gegen Garrat beginnen. Was dann, wenn er nicht gestand? Sie kannte aus den Zeitungen den ganzen ans Mittelalter gemahnenden Prunk der Prozeßeröffnung vor dem Obersten Richter. Seit Tagen waren die Zeitungen angefüllt mit allen Einzelheiten des traditionellen Zeremoniells, das auch bei diesem großen Prozeß beobachtet werden sollte.

Aber was dann, wenn der Angeklagte leugnete? Was dann . . .?

Und doch: daß er unschuldig war, daß er gar nicht gestehen konnte – das war ihr offenbar. Sonderbarerweise fand sie für Garrats Unschuld kein andres Argument, als eine Anklage gegen sich selbst.

Sie selbst war schuldig – das wußte sie sicher. Hatte sie etwa nicht ihrem eignen Mann den Tod gewünscht? Sie erinnerte sich jener Zeichnung, die sie vor Monaten auf ein Blatt Papier geworfen hatte, an die Silhouette des Krans im Fabrikhof. An der obersten Spitze die Gestalt, die stürzte. Das war mehr als ein Wunsch, tiefer als Hoffnung. Es war so gut wie die Tat selbst. Sie hoffte zu Gott, Garrat möchte morgen, ehe die Zeremonien noch ihren Anfang nahmen, gestehen – das eine Wort aussprechen, das ihm vor Gott zu sprechen übrig blieb. Aber trotzdem wußte sie, daß es nicht die Wahrheit in sich bergen konnte. Daß das Wort: »Nichtschuldig« auf den Blättern in seiner Zelle die gültige Wahrheit enthielt.

Und dennoch war das Eine notwendig, das dem Gefangenen allein zu tun übrig blieb.

Es wird und darf nicht erspart bleiben! Diese Worte hatte sie sich so oft vorgesprochen, ohne mit ihnen eine bestimmte Vorstellung zu verknüpfen. Diese Worte des Verhängnisses klangen in ihren Ohren wieder und begleiteten sie durch ihre Tage und Nächte.

Im Nebenzimmer schrie eines der Kinder im Schlafe. 386 Es war die kleine Sophie. Sie hatte diese Gewohnheit. Seit Tagen und Wochen lauschte Adela Nächte durch auf diese jämmerlichen Laute, die wie aus Angst vor Unbegreiflichem, wie aus Qualen, die der traumbefangene Mensch allein kennt und erduldet, emportönten. Auch diese letzte Nacht war von den Schreien des Kindes, wie von unregelmäßig erschallenden Rufen vorübereilender Züge oder Schiffe oder auch vom Geläute irrsinniger Glocken zerteilt und zerbrochen. Von einem zum andern Male schleppte sich Adelas Seele durch die Nacht, jede Nacht vorwärts und der Weg, den sie zum Morgen nahm, war gezeichnet von einer tiefen dunkelroten Spur wie von vergossenem Herzblut.

*

Um 9 Uhr früh war der Lord-Mayor Londons und der Erste Sheriff der Stadt in Old Bailey zugegen, um den Lordoberrichter zu empfangen. Dieser, der Ehrwürdige Lord Harvey Sackville nahm um halb zehn Uhr früh, vom Lord-Mayor, zwei Untersheriffs, zwei Stadtverordneten und verschiedenen Beamten minderen Grades geleitet, seinen Platz auf der Estrade des großen Saales des Zentral-Kriminalgerichts ein. Ihm zur Seite erschien der Oberste Ankläger mit der ausgefertigten Anklageschrift, der Kronrichter für die Totenbeschau, die Staatsanwälte, die Verteidiger für Garrat und für Cora. In ihrem abgetrennten Raum die Geschworenen unter Führung ihres Obmanns.

Als all diese Funktionäre Platz genommen hatten, trat einen Augenblick lang Stille ein. Die Reihen der Zuschauer waren dicht gefüllt, doch nicht überfüllt. Man hatte Sorge getragen, daß Leute, die die bare Schaulust hertrieb, in diesem Prozeß nicht auf ihre Kosten kommen sollten. Im Zuschauerraum überwogen die Juristen, 387 Kriminalisten, in- und ausländische Vertreter des Polizeidienstes, Presseleute, Zeichner. Auch war mancher charakteristische Kopf zugegen, die Zeichner erkannten berühmte Schauspieler, Romandichter. Eine Anzahl Frauen, zumeist Angehörige der Zeugen und Kolleginnen Belle Garrats waren in der Zuhörerschaft bemerkbar.

Unten die Straßen um Old Bailey herum waren seit dem frühen Morgen von einer Menschenmenge belagert, die die enge Straße vor dem Gericht, aber auch die breiten Verkehrswege, die von Holborn und von Ludgate her zur St. Pauls-Kathedrale führen, für den Verkehr fast völlig sperrte.

Der oberste Beamte der Anklage erhob sich und verkündete, daß nunmehr die Angeklagten Dr. Walter Garrat und Cora Alix Stratton vorzuführen seien. Cora und Garrat betraten durch verschiedene Türen den abgetrennten Raum der Angeklagten, die Box.

Das waren also die beiden Menschen, deren Schicksal die Welt seit Monaten in Atem hielt. Natürlich wendeten sich zuerst alle Blicke dem Mädchen zu. Cora hatte ein dürftiges, dunkles Kleidchen an und saß wie ein abgerackertes Ladenmädchen mit mürrisch abweisendem Ausdruck auf ihrer Bank. Garrat hatte nach einer Verbeugung gegen das Gericht, die er mit gemessener Eleganz vollführte, wie ein Gentleman, der vor eine unbekannte Versammlung tritt, in die er eingeladen ist, sich niedergesetzt und die Augen geschlossen. In der Haltung, die er auf der Bank einnahm, drückte sich tiefe physische Erschöpfung aus. Er war sorgfältig gekleidet, glatt rasiert, man kannte seine Physiognomie aus den Zeitungen, aber da die Photographien zur Zeit seiner Flucht sein Gesicht mit lang heruntergezogenem hellblondem Schnurrbart wiedergegeben hatten, erkannte man ihn jetzt nach diesen Abbildungen nur schwer wieder. Die Röte, die in den letzten Tagen auf 388 seinem Gesicht gelagert hatte, war gewichen, das fahle Gesicht erschien verfallen. Seine Zähne bereiteten ihm Unbehagen, er kaute und verzog die Mundwinkel. Sein Rockkragen war auf der Seite ein wenig aufgestülpt, und diese Einzelheit wurde als Beweis für mangelnde Geistesgegenwart bemerkt. Er blickte einigemal scheu zu Cora hinüber, die aber kein einzigesmal diesen Blick erwiderte. Sein Blick verweilte sogar ziemlich lange auf Cora, als wollte er provozieren, daß sie zu ihm hinüberschaue. Aber Garrats Magnetismus, über den die Zeitungen zur Zeit, da das Paar auf der »Inverneß« bereits entdeckt war, so viel zu berichten wußten, wohnte den Blicken Garrats augenscheinlich nicht mehr inne: sie verrieten dieselbe Müdigkeit und Schwäche, die Garrats ganzem Wesen und Gehaben innewohnten. Er blickte, wie die Zeitungen berichteten, auf Cora, wie auf sein zweites Opfer, dessen Leben er ebenso vernichtet hatte, wie das des ersten. Es war ein Blick, der um Verzeihung bat, der leidenschaftslos und resigniert zugab, was verbrochen worden war und nie mehr gutgemacht werden konnte.

Aber Coras Augen mieden Garrat beharrlich. Garrat zog daher seinen Blick von ihr zurück und senkte ihn auf die Papiere, die er vor sich hielt.

Parker und Calthorpe waren mit ihren Akten beschäftigt, sie hatten sich nur flüchtig nach ihren Klienten umgesehn und harrten auf ihren Plätzen in geschäftiger Konzentration der Dinge, die sich ereignen sollten.

Der Ankläger stand auf und richtete an Garrat die Frage: ob er sich schuldig bekenne?

Garrat erhob sich und sprach mit ruhiger Stimme: »Nicht schuldig.«

Während er sich setzte, bemerkte er, daß sein Rockkragen sich auf der Seite in die Höhe gebogen hatte. Mit einer 389 Handbewegung glättete er ihn und brachte Rock und Weste in Ordnung.

Im Saale war kein Laut zu hören. Die Erschütterung, die manche in der Zuhörerschaft und unter den Funktionären sogar von der Antwort Garrats erwartet hatten, war ausgeblieben. Die Zeitungen hatten in den letzten Tagen Kunde von einer merkwürdigen Sinnesänderung oder Schwankung des Angeklagten gegeben. Von einer Einkehr, Vertiefung, religiösen Sammlung, die nicht verfehlt hatte, weite Kreise zu bewegen. Insgeheim hatten viele noch vor Augenblicken die Hoffnung gehegt, der Mann auf der Bank würde aufstehn und mit gesenktem Kopf leise ein Bekenntnis seiner Schuld ablegen. Aber das Wort: »Nicht schuldig«, das am Anfang und Ende seiner Verteidigungsschrift, dieser vielbesprochnen Schrift stand, war jetzt verhallt und das Verfahren nahm seinen Lauf.

Der Staatsanwalt begann mit seinen Ausführungen. Er gab eine genaue, knappe Darstellung des Sachverhaltes vom ersten zum letzten Augenblick. Der Umstand, daß die Zeugenaussagen nicht erweisen konnten, wen Belle Garrat an jenem Tage in der verlassenen Villa erwartet hatte, wich in der Rede des Staatsanwaltes vor dem evidenten Befund des Giftes zurück – das dasselbe war, wie in den Präparaten, durch die breite Massen des Volkes vergiftet worden waren. Die Übereinstimmung des Zeitpunkts, an dem der Mord und die Flucht stattgefunden hatte, hob die Schuld des Gatten über jeden Zweifel.

Im Namen der mißbrauchten Seele des britischen Volkes erhob der Staatsanwalt Klage und forderte Sühne. Dieser Mann, ein Arzt und gelehrter Doktor der Londoner Fakultät, hatte in seinem Giftmischerlaboratorium nicht allein das Blut Englands depraviert, sondern auch die Gemüter des Volkes. Er hatte seine Gattin getötet, ein junges, in seiner materiellen Existenz 390 von ihm abhängiges Mädchen aus den armen Klassen der Bevölkerung verführt und durch die Komödie, die er in seiner Zelle gespielt hatte, die Gutgläubigkeit der Millionen irregeleitet. Hatte man nicht noch bis in die letzten Augenblicke ein Geständnis von ihm erwartet? Die gleiche raffinierte Verbrecherschlauheit, die er in der Vorbereitung seiner Flucht bewiesen hatte, kennzeichnete sein Verhalten während der letzten Tage. Aber er wird seinem Schicksal nicht entgehen, wie sehr er auch durch heuchlerisches Vortäuschen von Gottesfurcht und Ergebenheit in das göttliche Walten wie in die Gebote der Kirche die Herzen der Massen zu gewinnen sucht. Der Ankläger appellierte an die Geschworenen, er führte ihnen die Verantwortung vor Augen, die in diesem Augenblick auf ihnen ruhte. Es war schwerstes Verbrechen zu sühnen, der Angeklagte hatte vom Menschenmord bis zum Seelenmord der Massen den ganzen Weg der Verbrechen durchlaufen, die ein sterblicher Mensch vor seinem ewigen Richter zu verantworten hatte.

Der Bericht des Kronrichters über den Leichenbefund nahm nur wenige Minuten in Anspruch. Er wiederholte die schon vor dem Bowstreet-Gericht abgegebenen Angaben. Damit war die Sache für den Staat beendet.

Es erhob sich nunmehr Mr. Parker und hielt eine anderthalb Stunden währende Rede. Er verweilte insbesondere bei jenem Punkte der Anklage, der besagte, Garrat habe in letzter Zeit durch sein heuchlerisches Verhalten in der Zelle die Sympathien, die sich im Volke für ihn in immer verstärktem Maße bemerkbar machten, zu erhöhen getrachtet. Es war klar: sie kamen aus der Einsicht des Unglücks, das ihn sein Leben lang verfolgt hatte. Er war, wie man aus der Aussage der Mutter Coras erfahren hatte, ein der Zärtlichkeit bedürftiger Mann, nicht der über Leichen schreitende Egoist und 391 kaltherzige Verbrecher, als den ihn der Staatsanwalt hinzustellen beliebte. Hatte er nicht für Mutter Stratton in ausgiebiger Weise gesorgt? Und auch sonst war er ja, wie man aus den Aussagen seiner ehemaligen Freunde und Berufsgenossen ersehen konnte, ein aufopferungsfreudiger Kamerad gewesen, ein uneigennütziger Berater der Armen und Kranken Londons. Die unglückliche Leidenschaft für Belle hatte ihn auf die Bahn geführt, die hier auf dieser Bank enden mußte. Diese Leidenschaft war es, die ihn seiner wohlerworbenen Rechte, den Leidenden zu helfen, beraubt, ihn aus der Gesellschaft verbannt und in die Einsamkeit verwiesen hatte. Die ihm die Flucht von den Menschen fort eingegeben und auferlegt, und als die Schande und Not aufs höchste gestiegen, über seinem Haupt zusammenzuschlagen drohte, an den Rand des Selbstmordes getrieben hatte.

Parker verweilte sodann bei der ungelösten Frage nach dem Manne, der Belle im Hause erwarten mochte. Es war nicht erwiesen, daß einzig und allein Garrat das Gift in Händen hatte, das als Todesursache galt. Die Zerstörungserscheinungen des Körpers ließen den Schluß zu, daß die chemische Zusammensetzung des Präparats eine wesentlich andre war, als die Evidenz sie zeigte. Daß der Zeitpunkt von Garrats Flucht mit der Verübung der Mordtat ungefähr übereinstimmte, sprach nicht im geringsten für seine Täterschaft. Die medizinische Wissenschaft war ganz gewiß nicht so weit vorgeschritten, daß die Vollbringung der Tat auf die Stunde genau festgestellt werden konnte. Andrerseits durfte wohl kein fühlender Mensch sich darüber wundern, daß ein gedemütigter und zur Verzweiflung gehetzter Mann in dem Augenblick, in dem seine Qual auf die Spitze getrieben ist und das Glück ihm die Liebe zu einem jungen lieblichen und ihm ergebnen Geschöpf gewährt, die ganze Vergangenheit 392 von sich wirft und, ohne zu bedenken, was die Welt von solch einem Schritt halten mag, in eine unsichere Zukunft blindlings vorwärtstreibt. Jeder von uns, sagte Mr. Parker, jeder von Ihnen, und er zeigte dabei auf die Geschwornen, muß das verstehn. Jeder von uns Menschen hat in seinem Leben oder dem seines Nächsten einen Augenblick beobachtet, in dem er es als Notwendigkeit eingesehen hat, daß ein Ende mit unhaltbaren, zerbrochenen Lebensumständen gemacht werden müsse. Versetzen Sie sich in die Lage dieses Mannes, der wie ein Geächteter von der Menschheit floh, gegen den, wie eine Meute, die bösesten Instinkte der Menschheit losgelassen waren und der nun in seiner Zelle, als Mörder gebrandmarkt, im Nachdenken und in Versenkung in sich selbst, zum Glauben an Gott und die Gerechtigkeit seine Zuflucht nimmt, statt in kühlem, systematischem Nachdenken über Für und Wider der gegen ihn erhobnen Anklage seine Einbildungskraft zu erschöpfen. Es ist nicht erwiesen, wer sich der Heuchelei schuldig macht, der, der in äußerster Lebensbedrängnis zu den Gedanken an Gott und den Geboten der Kirche flüchtet, oder der, der dieses reine menschliche Streben absichtlich mißdeutet, um unhaltbare Anklagen zu verschärfen.

Es war schon spät am Nachmittag, als Garrat sich zu seinem Verhöre von seinem Platz erhob und mit ruhiger Stimme Antwort auf die Fragen des Staatsanwalts und Lord Oberrichters stellte. Die Müdigkeit und Erschöpfung, die auf seinem äußeren Menschen sichtbar lagerten, kennzeichneten auch die Worte, die er in den Saal hinein sprach, ohne jemand dabei anzusehen.

Er gab Namen, Geburtsort, Jahr und Tag an, beantwortete die Fragen nach seinen Studien, den ersten Jahren seiner Arzttätigkeit, die er zuerst im Stadtviertel der wohlhabenden Bürgerschaft Marylebone, nachher in Bloomsbury ausgeübt hatte. Er berichtete über seinen Ausschluß 393 aus dem Ärzteklub, über die Gründe, die ihn veranlaßt hatten, seine Tätigkeit aufzugeben und den Vertrieb der amerikanischen Patentmittel zu übernehmen.

Bei diesem Punkt der Aussage verweilte der Lord Oberrichter längere Zeit. Garrat mußte ganz genau erklären, welcher Art die Präparate »Dr. Oldports System«, »Antikamnia«, »Creolon«, »Somnifer« und die andern gewesen seien. Ob er Assistenten für seine Laboratoriumsarbeit im Osten der Stadt benötigt und aus welcher Ursache er diese Arbeiten ohne Assistenz und mit einer an Geheimtuerei grenzenden Vorsicht vollführt habe?

Garrat gab unumwunden zu, daß er die chemischen Formeln der Präparate genau gekannt habe, als er auf ein Inserat in der medizinischen Wochenschrift: »The Lancet« hin den Vertrieb jener Präparate für England übernahm. Das Inserat war in die angesehene Wochenschrift eingeschmuggelt worden, denn die Ärzteschaft hätte sich nie und nimmer mit den Kurpfuschermitteln einverstanden erklärt, wäre ihr wahrer Charakter aus jener Einsendung deutlich zu erkennen gewesen. Die amerikanischen Fabrikanten benötigten für ihre Präparate wissenschaftlich gebildete Vertreter, teils um den Anschein zu erwecken, daß es sich hier um wirkliche Medizin handle, teils darum, weil die Präparate der Nachprüfung und Auffrischung durch Sachverständige bedurften. Aus einem in Morton-Crescent vorgefundenen Brief Garrats an Belle war folgender Passus vorgelesen worden: »Unter den Danksagungsschreiben, die mir die Firma liefert, befinden sich einige echte, von Leuten, denen die Mittel, wenn auch nur für kurze Zeit Hoffnung auf Genesung und Lebenszuversicht schenkten . . .« Garrat bemerkte, er habe es ganz genau gewußt, wie es um den Gesundheitszustand der Leute bestellt sei, die jene Mittel gebrauchten. Den Brief hätte ihm sein Schamgefühl diktiert, das ihn in der ersten 394 Zeit seiner Tätigkeit als Vertreter der Amerikaner gepeinigt habe.

Der Lord Oberrichter frug Garrat: »Wie stellte sich Ihre Frau zu dem Gewerbe, das Sie da trieben? War sie sehr enttäuscht darüber, daß Sie Ihre Stellung als Arzt aufgaben und einen Handel mit zweifelhaften Präparaten anfingen?«

»Wir kamen hierdurch in die Lage, ein Haus zu mieten. Ich glaube, Mrs. Garrat hat sich weitere Gedanken über meinen Berufswechsel nicht gemacht. Ich fing mit einem kleinen Bureau in der Oxford-Street an, hatte zuerst nur eine Assistentin, vergrößerte aber das Bureau und zog nach Kingsway. In diese Zeit fielen die kürzeren und längeren Reisen Belles zu Verwandten in der Provinz, und der Verdacht, daß Belle diese Reisen nur vorschütze, um sich mit einem Bekannten in London zu treffen, wurde in mir wach.«

»Wie erlangten Sie zuerst Gewißheit? Wie tauchte diese Vermutung zuerst in Ihnen auf?«

»Ich entdeckte Schmuckstücke an Mrs. Garrat, deren Ursprung ich nicht kannte. Sie bediente sich ungewohnter Redensarten, auch war eine Gereiztheit in ihr Wesen geraten, das mich zuerst befremdete, bald aber abstieß. Ihre Antworten auf meine Fragen lauteten zynisch und die Auftritte zwischen uns nahmen an Heftigkeit zu; sie hatte aufgehört, mich als Gentleman anzusehen, der ich ja im Grunde auch aufgehört hatte zu sein; ich meine, der Welt und meinen Berufsgenossen, nicht aber Mrs. Garrat gegenüber.«

»Waren diese Auftritte durch Ihre Frau provoziert, oder gab es bestimmte Gelegenheiten, bei denen Ihr Zorn mit Ihnen durchging?« frug der Richter.

»Ich gestehe, daß in der Stimme meiner Frau ein Klang mittönte, der irgend etwas Verborgenes in mir in 395 Schwingung versetzte. Ich bekämpfte zuerst diesen rasch aufsteigenden Zorn nach bestem Können, konnte aber seiner schließlich nicht immer Herr werden und dann geschah es, daß uns beide die Selbstbeherrschung verließ. Ja, es war dieser Klang der Stimme . . . Nach solchen Auftritten vermied ich es oft Tage lang, Mrs. Garrat zu begegnen. Unsre Schlafräume lagen schon seit geraumer Zeit getrennt.«

»Dachten Sie um jene Zeit an Selbstmord?« frug Mr. Parker. »Die grauenhafte Selbstautodafé jenes Mitgliedes Ihres Klubs hatte ja solch tiefen Eindruck auf Sie gemacht, wie wir gehört haben. War der Wunsch, ein Ende zu machen, schon in jener ersten Zeit Ihres Zerwürfnisses in Ihnen wach geworden?«

»Die Wahrheit ist, daß ich oft dachte, Mrs. Garrat könnte sterben. In der ersten Zeit, als wir nach Morton-Crescent zogen, hatte sie bei Winterbeginn einen heftigen Anfall von Pleuritis. Es wurde notwendig, narkotische Mittel anzuwenden, weil die Atemnot der Patientin und ein leichtes Eiterfieber starke Schmerzen auslösten. Die Schwester, die ich zur Pflege Mrs. Garrats ins Haus genommen hatte, wurde von ihr aus vollständig unbegründeter Eifersucht verfolgt. Als ich darauf der Kranken ihre Verfehlungen zum erstenmal vorhielt, verfiel sie in eine Krise. Ich hegte damals die Hoffnung, Mrs. Garrats Krankheit werde letal verlaufen. Ich glaube, daß solche Wünsche in jedem Menschen aufsteigen und groß werden können, der das Ende und die Lösung unhaltbarer Zustände und die Befreiung von dauernder Pein herbeisehnt. Ich stehe nicht an, zu erklären, daß dieser Wunsch heimlich von jedermann gehegt wird, der es verdammen würde, spräche ein andrer ihn unumwunden aus.«

Hier frug der Lord Oberrichter den Angeklagten: »Hat sich an jenem Tage, da Sie als Arzt Mrs. Garrat behandelten, nicht der Wunsch in Ihnen geregt, durch eine 396 stärkere Dosis des narkotischen Mittels die Lösung herbeizuführen oder zu beschleunigen?«

Garrat antwortete: »Die reine Wahrheit ist, daß wenn ich je daran gedacht hätte, wissentlich und mit vollem Bewußtsein der inneren Verantwortung Mrs. Garrat zu töten – dies der geeignetste und einzige Augenblick in meinem Leben gewesen wäre, eine Tat zu begehen, wie es die ist, die mir jetzt vorgeworfen wird.«

Hier richtete der Lord Oberrichter die Frage an Garrat, ob er um diese Zeit Cora Stratton schon gekannt habe? Alle Blicke waren auf Cora gerichtet. Garrat antwortete und seine Stimme war um einen Grad müder und tonloser als vorher. »Ich kannte Miß Stratton noch nicht zu jener Zeit, glaube aber, daß an meinen Wünschen und Erwartungen die Bekanntschaft mit ihr nichts geändert hätte.«

Die Verhandlungen nahmen ihren Fortgang und Garrat gab Auskunft über die Entfremdung, den zunehmenden Haß der Ehegatten, die Demütigungen, die sie einander zufügten, indem sie die Scheu von sich streiften, ihre Verfehlungen bis in die Gesindekammer trugen, dabei aber im selben Haus verweilen und den Schein bürgerlicher Wohlanständigkeit mühsam aufrechterhalten mußten.

Der Richter lenkte Garrat nun zu den Geschehnissen hin, die den Beginn seiner Bekanntschaft mit Cora Stratton bezeichneten. Garrat gab Auskunft über diese Zeit und Cora sprach mit zaghafter Stimme, bald aber sicherer von ihren Ausflügen mit Garrat nach Brighton, nach Margate, von ihren gemeinsamen Abenden in Theatern und Restaurants der Stadt. Die letzte Stunde des langen Verhandlungstages war erfüllt von dem Berichte Garrats über die Zeit, in der der Gedanke in ihm aufgekeimt war, mit Cora zu fliehen, sie zu ehelichen, und das ganze Leben der Schmach und Qual, die Lüge seiner Ehe und 397 seines Berufes von sich zu werfen. Als die Verhandlung an diesem Punkt abgebrochen wurde, hoffte man eine Vertagung um mindestens zweimal vierundzwanzig Stunden verkündet zu hören. Daß aber der Beginn der nächsten Verhandlung bereits auf die Mittagsstunde des folgenden Tages festgesetzt wurde, bewies aufs neue, wie sehr man wünschte, daß diese Angelegenheit endgültig aus der Welt geschafft sein möge.

*

Am Morgen des 25. Oktober brachten die Zeitungen nicht nur Londons und Großbritanniens, sondern der ganzen sich ihrer Zivilisation rühmenden Erde die fettgedruckten Worte: »Garrat erklärt sich nichtschuldig.«

Und mit den um Tugend und Wahrheitsliebe ihrer Leserscharen besorgten Zeitungen entrüstete sich das große Publikum der Welt, dieses Gewimmel einer nach Erregung, nach Befriedigung seiner dunklen und uneingestandenen Triebe lüsternen Menschheit über den versteckten und hinterlistigen Verbrecher, der Miene gemacht hatte, zu bekennen, und nun, da es drauf ankam, die Welt zum besten hatte.

Im Hause gegenüber Kew saß Adela am Fenster und sah den Postboten mit der Zeitung durch den kleinen Kiesweg herankommen. Aber sie wußte ja, was in der Zeitung stand. Hätte Garrat gestern gestanden, ihr wäre an diesem Morgen leichter ums Herz gewesen. Hätte er gestanden, sie hätte es im Augenblick gefühlt. Aber sie hatte nichts gefühlt und es war kein Geständnis über Garrats Lippen gekommen. Als sie den Zeitungsbericht bis ans Ende durchgelesen hatte, fühlte sie sich schwach und wollte zu Bett gehen.

Sheila spielte mit den Kindern Weymann im Zimmer nebenan. Adela stand auf, hielt sich an der Stuhllehne fest, ging die wenigen Schritte zum Bette und setzte sich 398 auf die von der Nachtruhe noch zerdrückten Kissen. Sie beugte den Oberkörper zurück, ließ sich sinken. Bald aber erhob sie sich und steifte den Körper kerzengrade. Ihr Herz flog im Leibe. Heute, sagte sie sich, heute.

Sie ging zur Türe, die ins Treppenhaus mündete, rief nach Mrs. Newall. Die alte Frau kam, brachte das Frühstück, frug nach Adelas Wünschen. Ihr zu empfehlen, daß sie den Arzt rufen solle, unterließ sie – sie hatte es zu oft vergeblich getan. Im Flur ertönte des Professors mürrische Stimme. Die Alte ging.

Adela faltete die Hände unterm Kinn, blickte zu Boden vor sich hin. Im Nebenzimmer spielten die Kinder. Um elf Uhr kam Ochoroff, der sich seit längerer Zeit nicht mehr in Mrs. Newalls Haus hatte blicken lassen. Adela horchte auf, als sie die Stimme im Nebenzimmer hörte. Sogleich erkannte sie sie als Ochoroffs Stimme, sah den Klub in der Windmühlenstraße vor sich, sah den hohen Alten sich durch die ihn umdrängende Menge den Weg zum Podium bahnen, sah seine segnenden Gesten wieder, hörte ihn von dem Verurteilten reden, von den Pöbelmassen, die ihn umjohlten.

Ochoroff verweilte lange bei Frau Weymann, deren klagende Stimme in Intervallen zu hören war. Lange hörte Adela auf den Wechselgesang dieser beiden fremdartigen Stimmen, deren Auf- und Abwallen zuweilen von den kleinen hellen Lauten aus Kinderkehlen unterbrochen war. Unter ihnen von Sophiens Stimme, der Stimme der Nacht und der von schweren Träumen geängsteten Kinderseele.

Als die Tür aufging und Ochoroff, Sheila an der Hand führend, im Rahmen erschien, schluchzte Adela plötzlich laut auf, schlug die Hände vors Gesicht und wankte so stark, daß der Mann und das Kind zu ihr stürzten, um sie vor dem Fall zu bewahren.

399 »Was ist Ihnen, Frau Malone?« frug Ochoroff besorgt. Er schlang den Arm um ihre Taille und trug sie mehr als er sie führte, zum Bett, bettete sie behutsam auf den Kissen, hob ihre Füße aufs Bett hinauf und breitete die Decke über sie. Ohne einen Laut, tränenlos, kniete Sheila am Bett und blickte ins Gesicht der Mutter.

Als Adela die Augen öffnete, führte Ochoroff Sheila ins Nebenzimmer, schloß die Türe und setzte sich, um mit Adela in Ruhe sprechen zu können. Daß er etwas, das Leben dieses wunden Menschen tief Berührendes hören würde, war ihm offenbar. Vornübergebeugt, Adelas Hand in der seinen, blickte er ihr in die Augen.

»Ich bin froh, Mr. Ochoroff, daß Sie kamen. Ich glaube, ich könnte mit niemand so sprechen, wie mit Ihnen. Es betrifft . . .« Ihre Augen füllten sich mit Tränen, sie zog die Mundwinkel herunter, es lag der Ausdruck eines unglücklichen Kindes auf ihren von der Krankheit verzehrten Zügen.

»Ihr süßes kleines Mädchen,« sagte Ochoroff leise und betont. »Ich werde für Ihr Kind sorgen. Sie brauchen sich nicht zu grämen. Wir kennen die Seelen der Menschen und alle Stunden sind lebendig in unsern Herzen. Sie brauchen nicht mehr aufzuschrecken bei Nacht. Nun . . . nun . . .« Er beugte sich über Adela, streichelte mit seiner großen, warmen Hand ihre feuchte, heiße Stirne. »Ruhig, ruhig, mein Kind. Gott ist mit dir. Sei unbesorgt. Deine Mutter lebt und dein Kind wird in ihrem Hause aufgenommen werden. Und du wirst nicht aufzuschrecken brauchen bei Nacht.« Diese letzten Worte sprach er fast wie einen Hauch. Adela schien zu schlafen, ihr Atem ging rasch in der Brust, die ein Krampf unnatürlich hob und senkte. Es war, als hole sie den Schlaf vieler versäumter Nächte nach. Sie schlief tief und lange.

Mrs. Newall kam aufgeregt herein: »Mrs. Malone! 400 Feuer ist da! Feuer ist zurückgekehrt! Ich sah sie eben jetzt durch das Georginenbeet schleichen!«

Aber Adela erwachte nicht. Die alte Frau sah von Adelas Gesicht auf Ochoroff, wandte sich wie hilfesuchend im Zimmer um, drehte sich um sich selbst, wußte nicht, ob sie zur Tür, zum Fenster, ob sie ins Zimmer zur Frau oder die Treppe hinunterlaufen solle . . . Schließlich blieb sie verzagt in der Stube stehen. Sie begann zu ahnen, wie es um Adela stand.

*

»Erzählen Sie, Doktor Garrat, was an jenem Tage geschehen ist, an dem Sie den letzten entscheidenden Auftritt mit Mrs. Garrat hatten. Ich meine den Auftritt, der in Ihnen den Entschluß reif werden ließ, fortzugehen, und ein Ende mit Ihrem Zusammenleben zu machen.«

Garrat begann: »Es hatten sich an jenem Tage einige Dinge ereignet, die mich verwirrten und bedrückten. So z. B. hatte ich vom Bureau Argus einen Zeitungsausschnitt zugeschickt erhalten, in dem vor den Präparaten, unter anderm vor Oldport und Antikamnia mit großer Schärfe gewarnt wurde. Ich sah sofort ein, daß meine Existenz nicht allein bedroht, sondern so gut wie vernichtet war. Ehe ich meine Räume am Kingsway verließ, kam Cora zu mir und wollte zehn Pfund haben. Es war eine im Verhältnis zu ihren gewohnten Forderungen bedeutende Summe. Ich hatte den Verdacht: daß sie das Geld für einen Mann brauchen könnte. – Ich war mißtrauisch und unglücklich. Zu Hause erwartete mich meine Frau, die Liebhaber besaß, sich mit ihnen brüstete, um mich zu verhöhnen, nun sollte ich – bei diesem jungen Mädchen, an dessen Reinheit ich glaubte . . .«

Garrat stand aufrecht da, in auffällig ungezwungener Haltung, mit erhobenem Haupt. Die Ermüdung vom vorigen 401 Tage hatte keine Spur hinterlassen, er war frisch, gesammelt und ruhig.

Als er die letzten Worte gesprochen hatte, wandte er sich plötzlich zu Cora Stratton hinüber und rief aus: »Vergib! vergib mir!«

Dieser leidenschaftliche Ausruf verursachte im Saale unter den Funktionären und der Zuhörerschaft eine tiefe Erregung. Nur schwer wollte die Bewegung wieder von all diesen Menschen weichen und der gewohnten Stille Platz machen. Zum erstenmal zeigten die Worte, die er an Cora gerichtet hatte, den leidenschaftlichen, in den Tiefen seiner innersten Existenz aufgewühlten Menschen, den unbeherrschten, geheimnisvollem Drang gehorchenden, aus seiner Bahn geschleuderten Menschen Garrat.

Cora Stratton wandte ihr tränenüberströmtes Gesicht zu Garrat hin, aber seine Blicke waren schon wieder geradeaus über die Köpfe der Menschen weg in die Luft gerichtet.

»Ich hatte diesen Verdacht gegen Miß Stratton nie in mir gefühlt, denn ich wußte, sie war ein ehrbares Mädchen. Aber ich war von dem, was mich daheim erwartete, nur zu sehr beeinflußt. Der Schrecken, denn ich kann mein Leben mit Mrs. Garrat nicht anders benennen, begann schon Stunden vorher, ehe ich mein Haus betrat, in mir zu wirken. Alles um mich her war mir schrecklich. Mit dem Verdacht gegen Miß Stratton und mit jenem Zeitungsblatt, in dem mein Ruin schwarz auf weiß besiegelt stand, mußte ich mich auf den Heimweg machen. Ich weiß, offen gesagt, nicht, ob in meinem Bewußtsein in den Augenblicken, die nun folgten, der Entschluß, ein Ende zu machen und mit Cora zu fliehen, schon beschlossen war? Ich wußte, was mir daheim bevorstand: es war ja Tag um Tag dasselbe. Nur diesmal verschärft durch jenen Verdacht, denn ich sah die zehn Pfund nicht so sehr als Geldopfer an, sondern als eine Warnung. Denn ich sagte 402 mir: sie ist jung, sie ist viel allein, man muß sie schützen vor den Abwegen.«

Hier ermahnte der Richter Garrat, vom Wesentlichen nicht zu weit abzuschweifen. Mr. Parker betonte, daß ja eben Garrats Sorge um Cora das Wesentliche sei, das, was ihn in seinem Entschlusse zur Flucht bestärkte.

Noch während Parker sprach, fuhr Garrat fort: »Ich hatte an diesem Abend vor, zu Hause meine Notizen zu sichten, ein Inventar anzufertigen, ein paar Briefe zu schreiben und methodisch vorzubereiten, was ich für notwendig hielt. Ich betone, Miß Stratton hatte weder von meinen Absichten, noch von diesen Vorbereitungen irgendwelche Kenntnis. Ich pflegte nicht viel über meine innern Angelegenheiten zu sprechen, auch hatte ich ja dazu wenig Gelegenheit, denn meine Freunde hatte ich verloren und meine Frau war mir feindlicher als der feindlichste Mensch. Ich will trachten, alles zu sagen, wie es kam.«

Garrat rollte die Bogen seiner Rede zusammen und hielt sie wie einen Stab vor sich hin. Seine nervösen Finger glätteten die Blätter aber sofort wieder, er blickte auf das erste, als wolle er mit der Verlesung beginnen, aber er sagte bloß in merkwürdig versonnenem Ton:

»Ich erinnere mich, daß ich, als ich in der Untergrundbahn nach Hause fuhr, einen Bibelspruch an der Wand des Abteils bemerkt habe:

»Heilige deine Tage . . .«

so begann der Spruch. Ich sah diese Tafel wahrscheinlich nicht zum erstenmal, aber ich muß der Wahrheit gemäß berichten, daß die Worte auf mich eine Wirkung ausübten, als hätten sie eine geheime Bedeutung in diesem Augenblick. – Ja, es gehört hierher.« sagte Garrat rasch, als fürchte er, abermals unterbrochen zu werden.

»Als ich an der Caledonian Road ausstieg und über 403 die Straße ging, entsann ich mich auch noch des Anblicks von drei Menschen, die mir gegenüber gesessen hatten und das Bild einer kleinen, friedlichen Familie boten. Und ich ging jetzt nach Hause und wußte, daß mir nichts übrigblieb, als mit meinem Leben abzuschließen. Ob ich gegen Mrs. Garrat einen sehr heftigen Groll empfand in diesem Augenblick, weiß ich nicht. Je näher ich kam, um so eifriger pflegte ich mich einer Beherrschung und Zügelung meines Willens und meiner Nerven zu befleißigen. Das war meine Aufgabe auf dem Heimweg nach Morton-Crescent. Als ich vor der kleinen Kirche an der Ecke meiner Straße angelangt war, mußte ich haltmachen und ein Gefährt vorüberlassen, einen Hansom . . .«

»Ich kann es nicht zulassen,« rief der Lord Oberrichter und erhob sich vor Ungeduld von seinem Sitz. »Sie mißbrauchen die Geduld und die Zeit dieses hohen Gerichtshofes, Doktor Garrat!«

Im Saale machte sich steigende Unruhe bemerkbar. Man sah Dr. Parker sich umkehren und eine Geste beschreiben, die wohl eine Mahnung an Garrat bedeuten sollte, sich kürzer zu fassen.

Aber Garrat sprach unbeirrt weiter: »Ich stand still und das Gefährt rollte heran. Ich blickte nicht auf dieses Gefährt, sondern ich wartete, daß es vorüber sei, um über die Straße und heimzugehen. Das Gefährt kam näher.«

Garrat schwieg, fuhr sich mit der Hand über die Lippen; er sog die Lippen in den Mund ein und seine Hand sank ganz langsam nieder an seinem Leibe. Der Saal, die Zuhörer, das Gericht horchte. Es war ja nicht möglich, daß Garrat diese belanglose Einzelheit ohne bestimmte Ursache, ohne eine tiefere Absicht so breit ausspann. Es mußte irgendeine Bewandtnis haben mit diesem Wagen, dieser Situation, in der sich Garrat in dem Augenblick befand, da er auf das Vorüberfahren des Gefährts wartete.

404 Was ereignete sich nun? Wer saß im Hansom? Hielt er? Was wird sich abspielen in den nächsten Sekunden? Garrat aber schwieg, vor der lauschenden Menschenmenge.

Nach einer Weile begann er mit klarer und lauter Stimme. Ja, seine Stimme klang kräftiger, sonorer und heller als diesen ganzen Morgen. Es war eine unbekannte Stimme, die Stimme eines ganz verjüngten Menschen, die jetzt aus Garrat tönte, während er die Worte sprach: »Der Mensch, der in mir auferstanden ist . . .«

Diese Worte, der unerwartete Schall und unerklärliche Sinn dieser Worte, übten auf den Saal ihre Wirkung aus.

Cora Stratton blickte auf. Ihr Gesicht war weiß wie Linnen.

Mr. Parker verlor die Selbstbeherrschung, Wachsamkeit und Zuversicht, die ihn während der Verhandlungen keinen Augenblick lang verlassen hatten. Aus allen Richtungen sammelten sich brennende Blicke auf Garrat, der mit erhobenem Kopf, als lausche er nach oben, auf einen Schall, der sein Ohr von oben treffen sollte, dastand und klar artikulierend die Worte vor sich hinsprach:

»Ich bekenne mich hiermit schuldig, meine Frau Belle Garrat mit Gift getötet zu haben. Ich bekenne mich schuldig vor den Menschen, vor Gott, vor Ihnen, meinen Richtern. Ich habe getötet, ich mußte es tun. Als ich erfahren hatte, daß es unabwendbar war, habe ich noch eine Zeit verstreichen lassen, um die notwendige Tat, die jetzt nicht mehr Flucht allein hieß, genau zu überlegen. Ich habe meine Frau mit Vorbedacht getötet, alle Umstände des Mordes und der Flucht genau überlegt und bedacht. Ich weiß nicht, ob ein geständiger Mörder das Recht hat, einen Schwur zu leisten – aber ich schwöre hier vor Gott, dem Allmächtigen, daß Miß Cora Stratton von dem Morde, den ich begangen habe, keine Kenntnis hatte, daß sie auch in Gedanken, im entferntesten Gedanken kein Teil an meinem 405 Verbrechen hatte und daß ich sie zur Flucht verleitet habe, indem ich sie glauben machte, daß mein bevorstehender materieller Zusammenbruch und die Unheilbarkeit meines Zerwürfnisses mit Mrs. Garrat, die verreist sei, die alleinigen Ursachen wären, mit meinem Leben in London ein für allemal abzuschließen.«

Als er diese Worte gesprochen hatte, setzte sich Garrat nieder, faltete die Bogen seiner Schrift zusammen und steckte sie in die innere Tasche seines Rockes.

Mr. Parker hatte sich erhoben und begann mit heiserer, erstickter Stimme:

»Meine Herren Geschworenen . . . Eure Lordschaft . . . meine Herren Geschworenen . . .«

*

An diesem Morgen sollte, einer frühern Vereinbarung gemäß, Miß Alvanley zu Adela kommen, um ihr in ihrer Stube vorzuspielen. Sie hatte sich nach dem Frühstück im West-House sogleich aufgemacht, und an der Ecke der Tottenhamstraße den Richmond-Omnibus erwartet. Aber im letzten Augenblick besann sie sich und bestieg den Omnibus, der über die Themse nach dem südlichen Stadtteil gegen Streatham zu fuhr, um Miß Falkoner zu besuchen. Im Omnibus wurde es ihr klar, was sie mit diesem Besuch eigentlich bezweckte: Falkoner sollte heute unbedingt mit zu Adela kommen, das war ihre Absicht, ihr unumstößlicher Plan. Adela konnte ja – sie konnte Falkoner nicht abweisen! Sie durfte es nicht! Ja, Alvanley wußte ganz sicher, Adela werde es diesmal nicht tun. Sie wollte so schön spielen, wie noch nie, alle würden beisammensitzen und ihrem Spiel lauschen. Die Appassionata wollte sie ihnen spielen, Chopin, Tschaikowski. Sie würden beisammensitzen, während ihres Spiels und sich mit gerührten Blicken anschauen – dessen war sie sicher!

406 Miß Alvanley traf Florence Falkoner nicht in ihrem Heim an. Der alte Diener bedeutete ihr, daß Miß Falkoner in Old Bailey den Verhandlungen gegen den Gattenmörder beiwohne. Alvanley fuhr nach Old Bailey. Sie kam nicht bis an die Straße heran. Die Straße Old Bailey war abgesperrt. Eine Wagenburg staute sich in der Nähe vor Ludgate. Durch einen Zufall fand Miß Alvanley Falkoners Kupee sofort heraus, bahnte sich einen Weg zwischen den Rädern der Wagen und frug den alten Kutscher, der sie wiederholt gefahren hatte, ob Miß Falkoner eine Stunde bestimmt habe, um die sie heimkehren wolle?

»O, steigen Sie rasch ein, Miß, sonst kommen Sie unter die Pferde!« rief der alte Kutscher. Von Old Bailey her strömte in diesem Augenblick eine aufgeregte Menge, die sich schreiend durch die enge Gasse quetschte und zwischen den Automobilen und Wagen durch, in kleinen Bächen zerrieselnd, einen Weg nach Fleet-Street bahnte.

»Geständnis Garrats! Garrat hat gestanden!«

Der alte Kutscher beugte sich vom Bock nieder, um besser zu hören: »Der Bursche ist geständig. O Gott verdamm' mich!«

Zitternd vor Erregung wartete Alvanley im Gefährt auf Miß Falkoner. Als diese etwa zehn Minuten später in den Wagen stieg, waren schon die Extraausgaben der Zeitungen mit der Nachricht von Garrats Geständnis erschienen und in allen Händen.

Im Wagen konnte Falkoner lange nicht zu Atem kommen. Die Stunde hatte ihr den Atem verschlagen: »O meine Teure, Sie hätten es erleben sollen – o, welch ein Erlebnis! Und wenn ich hundert Jahre alt werde! O, er stand da, dieser elende Mensch – ich fürchtete, ach nein, meine Teure, ich versichere Sie: ich war einer Ohnmacht nahe!«

Miß Alvanley gab dem Kutscher Adelas Adresse an. 407 Am Ausgang des Viktoria-Embankments, vor dem Hotel Cecil, wurde Falkoner erst inne, wohin die Fahrt ging.

Es war vier Uhr, als das Kupee vor der Gartenmauer von Mrs. Newalls Haus hielt. Die Frauen begegneten der alten Wirtin, die weinend den Kopf in ihrer Schürze versteckte und am Fuße der Treppe mit Dr. Foundling beisammenstand.

Alvanley flog die Stufen hinauf. Der alte Professor stand an der Tür in Mocassins, sein Sammetkäppchen zwischen den Fingern, die Augen auf ein viereckiges weißes Blatt an der Wand gerichtet, auf seine Aktskizze von damals. Frau Weymann saß am Kopfende des Bettes, darin Adela ruhte. Alle Blumen aus dem Garten, die noch nicht verwelkt waren, kleine vielfarbige Zwerggeorginen, lagen auf Adelas Bett. Das kleine Onyxkreuz vom Schreibtisch hatte man in ihre Hände gelegt. Die drei kleinen Mädchen kauerten wimmernd und leise weinend in der Fensterecke beisammen.

Sheila erblickte Miß Alvanley zuerst. Das Kind rührte sich nicht, blickte nur kurz auf die Eintretende und dann auf das Gesicht der Mutter zurück.

Durch die offengebliebene Tür trat Miß Falkoner ein. Sie ging geradeswegs auf das Kind zu, zog sein Köpfchen zu sich und kniete vor dem Bette Adelas nieder. So blieb sie eine Weile, die Hände vor das Gesicht gepreßt, den Kopf in den Blumen begraben, liegen.

Als sie sich erhob, war das erste, was sie tat: sie holte ein Stückchen Wildleder aus ihrer Silbertasche und rieb ihren Kneifer blank. Dann küßte sie Sheila auf den kleinen warmen Scheitel: »Mein teures Kind! Wirst du Mammy zu mir sagen können?«

Sheila blickte die Frau nur kurz an. Sie sprach kein Wort. Freiwillig hatte sie noch nie zu dieser Frau gesprochen.

408 Miß Falkoner hielt die Händchen des Kindes zwischen ihren Händen. Die Tränen tropften ihr aus den Augen. Das Kind sah mit ernstem Blick in das Gesicht der Frau empor. Alvanley schluchzte fassungslos, den Kopf an Frau Weymanns Wange gepreßt, den Arm um ihre Schultern geschlungen.

*

In der aufsteigenden Nachtkühle vor dem Steintor des hohen, geflochtenen Zaunes, der Sir Mahidhars Wohnhaus umhegte, hielt Herr Lucas plötzlich im Gehen inne.

»Ich habe es versäumt!« sagte er. »Ich hätte daran denken sollen. Jetzt aber ist es zu spät.«

»Was haben Sie versäumt?« frug Sir Mahidhar. »Wozu soll es zu spät sein?«

Aber Herr Lucas blieb wie gebannt auf dem Fleck stehen, schüttelte den Kopf und sagte: »Ich hätte es nicht abwenden können. Ich hätte es doch nicht abwenden können.«

»Was hätten Sie nicht abwenden können, Freund? Wozu ist es denn zu spät?«

Als Herr Lucas nicht antwortete, sagte Sir Mahidhar leise: »Kommen Sie. Diese Nacht wird sehr kalt werden. Wir müssen ins Haus, ehe der Wind sich erhebt.«

Er ergriff die Hand des Freundes und führte ihn sacht durch das Tor und den Vorhof ins Haus.

 

Ende.

 

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