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Adam Bede - Zweiter Band

George Eliot: Adam Bede - Zweiter Band - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
authorGeorge Eliot
titleAdam Bede - Zweiter Band
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
yearo.J.
translatorJulius Frese
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080518
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Achtundzwanzigster Abschnitt

Entweder – Oder

Es mochten nur wenige Minuten vergangen sein – Adam blieb immer der Meinung, es sei eine lange Zeit gewesen – als er einen Schimmer von Bewußtsein auf Arthurs Gesicht und ein leises Beben an seinem Körper bemerkte. Mit der unendlichen Freude, die seine Seele durchströmte, kam auch etwas von der alten Zärtlichkeit wieder.

»Fühlen Sie Schmerz, Herr Kaptän?« fragte er mit sanfter Stimme und lüftete Arthurs Halstuch.

Arthur starrte ihn an und fuhr dann plötzlich erschreckt zusammen, als käme ihm die Erinnerung wieder. Aber er antwortete nicht.

»Fühlen Sie eine Verletzung, Herr?« fragte Adam wieder, und seine Summe zitterte.

Arthur fuhr mit der Hand nach seiner Weste, und als Adam sie aufgeknöpft hatte, holte er länger Atem. »Laßt meinen Kopf los,« sagte er mit matter Stimme, »und holt mir etwas Wasser, wenn Ihr könnt.«

Adam legte den Kopf sanft ins Gras nieder, nahm das Arbeitszeug aus dem Blechkorbe und eilte zwischen den Bäumen entlang zu dem Bache am Rande des Wäldchens. Der Korb leckte, aber doch brachte ihn Adam noch halb voll zurück. Arthur sah ihn jetzt schon mit vollem Bewußtsein an.

»Können Sie ein wenig aus der Hand trinken?« fragte Adam und kniete wieder hin, um Arthurs Kopf aufzurichten.

»Nein,« antwortete Arthur; »taucht mein Halstuch hinein und träufelt es mir auf den Kopf.«

Das Wasser schien ihm gut zu thun, denn sofort richtete er sich, auf Adams Arm gestützt, etwas mehr in die Höhe.

»Fühlen Sie innerlich eine Verletzung, Herr?« fragte Adam wieder.

»Nein, keine Verletzung,« antwortete Arthur immer noch matt, »aber ich fühle mich äußerst angegriffen.«

Nach einer Weile sagte er: »ich glaube, ich wurde ohnmächtig, als Ihr mich niederschlugt.«

»Ja, Gott sei Dank,« erwiderte Adam, »ich fürchtete, es wäre was Schlimmeres.«

»Wie? Ihr glaubtet, Ihr hättet mir den Rest gegeben, he? Bitte, jetzt helft mir auf die Beine.«

»Ich fühle mich schrecklich unsicher und schwindelig,« sagte Arthur, als er wieder stand und sich auf Adams Arm stützte; »der Schlag von Euch muß auf mich losgefahren sein wie ein Sturmbock. Ich glaube kaum, daß ich allein gehen kann.«

»Stützen Sie sich nur auf mich, Herr Kaptän; ich will Sie schon führen,« sagte Adam. »Oder wollen Sie sich noch ein wenig hinsetzen, hier auf meinen Rock? Ich setze mich dann gegen Sie. Vielleicht wird Ihnen in ein paar Minuten besser.«

»Nein,« antwortete Arthur, »ich will nach der Einsiedelei gehen; ich glaube, da habe ich etwas Cognac. Einige Schritte von hier, nahe am Pförtchen, geht ein Richtweg ab. Helft mir nur ein bißchen weiter.«

Langsam, mit häufigen Pausen, gingen sie fort, ohne ein Wort zu sprechen. In den ersten Augenblicken, nachdem Arthur wieder zu sich gekommen war, hatten sie beide ihre Gedanken ganz auf die Gegenwart gerichtet gehabt, und jetzt trat ihnen wieder lebhaft vor die Seele, was vorhergegangen war. Auf dem schmalen Wege unter den Bäumen war es fast dunkel, aber zwischen den Tannenbäumen durch, die rings im Kreise um die Einsiedelei standen, konnte der heraufsteigende Mond sein Licht hineinwerfen und beschien die Fenster. Auf dem dicken Teppich der Tannennadeln hörten sie ihre eigenen Schritte nicht, und die äußere Stille schien ihre innere Erregung zu erhöhen. Arthur nahm den Schlüssel aus der Tasche, und Adam öffnete die Thür. Er wußte nichts davon, daß Arthur die alte Einsiedelei möbliert und für sich eingerichtet hatte, und war daher überrascht, in ein behagliches Zimmer zu treten, das augenscheinlich viel bewohnt wurde.

Arthur ließ Adams Arm los und warf sich aufs Sofa. »Ihr werdet meine Jagdflasche irgendwo finden,« sagte er; »ein ledernes Futteral mit Glas und Flasche darin.«

Adam hatte es bald gefunden. »Es ist nur wenig mehr drin, Herr,« sagte er, indem er die Flasche ganz umkehrte; »kaum dies kleine Glas voll.«

»Gut, gebt mir das,« antwortete Arthur mit dem Eigensinn eines Leidenden. Er schlürfte etwas davon und Adam fragte: »Soll ich nicht lieber ins Schloß gehen und noch mehr Cognac holen? Ich kann schnell zurück sein. Sie müssen sich etwas erquicken, sonst werden Sie schlecht nach Hause kommen.«

»Ja, geht nur hin. Aber sagt nicht, ich sei unwohl. Fragt nach meinem Diener Pym; er soll es sich geben lassen, aber nicht dabei sagen, daß ich hier in der Einsiedelei bin. Bringt auch Wasser mit.«

Es war eine rechte Erleichterung für Adam, daß er etwas zu thun bekam, und für beide war es eine Erleichterung, sich auf kurze Zeit von einander zu trennen. Aber Adams schneller Schritt konnte den stechenden Schmerz seiner Gedanken nicht lindern – den Schmerz, die letzte schreckliche Stunde wieder durchzuleben und durchzuleiden und von ihr weg in die veränderte traurige Zukunft zu blicken.

Als Adam fort war, lag Arthur noch einige Minuten still, dann erhob er sich mühsam vom Sofa und suchte in dem gebrochenen Licht des Mondes langsam nach etwas umher. Endlich fand er zwischen einem Haufen Schreib- und Zeichenmaterialien ein kurzes Stümpfchen Wachslicht, zündete es an und ging damit vorsichtig im Zimmer umher und leuchtete in alle Ecken. Endlich erblickte er etwas, etwas ganz kleines; zuerst steckte er es in die Tasche und dann nach neuem Überlegen verbarg er es tief in einen Papierkorb. Es war ein kleines rotseidnes Frauenhalstuch. Dann setzte er das Licht auf den Tisch und warf sich von Anstrengung erschöpft wieder aufs Sofa.

Er erwachte aus einem Schlummer, als Adam mit seinen Vorräten zurückkam.

»Ah, das ist gut!« sagte Arthur, »ich habe solche Stärkung sehr nötig.«

»Ich freue mich, daß Sie ein Licht haben, Herr,« sagte Adam. »Ich habe schon gedacht, ich hätte mir wohl eine Laterne ausbitten können.«

»Nein, nein, das Licht wird lange genug brennen; ich werde bald wieder so weit sein, daß ich nach Haus gehen kann.«

»Ich kann nicht eher fortgehen, ehe ich Sie sicher zu Haus weiß, Herr,« sagte Adam mit einigem Zögern.

»Nein, es ist besser, Ihr bleibt noch; bitte nehmt Platz.«

Adam setzte sich und sie saßen einander in unbehaglichem Schweigen gegenüber, während Arthur langsam Cognac und Wasser trank, was ihn sichtlich erfrischte. Er lag jetzt viel bequemer und war augenscheinlich nicht mehr so körperlich angegriffen. Adam bemerkte das alles deutlich, und da seine Besorgnis um Arthurs Zustand sich legte, hatte er um so stärker das Gefühl jener Ungeduld, die jeden überkommt, der aus Rücksicht auf den körperlichen Zustand des Schuldigen seine gerechte Entrüstung eine Zeit lang zurückgehalten hat. Doch lag ihm noch etwas auf der Seele, ehe er seine Vorwürfe wieder aufnehmen konnte; er mußte eingestehen, was in seinen eigenen Worten ungerecht gewesen war. Vielleicht wünschte er dieses Geständnis um so mehr zu machen, damit seine Entrüstung wieder um so freieren Lauf habe; und als er an verschiedenen Zeichen merkte, Arthur erhole sich, da drängten sich ihm die Worte immer wieder auf die Lippen, und immer wieder verscheuchte sie der Gedanke, es sei doch am besten, alles bis morgen zu lassen. So lange sie schwiegen, sahen sie einander nicht an, und Adam überkam das Vorgefühl, wenn sie wieder über das Geschehene sprächen, so würden sie sich wieder ereifern. So verharrten sie denn in dem Schweigen, bis das Lichtstümpfchen tief in den Leuchter hinabgebrannt war, und jeden Augenblick wurde Adam das Schweigen unerträglicher. Arthur hatte sich grade eine neue Mischung zurecht gemacht, den Arm unter den Kopf gelegt und behaglich ein Bein aufs Sofa gezogen, da konnte Adam der Versuchung nicht widerstehen, zu sagen, was er auf dem Herzen hatte.

»Sie fühlen sich doch wieder viel besser, Herr?« fing er an, als das Licht ausging und sie nun im Halbdunkel des matten Mondlichtes einander gegenüber saßen.

»Jawohl, zwar noch nicht sehr kräftig, einigermaßen träge und matt, aber wenn ich dies Glas ausgetrunken habe, will ich nach Haus.«

Eine kleine Pause entstand, ehe Adam fortfuhr:

»Der Zorn überwältigte mich vorhin, und ich sagte, was nicht wahr ist. Ich hatte kein Recht so zu sprechen, als hätten Sie gewußt, daß Sie Unrecht gegen mich thäten; Sie hatten gar keinen Grund, das zu wissen; was ich für sie empfand, habe ich immer so geheim wie möglich gehalten.«

Eine neue Pause, dann fuhr er fort:

»Und vielleicht hab ich Sie zu hart beurteilt; das ist leicht mein Fehler, und Sie haben wohl mehr aus Gedankenlosigkeit gehandelt, als ich bei jemandem, der ein Herz und ein Gewissen hat, für möglich gehalten hätte. Wir sind nicht alle gleich gemacht und verkennen daher wohl einer den andern. Gott weiß, es wäre mir die größte Freude, wenn ich von Ihnen das Beste denken dürfte.«

Arthur hätte am liebsten heute nichts mehr gesagt; er war geistig zu schmerzlich ergriffen und körperlich zu schwach, um heute Abend noch eine weitere Erörterung zu wünschen. Und doch war es ihm eine Erleichterung, daß Adam die Unterhaltung wieder in einer Weise eröffnete, die ihm die Antwort weniger schwer machte. Arthur war in der unglücklichen Lage eines aufrichtigen, edeldenkenden Mannes, der einen Fehltritt begangen hat, bei welchem nun Täuschung eine Notwendigkeit scheint; das natürliche Verlangen, Wahrheit gegen Wahrheit zu tauschen, Vertrauen mit offenem Geständnis zu erwidern, mußte er unterdrücken, und die Pflicht war für ihn eine Frage der Klugheit. Seine That fiel auf ihn zurück, ihre Folgen beherrschten ihn schon gebieterisch und drängten ihn auf einen Weg, gegen den sein natürliches Gefühl sich sträubte. Das einzige, was ihm jetzt noch zulässig schien, war, Adam vollständig zu täuschen; er mußte ihm eine bessere Meinung von sich geben, als er verdiente. Und als er die Worte seines ehrlichen Widerrufs vernahm, als er die wehmütige Klage hörte, mit der Adam schloß, da mußte er sich freuen über den Rest unwissenden Vertrauens, der sich darin kundgab. Er antwortete nicht sogleich, denn klug mußte seine Antwort sein, nicht wahrhaft.

»Sprecht nicht mehr von unserm Zorn, Adam,« erwiderte er endlich sehr langsam, denn die Mühe des Sprechens war ihm unerwünscht; »ich vergebe Euch Eure vorübergehende Ungerechtigkeit; bei den übertriebenen Vorstellungen, die Ihr Euch machtet, war sie ganz natürlich. Hoffentlich sind wir in Zukunft ebenso gute Freunde, trotzdem wir uns geschlagen haben; ich habe den Kürzeren gezogen, und so mußte es sein, denn ich glaube, ich bin von uns beiden am meisten im Unrecht gewesen. Da ist meine Hand – kommt, schlagt ein!«

Arthur hielt Adam die Hand hin, dieser aber rührte sich nicht.

»Dazu will ich nicht Nein sagen, Herr,« erwiderte er, »aber einschlagen kann ich nicht, bis ich weiß, was wir darunter verstehen. Ich hatte Unrecht, als ich sagte, Sie hätten mich wissentlich beleidigt, aber ich hatte nicht Unrecht in dem, was ich vorher über Ihr Betragen gegen Hetty sagte, und ich kann Ihnen nicht die Hand geben, als wären Sie jetzt so gut mein Freund wie früher, bis Sie das nicht etwas aufgeklärt haben.«

Arthur schluckte seinen Stolz und Verdruß hinunter und zog die Hand zurück. Er schwieg einige Augenblicke und sagte dann so gleichgültig wie möglich:

»Ich weiß nicht, was Ihr unter Aufklären versteht. Ich habe Euch schon gesagt, daß Ihr so 'ne kleine Liebelei etwas zu ernst nehmt. Aber selbst, wenn Eure Vermutung begründet wäre, es sei Gefahr dabei – nun, ich geh ja am Sonnabend weg und die Geschichte ist zu Ende. Daß Ihr solchen Schmerz davon gehabt habt, thut mir herzlich leid. Mehr kann ich nicht sagen.«

Adam antwortete nicht, sondern stand vom Stuhle auf und trat an ein Fenster, als sähe er hinaus in die dunkeln Tannenbäume, aber in Wahrheit fühlte er nur den Streit in seinem Innern. Sein Entschluß, erst morgen zu sprechen, half nun nichts mehr: jetzt, gleich hier mußte er sprechen. Aber es dauerte einige Minuten, ehe er sich umwandte, näher an Arthur herantrat und sich neben das Sofa stellte, auf dem dieser lag.

»Es wird besser sein, daß ich offen rede,« sagte er mit sichtlicher Anstrengung, »so schwer es mir auch wird. Sie sehen, Herr, für mich ist dies keine Kleinigkeit, mag es für Sie sein, was es will. Ich gehöre nicht zu den Männern, die erst um eine freien und dann um eine andere, und denen es ziemlich einerlei ist, welche sie schließlich nehmen. Was ich für Hetty fühle, ist eine ganz andre Art Liebe, welche nur die verstehen, die sie selbst fühlen, und Gott, der sie den Menschen giebt. Sie ist mir mehr als alles andere auf der Welt, alles außer meinem Gewissen und meinem guten Namen. Und wenn es wahr ist, was Sie heute Abend mehrmals gesagt haben, es sei bloß Spielerei und Liebelei gewesen, wie Sie das nennen, und mit Ihrer Abreise höre es auf – nun, dann würde ich schon warten und hoffen, daß sie ihr Herz mir am Ende doch noch zuwendet. Ich kann mir nicht denken, daß Sie falsch gegen mich sind, und ich will Ihrem Worte glauben, so schlimm die Dinge auch aussehen.«

»Ihr thätet Hetty mehr Unrecht als mir, wenn Ihr mir nicht glaubtet!« rief Arthur fast heftig und fuhr vom Sofa auf und versuchte zu gehen. Aber sogleich sank er wieder auf einen Stuhl und sagte mit schwächerer Stimme: »Ihr scheint zu vergessen, daß Ihr mit Eurem Verdacht gegen mich auch auf sie einen bösen Schein werft.«

»Nein, Herr,« erwiderte Adam mit ruhigerer Stimme, als fühle er sich halb erleichtert – denn er war zu grade, um zwischen einer direkten und indirekten Lüge zu unterscheiden – »nein, Herr! die Dinge stehen nicht gleich für Sie und für Hetty. Was Sie auch thun, Sie thun's mit offenen Augen; aber wissen Sie denn, was in des Mädchens Seele vorgegangen ist? Sie ist ja fast noch ein Kind, welches jeder, der ein Gewissen hat, sich verpflichtet fühlen müßte zu hüten. Und was Sie auch denken mögen, ich weiß bestimmt, Sie haben ihren Frieden gestört. Ich weiß, sie hat ihr Herz an Sie gehängt; denn jetzt ist mir manches klar, was ich bisher nicht begriff. Aber was sie empfindet, daraus scheinen Sie sich nichts zu machen, daran scheinen Sie gar nicht zu denken.«

»Gerechter Himmel, Adam, laßt mich in Ruh!« brach Arthur heftig aus; »ich fühle es genug, auch ohne daß Ihr mich quält.«

Er bemerkte seine Unvorsichtigkeit, sobald ihm die Worte entschlüpft waren.

»Nun denn, wenn Sie es fühlen,« fiel Adam lebhaft ein, »wenn Sie fühlen, daß Sie ihr etwas in den Kopf gesetzt und ihr eingeredet haben, Sie liebten sie, während Sie sich die ganze Zeit gar nichts dabei dachten, so habe ich Ihnen folgende Forderung zu stellen – nicht für mich, sondern für das Mädchen. Ich verlange, daß Sie ihr die Wahrheit sagen, noch ehe Sie abreisen. Sie gehen nicht für immer weg, und wenn Sie das Mädchen in dem Glauben lassen, Sie hegten für sie dasselbe Gefühl wie umgekehrt, dann wird sie sich immer nach Ihnen sehnen, und das Unheil kann noch größer werden. Jetzt ist es ihr vielleicht ein harter Schlag, aber am Ende erspart es ihr doch Kummer. Ich verlange, daß Sie ihr einen Brief schreiben; Sie können sich darauf verlassen, daß ich fürs Überbringen sorge; sagen Sie ihr die Wahrheit und nehmen Sie den Tadel auf sich, daß Sie sich gegen sie so benommen haben, wie Sie gegen ein Mädchen unter Ihrem Stande nicht durften. Ich spreche offen, Herr, aber ich kann nicht anders. In dieser Sache kann niemand für Hetty eintreten als ich.«

»Ich kann in dieser Sache thun, was ich für nötig halte, auch ohne Euch etwas zu versprechen,« erwiderte Arthur, durch Kummer und Verlegenheit immer mehr gereizt. »Ich werde thun, was ich für passend halte.«

»Nein!« sagte Adam scharf und entschieden, »das genügt nicht. Ich muß wissen, wie ich stehe. Ich muß Sicherheit haben, daß Sie mit einer Sache ein Ende machen, die Sie gar nicht hätten anfangen dürfen. Ich weiß recht wohl, was Ihnen als einem vornehmen Herrn zukommt, aber in dieser Sache sind wir Mann gegen Mann, und ich kann nicht nachgeben.«

Arthur schwieg einige Augenblicke; dann sagte er: »morgen sehe ich Euch wieder; jetzt kann ich nicht mehr, ich bin krank.« Er stand bei diesen Worten auf und nahm seine Mütze, als wolle er gehen.

»Sie dürfen sie nicht wiedersehen!« rief Adam aus, dem wieder Zorn und Verdacht durch die Seele flammte, und ging nach der Thür und stellte sich mit dem Rücken dagegen. »Entweder sagen Sie mir, daß sie nie mein Weib sein kann – sagen Sie mir, daß Sie gelogen haben – oder Sie versprechen mir, was ich verlange.«

Als Adam dies Entweder – Oder aussprach, stand er wie ein schreckliches Schicksal vor Arthur, der ein paar Schritte vorwärts gemacht hatte und nun stehen blieb, matt, erschüttert, krank an Seele und Leib. Es schien ihnen der Kampf in Arthurs Innerm so lang; endlich sagte er mit matter Stimme: »ich verspreche es, jetzt laßt mich gehen.«

Adam ließ die Thür frei und öffnete sie, aber als Arthur die Schwelle betrat, blieb er wieder stehen und lehnte sich gegen den Pfosten.

»Sie sind noch nicht wohl genug, Herr, um allein zu gehen,« sagte Adam; »nehmen Sie wieder meinen Arm.«

Ohne zu antworten ging Arthur weiter; Adam folgte ihm. Aber nach wenigen Schritten blieb er schon wieder stehen und sagte kalt: »ich glaube doch, ich muß Euch bemühen; es wird schon spät, und man könnte sich zu Hause meinetwegen ängstigen.«

Adam gab ihm den Arm, und ohne ein Wort zu sprechen, gingen sie weiter, bis sie an die Stelle kamen, wo der Korb und das Arbeitszeug lagen.

»Ich muß das Arbeitszeug aufnehmen,« sagte Adam; »es gehört meinem Bruder; es wird wohl etwas gerostet sein. Möchten Sie einen Augenblick warten.«

Arthur stand schweigend still, und kein Wort wurde weiter zwischen ihnen gewechselt, bis sie an eine Seitenpforte kamen, durch welche Arthur ungesehen ins Haus zu treten hoffte. Da sagte er: »Danke Euch, weiter braucht ich Euch nicht zu bemühen.«

»Um welche Zeit könnt' ich Sie morgen wohl sprechen, Herr?« fragte Adam.

»Laßt mir um fünf Uhr sagen, daß Ihr hier seid,« erwiderte Arthur, »aber nicht früher.«

»Gute Nacht, Herr,« sagte Adam. Aber er bekam keine Antwort; Arthur war schon ins Haus gegangen.

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