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Absurda Comica Oder Herr Peter Squentz

Andreas Gryphius: Absurda Comica Oder Herr Peter Squentz - Kapitel 6
Quellenangabe
typecomedy
authorAndreas Gryphius
year1996
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-007982-9
titleAbsurda Comica Oder Herr Peter Squentz
pages3
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1658
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Piramus.
Potz! hör' ich da nicht Thisben sprechen?
Jch muß das Loch noch grösser brechen.

P. Sq.
Brecht den Teuffel eure Mutter / es ist ja vor zu stossen und zu brochen genug.

Piram.
Liebste Thisbe sehet ihr mich nicht?

Thisbe.
O ja! du Königliches Angesicht.

Piramus.
Wie gehts doch / mein tausend Schatz?

Thisbe.
Sehr wol nun hier auff diesem Platz

Piramus.
Ach aber ach! ich bin so kranck /

Thisbe.
So legt euch nieder auff die Banck.

Piramus.
Ach Thisbe helfft eh' ich verderb /
Und gar vor lauter Liebe sterb!

Thisbe.
Was schadt euch doch / wo thuts euch weh?

Piramus.
Jch bin so heiß als Mertzen Schnee.
Die Liebe macht mir wunderliche Possen /
Sie hat mich gar ins Hertz geschossen.
Ach ziht mir auß den harten Pfeil /
Sonst sterb ich in geschwinder Eyl.

Thisbe.
Wol! wol! tretet nur für das Loch
Und hebt den Hindern wacker hoch /
Das ist ein Pfeil! Sich / Lieber / sich!

Piram.
Ey! ey! ey! ey! wie schmertzt es mich!

Thisbe.
Geduld! Er wird bald haussen seyn.
Seyd ihr nun heil mein Zucker-Mündelin?
Sich lieber Pfeil bistu zu stoltz
Und reuchst doch wie Cypressen Holtz.

Piram.
Jch fühle warlich nicht viel Schmertzen;
Ey blaset auff die Wunde sonder Schertzen.

Thisbe.
Wie ist euch nun genung gethan?

Piram.
Ey setzt noch einen Kuß daran.

Thisbe.
Nun wol / ich hab es auch verricht.

Piram.
Nun fühl ich weiter Schmertzen nicht.

Thisbe.
Wer aber heilet meine Pein?

Piram.
Jch / ich mein Turteltäubelein.

Thisbe.
Jch habe geschlaffen mit offnem Mund
Und Cupido der schlimme Hund
Jst mir gekrochen in den Leib
Ach weh! mir armem jungem Weib!

Seren.
Jch meinte es wäre eine Jungfrau.

P. Sq.
Es ist generaliter, das ist in lata significatione geredet.

Piram.
Gib dich zu frieden meine Seel /
So bald der Mond auß seiner Höl'
Wird mit blutgelbem Angesicht
Auffpfeiffen sein durchläuchtig Licht
So wolln wir beym Brunnen allein
Zusammen kommen und reden fein
Jch wil euch euren Schmertz vertreiben /
Jhr sollet meine Liebste bleiben.

Thisbe.
Beim Brunnen hinter jenem End?

Piram.
Bey Nachtbar Kuntzen Hoffgewend

Thisbe.
Gott geb' euch unterdessen gute Nacht

Piram.
Mein halbes Hertz im Leibe lacht.

Thisbe (gehet wieder zurücke und spricht).
Ey Piramus / last euch nicht verdrüssen /
Daß ich euch anfänglich nicht konte grüssen.

Piram.
Verzeiht mir auch hertzliebe Magd /
Daß ich euch keinen guten Tag gesagt.

Thisbe (kommt noch einmal zurücke).
Was mach ich in dessen mit dem Pfeil?

Piram.
Steckt ihn in Schmeer in schneller eyl
So geschwillet nicht die Wunde mein.

Thisbe (kehret wiederumb).
Wie lange muß er drinnen seyn?
Jsts gnug ein Tag zwey oder vier?

Piram.
Drey ist genug / das glaubet mir.

Thisbe.
Nun gutten Abend biß auff die Nacht:

Piram.
Schlafft Liebste / biß ihr aufferwacht.

Eine Person siehet eine ziemliche weile durch das Loch nach der andern / biß sich Piramus zum ersten verleuret.

Bullab.
Ade ich zieh' nun auch dahin.
Gott lob daß ich bestanden bin.
Ade / Ade zu gutter Nacht;
Nembt unter dessen eu'r in acht.
Jch bitte den König mit seinen Knaben
Er wolte mir nichts für übel haben.

Serenus.
Blasebalckmacher / hütte du dich / daß du darinnen nicht Handel mit dem Piramus anfangest / die Comoedianten irre machest / und das Spiel verderbest / sonst wird der Thurm nach dir schnappen.

Bullab.
Jch habe nichts mehr zu sagen / Herr Peter Squentz hat nichts mehr auff meinen Zedel gemachet.

Bulla Butän tritt ab / Meister Kricks komt gegangen.

Cassandra.
Behüt uns Gott / was sol dieses bedeuten?

P. Sq.
Tugendsame Frau Königin / dieser ist der Monde.

Theodor.
Jst dieser der Monde! und sihet so finster aus?

P. Sq.
Ja Herr / er ist noch nicht in dem ersten viertel.

Theodor.
So wolte ich wündschen den Voll-Mond zu sehen / sage mir doch mein lieber Monde / warumb hastu keine grössere Kertzen in die Laterne gestecket?

M. Kr. über und über.
Das Spiel ist kurtz / darumb muß das Licht auch kurtz seyn / denn wenn sich Thisbe ersticht / muß das Licht ausgehen / denn das bedeutet / daß der Monde seinen Schein verlohren / das ist verfinstert worden.

Seren.
Wir sind aber berichtet / der Monde könne nicht verfinstert werden / er sey denn gantz voll.

M. Kr. über und über.
Das mag Herr Peter Squentz verantworten / denn diesem hat es also beliebet.

P. Sq.
Ja ein Narr kan mehr fragen / als hundert weise Leute antworten.

Violand.
Dafern dieser Mond verfinstert wird / wird es ein erschrecklich Schauspiel seyn.

M. Kr. über und über.
Freylich / aber haltet die Fressen zu und höret was ich sagen werde.

Jtzund kom ich herein gehuncken /
Ach lieben Leut ich bin nicht truncken /
Jch bin geboren von Constant /
Tinopel ist mein Vaterland /
Jch fürchte es werd' mir immer gehn /
Wie meinem Vater ist geschehn.
Derselbe hatt böse Füsse
Und bieß nicht gern harte Nässe.
Die Augen werden mir so tunckel
Sie sehen aus wie zwey Carfunckel /
Jch schmiede wacker früe und spat
Und sage / Gott gibt guten Rath /
Jch schmiede und schlage tapffer zu /
Was ich thu muß mein Knecht auch thun /
Nun nehm ich an ein neuen Orden /
Und bin der heilge Mondschein worden /
Bey diesem Glantz sol Thisbe sich /
Erstechen dencket nur an mich /
So schein / so schein du lieber Mon /
Der frische Brunn kommt einher gohn.

Jch habe so gelauffen
Pur / pur / pur / pur / pur /
Es möchten all ersauffen.
Jhr könnt hier alle trincken /
Habt ihr nur gute Schincken /
Jhr konnt euch alle laben
Jhr sollet Wasser gnug haben
Pyr / pyr / pyr / pyr / pyr / pyr.
Aus meinen Crystallen Röhren
Per / per / per /
Könnt ihr Wasser lauffen hören
Jhr könt Wasser hören springen
Nach meinem süssen singen /
Wie ich singe nach den Noten
So fallen die Wasser-Knoten.
Per / per / per / per / per / per.
So lauff du helles Wasser
Lyri / lyri / lyri / lyri / lyri.
Jch bin fürwar kein Prasser.
Der Wassermann im Himmel
Macht kein so groß Getümmel
Die Wasser-Lüß auff Erden
Mag nicht so schöne werden.
Lyri / lyri / lyri / lyri / lyri.

Theodor.
Diesen Wassermann solten billich alle Calender-macher ad vivum in ihre Wetterbücher setzen lassen.

Seren.
Jhr Liebden? der Herr Vater kan ihm pension an praesentiren, vielleicht lässt er sich in unsern Lustgarten verdingen.

Cassand.
Was ist das für ein Thier mit der grünen Decke?

P. Sq.
Das ist der grimmige Löwe.

Eub.
Fy / man hätte ihm billich einen Zettel sollen anhefften / daß er zu nennen wäre gewesen.

M. Kl.
Jhr lieben Leute erschrecket nicht.
Ob ich gleich hab ein Löwen Gesicht
Jch bin kein rechter Löw bey traun
Ob ich gleich habe lange Klaun.
            (monstrat manus.)
Jch bin nur Klipperling der Schreiner /
Ey Lieber glaubts ich bin sonst keiner
Hier ist mein Schurtzfell und mein Hubel.
            (monstrat praecinctorium.)
Macht doch nicht einen solchen Trubel.
Jch bin doch ja ein armer Schinder
Und habe das Haus voll kleine Kinder /
Die mir mit ihren Brodtaschen
Das Geld in zwölff Leib vernaschen;
Die grosse Noth hat mich hieher getrieben /
Es wär sonst wol unter wegen blieben /
Drumb hoff' ich unser Herr König /
Der werd itzund angreifen sich.
Und uns armen Comoedianten
Dafern wir nicht bestehn mit Schanden /
Ein kleine Verehrung geben
Deßwegen tragir' ich den Löwen.

Theodor.
Der Löwe kan bey Gott seine Nothdurfft wol melden / wir hören in dieser Comoedi, was uns unser lebenlang weder vor Gesichte noch Ohren kommen / sage Löwe hast du noch viel zu reden?

M. Kl.
Nein / ich muß nur brüllen.

Thisbe.
Gott lob / die süsse Nacht ist nun kommen!
O hätt' ich doch nun meinen Piramus vernommen /
Wo find ich ihn? wo ist er hin?
Nach ihm steht all mein Hertz und Sinn.
Ey Piramus mein Auffenthalt /
Ey bleib nicht lange! kom nur bald /
Bey diesem Brunnen wird er erscheinen /
Noch eher als man sol vermeinen /
Jch wil mich hier was niedersetzen
Und mich mit stiller Ruh ergetzen.
Hilff Gott / was seh ich hier vor mir
Ein grimmer Löw ein böses Thier!

Der Löwe fänget an zu mauen wie eine Katze.

Thisbe.
Hier bleib ich nicht / es ist Zeit lauffen!
O Himmel / ich fall über den hauffen
O lieber Löwe / laß mich leben!
Jch wil dir gerne meine Schaube geben.

Sie wil die Schaube wegwerffen / kan aber nicht / weil sie zu feste angebunden / als sie endlich die Binder zurissen / schlägt sie den Löwen umb den Kopff / und laufft davon schreyend.

O weh / O weh! wie bang ist mir /
O hät ich nur ein Trüncklein Bier
Mein mattes Hertz damit zu laben /
Mir ist als wer ich schon begraben.

Thisbe entlaufft / der Löwe stehet auff / nimt die grüne Decke gleich einem Mantel umb die Achsel / und die Schaube in die Hand und tritt neben den Monden.

M. Kricks.
Löwe du möchtest nun wol hinein gehen. Weist du nicht das Herr Peter Squentz gesaget / es stehe seltzam und Bärenhäuterisch / wenn die Comoedianten auff der Bühne stehen / selber zu sehen / und Affen feyl haben wollen!

M. Klipperl.
Nein schau! was ist dir daran gelegen. Dir zu trotz wil ich hier stehen.

M. Kr. über und über.
Du hast ein Maul / man möchte es mit Säudreck füllen / und mit Eselsfürtzen verbrämen. Gehe vor den Hencker hinein / oder ich wil dir Beine machen.

Meister Klipperl.
Du Lahmer Frantzösischer Schmied! Du wilst mir Beine machen / ich sehe der Comoedi so gerne zu als du oder ein anderer / trotz dir gesaget!

M. Loll.
Haltet / haltet stille! ihr werdet mich umbstossen und mir das Wasser gar verschütten!

M. Kricks.
Was ist daran gelegen?

Der Mond schlägt dem Löwen die Laterne umb den Kopff / der Löwe erwischet den Monden bey den Haaren / in diesem Getümmel werffen sie den Brunnen umb / und zerbrechen ihm den Krug / der Brunn schläget beyden die Schärben umb die Ohren / P. Sq. wil Friede machen / wird aber von allen dreyen darnieder gerissen / und bekommt sein theil Schläge auch darvon.

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