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Abenteuer von drei Russen und drei Engländern in Süd-Afrika

Jules Verne: Abenteuer von drei Russen und drei Engländern in Süd-Afrika - Kapitel 7
Quellenangabe
authorJules Verne
titleAbenteuer von drei Russen und drei Engländern in Süd-Afrika
publisherA. Hartleben's Verlag
yearo.J.
printrunFünfte Auflage
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180521
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Sechstes Capitel.
Man lernt sich näher kennen

Die vom Buschmann commandirte Begleitung bestand aus hundert Mann. Alle waren eingeborene Buschmänner, arbeitssame, nicht leicht erregbare, wenig streitsüchtige Männer, fähig, die größten körperlichen Strapazen zu ertragen. Früher, vor der Ankunft der Missionäre, trachteten diese Buschmänner, lügnerisch und ungastfreundlich, nur nach Raub und Mord, und benutzten gewöhnlich den Schlaf ihrer Feinde, um sie niederzumetzeln. Die Missionäre haben theilweise diese barbarischen Sitten gemildert; doch sind die Eingeborenen stets mehr oder weniger darauf versessen, die Farmer zu plündern und Vieh zu rauben.

Zehn Wagen, ähnlich dem Gefährt, welches der Buschmann nach dem Morgheda-Fall gebracht hatte, bildeten das Fortschaffungsgeräth der Expedition. Zwei der Wagen, die eine Art ambulanter Häuser waren, boten den Europäern eine gewisse Bequemlichkeit und sollten ihnen zu Lagerstätten dienen.

Für den Oberst Everest und seine Gefährten folgte also eine hölzerne Wohnung, aus trockenen Brettern verfertigt, mit wasserdichter Leinwandplane überdeckt und mit verschiedenen Schlafeinrichtungen sowie Toilettenbedürfnissen versehen. An den Lagerplätzen ersparte man dadurch die Zeit, ein Zelt zu errichten, da das Zelt bereits fertig war.

Einer ihrer Wagen war also für den Oberst Everest und seine zwei Landsleute, Sir John Murray und William Emery, bestimmt. Der andere diente den drei Russen, Mathieu Strux, Nicolaus Palander und Michel Zorn als Wohnung. Von zwei anderen, nach dem gleichen Muster eingerichteten Wagen gehörte der eine den fünf Engländern, der andere den fünf Russen, aus welchen die Mannschaft der »Königin und Czar« bestand.

Es versteht sich von selbst, daß auch der Rumpf und die Maschine des Dampfbootes, in Stücken auseinander genommen und auf einen Wagen geladen, den Reisenden durch die afrikanische Wüste folgte. Es giebt im Innern des Landes zahlreiche Seen, und man konnte auf dem Wege, den die wissenschaftliche Expedition einschlug, auf solche treffen, wo ihnen dann die Schaluppe große Dienste leisten konnte. Auf den andern Wagen befanden sich die Instrumente, Lebensmittel, das Gepäck der Reisenden, ihre Waffen, die Munition, die zur beabsichtigten Vermessung nöthigen Geräthe, endlich alle für die hundert Mann Bedeckung nöthigen Gegenstände. Die Lebensmittel der Buschmänner bestanden hauptsächlich aus » biltong«, Antilopen-, Büffel- oder Elephantenfleisch, das, in lange Streifen geschnitten und an der Sonne oder auf langsamem Feuer getrocknet, sich dergestalt Monate lang aufbewahren läßt. Diese Zubereitungsweise erspart den Gebrauch des Salzes und wird in allen den Gegenden angewendet, in denen es an diesem nützlichen Mineral mangelt. Was das Brod anbetraf, so rechneten die Buschmänner darauf, es durch verschiedene Früchte oder Wurzeln zu ersetzen, wie Erdnußkerne, Zwiebeln gewisser Arten von Mesembryanthemum, einheimische Feige, Kastanie oder das Mark einer Abart von Zamic, welche den bezeichnenden Namen »Kaffernbrod« trägt. Diese dem Pflanzenreiche entnommenen Nahrungsmittel sollten unterwegs ergänzt werden. In Betreff der Fleischnahrung konnten die Jäger der Truppe, welche mit merkwürdiger Geschicklichkeit ihre Bogen aus Aloëholz und eine Art langer Lanzen zu gebrauchen verstanden, die Wälder und Ebenen durchstreifen, um die Karawane damit zu versorgen. Die Bespannung dieser Wagen bestand aus je sechs am Cap gezogenen Ochsen, mit langen Füßen, hohen Schultern und großen Hörnern.

Also fortgezogen, hatten diese schwerfälligen, groben Muster einer unentwickelten Wagenbaukunst weder Berg-Abhänge noch Sümpfe zu scheuen, und bewegten sich sicher, wenn auch nicht schnell auf ihren massiven Rädern.

Die Pferde, welche zum Dienst der Reisenden bestimmt waren, stammten von der schwarzen oder grauen kleinen spanischen Race ab, welche aus Süd-Amerika an's Cap verpflanzt worden sind, sanfte und muthige Thiere, die sehr geschätzt werden. Unter der Truppe Vierfüßler zählte man auch ein halbes Dutzend gezähmter Esel, Cuagga's genannt, mit schlanken Füßen und runden Formen, deren Geschrei dem Hundegebell gleicht. Dieser Cuagga's wollte man sich bei getheilten Expeditionen bedienen, welche die geodäsischen Operationen nöthig machen würden, um die Instrumente und Gerätschaften dahin zu tragen, wohin die schwerfälligen Wagen nicht fahren konnten. Ausnahmsweise ritt der Buschmann mit merkwürdigem Anstand und großer Geschicklichkeit ein prachtvolles Thier, welches die Bewunderung Sir John Murray's erregte. Es war ein Zebra, dessen braungestreifte Haarfarbe von unvergleichlicher Schönheit war. Es maß vier Fuß bis zur Sattelhöhe und sieben Fuß vom Maul bis zum Schwanz. Mißtrauisch und böswillig von Natur, würde es keinen andern Reiter als Mokum geduldet haben, der es zu seinem Gebrauch abgerichtet hatte.

Einige der halbwilden Hunde, die manchmal mit dem unpassenden Namen »Jagdhyänen« bezeichnet werden, liefen neben der Karawane her. Sie erinnerten durch ihre Gestalt und ihre langen Ohren an die europäische Bracke.

So war die Karawane beschaffen, welche in die Wüsten Afrika's zog. Die Ochsen bewegten sich langsam vorwärts, gespornt durch den »Jambox«, womit ihre Führer sie in die Seiten stachen. Es war ein merkwürdiger Anblick, wie diese Truppe sich in Marschordnung längs den Hügeln hinbewegte.

Wohin wandte sich die Expedition, nachdem sie Lattaku verlassen?

»Gerade aus«, hatte der Oberst Everest gesagt.

In der That konnten der Oberst und Mathieu Strux in diesem Augenblick keine bestimmte Richtung verfolgen. Was sie suchten, ehe sie ihre trigonometrischen Operationen beginnen konnten, war eine weite, regelmäßig nivellirte Ebene, um darauf die Basis des ersten der Dreiecke zu errichten, deren Netz die südliche Region Afrika's in einer Ausdehnung von mehreren Graden bedecken sollte.

Der Oberst Everest erklärte dem Buschmann, worum es sich handle. Mit der Sicherheit eines Gelehrten, dem die wissenschaftliche Sprache vertraut ist, sprach der Oberst zu dem Jäger von Dreiecken, anliegenden Winkeln, Basen, Meridianmessungen, Entfernungen vom Scheitelpunkt u. s. w.

Der Buschmann ließ ihn einige Augenblicke sprechen; dann unterbrach er ihn in ungeduldiger Aufregung und sagte:

»Herr Oberst, ich verstehe nichts von Ihren Dreiecken, Winkeln, Basen und Meridianen. Ich verstehe nicht einmal, was Sie hier in der afrikanischen Wüste machen wollen. Das geht Sie indeß allein an. Was wollen Sie also von mir? Eine schöne, weite, gerade, regelmäßige Ebene? Nun wohl, man wird sie Ihnen suchen.«

Und auf Befehl Mokum's wendete sich die Karawane, welche bereits über die Hügel bei Lattaku hinausgekommen war, wieder abwärts südöstlich. Bei dieser Richtung kamen sie wieder etwas südlicher vom Dorf, das heißt nach jener vom Kuruman bewässerten Ebene. Der Buschmann hoffte auf dem Gebiet dieses Nebenflusses eine den Absichten des Obersten günstige Ebene zu finden.

Von diesem Tage an nahm der Jäger die Haltung an, als stehe er an der Spitze der Karawane. Sir John Murray, der gut beritten war, wich ihm nicht von der Seite, und von Zeit zu Zeit gab er seinen Collegen durch einen Schuß die Nachricht, daß Sir John Bekanntschaft mit dem afrikanischen Wild mache.

Der Oberst, ganz in Gedanken versenkt, ließ sich von seinem Pferde leiten und dachte an die Zukunft einer in diesen wilden Gegenden so schwer zu leitenden Unternehmung. Mathieu Strux, der in Gemäßheit des Bodens bald zu Pferde, bald zu Wagen war, öffnete nicht oft die Lippen. Nikolaus Palander war ein möglichst schlechter Reiter, ging am öftesten zu Fuß oder hielt sich gänzlich in seinem Wagen, wo er sich in die tiefsten Abstraktionen der höheren Mathematik versenkte.

William Emery und Michel Zorn befanden sich zwar während der Nacht in verschiedenen Wagen, waren aber am Tage während des Marsches der Karawane bei einander.

Diese zwei jungen Leute wurden täglich mehr durch eine engere Freundschaft verbunden, welche die Ereignisse der Reise noch fester schmieden sollte. Von einem Lagerort zum andern ritten sie plaudernd und discutirend zusammen. Oft entfernten sie sich von der Expedition, indem sie seitwärts oder einige Meilen vorausritten, sobald die Ebene sich weit vor ihren Blicken erstreckte. Dort waren sie frei und wie verloren inmitten dieser wilden Natur. Wie plauderten sie von Allem, mit Ausnahme von der Wissenschaft! Wie vergaßen sie die Calculationen und Rechenexempel, die Beobachtungen! Es waren keine Astronomen, keine Beobachter des gestirnten Firmamentes mehr, sondern zwei dem Schulstaub entflohene Jünglinge, welche sich glücklich fühlten, die dichten Wälder, die endlosen Ebenen durchstreifen, die würzig duftende freie Luft einathmen zu können. Sie lachten, ja sie lachten wie einfache Sterbliche, und nicht wie so ernsthafte Leute, die gewöhnt sind, mit Kometen und andern Himmelskörpern zu verkehren. Wenn sie auch niemals über die Wissenschaft lachten, so lächelten sie doch zuweilen, wenn sie an die erhabenen Gelehrten dachten, welche nicht dieser Welt angehören. Dies Alles übrigens ganz arglos. Es waren zwei vortreffliche Naturen, mittheilsam, liebenswürdig, hingebend, in auffallendem Contrast mit ihren Chefs, die wie der Oberst Everest und Mathieu Strux vielmehr steif geworden, als selbst steif waren.

Und gerade diese beiden Gelehrten machten sie oft zum Gegenstand ihrer Bemerkungen. William Emery lernte sie erst durch seinen Freund Michel Zorn kennen.

»Ja, sagte an diesem Tage Michel Zorn, ich habe sie auf unserer Ueberfahrt an Bord der Augusta beobachtet, und leider muß ich gestehen, daß diese Männer auf einander eifersüchtig sind. Wenn der Oberst Everest der Vorstand unserer Unternehmung zu sein scheint, mein lieber William, so ist es Mathieu Strux nicht weniger. Die russische Regierung hat klar seine Stellung bezeichnet. Unsere beiden Chefs sind gleich herrschsüchtig, einer wie der andere, und ich wiederhole Ihnen, zwischen ihnen herrscht die Eifersucht der Gelehrten, die schlimmste Art der Eifersucht.

– Und die am wenigsten dazu berechtigt ist, erwiderte William Emery, denn Alles bleibt auf dem Felde der Entdeckungen, und jeder von uns zieht Nutzen aus den Bemühungen Aller. Wenn Ihre Bemerkungen richtig sind, und ich habe Grund dies anzunehmen, mein lieber Zorn, ist dies ein ärgerlicher Umstand für unsere Expedition. Es muß wirklich ein vollkommenes Einverständniß herrschen, wenn ein so mißliches Unternehmen gelingen soll.

– Ohne Zweifel, antwortete Michel Zorn, und ich fürchte sehr, dieses Einverständniß besteht nicht. Beurtheilen Sie ein wenig unsere Verwirrung, wenn jede Einzelheit der Ausführung, die Wahl der Basis, die Berechnungsmethode, die Bestimmung der Stationen, die Prüfung der Zahlen jedesmal eine neue Discussion herbeiführt! Entweder täusche ich mich sehr, oder ich sehe Chicanen voraus, wenn es sich darum handeln wird, unsere doppelten Register zu vergleichen und Beobachtungen einzutragen, die uns in Stand gesetzt haben, bis auf vierhunderttausend Theile eine Toise Zweihundert Theile eines Millimeters. abzuschätzen.

– Sie erschrecken mich, lieber Zorn, erwiderte William Emery. Es wäre wirklich peinlich, wenn man sich so weit gewagt hätte, um aus mangelnder Eintracht in einem solchen Unternehmen zu scheitern. Gott gebe, daß sich Ihre Befürchtungen nicht als wahr ausweisen.

– Ich wünsche es, William, antwortete der junge russische Astronom; doch ich wiederhole Ihnen, während der Ueberfahrt habe ich gewissen Streitigkeiten über wissenschaftliche Methoden beigewohnt, welche einen unsäglichen Eigensinn bei dem Oberst Everest und seinem Nebenbuhler beweisen. Im Grunde merkte ich, daß eine erbärmliche Eifersucht dabei im Spiele ist.

– Aber diese beiden Herren gehen einander nicht von der Seite, bemerkte William Emery. Man sieht sie beständig beisammen, sie sind unzertrennlich, unzertrennlicher sogar als wir es sind.

– Ja, antwortete Michel Zorn, sie gehen einander nicht von der Seite, so lange der Tag dauert, aber sie wechseln nicht zehn Worte mit einander. Sie überwachen sich, sie spähen sich aus. Wenn nicht einer dahin gelangt, den andern auszustechen, werden wir unter wahrhaft beklagenswerthen Umständen operiren.

– Demzufolge, fragte William etwas zögernd, welchen von diesen zwei Gelehrten würden Sie wünschen ...?

– Lieber William, erwiderte Michel Zorn mit großer Offenheit, ich würde den mir als Chef gefallen lassen, der sich als solcher zu benehmen weiß. In dieser wissenschaftlichen Frage habe ich kein Vorurtheil, keine nationale Befangenheit. Der Oberst Everest und Mathieu Strux sind zwei hervorragende Männer, die beide ihren Werth haben. England und Rußland müssen gleichen Vortheil aus ihren Arbeiten ziehen. Es kommt also wenig darauf an, ob diese Arbeiten von einem Engländer oder Russen geleitet werden. Sind Sie nicht meiner Ansicht?

– Ganz und gar, mein lieber Zorn, antwortete William Emery. Lassen wir uns also nicht durch thörichte Vorurtheile befangen machen, und wenden wir beide nach Maßgabe unserer Mittel unsere Kräfte dem gemeinsamen Wohle zu. Vielleicht wird es uns möglich sein, die Schläge, welche sich die beiden Gegner einander versetzen könnten, zu pariren. Außerdem ist da Ihr Landsmann, Nikolaus Palander ...

– Der! versetzte lachend Michel Zorn, der wird Nichts sehen, Nichts hören, Nichts verstehen. Er würde für Theodorus rechnen, vorausgesetzt, daß er nur zu rechnen brauche. Er ist weder Russe, noch Engländer, noch Preuße, noch Chinese! Er lebt nicht einmal in der Welt unter dem Mond; er ist Nikolaus Palander, Alles in Allem.

– Ich habe von meinem Landsmann, Sir John Murray, nicht dasselbe zu sagen, erwiderte William Emery. Seiner Ehren ist ein durchaus englischer Charakter, doch auch ein entschlossener Jäger, und er wird leichter bei Verfolgung einer Giraffe oder eines Elephanten sich benehmen, als bei einer Streitfrage über wissenschaftliche Methoden. Wir wollen also nur auf uns selbst zählen, mein lieber Zorn, um die unaufhörliche Berührung unserer Chefs mit einander abzuschwächen. Ich brauche wohl nicht hinzuzufügen, daß, was auch geschehen möge, wir immer redlich und offen verbündet sein wollen.

– Stets, was auch geschehen mag«, erwiderte Michel Zorn, und reichte seinem Freunde die Hand.

Indessen setzte die Karawane unter Führung des Buschmanns ihren Weg in südwestlicher Richtung fort. Am 4. März gegen Mittag erreichte sie die Basis jener langen, bewaldeten Hügelkette, welcher sie von Lattaku an gefolgt war. Der Jäger hatte sich nicht getäuscht; er hatte die Expedition zur Ebene geführt. Doch konnte diese Ebene, die noch wellenförmig war, nicht zu den ersten Vermessungsarbeiten dienen. Deshalb setzte man auch die Reise ununterbrochen fort. Mokum stellte sich wieder an die Spitze der Reiter und Wagen, während Sir John Murray, William Emery und Michel Zorn etwas voraus ritten.

Gegen Abend erreichte die Truppe eine der Stationen, welche nomadisirenden Besitzern gehören, jenen sogenannten »Boërs«, die sich nur einige Monate an reichen Weideplätzen aufhalten und dann weiter ziehen.

Der Oberst Everest und seine Gefährten wurden gastfreundlich von dem Kolonisten ausgenommen, der, ein Holländer und Haupt einer zahlreichen Familie, keine Entschädigung für seine geleisteten Dienste annehmen wollte. Dieser Gutsbesitzer war einer von den muthigen, arbeitsamen und mäßigen Männern, deren schwaches Capital, vortheilhaft zur Zucht von Ochsen, Kühen und Ziegen verwandt, sich bald in Reichthum verwandelt. Wenn die Weideplätze abgegrast, sucht der Gutsherr wie ein Patriarch der Vorzeit eine neue Quelle, fette Wiesen, und richtet seinen Wohnort unter günstigeren Verhältnissen anderswo von Neuem auf.

Dieser Gutsherr bezeichnete dem Obersten sehr erwünscht eine weite Ebene, die fünfzehn Meilen von da entfernt war, ein weites, flaches Terrain, das für geodäsische Verrichtungen ganz geeignet sein mußte.

Am folgenden Tage, den 5. März, brach die Karawane bei Tagesanbruch auf. Man zog den ganzen Vormittag weiter, ohne daß ein Zwischenfall die Einförmigkeit der Reise unterbrach, hätte nicht Sir John Murray auf eintausendzweihundert Meter ein merkwürdiges Thier erlegt, ein Thier mit einem Ochsenmaul, langem weißen Schwanze und spitzen Hörnern auf dem Kopfe. Es war ein Gnu, ein wilder Ochse, der beim Niederstürzen ein dumpfes Gestöhn von sich gab.

Der Buschmann war erstaunt, wie er das Thier, in solcher Entfernung so sicher getroffen, todt zu Boden stürzen sah. Dieses ungefähr fünf Fuß große Thier fügte der gewöhnlichen Mahlzeit eine erhebliche Quantität ausgezeichneten Fleisches zu, so daß die Gnu jetzt den Jägern der Karawane besonders anempfohlen wurden.

Gegen Mittag erreichte man den von dem Gutsherrn bezeichneten Platz. Es war ein nach Norden zu unbegrenzter Wiesengrund, deren Boden keine Art Erhöhung aufwies. Man konnte sich keine für Ausmessung einer Basis günstigere Landstrecke denken. Deshalb kam der Buschmann, nachdem er den Platz genau untersucht, zum Oberst Everest und sagte:

»Hier die gewünschte Ebene, Herr Oberst.«

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