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Abenteuer von drei Russen und drei Engländern in Süd-Afrika

Jules Verne: Abenteuer von drei Russen und drei Engländern in Süd-Afrika - Kapitel 17
Quellenangabe
authorJules Verne
titleAbenteuer von drei Russen und drei Engländern in Süd-Afrika
publisherA. Hartleben's Verlag
yearo.J.
printrunFünfte Auflage
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180521
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Sechzehntes Capitel.
Verschiedene Vorfälle

Zu Ende des Monats September waren die Astronomen einen Grad nördlich weiter gekommen. Der schon durch zweiunddreißig Dreiecke gemessene Theil des Meridians erstreckte sich nun auf vier Grade, und das war die Hälfte der Aufgabe. Die drei Gelehrten arbeiteten mit außerordentlichem Eifer, doch da ihrer nur noch drei waren, empfanden sie oft solche Müdigkeit, daß sie ihre Arbeit für einige Tage einstellen mußten. Die Hitze war sehr groß und wahrhaft erdrückend.

Der Monat October in der südlichen Hemisphäre ist dem Monat April der nördlichen gleich, und unter dem vierundzwanzigsten südlichen Breitegrade herrscht die hohe Temperatur der algerischen Regionen. In den Nachmittagsstunden konnte man keine Arbeit vornehmen, und die trigonometrischen Operationen erlitten dadurch eine Verzögerung, die hauptsächlich den Buschmann beunruhigte und zwar aus folgendem Grunde:

Nördlich vom Meridian, hundert Meilen von der letzt errichteten Station, durchschnitt dieser Bogen eine Gegend von eigenthümlicher Beschaffenheit, ein »Karrou« in der Sprache der Eingeborenen, ähnlich der am Fuß der Roggeveld-Berge in der Capcolonie. In der feuchten Jahreszeit bietet diese Gegend überall Zeichen größter Fruchtbarkeit; nach einigen Regentagen ist der Boden mit dichtem Grün bedeckt; überall sprießen Blumen; in kurzer Zeit schießen Pflanzen hervor. Weideplätze bedecken sich vor unseren Augen mit dichtem Gras; es bilden sich reißende Bäche; Antilopenheerden steigen von den Höhen herab und ergreifen von diesen improvisirten Prairien Besitz. Doch diese merkwürdige Triebkraft der Natur dauert nur kurze Zeit. Kaum ein Monat, höchstens sechs Wochen sind verflossen, und die ganze Feuchtigkeit der Erde, durch die Sonnenstrahlen aufgezogen, ist in der Luft verdunstet. Der Boden verhärtet sich und erstickt die neuen Keime; die Vegetation verschwindet in wenig Tagen; die Thiere fliehen die unbewohnbar gewordene Landschaft, und eine Wüste breitet sich da aus, wo kaum erst ein fruchtbares und reiches Land sich entwickelte.

Dies war der Karrou, welchen die kleine Truppe des Obersten durchziehen mußte, ehe sie die wirkliche Wüste erreichte, welche an die Ufer des Ngamisees grenzt. Man begreift, wie sehr es dem Buschmann darum zu thun war, in dieser phänomenalen Gegend anzulangen, ehe die außerordentliche Trockenheit die belebenden Quellen hatte versiegen lassen. Er theilte dem Obersten Everest seine Bemerkungen mit; dieser begriff sie auch vollständig und versprach, soviel als möglich die Arbeit zu beschleunigen. Doch durfte diese Eile der Genauigkeit der Arbeiten nicht schaden; denn es ist nicht immer leicht oder thunlich, die Winkelmessungen zu jeder Stunde vorzunehmen. Man kann nur unter gewissen Witterungsverhältnissen gut beobachten, deshalb gingen die Operationen auch nicht merklich schneller, ungeachtet der drängenden Mahnungen Mokum's, und dieser sah wohl, daß, wenn man im Karrou ankäme, die fruchtbare Jahreszeit unter dem Einfluß der Sonne wahrscheinlich bereits verschwunden sein würde.

Ehe die Fortschritte der Triangulation die Astronomen bis zur Grenze des Karrou brachten, konnten diese sich an der prachtvollen Natur, die sich ihren Blicken darbot, entzücken. Niemals hatte der Zufall die Expedition in eine so schöne Gegend geführt. Ungeachtet der hohen Temperatur waren die Bäche beständig frisch. Tausendköpfige Heerden hätten auf diesen Weideplätzen unerschöpfliche Nahrung gefunden. Einige grüne Wälder bedeckten hier und da diese weite Strecke, welche wie ein englischer Park angelegt zu sein schien. Es fehlten nur die Gasflammen.

Der Oberst Everest zeigte sich diesen Naturschönheiten gegenüber wenig empfänglich, hingegen empfanden Sir John Murray und besonders William Emery lebhaft ein poetisches Gefühl, welches diese inmitten der afrikanischen Wüsten verlorene Gegend hervorrief. Wie sehr vermißte da der junge Gelehrte seinen armen Michel Zorn, und die sympathische Vertrautheit, mit der sie gewöhnlich verkehrt hatten! Wie er, hätte dieser lebhaft denselben Einfluß empfunden, und hätten zwischen ihren Beobachtungen ihr Herz ausgeschüttet! Die Karawane durchzog so dies prachtvolle Land. Zahlreiche Vogelschaaren belebten durch ihren Gesang und Flug die Wiesengründe und Wälder. Die Jäger der Truppe erlegten zu verschiedenen Malen Paare von »Korans«, eine in den südafrikanischen Ebenen einheimische besondere Art Trappe, sowie »Dikkops«, ein delicates Wildpret, dessen Fleisch sehr geschätzt wird. Anderes Geflügel erregte noch die Aufmerksamkeit der Jäger, doch nicht vom Gesichtspunkte der Eßbarkeit aus. An den Ufern der Bäche oder auf der Oberfläche der Flüsse, über welche sie mit ihren schnellen Schwingen streiften, verfolgten einige große Vögel die gefräßigen Krähen, die ihnen ihre Eier aus den Nestern im Sande zu entwenden suchten. Blaue Kraniche mit weißem Halse, rothe Flamingo's, die durch die lichten Schläge spazierten, Reiher, Brachvögel, Schnepfen »Kalas«, die oft auf dem Rücken der Büffel saßen, Regenvögel, Ibisse, Hunderte in Reihen marschirender Pelikane, brachten überall Leben in diese Regionen, in denen nur der Mensch fehlte. Aber von all' den Exemplaren der gefiederten Welt waren am merkwürdigsten, die sinnreichen »Webervögel«, deren grünliche, aus Binsen oder Grashalmen geflochtenen Nester an den Zweigen der Trauerweiden wie große Birnen hängen. William Emery, der sie für ein unbekanntes Naturerzeugniß hielt, nahm eins oder zwei herab, doch wie erstaunte er, als er diese vermeintlichen Früchte wie Sperlinge zwitschern hörte. Wäre es nicht zu entschuldigen gewesen, wenn man wie frühere Afrika-Reisende geglaubt hätte, gewisse Bäume dieser Gegend trügen Früchte, aus denen lebende Vögel entstünden!

Dieser Karrou bot wirklich einen entzückenden Anblick. Er enthielt alle dem Thierleben günstigen Bedingungen. Die Gnu mit den spitzen Hufen, die Kaamas, welche nach Harris nur aus Dreiecken zu bestehen scheinen, die Elennthiere, Gemsen, Gazellen fand man in reicher Menge. Welche Mannichfaltigkeit an Wildpret, welche Büchsenschüsse für ein geschätztes Mitglied des Jagdclubs! Es war wirklich eine zu starke Versuchung für Sir John Murray, und nachdem er zwei Ruhetage vom Oberst Everest erbeten, wandte er sie dazu an, sich merklich zu ermüden. Doch welchen Erfolg hatte er auch im Verein mit seinem Freunde Buschmann, während William Emery ihnen als Dilettant folgte. Wie viel glückliche Schüsse hatte er in sein Jagdbuch einzutragen! Wie viel Jagdtrophäen in sein Schloß in den Hochlanden mitzunehmen! Und wie vergaß er in diesen zwei Ruhetagen die geodätischen Operationen, die Triangulation, die Meridianmessung! Wer hätte geglaubt, daß diese in der Handhabung des Gewehres so geschickte Hand die feinen Gläser eines Theodolit zu behandeln verstünde! Oder daß dieses, im Zielen auf eine schnell springende Antilope so sichere Auge sich in Sternbetrachtungen geübt habe. Wirklich war Sir John während dieser zwei Freudentage ganz allein nur Jäger, und der Astronom verschwand so vollständig, daß zu befürchten stand, er werde nicht wieder zum Vorschein kommen!

Unter andern Jagderlebnissen Sir John's muß eins mitgetheilt werden, welches ein unerwartetes Resultat hatte und den Buschmann um die Zukunft der wissenschaftlichen Expedition besorgt machte. Dieser Vorfall konnte nur die Unruhe bestätigen, welche der scharfsinnige Jäger schon früher empfunden und dem Obersten Everest mitgetheilt hatte.

Es war am 15. October. Seit zwei Tagen hatte sich Sir John ganz dem ihn beherrschenden Naturzug hingegeben. Eine Heerde von ungefähr zwanzig Wiederkäuern war vielleicht zwei Meilen von der rechten Seite der Karawane bemerkt worden. Mokum erkannte sie als jene schöne Antilopenart, die unter dem Namen Oryx bekannt ist und deren schwerer Fang jedem afrikanischen Jäger Ruhm und Ehre verleiht.

Sofort theilte der Buschmann Sir John die sich darbietende Gelegenheit mit, und forderte ihn lebhaft auf, dieselbe zu benutzen. Er sagte ihm zugleich, wie schwer es halte, diese Oryx zu erlegen, da ihre Schnelligkeit die des schnellsten Pferdes überträfe, wie denn auch der berühmte Cumming, als er im Lande der Namaken gejagt, auf den besten Rennern während seines ganzen Jägerlebens nur vier dieser wunderbaren Antilopen eingeholt habe.

Es bedurfte kaum so viel, um den ehrenwerthen Engländer anzuspornen, der sich bereit erklärte, die Oryx zu verfolgen. Er wählte sein bestes Pferd, seine beste Büchse, seine besten Hunde, und, in seiner Ungeduld dem Buschmann vorauseilend, wandte er sich dem Saume eines an eine weite Ebene stoßenden Gehölzes zu, in dessen Nähe die Anwesenheit der Wiederkäuer gemeldet worden war.

Nach einer Stunde hielten die Pferde an. Mokum zeigte, hinter einer Sykomorengruppe versteckt, seinem Begleiter die weidende Heerde, die sich einige hundert Schritt von ihnen unter dem Winde befand. Diese mißtrauischen Thiere hatten sie indeß noch nicht bemerkt, und grasten friedlich auf den Weideplätzen. Eins von ihnen schien sich jedoch etwas abseits zu halten, worauf der Buschmann Sir John aufmerksam machte.

»Das ist eine Schildwache, sagte er. Dieses Thier, ohne Zweifel ein durchtriebener Schelm, wacht für das allgemeine Wohl. Bei der geringsten Gefahr wird es eine Art Gewieher hören lassen, und die Truppe, von ihm geführt, mit aller Schnelligkeit ihrer Beine den Platz verlassen. Man muß also nur in weiter Distanz auf dasselbe schießen, mit dem ersten Schuß niederstrecken.«

Sir John begnügte sich mit einem bejahenden Winke zu antworten, und stellte sich so, daß er die Heerde betrachten konnte. Die Oryx grasten ruhig fort. Ihr Wächter, dem ein Windhauch vielleicht irgend eine verdächtige Ausströmung zugeführt hatte, hob öfter seine gehörnte Stirn empor und zeigte einige Beunruhigung. Doch war er zu weit von den Jägern, als daß diese ihn sicher hätten treffen können. Die Bande im Lauf einzuholen, auf dieser weiten Ebene, die ihnen günstige Bahn bot, daran war nicht zu denken. Vielleicht kam die Heerde dem Gehölz näher, und in diesem Fall konnten Sir John und der Buschmann eins der Thiere besser auf's Korn nehmen.

Der Zufall schien die Jäger zu begünstigen. Nach und nach näherten sich die Thiere, geführt von dem alten Männchen, dem Gehölz. Wahrscheinlich hielten sie sich auf der offenen Ebene nicht für sicher, und wollten unter dem dichten Gezweig des Wäldchens Schutz suchen. Sobald ihre Absicht nicht mehr zu verkennen war, forderte der Buschmann seinen Begleiter zum Absteigen auf. Die Pferde wurden an den Stamm einer Sykomore gebunden und ihre Köpfe in eine Decke gewickelt, eine Vorsicht, die zugleich ihr Stillschweigen und ihre Unbeweglichkeit sicherte. Darauf schlichen Mokum und Sir John, gefolgt von den Hunden, zwischen den Gebüschen längs dem Saum des Waldes bis an eine, von den letzten Bäumen gebildete Art Spitze, die nicht mehr dreihundert Schritt von der Heerde entfernt war.

Dort kauerten sich die Jäger, wie auf dem Anstand, nieder und warteten mit geladener Büchse. Von ihrem Platze aus konnten sie die Oryx beobachten und diese schön geformten Thiere bewundern. Die Männchen unterschieden sich wenig von den Weibchen, und durch eine seltene Naturlaune waren die Weibchen sogar stärker mit Waffen versehen als die Männchen, trugen nach hinten zugekrümmte und zierlich gezackte Hörner. Es giebt kein hübscheres Thier als diese Antilope, von denen der Oryx eine Spielart ist; keins bietet so fein vertheilte buntscheckige Hautflecken dar; an der Kehle flattert ein Büschel Haare, ein Kamm steht gerade empor und sein dichter Schweif reicht bis zur Erde. Indeß blieb die Heerde, die aus zwanzig Stück bestand, nachdem sie sich dem Walde genähert hatte, stehen. Augenscheinlich drängte der Wächter sie, die Ebene zu verlassen. Er ging in das hohe Gras und versuchte, die Thiere in eine dichte Masse zusammenzutreiben, wie der Schäferhund die ihm anvertrauten Schafe. Doch schienen diese munteren Thiere keine Lust zu haben, diese fette Weide schon zu verlassen. Sie widerstanden ihm, entsprangen und fingen einige Schritte weiter wieder zu grasen an.

Dies Verfahren überraschte den Buschmann höchlich. Er machte Sir John darauf aufmerksam, doch ohne ihm eine Erklärung darüber geben zu können. Der Jäger begriff die Hartnäckigkeit des alten Männchens nicht, und weshalb er die Antilopenheerde durchaus in das Dickicht zurückbringen wollte.

So zog sich die Situation in die Länge, ohne sich zu ändern. Sir John drehte ungeduldig am Schloß seiner Büchse. Bald wollte er schießen, bald vorwärts gehen. Mokum konnte ihn nur schwer zurückhalten.

Eine Stunde verging, und es war nicht voraus zu sehen, wie viele noch vergehen würden, als einer der Hunde, der wahrscheinlich eben so ungeduldig wie Sir John war, ein fürchterliches Gebell ausstieß und sich in die Ebene stürzte.

Der Buschmann, wüthend darüber, hätte gern dem verwünschten Thiere eine Bleiladung nachgesandt! Doch schon floh die Heerde mit reißender Schnelligkeit davon, und jetzt begriff Sir John, daß kein Pferd sie hätte einholen können. In wenig Augenblicken bildeten die Oryx nur noch schwarze, im hohen Grase aufspringende Punkte.

Doch hatte zur großen Ueberraschung des Buschmanns der Wächter der Antilopentruppe derselben nicht das Zeichen zur Flucht gegeben. Den Gewohnheiten dieser Wiederkäuer entgegen, war dieser sonderbare Wächter auf derselben Stelle stehen geblieben, ohne daran zu denken, den seiner Hut anvertrauten Thieren zu folgen. Seit ihrer Flucht versuchte er sogar, sich im Grase zu verbergen, vielleicht in der Absicht, das Gehölz zu gewinnen.

»Das ist sonderbar, sagte der Buschmann. Was hat denn dieser alte Oryx vor? Ist er verwundet oder vom Alter geschwächt?

– Wir werden es bald wissen!« antwortete Sir John, und stürzte sich auf das Thier, bereit Feuer zu geben.

Das Thier hatte sich bei der Annäherung des Jägers mehr und mehr in's Gras geduckt. Man sah nur noch seine vier Fuß hohen Hörner, dessen gezackte Spitzen über die grüne Oberfläche der Ebene heraussahen. Er suchte sogar nicht mehr zu entfliehen, sondern sich zu verstecken. Sir John konnte sich also leicht dem sonderbaren Thiere nähern. Als er nur noch hundert Schritt entfernt war, zielte er sorgfältig und gab Feuer. Der Schuß knallte, und jedenfalls hatte die Kugel den Oryx am Kopf getroffen, denn seine bis dahin in die Höhe gerichteten Hörner lagen jetzt im Grase.

Sir John und Mokum liefen so rasch sie konnten auf das Thier zu. Der Buschmann hielt sein Jagdmesser in der Hand bereit, dem Thier in den Leib zu stoßen, im Fall es auf den ersten Schuß nicht getödtet worden wäre.

Diese Vorsicht war unnöthig: der Oryx war todt und zwar so todt, daß, als Sir John ihn an den Hörnern zog, er nur eine leere schlaffe Haut, der das Knochengerippe gänzlich fehlte, in der Hand hielt!

»Beim heiligen Patrick! Das kann nur mir passiren!« rief er in so komischem Tone aus, daß jeder Andere, den Buschmann ausgenommen, darüber gelacht hätte. Mokum aber lachte nicht. Er biß die Lippen, runzelte die Augenbrauen, und seine blinzenden Augen verriethen eine ernstliche Unruhe. Mit gekreuzten Armen, den Kopf schnell rechts und links wendend, schaute er um sich.

Plötzlich traf sein Blick auf einen Gegenstand: es war ein kleiner, mit rothen Arabesken verzierter Ledersack, der auf dem Boden lag. Er nahm ihn auf und untersuchte ihn genau.

»Was ist das? fragte Sir John.

– Das ist der Sack eines Makololo, erwiderte Mokum.

– Und wie kommt der hierher?

– Weil der Besitzer desselben ihn auf seiner eiligen Flucht hat fallen lassen.

– Und dieser Makololo?

– Nehmen es Ew. Gnaden nicht für ungut, antwortete der Buschmann, indem er zornig die Hände ballte, dieser Makololo steckte in der Oryxhaut und auf ihn haben Sie geschossen!«

Sir John hatte noch nicht Zeit gehabt, seine Ueberraschung auszudrücken, als Mokum, der fünfhundert Schritte von ihnen eine gewisse Bewegung im Grase bemerkt hatte, nach dieser Richtung feuerte. Darauf liefen beide athemlos an den verdächtigen Ort.

Aber der Platz war leer. Man sah an dem niedergetretenen Grase, daß ein lebendes Wesen dort gewesen sei. Der Makololo war verschwunden und man mußte auf eine Verfolgung durch den unendlichen Wiesengrund, welcher sich bis an den äußersten Horizont erstreckte, verzichten.

Die beiden Jäger kehrten deshalb zurück, in der That auf's Höchste beunruhigt über einen Unfall, der Besorgniß erregend war. Die Gegenwart eines Makololo auf dem Dolmen des niedergebrannten Waldes, die bei Oryxjägern sehr gebräuchliche Verkleidung, in die er sich soeben verhüllt hatte, zeigte von wahrhaft ausdauernder Absicht, die Truppe des Oberst Everest durch diese öden Gegenden zu verfolgen. Nicht ohne Grund spähte ein dem Räuberstamm der Makololos angehörender Indianer die Europäer und ihre Begleitung aus. Und je mehr diese weiter nach Norden zogen, je größer wurde die Gefahr, von diesen Wüstenräubern angegriffen zu werden.

Sir John und Mokum kamen in's Lager zurück, und Seine Gnaden, sehr verdrießlich, konnte nicht umhin zu seinem Freunde William Emery zu sagen:

»Wirklich, lieber William, ich habe kein Glück! Der erste Oryx, den ich erlegte, war schon todt, ehe ich ihn noch traf!«

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