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Abenteuer von drei Russen und drei Engländern in Süd-Afrika

Jules Verne: Abenteuer von drei Russen und drei Engländern in Süd-Afrika - Kapitel 11
Quellenangabe
authorJules Verne
titleAbenteuer von drei Russen und drei Engländern in Süd-Afrika
publisherA. Hartleben's Verlag
yearo.J.
printrunFünfte Auflage
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180521
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Zehntes Capitel.
Die Stromschnelle

Während ihres Aufenthaltes am Kraal der Buschmänner waren sich der Oberst Everest und Mathieu Strux völlig fremd geblieben. Die Beobachtungen über die Breitegrade waren ohne ihre Hilfe gemacht worden. Da sie nicht genöthigt waren, sich für den wissenschaftlichen Zweck zu sehen, sahen sie sich gar nicht. Am Abend vor dem Aufbruch hatte der Oberst Everest einfach seine Karte mit » p. p. c.« dem russischen Astronomen übersandt, und hatte von Mathieu Strux eine Karte mit derselben Formel erhalten.

Am 19. Mai hob die ganze Karawane das Lager auf und schlug den Weg nach Norden ein. Die an der Basis des achten Dreiecks anliegenden Winkel, dessen Spitze ein links von dem Meridian sechs Meilen entfernt richtig gewählter Absteckpfahl bildete, waren gemessen worden. Es handelte sich also nur noch darum, diese neue Station zu erreichen, um die geodätischen Operationen wieder vorzunehmen.

Vom 19. bis 29. Mai wurde die Gegend mit der Mittagslinie durch zwei neue Dreiecke verbunden. Man hatte alle Vorsichtsmaßregeln ergriffen, um eine mathematische Genauigkeit zu erhalten. Die Operation ging nach Wunsch, und bis hierher waren die Schwierigkeiten nicht groß gewesen. Das Wetter war den Tagesbeobachtungen günstig, und der Boden enthielt kein unübersteigliches Hinderniß. Vielleicht war er sogar durch seine Flachheit nicht ganz geeignet zur Ausmessung der Winkel. Er war wie eine grüne Wüste, von Bächen durchschnitten, welche zwischen Reihen von »Karreehout« flossen, eine Baumart, welche dem Laube der Weide ähnlich ist, und deren Zweige die Buschmänner zur Fertigung ihrer Bogen verwenden. Dies Terrain, bedeckt mit losgerissenen Felsblöcken, vermischt mit Thon, Sand und Eisentheilen, zeigte sich an einzelnen Stellen äußerst dürr. Es verschwand da jede Spur von Feuchtigkeit, und es gediehen nur noch einige der schleimigen Pflanzenarten, die der größten Dürre widerstehen. Meilenweit bot diese Region keine Bodenerhöhung dar, die man als natürliche Station hätte wählen können. Man mußte also Signalpfähle oder zehn bis zwölf Meter hohe Fahnenstangen, die als Zielpunkt dienen konnten, aufpflanzen. Dies verursachte einen beträchtlichen Zeitverlust, der die Vermessungsarbeit verzögerte. Hatte man die Beobachtung gemacht, so mußte die Stange ausgehoben und einige Meilen weiter gebracht werden, um dort wieder die Spitze eines neuen Dreieckes zu bilden. Doch machte sich die Sache im Ganzen ohne Schwierigkeit. Die Mannschaft der »Königin und Czar«, auf diese Art Arbeit eingeübt, entledigte sich leicht ihrer Aufgabe. Diese wohl instruirten Leute arbeiteten schnell und man hätte sie nur ihrer Gewandtheit halber loben müssen, wenn nicht nationale Eigenliebe oft Unfrieden unter sie gesäet hätte.

Und wirklich brachte die unverzeihliche Eifersucht, welche ihre Anführer, den Oberst Everest und Mathieu Strux, entzweite, zuweilen auch die Seeleute gegen einander in Aufregung. Michel Zorn und William Emery wandten all' ihre Weisheit und Klugheit an, um diese ärgerlichen Zwistigkeiten zu bekämpfen, doch gelang es ihnen nicht immer. Diese Streitigkeiten konnten bei den halbrohen Leuten in beklagenswerthe Thätlichkeiten ausarten. Der Oberst und der russische Gelehrte vermittelten dann wohl, doch machten sie die Dinge noch schlimmer, da jeder entschieden die Partei seiner Landsleute nahm, selbst dann, wenn diese Unrecht hatten. Von den Untergeordneten stieg die Zwietracht bis zu den Oberen, und »wuchs im Verhältniß der Masse«, wie Michel Zorn sagte. Zwei Monate nach der Abreise von Lattaku hatten nur noch die beiden jungen Leute das zum Erfolg des Unternehmens so nothwendige gute Einvernehmen bewahrt. Selbst Sir John Murray und Nikolaus Palander, so sehr sie, der eine von seinen Berechnungen, der andere von seinen Jagdabenteuern in Anspruch genommen waren, fingen an, bei diesen Uneinigkeiten sich zu betheiligen. Kurz, eines Tages war der Streit so heftig, daß Mathieu Strux zum Oberst Everest sagen zu können glaubte:

»Nehmen Sie, mein Herr, einen weniger hohen Ton an zu Astronomen, welche dem Observatorium von Pulkowa angehören, dessen weitreichendes Fernrohr die Möglichkeit gewährt zu erkennen, daß die Uranusscheibe vollkommen kreisrund ist!«

Worauf der Oberst Everest erwiderte, daß man das Recht habe, noch einen viel höheren Ton anzuschlagen, wenn man die Ehre habe, dem Observatorium von Cambridge anzugehören, dessen weitreichendes Fernrohr es möglich gemacht habe, die Andromeda unter die unregelmäßigen Nebelsterne zu rechnen!

Dann trieb Mathieu Strux die Persönlichkeit so weit, daß er sagte, das Fernrohr von Pulkowa mit seinem vierzehn Zoll großen Objectiv mache die Sterne dreizehnter Größe sichtbar, und der Oberst Everest antwortete nachdrücklich, daß das Objectiv des Fernrohres zu Cambridge vierzehn Zoll wie das seinige messe, und daß in der Nacht des 31. Januar 1862 es endlich den geheimnißvollen Trabanten entdeckt habe, welcher die Störungen im Lauf des Sirius verursacht.

Wenn Gelehrte dahin kommen, sich dergleichen persönliche Dinge zu sagen, begreift man wohl, daß keine Annäherung mehr möglich ist. Es stand also zu befürchten, daß die Zukunft der Vermessung bald durch diese unheilbare Eifersucht auf's Spiel gesetzt werden würde.

Glücklicherweise hatten die Streitigkeiten bisher wenigstens nur wissenschaftliche Gegenstände berührt. Manchmal hatte man sich über die mit der Winkelmeßscheibe oder mit dem Theodoliten aufgenommenen Messungen gestritten, doch hatte diese Debatte, weit entfernt zu schaden, nur desto größere Genauigkeit bei der Arbeit zur Folge. Die Wahl der Station hatte bisher noch keine Gelegenheit zur Uneinigkeit gegeben.

Am 30. Mai änderte sich das bis dahin klare und demzufolge den Beobachtungen günstige Wetter plötzlich. In jeder andern Region hätte man sicher einen von Regengüssen begleiteten Sturm vorhersagen können. Der Himmel bedeckte sich mit drohenden Wolken, einzelne Blitze ohne Donner zuckten einen Augenblick durch die Dunstmassen. Doch trat eine Luftverdichtung in den oberen Schichten nicht ein, und der sehr trockene Erdboden empfing nicht einen Wassertropfen. Nur blieb der Himmel einige Tage umwölkt. Dieser unzeitige Nebel konnte die Operation nur hemmen. Die Zielpunkte waren auf eine Meile Entfernung nicht mehr sichtbar.

Da indessen die anglo-russische Commission keine Zeit verlieren wollte, entschloß man sich, leuchtende Signale zu errichten, um auch des Nachts operiren zu können. Nur mußte man auf Rath des Buschmanns im Interesse der Beobachtungen einige Vorsicht gebrauchen, da in der Nacht die reißenden Thiere, durch den Schein der elektrischen Lampen angelockt, sich truppweise um die Stationen sammelten. Die Beobachter hörten dann das Kreischen des Schakals und das heisere Lachen der Hyäne, welches an das eigenthümliche Lachen betrunkener Neger erinnert.

Während der ersten nächtlichen Beobachtungen inmitten einer drohenden Umgebung erschrecklicher Thiere, da mitunter ein fürchterliches Brüllen die Nähe eines Löwen verkündete, waren die Astronomen doch ein wenig bei ihrer Arbeit gestört. Die Messungen wurden, wenn auch nicht weniger genau, doch weniger schnell ausgeführt. Diese auf sie gerichteten flammenden, durch die dichte Finsterniß leuchtenden Augen waren doch den Gelehrten ein wenig unbequem. Unter solchen Umständen Distanzen vom Zenith der Reverberen und ihre Winkel-Distanzen aufzunehmen, erforderte eine außerordentliche Kaltblütigkeit und eine unerschütterliche Selbstbeherrschung. Doch fehlte es den Mitgliedern der Commission nicht an diesen Eigenschaften.

Nach einigen Tagen hatten sie ihre ganze Geistesgegenwart wiedergewonnen und arbeiteten mitten unter den reißenden Thieren ebenso ordentlich, als wenn sie in ihren Observatorien gewesen wären. Man stellte außerdem bei jeder Station einige mit Flinten bewaffnete Jäger auf, und eine Anzahl zu dreister Hyänen fielen unter den europäischen Kugeln. Ich brauche nicht anzuführen, daß Sir John Murray diese Art Vermessung »wundervoll« fand. Während sein Auge an das Glas des Fernrohrs geheftet war, hielt seine Hand seinen Goldring, und mehr als einmal that er zwischen zwei Zenith-Beobachtungen einen Schuß.

Die geodätischen Arbeiten wurden also durch die unfreundliche Witterung nicht unterbrochen. Ihre Genauigkeit litt in keiner Weise darunter, und die Meridianmessung schritt regelmäßig ununterbrochen nach Norden zu vor.

Kein erzählenswerther Vorfall ereignete sich bei den geodätischen Arbeiten vom 30. Mai bis 17. Juni. Neue Dreiecke wurden vermittelst künstlicher Stationen errichtet, und vor Ende des Monats, wenn nicht irgend ein Hinderniß der Natur den Fortschritt der Arbeiten aufhielt, konnten der Oberst Everest und Mathieu Strux darauf rechnen, mit der Messung eines neuen Grades vom vierundzwanzigsten Meridian fertig zu sein.

Am 17. Juni schnitt ein ziemlich breites Wasser, ein Nebenfluß des Orange, den Weg ab. Die Mitglieder der wissenschaftlichen Commission waren nicht verlegen, persönlich über denselben zu setzen, da sie ein Kautschukboot besaßen, das eben dazu bei Flüssen oder mittelgroßen Seen bestimmt war. Doch konnten die Wagen und das Material der Karawane nicht auf diese Weise passiren. Man mußte entweder aufwärts oder abwärts eine Furth im Strome suchen.

Es wurde also ungeachtet der Meinung von Mathieu Strux beschlossen, daß die Europäer, mit ihren Instrumenten versehen, über den Fluß setzten, während die Karawane unter Mokum's Führung einige Meilen unterhalb durch eine Furth gehen solle, welche der Jäger zu kennen behauptete.

Dieser Nebenfluß des Orange hatte an dieser Stelle eine Breite von einer halben Meile. Sein reißender Lauf, hier und dort durch Felsspitzen und im Schlamme festsitzende Baumstämme unterbrochen, hatte für ein schwaches Fahrzeug doch eine gewisse Gefahr. Mathieu Strux hatte in dieser Hinsicht einige Bemerkungen gemacht. Da er jedoch nicht vor einer Gefahr, welcher seine Begleiter trotzten, zurückweichen wollte, unterwarf er sich der allgemeinen Meinung.

Nikolaus Palander nur sollte die übrige Expedition auf ihrem Umwege nach dem untern Lauf des Flusses begleiten. Nicht, daß der würdige Rechenmeister die geringste Furcht gehabt hätte! Er war viel zu sehr vertieft, um irgend eine Gefahr zu argwöhnen. Doch war seine Gegenwart bei den folgenden Operationen nicht unumgänglich nöthig, und er konnte ohne Nachtheil seine Gefährten ein oder zwei Tage verlassen. Außerdem konnte das sehr kleine Boot nur eine beschränkte Anzahl Passagiere aufnehmen.

Es war also besser, nur einmal über die Stromschnelle zu setzen, und die Personen nebst Instrumenten und einigen Lebensmitteln mit einem Male an das andere Ufer zu bringen. Man brauchte erfahrene Bootsleute zur Führung des Kautschukbootes, deshalb trat Nikolaus Palander seinen Platz einem der Engländer von der »Königin und Czar« ab, welcher unter diesen Umständen nützlicher war, als der ehrenwerthe Astronom von Helsingfors.

Nachdem man ein Rendezvous nördlich von der Stromschnelle verabredet hatte, begann die Karawane unter Leitung des Jägers das linke Ufer hinab zu gehen. Bald waren die letzten Wagen in der Ferne verschwunden, und der Oberst Everest, Mathieu Strux, Emery, Zorn, Sir John Murray, zwei Matrosen und ein Buschmann, der sehr erfahren in der Flußschifffahrt war, blieben am Ufer des Nosub zurück.

So nannten die Eingeborenen dieses Wasser, welches in diesem Augenblick durch Bäche, die sich in der letzten Regenzeit gebildet hatten, stark angeschwollen war.

»Ein hübscher Strom, sagte Michel Zorn zu seinem Freunde William, während die Bootsleute das zum Ueberfahren bestimmte Fahrzeug herrichteten.

– Sehr hübsch, doch schwer zu passiren, antwortete Emery. Diese Stromschnellen sind Gewässer, die nur kurze Zeit zu leben haben, und die ihr Leben genießen! In einigen Wochen mit der trockenen Jahreszeit wird vielleicht nicht so viel davon übrig sein, um einer Karawane in seinem Bette den Durst zu stillen, und jetzt ist es ein reißender Strom, der fast nicht zu passiren ist. So rasch er fließt, so bald wird er versiegen. So, mein lieber Freund, ist das Naturgesetz im physischen und moralischen Leben. Wir haben aber jetzt keine Zeit zu verlieren. Das Boot ist bereit, und ich bin neugierig zu sehen, wie es sich auf der Stromschnelle benehmen wird.«

In wenig Minuten hatte man das Kautschukfahrzeug auseinander genommen, an sein inneres Gerüste festgemacht, und in's Wasser gelassen. Es erwartete die Reisenden unter einem in rothem Granitkern sanft absteigenden Uferabhang. An dieser Stelle, nach einer durch eine vorspringende Spitze erzeugten Wirbelbewegung, war das ruhige, sanft murmelnde Wasser mit Schlingpflanzen und Schilf umgeben.

Die Einschiffung ging also leicht von Statten. Die Instrumente wurden im Boden des Kahnes auf ein Mooslager gelegt, damit sie keinen Stoß erhielten. Die Passagiere setzten sich so, daß sie nicht die Bewegungen der beiden rudernden Matrosen hinderten. Der Buschmann nahm hinten am Steuer seinen Platz.

Dieser Eingeborene war der »Forloper« der Karawane, d. h. der Mann, welcher den »Zug eröffnet.« Der Jäger hatte dies einem geschickten Manne anvertraut, der eine große Kenntniß der afrikanischen Stromschnellen besaß. Er verstand einige Worte Englisch, und empfahl den Reisenden während der Fahrt über den Nosub tiefes Stillschweigen an. Die Ankerkette wurde losgelassen, und die Ruder hatten das Boot bald aus dem Wirbelwasser heraus gestoßen. Es begann den Einfluß der Strömung zu empfinden, welche hundert Ellen weiter zu einer Stromschnelle wird.

Die den beiden Matrosen vom Forloper gegebenen Befehle wurden pünktlich ausgeführt. Bald mußten sie die Ruder einziehen, um nicht auf einen halb unter dem Wasser versteckten Baumklotz zu stoßen, bald im Gegentheil kräftig einen durch eine Gegenströmung gebildeten Wasserwirbel überwinden. Dann, wenn die Strömung zu stark wurde, ließ man das leichte Boot im Wasserstrich dahingleiten.

Der Eingeborene wich so mit dem Steuer in der Hand, unbeweglichem Kopf, festen Auges den Gefahren der Ueberfahrt aus. Die Europäer beobachteten unruhig diese neue Lage. Sie fühlten sich mit unwiderstehlicher Macht von dieser tobenden Strömung mit fortgerissen. Der Oberst Everest und Mathieu Strux sahen sich einander an, ohne den Mund zu öffnen. Sir John Murray, mit seiner unzertrennlichen Büchse zwischen den Beinen, prüfte die zahlreichen Vögel, welche über der Wasserfläche streiften.

Die beiden jungen Astronomen bewunderten ohne Rückhalt und ohne Nebengedanken die Ufer, welche schon mit fabelhafter Geschwindigkeit vor ihnen zu fliehen schienen.

Bald hatte das schwache Fahrzeug die wirkliche Stromschnelle erreicht, die man schräg durchschneiden mußte, um an dem entgegengesetzten Ufer in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen. Die Matrosen drückten auf ein Wort des Buschmanns stärker auf ihre Ruder, doch ungeachtet ihrer Anstrengungen nahm der Kahn, unwiderstehlich mit fortgerissen, eine dem Ufer parallele Richtung an und glitt abwärts. Das Steuer vermochte nichts mehr über ihn, und selbst die Ruder konnten ihn nicht mehr auf den richtigen Weg bringen. Die Lage wurde sehr gefährlich, denn der Stoß an einen Felsen oder Baumstamm mußte unfehlbar das Boot umwerfen.

Die Passagiere fühlten die Gefahr, aber keiner sprach ein Wort.

Der Forloper stand halb aufgerichtet. Er beobachtete die Richtung, welche das Fahrzeug nahm, dessen Schnelligkeit er auf einem Wasser nicht hemmen konnte, welches durch seine eigene rasende Geschwindigkeit den Gebrauch des Steuers zunichte machte. Zweihundert Ellen vom Boot ragte eine Art kleiner Insel, eine gefährliche Anhäufung von Steinen und Bäumen aus dem Flußbett empor. Ihr auszuweichen war unmöglich, und in einigen Augenblicken drohte das Boot sie zu erreichen und unzweifelhaft daran zu zerschellen.

In der That fand auch alsbald ein Stoß statt, doch weniger heftig, als man vermuthet hatte. Das Boot neigte sich und Wasser drang ein, doch konnten sich die Reisenden an ihrem Platz erhalten. Sie schauten vor sich ... der schwarze Felsblock, an den sie gestoßen, verließ seine Stelle und bewegte sich in dem tosenden Wasser.

Dieser Fels war ein ungeheuerlicher Hippopotamus, welchen die Strömung bis zur Insel mit fortgerissen hatte, und der es nicht wagte, gegen die Stromschnelle anzukämpfen, um ein oder das andere Ufer zu erreichen. Als er sich von dem Fahrzeug getroffen fühlte, erhob er den Kopf, und ihn horizontal schüttelnd, schaute er mit seinen kleinen dummen Augen um sich.

Der ungeheure Dickhäuter, 10 Fuß lang mit harter, brauner und haarloser Haut, zeigte in seinem offenen Rachen außerordentlich entwickelte obere Vorder- und Augenzähne. Fast augenblicklich stürzte er auf das Boot, welches er wüthend und beißend mit seinen Zähnen zu zerreißen drohte.

Doch Sir John Murray war da, und seine Kaltblütigkeit hatte ihn nicht verlassen. Er legte ruhig seine Flinte an, und seine Kugel traf das Thier dicht am Ohr. Das Flußpferd ließ nicht los und schüttelte das Boot wie der Hund einen Hasen. Die Büchse, sofort wieder geladen, traf das Thier abermals am Kopf. Der Schuß war tödtlich, denn die ganze Fleischmasse sank sofort nieder, nachdem es in einer letzten Todesanstrengung das Boot von dem Inselchen abwärts gestoßen hatte.

Ehe die Reisenden noch zu sich gekommen, hatte das Fahrzeug, sich wie ein Kreisel drehend, die schräge Richtung der Stromschnelle eingeschlagen. Ein Bogen, den der Fluß plötzlich machte, schnitt einige hundert Ellen unterhalb die Strömung des Nosub ab. Der Kahn trieb in zwanzig Secunden dort hin, wo ihn ein heftiger Stoß zum Halten brachte, und die Fahrenden sprangen gesund und munter auf den Uferdamm, nachdem sie einen Weg von zwei Meilen abwärts von ihrem Einschiffungsort gemacht hatten.

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