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33 Jahre verschollen im Packeis

Adrian Mohr: 33 Jahre verschollen im Packeis - Kapitel 13
Quellenangabe
typereport
authorAdrian Mohr
title33 Jahre verschollen im Packeis
publisherGrethlein & Co
year1930
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141207
projectid1c328444
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Anhang

Die kleine Abhandlung wurde von Andrée im Jahre 1893 geschrieben, aus unbekannten Gründen nicht gedruckt und erst im Jahre 1930 veröffentlicht. Ballonphotographie als Grundlage für kartographische Aufnahmen wurde erst durch den Weltkrieg zu der Vollkommenheit gebracht, die schon Andrée vorgeschwebt hatte. Auch in diesem Punkte war er seiner Zeit weit voraus.

Zu den Zwecken, denen die neuerdings in Stockholm begonnenen wissenschaftlichen Ballonfahrten dienen sollen, gehört auch die Ballonphotographie, das heißt Photographieren vom schwebenden Ballon aus. Zweifache Absicht wird hiermit verfolgt. Teils will man erproben, ob derartige Photographien eine geeignete Grundlage für kartographische Aufnahmen von größeren oder kleineren Gebieten abgeben, teils feststellen, ob man nach ihnen die Bewegungen des Ballons wünschenswert genau bestimmen kann. Für den erstgenannten Zweck gibt es zwei Möglichkeiten der Ballonphotographie: entweder photographiert man ein und dieselbe Gegend von zwei ziemlich weit auseinander liegenden Standorten aus, oder man photographiert senkrecht nach unten. Die Bilder, die man im erstgenannten Verfahren erhält, kann man nur paarweise anwenden, will man die wirkliche Gestaltung der Landschaft ermitteln; nach dem letztgenannten Verfahren zeigt jedes einzelne Bild selbstverständlich das wirkliche Aussehen ohne weiteres. Um die Bewegung eines schwebenden Ballons zu bestimmen, eignen sich die Photographien der ersteren Art nicht, wohl aber sind die lotrecht aufgenommenen hierzu ganz besonders geeignet. Da diese letzteren Bilder also doppelte Aufgabe erfüllen können, sind solche bei unseren Versuchsfahrten in erster Reihe gemacht worden.

Was nun derartige Photographien angeht als Unterlage für kartographische Aufnahmen, so ist ohne weiteres klar: man kann von einer Landschaft kein klareres und korrekteres Bild bekommen, als wenn man sie senkrecht vom Ballon photographiert. Aber hieraus folgt noch nicht, daß solch Bild zugleich die beste Landkarte abgibt. Denn an eine solche stellt man gewisse Ansprüche, die eine Photographie eben nicht erfüllen kann. Es braucht da nur an die Unmöglichkeit erinnert zu werden Höhenunterschiede im Terrain durch solche Photographie sichtbar zu machen. Doch auch abgesehen hiervon lassen sie dies und jenes zu wünschen übrig – manchmal merkwürdigerweise gerade dadurch, daß sie zu genau sind. Eine Photographie macht nämlich keinen Unterschied zwischen Wichtigem und Unwichtigem; oft genug zeigt sie das letztere auf Kosten des ersteren. Durch unsere Versuche hat sich zum Beispiel ergeben, daß so wichtige Dinge wie Straßen und Wege auf den Bildern oft äußerst mangelhaft, manchmal auch gar nicht zu erkennen sind. Das liegt dann daran, daß sie durch anderes verdeckt werden, am häufigsten durch Bäume. Der Mangel tritt besonders dann auf, wenn es sich um schmale Wege handelt in der Nähe der Bildgrenze oder um solche durch dichten Wald oder längs dicht zusammenstehender Bäume mit vollem Laub. Sollen Ballonphotographien zu Zwecken der Kartographie systematisch aufgenommen werden, so erfordert dies große Aufmerksamkeit, um in jedem Falle den günstigsten Augenblick für die Belichtung wahrzunehmen. Geschieht dies nicht, dann können sich später in die Landkarten erhebliche Irrtümer einschleichen, obschon die erhaltenen Photographien sonst vielleicht nicht das geringste zu wünschen übriglassen.

Bezüglich der Anwendung der Ballonphotographie auf Bestimmung des Weges, den der schwebende Ballon nimmt, hat sich eine ganz unerwartete Schwierigkeit ergeben. Es stellte sich nämlich heraus, daß auch die besten Landkarten, die wir besitzen, unvollständig in solchem Grade sind, daß es oft äußerst schwer hält, auf ihnen die photographierte Landschaft wiederzuerkennen. Dies soll selbstverständlich nicht etwa heißen, daß der Kartograph lässig gearbeitet habe; zu ihrer Zeit sind die Karten natürlich ganz richtig gewesen. Hier soll nur festgestellt werden, daß sie heutigestags mit der Wirklichkeit nicht mehr voll übereinstimmen. Es ist da ein sehr wichtiger Punkt nicht außer acht zu lassen, will man nach Ballonphotographie den vom Ballon zurückgelegten Weg bestimmen. Man darf da nämlich nicht bloß ab und zu ein Bild aufnehmen und die Zeit der Aufnahme darauf vermerken, sondern man muß möglichst genau durch Augenschein bestimmen, über welcher Gegend man sich im Augenblick befand. Die Photographien dienen dann nur noch zur Bestimmung des exakten Ortes, wo der Ballon sich befand. Weiterhin muß das zu photographierende Gelände so gewählt werden, daß möglichst viele leicht wiederzuerkennende Einzelheiten mit aufs Bild kommen. Einzeln stehende Gebäude, Felder, Wälder, Hügel geben dem, der die photographierte Landschaft hinterher identifizieren will, fast gar keine, Eisenbahnlinien hingegen zumal in Verbindung mit Straßenkreuzungen, die besten Anhaltspunkte. Dasselbe gilt von Küstenlinien, wenn sie in größerer Ausdehnung aufs Bild kommen, und von mittelgroßen Binnenseen, wenn sie charakteristische Uferlinien haben. Die Photographien recht groß nehmen zu können, ist besonders vorteilhaft; je größer das abgebildete Gebiet, um so mehr charakteristische Einzelheiten findet man darauf.

Die hier besprochenen Methoden haben ihre Mängel, und mancher wird ihnen deswegen Wert schlechthin absprechen wollen. Doch ich bin überzeugt, zu einer besseren Meinung wird derjenige gelangen, der für einen gewissen Zeitpunkt den Standort eines Ballons ermitteln will, wenn sich der Ballon mit größerer Geschwindigkeit über unbekannte Gegenden bewegt und dabei noch um seine Achse rotiert! Dann soll man diese Methode wohl schätzen lernen!

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