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18 Gedichte

Guido Zernatto: 18 Gedichte - Kapitel 6
Quellenangabe
typepoem
authorGuido Zernatto
title18 Gedichte
booktitle... kündet laut die Zeit
publisherStiasny Verlag
editorHans Brunmayr
year1961
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141019
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Eine Magd wacht in der Nacht bei einem kranken Schwein

Derweil ich hier sitz und die Socken anstrick,
Reibt am Gitter den Rüssel die Sau.
Und ich setz mit der Strickarbeit manchesmal aus,
Zähl die Maschen, streck tastend die eine Hand aus,
Damit ich das arme Tier krau.

Aus den Trögen riecht säuerlich Kaspel und Kraut
Und ein Tier nutschelt leise im Traum.
Ein Käfer fliegt kreisend mit zartem Gebrumm
Nimmermüd um die rußende Lampe herum,
Draußen meldet ein Kauz auf dem Baum.

Auf dem Baum, der sich dunkel vom Himmel abhebt,
Der so blau und so sternenklar ist,
Daß man aufsteht und langsam die Türe aufmacht
Und hinaushört ins leuchtende Dunkel der Nacht
Und eine Zeitlang auf alles vergißt.

Wer wird, wenn ich einmal im Krankenbett lieg,
Bei mir wachen und reden mit mir?
Wer hält mir die kühlenden Tücher bereit,
Kocht den Tee, hitzt das Öl zu der richtigen Zeit,
Wenn ich einmal die Kräfte verlier?

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