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Gutenberg > Guido Zernatto >

18 Gedichte

Guido Zernatto: 18 Gedichte - Kapitel 11
Quellenangabe
typepoem
authorGuido Zernatto
title18 Gedichte
booktitle... kündet laut die Zeit
publisherStiasny Verlag
editorHans Brunmayr
year1961
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20141019
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Die Sonnenuhr

Die Sonnenuhr an unsrer Kirchenwand blieb stehen.
Es war im Sommer, früh am Nachmittag,
Vom Zaun her warfen die gespitzten Latten
Ins Zittrige der Schwüle ihre langen Schatten
Und auf dem Kreuze glänzte golden der Beschlag.

Der Zeiger aber, der wie eine Lanze ragte,
Hing frei ins Licht und schien nicht da zu sein.
Dort, wo die Ziffern auf den Stundenschatten harrten,
War nichts wie Licht und nur die zarten
Goldringe, die das Kreuz warf, zuckten hell im Schein.

Die Bauern waren auf den Feldern draußen.
Der Mesner schlief in seiner Stube unterm Turm.
Kein Mensch begriff. Nur meine Finger wiesen
Gespreizt vor Angst ins Nichts. Dann stießen
Winde ins Tal und gegen Abend kam der Sturm.

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