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Gedanken und Einfälle

Heinrich Heine: Gedanken und Einfälle - Kapitel 1
Quellenangabe
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typeaphorism
authorHeinrich Heine
booktitleLutetia ? Berichte über Politik, Kunst und Volksleben (Fortsetzung)
titleGedanken und Einfälle
publisherAufbau-Verlag
seriesHeines Werke in fünf Bänden
volume4
printrun13. Auflage
year1974
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090904
projectid9b515371
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I. Persönliches

Um meine Wiege spielten die letzten Mondlichter des achtzehnten und das erste Morgenrot des neunzehnten Jahrhunderts.

 

Die Mutter erzählt, sie habe während ihrer Schwangerschaft im fremden Garten einen Apfel hängen sehen, ihn aber nicht abbrechen wollen, damit ihr Kind kein Dieb werde. Mein Leben hindurch behielt ich ein geheimes Gelüste nach schönen Äpfeln, aber verbunden mit Respekt vor fremden Eigentum und Abscheu vor Diebstahl.

 

Ich habe die friedlichste Gesinnung. Meine Wünsche sind: eine bescheidene Hütte, ein Strohdach, aber ein gutes Beet, gutes Essen, Milch und Butter, sehr frisch, vor dem Fenster Blumen, vor der Tür einige schöne Bäume, und wenn der liebe Gott mich ganz glücklich machen will, läßt er mich die Freude erleben, daß an diesen Bäumen etwa sechs bis sieben meiner Feinde aufgehängt werden. Mit gerührtem Herzen werde ich ihnen vor ihrem Tode alle Unbill verzeihen, die sie mir im Leben zugefügt – Ja, man muß seinen Feinden verziehen, aber nicht früher, als bis sie gehenkt worden.

 

Ich bin nicht vindikativ – ich möchte gern meine Feinde lieben; aber ich kann sie nicht lieben, ehe ich mich an ihnen gerächt habe – dann erst öffnet sich ihnen mein Herz. Solange man sich nicht gerächt, bleibt immer eine Bitterkeit im Herzen zurück.

 

Daß ich Christ ward, ist die Schuld jener Sachsen, die bei Leipzig plötzlich umsattelten, oder Napoleon's, der doch nicht nötig hatte, nach Rußland zu gehen, oder seines Lehrers, der ihm zu Brienne Unterricht in der Geographie gab und ihm nicht gesagt hat, daß es zu Moskau im Winter sehr kalt ist.

 

Wenn Montalembert Minister wird und mich von Paris fortjagen wollte, würde ich katholisch werden – Paris vaut bien une messe!

 

Ich ließ mich nicht naturalisieren, aus Furcht, daß ich alsdann Frankreich weniger lieben würde, wie man für eine Maitresse kühler wird, sobald man bei der Mairie ihr legal angetraut worden. Ich werde mit Frankreich in wilder Ehe fortleben.

 

Mein Geist fühlt sich in Frankreich exiliert, in eine fremde Sprache verbannt.

 

Gott wird mir die Torheiten verzeihen, die ich über ihn vorgebracht, wie ich meinen Gegnern die Torheiten verzeihe, die sie gegen mich geschrieben, obgleich sie geistig so tief unter mir standen, wie ich unter dir stehe, o mein Gott!

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