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Zwei Menschen

Richard Dehmel: Zwei Menschen - Kapitel 44
Quellenangabe
typefiction
booktitleZwei Menschen
authorRichard Dehmel
firstpub1903
year1903
publisherSchuster & Loeffler
addressBerlin
titleZwei Menschen
created20050325
sendergerd.bouillon
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4.

Und es führt ein Wildsteg durch Farrenkraut bergan.
Über Moos und Felsen schlüpft hüpfend das Licht
und blitzt im Dickicht; fern ruft ein Kuckuk.
Und es sprudelt ein Wasser durch tiefen, tiefen Tann;
da sitzt ein nacktes Weib, das Kränze flicht,
Kränze um einen glitzernden Mann.
Der singsangt:

Vor der Nixe vom Rhein kniet der Kobold vom Rhin
und bringt schön bang seine Brautschätze dar:
blaue Blumen, die nur im Freien blühn,
Männertreu, Pferdefuß, Jungfer im Grün,
und zur Hochzeit ein stumm Musikantenpaar:
Unke, die munkelt nur,
Glühwurm karfunkelt nur:
Ellewelline, husch, tanze danach!
Ein Herr Eidechs hatte einmal zwei Frauen,
denen er sehr am Herzen lag:
eine, der gab er sein tiefstes Vertrauen,
darauf lief er der andern nach.
Ellewelline, tanz Serpentine,
schwarz ist die Nacht, und bunt ist der Tag!

Und der Kuckuk ruft, und der Bergquell sprudelt;
und das dunkle Weib bekränzt ihr schwarz Haar.
Und sie summt – und das Licht in der Welle strudelt
kühl und warm, wirr und klar –:

Ellewelline tanzt Serpentine,
o ja, Herr Eidechs, sonderbar!
Sie schwamm eines Nachts um den Nixenstein:
da konnt sie den ganzen Tag Kobolde frein,
Jeden Tag ein paar,
macht fast tausend im Jahr.
Aber ans Ufer kam einfach ein Mann:
der hatte blaue Schuh, blaue Himmelschuh an –
Amen!

Und der Kuckuk ruft, als fänd'er kein Ende;
da falten die zwei Menschen die Hände.

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