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Zwei Menschen

Richard Dehmel: Zwei Menschen - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
booktitleZwei Menschen
authorRichard Dehmel
firstpub1903
year1903
publisherSchuster & Loeffler
addressBerlin
titleZwei Menschen
created20050325
sendergerd.bouillon
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25.

Jeder Hauch stockt. Auf den Mooren
steht der Nebel wie angefroren,
ob auch fern der Himmel loht;
zwei Menschen schaun ins Abendrot.
Einsam hebt ein Birkenstämmchen
Aus dem bleichen Rauch sein Reisig;
in der Spitze zaudert eisig
noch ein Blättchen wie ein Flämmchen.
Und ein Weib bemerkt verloren:

Das steht nun da wie'n Waisenkind,
das weder Vater noch Mutter kennt,
von aller Heimat abgetrennt;
Stiefmutter Sonne stellt sich blind.
Und ob auch fern der Himmel brennt,
es sehnt sich nicht, es rührt sich kaum,
leidlos wie der Geist im Raum.

Jeder Hauch stockt, sie erschrickt:
von dem kahlen Birkenstämmchen
ist das letzte Blatt geknickt.
Zaudernd sinkt das fahle Flämmchen
in das rauchverhüllte Land.
Und ein Mann hebt Haupt und Hand:

Lea, du sollst dich nicht verstecken!
Ich seh aus deinem tiefen Schrecken,
wie dich der leere Raum bedrückt.
So will's der Geist; wenn nur drei Birken
das Grauen der Unendlichkeit bezirken,
dann ist das Auge schon beglückt.
Er will und kann nicht einsam sein:
er lebt davon, sich umzuschauen.
Drum sinne nicht zuviel in dich hinein!
Denn eine tiefe Unlust schläft im Grauen.

Jeder Hauch stockt. Rot und stumm
starrt der Himmel wie eingefroren
durch den Nebel aus den Mooren.
Zwei Menschen kehren langsam um.

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